Dr. Marco Bargel
Chefvolkswirt

Expertenausblick

Zins- und Börsenentwicklung im vierten Quartal 2016 – kein heißer Herbst in Aussicht

Geld zinsbringend anzulegen, ist derzeit keine leichte Aufgabe. Privatanleger suchen ebenso nach guten Gelegenheiten wie Banken und Versicherungen. Nach der letzten Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) blieben weitere Signale aus. 

Dank der starken Wirtschaft und der hohen Exportmengen liegt die Inflationsrate in Deutschland deutlich über dem EU-Durchschnitt. Deshalb ist die Niedrigzinspolitik der EZB problematisch für Sparer, Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Die niedrigen Zinsen sorgen für eine Entwertung Ihrer Ersparnisse, da sie unterhalb der hiesigen Inflationsrate liegen. Nach der letzten Leitzinssenkung durch die EZB sind bisher keine Anzeichen für weitere Zinsänderungen zu erkennen. Ich gehe davon aus, dass in der aktuellen Situation, die geldpolitischen Möglichkeiten zur Bekämpfung der niedrigen Inflation im Euroraum weit ausgeschöpft sind und an die Grenzen des Machbaren stoßen. Zusätzlich sehe ich ein erhebliches Risiko darin, dass weitere Zinssenkungen wirkungslos verpuffen und die Probleme, die mit einer anhaltenden Niedrigzinspolitik einhergehen, verschärfen könnten. Gleichzeitig trägt die Niedrigzinspolitik in der Eurozone langsam Früchte: Die Wirtschaft in den von Rezession und Stagnation geprägten Staaten zeigt erste Anzeichen für erneutes Wachstum. Die Inflationsrate im Euroraum steigt seit einiger Zeit verhalten, aber stetig an. Ich erwarte, dass dieser Trend anhält. Die EZB wird diese Entwicklung erst einmal beobachten. Allerdings wäre es für mich nicht überraschend, wenn die Europäische Zentralbank das Programm zum Aufkauf von Anleihen verlängern würde. Damit könnte der Versuch unternommen werden, die aus Sicht der Bank verhaltene Konjunktur anzukurbeln.

Der DAX – verhalten optimistisch

Der Sommer 2016 hat viel Aufregung in die Aktienmärkte gebracht. Das überraschende Votum für den Brexit in Großbritannien, der desolate Bankensektor in Italien sowie der gescheiterte Putsch in der Türkei haben die Anleger stark verunsichert. Der deutsche Aktienmarkt hat sich in dieser Zeit wacker geschlagen. Dafür sehe ich verschiedene Gründe. Die deutsche Wirtschaft ist dank der Exporte weiterhin stark, und die sinkenden Arbeitslosenzahlen kurbeln die Binnenkonjunktur an. Dazu macht der niedrige Leitzinssatz auch risikoreichere Anlagen attraktiv. Denn hier dürfen Sie mit vergleichsweise hohen Renditen rechnen. Das klassische Sparen ist durch die Niedrigzinspolitik unrentabel geworden. Ich rechne damit, dass die verhaltene Geschäftsentwicklung vieler Unternehmen im ersten Halbjahr nicht länger anhält. Der Schock des Brexit ist weitgehend überwunden, bisher aufgeschobene Investitionen werden nun getätigt. Das wird zu steigenden Aktienkursen führen. Allerdings müssen Sie als Anleger in den kommenden Monaten auch mit deutlichen Kursschwankungen rechnen. Denn aktuelle Entscheidungen über den EU-Austritt der Briten, weitere Probleme bei den italienischen Banken oder neue Spannungen in der Türkei können immer wieder zu kurzfristigen Kurseinbrüchen führen. Ingesamt weist die Prognose jedoch auf ein solides Kurswachstum hin. Der DAX30 wird sich in einem Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit bei rund 12.000 Punkten befinden. 

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