Der Bauantrag – das Wichtigste zum Genehmigungsverfahren

Wer sich den Traum vom eigenen Haus oder auch nur einer neuen Garage erfüllen möchte, muss – sofern die Baumaßnahme nicht genehmigungsfrei ist – vorher meist einen umfangreichen Bauantrag einreichen. Dies regeln die Bauordnungen der einzelnen Bundesländer. Bei Ihrem nächsten Projekt ist ein Bauantrag erforderlich? Hier erfahren Sie, was es von der Beantragung bis zur Genehmigung zu beachten gilt.

Wozu dient der Bauantrag?

Wenn Sie den Bauantrag stellen, erhält die Gemeinde alle Unterlagen, die benötigt werden, um das Bauvorhaben zu prüfen und zu archivieren. Ob für Ihr individuelles Vorhaben eine Antragstellung überhaupt notwendig ist, hängt vom jeweiligen Bundesland, der Größe des Vorhabens und dem örtlichen Bebauungsplan ab. Den Bauantrag stellen Sie in dreifacher Ausfertigung, die Behörde erwartet grüne, gelbe und rote Antragsmappen. Am Ende des Verfahrens erhalten Sie eine Mappe zurück, eine ist für die Unterlagen der Bauaufsichtsbehörde bestimmt und eine verbleibt in der Gemeindeverwaltung.

Wer darf einen Bauantrag stellen?

Die vollständigen Unterlagen für den Bauantrag dürfen Sie als Bauherr selbst an die zuständige Stelle senden oder persönlich im Bauamt abgeben. Allerdings muss der Antrag zwingend von einem Bauvorlageberechtigten unterzeichnet sein, der die Verantwortung als Planfertiger oder Objektplaner trägt. Dazu berechtigt sind bundesweit Architekten sowie Bauingenieure, die in die Liste der Bauvorlageberechtigten der Ingenieurskammer eingetragen sind.

Tipp

In einigen Bundesländern dürfen Bauanträge für kleinere Vorhaben auch von Handwerksmeistern, Innenarchitekten und Ingenieuren, die nicht in der Liste der Vorlageberechtigten geführt werden, unterzeichnet werden. Informieren Sie sich hier im Vorfeld beim entsprechenden Bauamt!

Bauantrag stellen – diese Unterlagen benötigen Sie

Damit der Bauantrag zügig bearbeitet werden kann, ist es wichtig, alle erforderlichen Dokumente einzureichen. Das sind:

  • das ausgefüllte Antragsformular
  • der Lageplan und der Freiflächenplan (diese Unterlagen finden Sie bei den Kaufunterlagen Ihrer Immobilie oder Sie erhalten sie beim Katasteramt)
  • die Baubeschreibung und die Bauzeichnungen im Maßstab 1:100, die der Architekt oder ein anderer Bauvorlageberechtigter erstellt hat
  • unter Umständen weitere Unterlagen wie beispielsweise
    • eine Baumbestandserklärung
    • eine Abstandsflächenübernahmeerklärung
    • ein Abweichungsantrag
  • die Unterschrift des Bauvorlageberechtigten

Bei der persönlichen Antragsabgabe prüfen die Mitarbeiter im Amt direkt die Vollständigkeit der Unterlagen. Fehlende Dokumente können Sie innerhalb einer bestimmten Frist nachreichen. Viele Bauämter unterhalten mittlerweile ein Antragsportal: Mit der Eingangsbestätigung erhalten Sie dann einen Zugangscode und können sich ganz bequem jederzeit über den Stand der Bearbeitung online informieren. Teilweise können auch fehlende Unterlagen über das Serviceportal nachträglich hochgeladen werden. Ganze Bauanträge über ein Portal zu stellen, ist bisher jedoch noch nicht möglich.

Welcher Bauantrag ist der richtige?

Es ist sehr empfehlenswert, sich vor der Antragstellung im Bauamt oder von einem Fachmann beraten zu lassen. Denn neben komplett genehmigungsfreien Bauvorhaben gibt es Vorhaben, die zwar keiner Genehmigung bedürfen, aber einer Prüfpflicht unterliegen. Sie sind sich unsicher, welche Unterlagen wirklich benötigt werden? Hier hilft ein Bauvorantrag.

Was ist ein Bauvorantrag?

Mit einem Bauvorantrag ist ein sogenanntes kleines Genehmigungsverfahren verbunden. Hier erfahren Sie, ob ein Grundstück grundsätzlich bebaut werden darf und welche besonderen Vorschriften gelten. Zudem erhalten Sie Informationen über die nötigen Anträge. Wenn Sie später einen echten Bauantrag stellen, darf die Baugenehmigung inhaltlich nicht von den Ergebnissen der Voranfrage abweichen – der Bauvorantrag ist dann verbindlich.

Tipp

Stellen Sie einen Bauvorantrag, wenn Sie ein unbebautes Grundstück erwerben oder die vorhandene Bebauung stark verändern möchten.

Wie lange dauert die Antragsbearbeitung?

Es ist wichtig, ausreichend Zeit für den Bauantrag einzukalkulieren. Von der Antragsannahme bis zum Bescheid vergehen nicht selten bis zu vier Monate. Bevor das Antragsverfahren abgeschlossen ist und die Baugenehmigung vorliegt, dürfen keinerlei Arbeiten begonnen werden. Um die Bearbeitungszeit nicht unnötig zu verlängern und die Kosten für die Baubeschreibung und die Zeichnungen nicht in die Höhe zu treiben, ist es wichtig, dass der Bauantrag vollständig und richtig eingereicht wird.

Was kostet es, einen Bauantrag zu stellen?

Die Kosten für den Bauantrag setzen sich aus zwei Positionen zusammen: den Gebühren für das amtliche Genehmigungsverfahren und den Kosten für den Bauvorlageberechtigten, der die Zeichnungen und Pläne erstellt. Die Gebühren für den Bauantrag sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich hoch. Sie können mit folgenden Kosten rechnen:

  • Die Baugenehmigung kostet etwa 0,5 Prozent der Bausumme.
  • Die Mindestgebühr liegt je nach Behörde bei 100 Euro bis 200 Euro.
  • Je umfangreicher das Bauvorhaben und je mehr Anträge und Pläne zu bearbeiten sind (z. B. Zufahrt oder nötige Baumfällung), desto höher sind die Kosten.
  • Das Honorar aller am Bauantrag Beteiligten (Architekt/Bauvorlageberechtigte) beträgt ca. 10% der Bausumme.

Sämtliche Kosten für den Bauantrag sind unabhängig vom Erfolg fällig. Selbst wenn Sie keine Baugenehmigung erhalten, müssen Sie zahlen.

Tipp

Wurde Ihr Bauantrag genehmigt, müssen Sie innerhalb einer bestimmten Frist mit dem Bau beginnen und dürfen die Arbeiten nicht zu lange unterbrechen. Beantragen Sie bei Bedarf rechtzeitig eine Fristverlängerung.

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