Werden in Deutschland bald alle 1- und 2-Cent-Münzen abgeschafft?

In Zukunft könnte es leer werden in Ihrem Portemonnaie: Grund ist der Vorschlag von Grünen-Politikern, 1- und 2-Cent-Münzen aus dem deutschen Bezahlsystem zu verbannen. Zu schwer, zu teuer und schlichtweg altertümlich – so lautet meist die Argumentation der großen Gegner kleiner Münzen. Ob sich auch in Deutschland die Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen durchsetzen wird, erfahren Sie hier.

Wenn Geld zu viel kostet: das Minusgeschäft mit dem Kupfergeld

Der Wunsch nach der Abschaffung von 1- und 2-Cent-Münzen kommt nicht von ungefähr – die Stimmen, die eine Anpassung der Preise fordern, um Verbraucher und ihre Geldbeutel zu entlasten, werden lauter. Die Gründe hierfür sind vielfältig:

  • Kostspielige Produktion: Durchschnittlich geht man davon aus, dass die Produktion einer 1-Cent-Münze 1,6 Cent kostet und damit wesentlich über dem eigentlichen Produktwert liegt. Da sie so oft verloren gehen, müssen sie außerdem ständig nachproduziert werden.
  • Nicht überall akzeptiert: An einigen Park- oder Fahrkartenautomaten werden 1- und 2-Cent-Münzen aufgrund ihres geringen Wertes nicht mehr akzeptiert.
  • Unpraktisch und schwer: Wer an der Kasse ungerade Centbeträge passend zahlen möchte, muss dafür oft etwas tiefer im Portemonnaie kramen – das kann mitunter länger dauern und für Unmut sorgen. Gleichzeitig werden die Münzfächer von Geldbeuteln immer kleiner, sodass sie schneller voll sind – vom Gewicht der Münzen einmal abgesehen.

Viele Gegner sind der Meinung, dass das Kleingeld schlichtweg nicht mehr zeitgemäß ist, da Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis zueinander stehen. Und auch das Runden der Beträge macht ihnen keine Sorgen: Schließlich werden Beträge um höchsten vier Cent auf- bzw. abgerundet. Ob einzelne Produktpreise abgerundet werden oder doch an der Kasse nur der Endbetrag zählt, ist außerdem noch nicht final geklärt.

Warum sind uns Deutschen die 1- und 2-Cent-Münzen so teuer?

„Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert“ – so ähnlich begründen viele Deutsche den Wunsch, 1- und 2-Cent-Münzen weiterhin im Geldbeutel und somit im Bezahlsystem zu behalten. Stolze 57 Prozent aller Befragten einer Umfrage der Deutschen Bundesbank erklärten, sie nutzten Kupfergeld regelmäßig zum Bezahlen. Selbst der Präsident der Deutschen Bundesbank spricht sich für die weitere Nutzung der kleinen Münzen aus.
Doch welche Nachteile würde eine Abschaffung der Münzen mit sich bringen?

  • Aufrunden kann teuer werden: Viele Konsumenten befürchten, dass sie am Ende mehr zahlen müssen, da Hersteller die Preise aufrunden werden.
  • Wettbewerb bei Strom und Benzin: So sind beispielsweise die Preise von Benzin und Strom auf die (krumme) Nachkommastelle genau kalkuliert – möchten sich Wettbewerber nun unterbieten, sind die Sprünge wesentlich höher. Auch das kann einen Anstieg der Preise zur Folge haben.
  • Einbußen bei Spendenboxen und Co.: Die von Hilfsorganisationen an Kassen aufgestellten Sparbüchsen strahlen uns jedes Mal aufs Neue kupfern entgegen – ohne 1- und 2-Cent-Münzen sehen sie vermutlich ziemlich bald ziemlich leer aus.

Zu diesen Gründen gesellt sich in Deutschland ein großes Traditionsbewusstsein – bereits zu D-Mark-Zeiten wurden kleinere Beträge problemlos mit Pfennigen bezahlt. Aus dem Portemonnaie sind sie deshalb kaum wegzudenken. Zusätzlich dazu besteht besonders in Deutschland die Angst vor einer zunehmenden Digitalisierung des Bezahlvorgangs – ganze 67 Prozent der Befragten einer Umfrage aus dem Jahr 2016 fänden eine komplette Umstellung auf elektronische Zahlungsmethoden „schlecht“. Viele sehen die Abschaffung von Kupfergeld als ersten Schritt in Richtung der kompletten Abschaffung von Bargeld.

Tipp

Einer Untersuchung der Saarbrücker Zeitung zufolge liegen in deutschen Haushalten rund 15 Milliarden 1- und 2-Cent-Münzen in Schubladen und Sparschweinchen – das entspricht einer Summe von stattlichen 220 Millionen Euro! Deshalb empfehlen wir Ihnen, gesammeltes Kleingeld regelmäßig in Ihrer Postbank-Filiale oder am Cash Recycler gebührenfrei auf Ihr Konto einzuzahlen.

Diese Länder in Europa verzichten auf 1- und 2-Cent-Münzen

Aktuell werden in den Niederlanden, Ungarn, Schweden, Dänemark, Belgien, Irland und Finnland 1- und 2-Cent-Münzen nur noch in geringeren Maßen produziert und die Preise entsprechend angepasst. Das Runden geschieht hier allerdings ausschließlich beim Barzahlen: Bei Zahlung mit EC- oder Kreditkarte wird centgenau abgerechnet.
In Irland wird seit Oktober 2018 auf Fünferbeträge auf- und abgerundet. Auch hier waren die Produktionskosten sowie der geringe Nutzen der Kupfermünzen ausschlaggebend.
Einen Sonderstatus hat Finnland: Bei der Einführung des Euro 2002 wurden die 1- und 2-Cent-Münzen gar nicht erst in großen Mengen hergestellt, da sie im alltäglichen Bezahlvorgang keine Rolle spielten – aufgrund ihres geringen Wertes. Inzwischen sind sie nur noch für Sammler interessant, bei Einzelhändlern landen sie sogar regelmäßig im Müll.
Das Fazit all dieser Staaten: Niemand vermisst das Kupfergeld! Bezahlvorgänge wurden beschleunigt und Preisauszeichnungen vereinfacht. Kunden, die nach wie vor mit 1- und 2-Cent-Münzen zahlen möchten, können dies übrigens nach wie vor tun: Schließlich sind die Münzen immer noch ein offizielles Zahlungsmittel im Euro-Raum.

Könnten wir komplett auf Münzgeld verzichten?

Von heute auf morgen keine Münzen mehr im Portemonnaie – geht das? Die Antwort lautet ganz klar: Nein! Unsere Bezahlsysteme, Preise und Gewohnheiten müssten auf jeden Fall grundlegend überarbeitet werden, bevor wir auf Münzen verzichten könnten. Eine Umstellung könnte allerdings Schritt für Schritt erfolgreich sein, wie am Beispiel der USA zu sehen ist: Hier werden hauptsächlich Scheine zum Zahlen genutzt. Münzen erhält man zwar als Rückgeld, einen Betrag an der Kasse jedoch in Münzen zu zahlen, ist relativ unüblich. Kleingeld findet hauptsächlich an Automaten und Telefonzellen Anwendung.

Während wir also nicht all unsere Münzen direkt entsorgen sollten, wie es die Finnen tun, ist eine Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen generell eine denkbare Alternative – unter anderem, da die Machbarkeit durch andere Staaten Europas bewiesen wurde. Das Thema wird seit 2013 in Deutschland immer wieder zur Sprache gebracht – solange aber die Deutschen dermaßen an den kleinen Kupfermünzen hängen, ist eine Abschaffung der 1- und 2-Cent-Münzen aktuell recht unwahrscheinlich.

Tipp

Wussten Sie’s? Bei einem einzelnen Bezahlvorgang müssen Händler nicht mehr als 50 einzelne Münzen annehmen.