Research Kolumne

Aktuelle Marktberichte, Kommentare und Einschätzungen von Chefinvestmentstratege Dr. Marco Bargel

Volatile Seitwärtsbewegung bei Aktien erwartet

Dr. Marco Bargel, Chefinvestmentstratege der Postbank, Bonn, 30. September 2019

Sowohl die US-Notenbank als auch die Europäische Zentralbank haben die in sie gesetzten Erwartungen der Investoren insgesamt gesehen erfüllt und die Anleger griffen bei Aktien von DAX & Co. in den letzten Wochen wieder beherzt zu. Risiken wie die Handelskonflikte oder der Brexit traten in den Hintergrund. Die vier von uns analysierten Indizes griffen ihre bisherigen Jahreshöchststände an. Selbst der Anschlag auf eine saudi-arabische Erdölraffinerieanlage führte zu keiner nachhaltigen Verunsicherung der Investoren. Allerdings wurde zuletzt die Aufwärtsbewegung gestoppt und die erfolgreiche Überwindung der bisherigen Jahreshöchststände zumindest vorübergehend vertagt.


Wurde Anfang dieses Jahres noch ein Gewinnanstieg für den DAX auf aggregierter Basis von gut zehn Prozent für 2019 im Vergleich zu 2018 erwartet, steht in dieser Rechnung für den deutschen Leitindex aktuell ein Gewinnrückgang von 2,7% zu Buche. Somit droht dem DAX der zweite Gewinnrückgang im Vergleich zum Vorjahr in Folge. Hier wird deutlich, dass die konjunkturelle Schwäche resultierend aus den Handelskonflikten schon seit geraumer Zeit in den Firmenbilanzen der deutschen Großkonzerne ihre Spuren hinterlassen hat. Ihre Exportabhängigkeit ist aktuell ihr Malus. Die zweite Reihe, die im MDAX gelistet ist, konnte in 2018 mit einem Gewinnanstieg von nahezu zehn Prozent einen Gewinnrückgang noch klar vermeiden. Für 2019 sind allerdings wie beim großen Bruder die Gewinnerwartungen deutlich gesunken und auch beim MDAX liegt die Prognose mit -1,8% aktuell im negativen Bereich. Deutschland ist mit den negativen Gewinnrevisionen allerdings nicht die Ausnahme. Auch für in S&P 500, Euro Stoxx 50 und Topix gelistete Unternehmen haben zahlreiche Einzelwertanalysten in den letzten Monaten meist die Gewinnprognosen reduziert. Für das laufende Fiskaljahr liegen die aggregierten Erwartungen mit +2,4%, +2,0% sowie +3,7% aber noch im positiven Bereich.


Auf Basis der Kurs-Gewinn-Verhältnisse für die erwarteten 2019er Gewinne kann nur noch der Topix mit einem KGV von 13,6 als fair bewertet bezeichnet werden. Denn es entspricht seinem langfristigen Median von 13,7. DAX und Euro Stoxx 50  überschreiten mit einem KGV von jeweils 14, ihren Median jeweils um gut zwei Punkte und beim S&P 500 beträgt der Aufschlag bei einem KGV von 18,3 sogar drei Zähler.


Beim Blick auf diese Zahlen drängt sich die Frage auf, woher die Investoren aktuell den Mut nehmen, um in Aktien zu investieren. Nach unserer Ansicht liegt die Ant-wort in einem Mix aus „TINA“ (There Is No Alternative) und den für das kommende Jahr erwarteten Gewinnzuwächsen von 14,6% für den DAX, 10,9% für den Euro Stoxx 50, 10,1% für den S&P 500 sowie 5,9% für den Topix. Sollten die Einzelwertanalysten ihre Gewinnerwartungen weiter reduzieren, dürfte die Luft an den Börsen zunehmend dünner werden, vor allem, da sich momentan keine rasche Lösungen der diversen (geo-)politischen Risiken abzeichnen. Nach unserer Einschätzung dürften die vier Leitindizes daher in einem ausgeprägten volatilen Seitwärtstrend gefangen bleiben und auf Jahressicht im Bereich ihrer aktuellen Niveaus notieren.

Dr. Marco Bargel ist seit 2004 Chefinvestmentstratege der Postbank. Nach Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion an der Universität Freiburg war er zunächst bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau tätig. Danach folgte eine mehrjährige Tätigkeit als Chefvolkswirt bei der DePfa Deutsche Pfandbriefbank. Analysen und Prognosen zu Konjunktur, Geldpolitik und Kapitalmärkten bilden ebenso einen Schwerpunkt seiner Arbeit, wie Stellungnahmen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

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