Projekt 2025: Die Autobranche im Wandel

Dieselaffäre, Diskussionen über Spritpreise und eine höhere Kfz-Steuer aufgrund der Einführung neuer Abgasprüfverfahren: Autofahrer in Deutschland haben es derzeit nicht leicht. Die viel beschworene Alternative zum altehrwürdigen Verbrennungsmotor lautet Elektromobilität, doch der Absatz umweltfreundlicher Fahrzeugtechnik hält sich – zumindest in Deutschland – noch in Grenzen. Hier erfahren Sie, warum das so ist, und erhalten einen Ausblick darauf, wie sich der Automobilmarkt in den nächsten 20 Jahren verändern könnte.

Aktuelle Debatten und Beschlüsse frustrieren Autofahrer

Das Automobil ist und bleibt ein wichtiges Besitztum: Laut Kraftfahrtbundesamt waren im Januar 2018 in Deutschland rund 63,7 Millionen Fahrzeuge zugelassen – Tendenz steigend. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn das Auto verspricht maximale Mobilität für die Fahrt zur Arbeitsstelle oder die Urlaubsreise mit der Familie. Fakt ist allerdings: Autofahren wird zunehmend teurer. Das liegt unter anderem an der Entwicklung der Benzinpreise, die sich seit Anfang der 70er-Jahre von 68 Pfennig auf 1,43 Euro vervierfacht haben. Auch für den – mittlerweile umstrittenen – Dieseltreibstoff müssen Autofahrer in Deutschland tiefer in die Tasche greifen: Kostete der Liter Diesel im Jahr 1986 noch rund eine D-Mark, liegt der Durchschnittspreis heute bei 1,23 Euro, wie Statista vorrechnet.

In naher Zukunft könnte der Spritpreis an der Zwei-Euro-Marke kratzen, denn im Bundesumweltministerium kursieren Pläne, die Besteuerung von Mineralöl „nachzujustieren“ und die höheren Einnahmen in den Straßenbau zu stecken. Die Einnahmen der geplanten Pkw-Maut zum Jahreswechsel 2019/2020 sowie die bereits existierende Lkw-Maut werden demselben Zweck zugeführt.

Schlussendlich sorgen aktuelle Beschlüsse und Diskussionen für weiteren Verdruss: Zum einen geht es um drohende Fahrverbote für Diesel-Pkw unterhalb der Euronorm 6, zum anderen führt eine Novellierung der Kfz-Steuer-Berechnung zu höheren Abgaben. Der Grund dafür ist, dass seit September 2018 der CO2-Wert in der Berechnungsformel nach der aktuellen WLTP-Methode (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) ermittelt wird. Diese Werte, die sich näher am alltäglichen Fahrverhalten orientieren und den Verbrauch realistischer ermitteln sollen, fallen zum Teil höher aus als die der bislang üblichen Messung nach NEFZ.

Bringt die Elektromobilität die endgültige Wende?

Aufgrund all dieser Herausforderungen scheint es fast so, als sei die Zeit der Verbrennungsmotoren vorbei. Tatsächlich investiert die Automobilindustrie weltweit Milliarden in die Forschung nach umweltfreundlichen und effizienten Alternativen zu Benzin und Diesel. Doch obwohl die ersten Ergebnisse beeindrucken, zeigen sich deutsche Verbraucher noch zurückhaltend. Im ersten Halbjahr 2018 wurden in der Bundesrepublik lediglich 33.917 Elektrofahrzeuge neu zugelassen. Der Marktanteil von E-Flitzern liegt aktuell bei 1,8 Prozent. Das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 insgesamt eine Million E-Fahrzeuge auf die deutschen Straßen zu bringen, scheint noch in weiter Ferne zu liegen.

Die Zurückhaltung der deutschen Autofahrer gegenüber der E- und Hybrid-Technik dürfte sich vor allem in den noch recht hohen Anschaffungspreisen für diese Automobile begründen. Auch die rein elektrischen Reichweiten der aktuell verfügbaren E-Autos sind derzeit noch ein Manko – diese liegen zwischen 250 Kilometern beim Kia Soul EV und gut 500 Kilometern beim Opel Ampera-e. Dafür kostet der „Stromer“ aus Rüsselsheim aber auch knapp 40.000 Euro.

Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass die E-Auto-Branche derzeit noch in den Kinderschuhen steckt. Niedrige Stückzahlen bei der Produktion und Milliarden-Ausgaben bei Forschung und Entwicklung gelten derzeit noch als „Preistreiber“. Die Stunde der Elektroautos wird aber definitiv kommen: Laut einer Studie von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) werden ab dem Jahr 2025 E-Autos nicht mehr teurer sein als ihre Verwandten mit Verbrennungsmotor. Dann soll es aufwärtsgehen mit dem umweltfreundlichen Fahren: Der Mineralölkonzern BP prophezeit, dass bereits im Jahr 2040 etwa 71,4 Millionen elektrisch betriebene Fahrzeuge weltweit unterwegs sein werden, Mitbewerber Shell geht sogar von 100 Millionen Pkw aus.

Keine Science-Fiction mehr: Antrieb durch Wasserstoff und Brennstoffzelle

Obwohl der Durchbruch bei der Elektromobilität also noch in der Anfangsphase steckt, stehen einige Automobilhersteller schon mit einer neuen Idee in den Startlöchern. So kündigte Mercedes im Herbst 2018 an, beim Fahrzeugbau vermehrt auf Wasserstofftechnik zu setzen. Bei dieser Art von Autos produziert der getankte Wasserstoff in einer Brennstoffzelle elektrische Antriebsenergie. Der Vorteil: Reichweiten jenseits der 500 Kilometer sind für solche Modelle kein Problem. Der Nachteil: Um diese Technik im Massenmarkt zu etablieren, müssten Tausende Tankstellen für Wasserkraftstoff errichtet werden. Derzeit gibt es in Deutschland gerade einmal 35 Wasserstoff-Zapfsäulen. Doch was nicht ist, kann ja noch werden! Sicher ist zumindest ein Fakt: Die Art der privaten Fortbewegung mit dem Automobil wird sich in den nächsten 20 Jahren rapide ändern. Dafür sorgt auch noch ein zweiter Aspekt: die bevorstehende Marktreife des autonomen Fahrens!

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