5G: Licht & Schatten der Mobilfunk-Zukunft

Nutzung und Ausbau des mobilen Internets entwickeln sich in den letzten Jahren rasant. Ob Musik-Streaming beim Joggen, YouTube in der S-Bahn oder Navigation per Google Maps – all das ist für Handynutzer mittlerweile alltäglich geworden. Laut einer VATM-Studie liegt der durchschnittliche mobile Datenverbrauch derzeit bei 1,6 GB pro Nutzer und Monat – Tendenz stark steigend! Aus diesem Grund steht mit 5G die Zukunft des mobilen Internets schon in den Startlöchern.

Was kann die Zugangstechnologie 5G?

Die 5. Generation des mobilen Internets (5G) soll schon in wenigen Jahren den derzeitigen LTE-Standard ablösen. Was dann technisch möglich ist, könnte auch einem Science-Fiction-Film entstammen: 5G ist in etwa 10-mal schneller als LTE und verspricht Datenraten von bis zu 10.000 Mbit/s. Damit wäre beispielsweise der Download eines DVD-Films in unter vier Sekunden möglich. Zudem verspricht 5G einen deutlich geringeren Stromverbrauch, Handyakkus müssten tagelang nicht mehr an die Steckdose. Auch bei Empfang und Zuverlässigkeit spielt 5G in einer eigenen Liga – selbst auf längeren Strecken wären theoretisch keine Verbindungsabbrüche mehr zu beklagen.

Doch bis die schöne neue Internet-Welt auf dem Smartphone einzieht, könnte es noch ein wenig dauern. Ein Grund dafür ist ein schwelender Konflikt zwischen der Bundesnetzagentur und den Mobilfunkanbietern.

5G-Lizenzvergabe birgt Konfliktpotenzial

Die Bundesnetzagentur verknüpft die Versteigerung der 5G-Lizenzen an strenge Bedingungen, mit denen die Mobilfunkanbieter nicht unbedingt einverstanden sind. Ein Knackpunkt ist die enthaltene Forderung nach einer flächendeckenden 5G-Abdeckung in Deutschland: Bis 2022 soll diese bei 98 Prozent liegen. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, müssten Anbieter allerdings Milliarden-Investitionen vornehmen. Das können gerade kleinere Betreiber aber nicht alleine leisten, lediglich mit Unterstützung der großen Anbieter Telekom, Vodafone und Telefónica (O2).

Doch selbst für die „Big Player“ des Mobilfunkmarktes würde ein flächendeckender Ausbau eine große Herausforderung bedeuten. Aus diesem Grund fordert die Bundesnetzagentur zunächst nur die Errichtung von 500 neuen 5G-Masten. Diese realtiv geringe Zahl wäre für ein verbreitetes 5G-Netz aber eher kontraproduktiv. Kritiker befürchten deshalb, dass der Deutschland umspannende 5G-Teppich ein löchriges Konstrukt werden könnte.

Deutschland versinkt bei Netzabdeckung im Mittelmaß

Bereits beim 4G-Netz ist die deutschlandweite Abdeckung nicht optimal. Vor allem in ländlichen Regionen gibt es noch viele weiße Flecke auf der Datenkarte. Interessant sind auch die regionalen Unterschiede in der Downloadgeschwindigkeit: Während westdeutsche Städte wie Düsseldorf, Köln und Frankfurt am Main mit über 60 Megabit/s durch das World Wide Web surfen, schaffen es Rostock und Dresden in Ostdeutschland durchschnittlich nur auf knapp über 40 Megabit/s.

Kaum zu glauben: Mit dieser digitalen Infrastruktur belegt Deutschland als eine der führenden Industrienationen nur einen äußerst mittelmäßigen 25. Rang im weltweiten Vergleich. Besonders prekär ist die Tatsache, dass Deutschland bei europaweiten LTE-Geschwindigkeitsmessungen sogar nur auf einem hinteren Platz landet – nur Russland, Polen und Georgien weisen schlechtere Werte auf. Das ist nicht nur für Privatanwender ein Ärgernis, sondern sorgt auch dafür, dass Deutschland als Wirtschaftsstandort unattraktiv wird – beispielsweise für die Industrie 4.0.

Die Bundesregierung möchte dieses Problem angehen und fördert den Ausbau von Gigabit-Netzen in Deutschland aktuell mit 30 Millionen Euro.

Telekom verspricht hohe Netzabdeckung bei 5G

Auch die Telekom will den Netzausbau in Deutschland vorantreiben und sagt zu, bis zum Jahr 2025 gut 99 Prozent der Bevölkerung mit 5G zu versorgen. Dafür will das Unternehmen 5,5 Milliarden Euro pro Jahr in die Netze der Zukunft investieren und außerdem mit Telefónica kooperieren, um bei der digitalen Infrastruktur Synergien nutzen zu können.

Auch Vodafone arbeitet fieberhaft am Projekt „Netzabdeckung“ und plant in diesem Zug einen Zusammenschluss mit Unitymedia. Dieser soll Mitte 2019 stattfinden, sofern die Wettbewerbshüter grünes Licht dafür geben. Künftig wäre es Vodafone und Unitymedia dann möglich, die bislang autarken Netze zusammenzulegen und so bis 2022 mehr als 50 Millionen Haushalte mit einem schnellen Internetanschluss zu versorgen.

Im Frühjahr 2019 steht in Deutschland dann die Versteigerung der 5G-Lizenzen an. Kurz darauf werden 5G-fähige Endgeräte wie Tablets und Smartphones am Markt erscheinen und Erfindungen wie das autonome Fahren und das Internet der Dinge unser Leben wieder einmal verändern. Die rasanten Übertragungsraten machen dann eine völlig selbstverständliche Nutzung des „Internet of Things“ möglich – inklusive Vernetzung von Heizungen, Kühlschränken und jeglicher Form von Unterhaltungselektronik nebst Virtual Reality. Auch in der Automobilindustrie dürfte das 5G-Netz die Entwicklung von selbstfahrenden Kraftfahrzeugen enorm vorantreiben. Schlussendlich profitiert die Industrie: Forschung, Fertigung und Qualitätssicherung werden dank 5G extrem effizient, computergestützte Prozesse erreichen bislang undenkbare Geschwindigkeiten und werden an Präzision noch weiter zunehmen.

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