Research Kolumne

Aktuelle Marktberichte, Kommentare und Einschätzungen von Chefinvestmentstratege Dr. Marco Bargel

Aktieninvestoren agieren zunehmend pessimistischer

Dr. Marco Bargel, Chefinvestmentstratege der Postbank, Bonn, 19. August 2019

Der Blick auf die Kursentwicklungen von DAX und Euro Stoxx 50 zeigt, dass beide Indizes in den letzten Wochen deutlich zur Schwäche neigen. Ihr bisheriges Jahreshoch erreichten die Leitindizes am 4. Juli und zu diesem Zeitpunkt wiesen beide eine sehr gute Performance für das laufende Jahr auf. Im Vergleich zu ihren Schlussständen zum Jahreswechsel 2018/19 lagen DAX und Euro Stoxx 50 19,6% bzw. 18,1% vorne. Bis dahin konnten weder Handelskonflikte noch Brexit-Geplänkel oder Konjunktursorgen die Stimmung der Investoren für längere Zeit trüben. Dies hat sich in den folgenden Wochen augenscheinlich geändert. Von ihren Jahreshöchstständen haben sich die Indizes inzwischen um 9,6% (DAX) bzw. 7,4% (Euro Stoxx 50) entfernt.


Die Risikowahrnehmung vieler Investoren hat sich im Vergleich zum 1. Halbjahr grundlegend verändert. Während damals die Risiken zwar alle schon bekannt waren, ließen sich viele Anleger von ihnen nicht verunsichern. Die Hoffnung, dass alles gut ausgehen werde, überwog. Sie trugen buchstäblich eine rosarote Brille. Aktuell reagieren sie dagegen sensibel auf alle negativen Nachrichten und positive Meldungen hinterlassen nur zeitweilig einen Nachhall in den Börsensälen. Konjunktursorgen dominieren momentan das Bild. Gewinnwarnungen zahlreicher namhafter europäischer Konzerne, die weiterhin ungelösten Handelskonflikte der USA mit China oder der EU und ein möglicher No-Deal-Brexit verunsichern viele Investoren. Die Nervosität ist auch an der Entwicklung der Volatilitätsindizes seit Anfang Juli klar erkennbar. Das Angstbarometer für den DAX ist in diesem Zeitraum deutlich von 12,7 auf 24,0 Punkte angesprungen. Beim entsprechenden Pendant für den Euro Stoxx 50 war der Anstieg von 11,8 auf 22,5 Zähler vergleichbar kräftig.


Nach unserer Einschätzung dürfte kurzfristig die zurückhaltende Einstellung der Investoren andauern. Denn weder eine Beilegung der Handelskonflikte, noch ein Deal-Brexit scheinen rasch erreichbar zu sein. Auch das lange Warten auf die Fed bleibt ein beherrschendes Thema. Eskaliert der Aktienmarkt-Schock noch weiter, werden „emergency meetings“ wahrscheinlicher, eventuell reicht auch eine deutliche Kommunikation von Fed und EZB zur potenziellen Unterstützung der Konjunktur bzw. der Finanzmärkte. Außerdem haben Donald Trump und Boris Johnson auch das Potenzial für hoffentlich positive Überraschungen. Daher erwarten wir kurzfristig eine Fortsetzung dieser nervösen Schaukelbörse. Sollte es Ende Oktober zu einem No-Deal-Brexit kommen, besteht sogar das Risiko, dass die Notierungen noch etwas nachgeben. Die insgesamt noch moderaten Bewertungen von DAX und Euro Stoxx 50 gemessen an ihren Kurs-Gewinn-Verhältnissen für die kommenden zwölf Monate sollten das Kursrisiko aber begrenzen.


Langfristig bleiben wir allerdings optimistisch für Aktien gestimmt und erwarten DAX und Euro Stoxx 50 auf Jahressicht im Bereich von 12.300 bzw. 3.450 Punkten.

Dr. Marco Bargel ist seit 2004 Chefinvestmentstratege der Postbank. Nach Studium der Volkswirtschaftslehre und Promotion an der Universität Freiburg war er zunächst bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau tätig. Danach folgte eine mehrjährige Tätigkeit als Chefvolkswirt bei der DePfa Deutsche Pfandbriefbank. Analysen und Prognosen zu Konjunktur, Geldpolitik und Kapitalmärkten bilden ebenso einen Schwerpunkt seiner Arbeit, wie Stellungnahmen zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen.

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