ver.di vs. Amazon: alle Infos zum aktuellen Streik

Alle Jahre wieder ruft die Gewerkschaft ver.di zu Streiks beim Onlineriesen Amazon auf. Bereits 2016 und 2017 kam es zu Arbeitsniederlegungen in den deutschen Logistikzentren Rheinberg und Werne. Auch das aktuelle Weihnachtsgeschäft ist vom Tarifstreit zwischen Amazon und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft überschattet. Doch welche Forderungen will ver.di genau durchsetzen? Und hat der Streik Auswirkungen auf die pünktliche Paketzustellung? Wir haben die Sachlage analysiert …

Amazon als umsatzstarker „Online-Weihnachtsmann“

Millionen Deutsche shoppen ihre Weihnachtsgeschenke mittlerweile online. Kein Wunder – denn die bequeme Bestellung am heimischen Computer kann mitunter stressfreier sein als eine Einkaufstour durch überfüllte Innenstädte. Amazon kennt seinen Status mittlerweile genau und kalkuliert im Jahr 2018 mit einem satten Umsatzplus von 20 Prozent im laufenden Weihnachtsgeschäft. Das Unternehmen gibt sich dabei redlich Mühe, alle Kundenwünsche pünktlich zu erfüllen. Das aber ist ein logistischer Kraftakt: Schon im Jahr 2016 stellte Amazon in Deutschland 13.000 Saisonarbeiter ein, die in der Vorweihnachtszeit Millionen zusätzlicher Pakete auf den Weg brachten. Ein sicherlich stressiger Job, schließlich werden an einem einzigen Tag über fünf Millionen Produkte über die deutsche Webseite des Onlinehändlers verkauft. Besonders gefragte Artikel sind Smartphones, Spielekonsolen und Computer.

Wie schon zuvor wird ver.di auch 2018 in der umsatzstärksten Zeit des Jahres aktiv und ruft zu Arbeitsniederlegungen in den großen Amazon-Verteilerzentren auf. Der Standort Leipzig soll bis Heiligabend bestreikt werden, in Werne und Rheinberg legten Beschäftigte ebenfalls die Arbeit nieder.

Amazon: Logistikunternehmen oder Versandhändler?

Stein des Anstoßes ist seit langer Zeit die Frage, ob Amazon nun ein reines Logistikunternehmen sei oder vielmehr als Versandhändler einzustufen ist. Die Einordnung hat wesentlichen Einfluss auf die Höhe der gezahlten Löhne bzw. auf die Höhe des Weihnachtsgeldes.

Amazon selbst sieht sich als Logistikunternehmen und zahlt seinen Angestellten deshalb die in der Branche üblichen Gehälter. Nach Konzernaussagen liegt das Einstiegsgehalt bei derzeit 10,78 Euro brutto pro Stunde. Nach längerer Betriebszugehörigkeit verdiene man durchschnittlich 2.397 Euro brutto pro Monat. Die zusätzliche Weihnachtsgratifikation belaufe sich auf ungefähr 400 Euro.

Diese Gehälter sieht ver.di im Vergleich zum Amazon-Umsatz durchaus skeptisch und fordert eine Vergütung nach Versandhandelstarif. Nach diesem bekämen Fachkräfte für Lagerlogistik bis zu 2.500 Euro brutto im Monat. Das Weihnachtsgeld läge laut Tarifvereinbarung bei 62,5 Prozent des persönlichen Monatsgehalts – in diesem Fall also bei 1.562,50 Euro. Amazon wehrt sich gegen die Forderung neuer Gehaltsstrukturen und pocht auf seinen Status als Logistiker.

Amazon-Streik: Kommt mein Weihnachtsgeschenk pünktlich?

Auch 2018 wird es für ver.di wahrscheinlich schwierig, die Forderungen nach höheren Gehältern durchzusetzen. Das liegt u. a. auch daran, dass an den bestreikten Amazon-Standorten längst nicht alle Beschäftigten ihre Arbeit niederlegen. In einem Statement des US-Riesen ist zu lesen, dass insgesamt bisher „weniger als 350 Mitarbeiter“ dem Streikaufruf gefolgt seien.

Aus diesem Grund sieht sich Amazon auch weiterhin in der Lage, alle bis zum 20. Dezember bestellten Produkte pünktlich bis Weihnachten ausliefern zu können – solange diese bevorratet seien. Durch die dezentrale Unternehmensstruktur ist Amazon außerdem in der Lage, Onlinebestellungen über einen anderen Standort in Deutschland abzuwickeln. Doch ein Restrisiko für Amazon-Shopper bleibt, denn ver.di behält sich vor, die Streiks noch vor Weihnachten auszuweiten. Da wäre es vielleicht eine Überlegung wert, die Weihnachtseinkäufe doch im lokalen Einzelhandel zu erledigen – inklusive anschließendem Entspannungsbummel über den Weihnachtsmarkt.

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