E-Health: Die Medizin wird digital

E-Health ist ein Thema, das in Deutschland lange stiefmütterlich behandelt wurde. Spätestens seit den Problemen mit der elektronischen Gesundheitskarte werden innovative Informations- und Kommunikationstechnologien hierzulande kritisch beäugt. Dabei kann E-Health helfen, die Folgen des Ärztemangels zu lindern und die Gesundheitsversorgung komfortabler und sicherer machen. Hier erhalten Sie einen Überblick über die Aussichten der Zukunft.

Was bedeutet E-Health?

Die Digitalisierung ist die Technik des 21. Jahrhunderts und hat bereits in viele Branchen und Bereiche des Privatlebens Einzug gehalten. Wer verschickt heute noch einen Brief, wo eine E-Mail kostenlos und ohne Aufwand in Sekundenschnelle den Empfänger erreicht? Von den Möglichkeiten der modernen Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) profitiert auch die Medizin: Die einfache, schnelle und sichere Datenweitergabe gehört ebenso dazu wie Gesundheits-Apps und die Telemedizin. E-Health ist der Überbegriff für diese Innovationen, die jedoch ebenso neue gesetzliche Rahmenbedingungen wie frische Denkansätze benötigen.

Patienten nehmen die Daten selbst in die Hand

Bis zum Jahr 2021 soll allen Patienten eine elektronische Patientenakte zur Verfügung stehen. Das sieht das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vor, das der Bund am 14. März 2019 beschlossen hat. Aktuell laufen erste Pilotprojekte. Konkret bedeutet das, dass alle Untersuchungsergebnisse und Befunde in einer elektronischen Akte zusammengefasst werden. Patienten, die es bisher schwer hatten, die eigenen medizinischen Daten einzusehen, erhalten durch die elektronische Gesundheitsakte endlich Kenntnis über ihre Unterlagen. Denn sie sollen per Tablet oder Smartphone einfach auf die persönliche Akte zugreifen können.

Kritiker sehen allerdings auch Nachteile. Zwar sichert die elektronische Patientenakte den schnellen Zugriff auf wichtige medizinische Daten und verhindert unnötige und kostenintensive Doppeluntersuchungen, aber der Datenschutz stellt ein Problem dar. Denn bisher liegen die Untersuchungsergebnisse und Befunde sicher verwahrt in der Praxis und der Mediziner ist an seine Schweigepflicht gebunden. Große Datenbanken könnten gehackt und die Daten an Versicherungen oder Arbeitgeber verkauft werden. Bei entsprechender Sicherung gegen unbefugte Zugriffe überwiegen jedoch die Vorteile der elektronischen Gesundheitsakte.

Folgende bisher analoge Angebote sollen ebenfalls digitalisiert werden:

  • Mutterpass
  • Impfpass
  • Untersuchungsheft für Kinder
  • Bonusheft Zahnvorsorge
Tipp

E-Health bietet viele Vorteile für die Gesundheitsversorgung der Zukunft und ermöglicht eine bessere Interaktion zwischen Patient und Dienstleistern.
Auf der Website der Krankenkassen-Zentrale finden Sie viele weiterführende Informationen zum Thema E-Health.

Das elektronische Rezept wird kommen

Chronisch kranke Arbeitnehmer und Menschen mit eingeschränkter Mobilität kennen den Aufwand, ein Wiederholungsrezept ausstellen zu lassen, besonders gut. Erst muss das Rezept bestellt und abgeholt werden, dann geht es zum Einlösen in die Apotheke. Mit dem E-Rezept wird das leichter. Im Frühsommer 2020 sollen elektronische Rezepte Wirklichkeit werden, selbst wenn der Vorstoß zuerst nur für apotheken­pflichtige Medikamente gilt. Ein erstes Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der Techniker Krankenkassen läuft bereits. Andere Länder sind hier weiter: In den Niederlanden übermitteln Arztpraxen die Verordnung von Medikamenten schon lange elektronisch an die Apotheke.

Die aktuellen E-Health-Schwerpunkte

Im Fokus des Bundesgesundheitsministeriums und der Anbieter stehen zurzeit mobile Anwendungen. Dazu gehören Gesundheits-Apps, wie z. B. ein digitales Kopfschmerztagebuch oder die digitale Dokumentation von Blutzuckerwerten bei Diabetikern. Viele Patienten benutzen schon solche Angebote, der Bundesgesundheitsminister möchte Gesundheits-Apps für das Smartphone verschreibungsfähig machen. Dann tragen die Krankenkassen die Kosten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Gerade jüngere Patienten bevorzugen die digitalen Angebote und nutzen sie zuverlässiger als Aufzeichnungen in Papierform. Dazu lassen sich die Daten leicht an den behandelnden Arzt übermitteln. Es ist nicht mehr nötig, die Werte in der Sprechstunde vorzulegen und zu warten, bis der Arzt die Aufzeichnungen studiert hat.

Telemedizin entlastet Ärzte und Patienten

In anderen Ländern ist die Behandlung von Patienten über (Video-)Telefonie und das Internet längst etabliert. Die Schweiz sammelt seit 20 Jahren Erfahrungen und die Patienten schätzen sehr, dass sie in den Callcentern jederzeit einen Arzt erreichen. Der Arzt berät die Patienten und leitet sie nur bei Bedarf an einen niedergelassenen Kollegen oder an ein Zentrum für Diagnoseleistungen (wie Blutentnahmen, Blutdruckmessung etc.) weiter. Das Nachbarland Frankreich experimentiert in dünn besiedelten Regionen mit Telemedizin-Praxen, die voll ausgestattet sind, aber ohne Arzt auskommen. Eine ausgebildete medizinische Fachkraft sorgt für eine Videoverbindung zwischen Arzt und Patienten und nimmt alle nötigen Untersuchungen vor. Der Arzt wertet die Ergebnisse in Echtzeit aus und leitet die Behandlung ein.

Während die Schweizer Anbieter wie Megate und Medi24 ihre Erfahrungen mit E-Health bereits durch Expansion ins Ausland bringen, steckt die Videobehandlung in Deutschland noch in den Anfängen. Im Modellprojekt „Labor für Telemedizin“ in Baden-Württemberg testen ausgewählte Mediziner die Sprechstunde per Videochat. In anderen Modellregionen übernehmen speziell geschulte medizinische Fachangestellte die Hausbesuche. Sie messen Blutdruck und Blutzucker, schreiben EKGs und leiten die Daten direkt an den Arzt weiter. Der spricht per Videochat mit seinen Patienten.

Dank E-Health und Big Data zur besseren Vorsorge und Früherkennung

Die zentrale Sammlung und Verwaltung der Patientendaten über eine ausgereifte digitale Telematik-Infrastruktur bringt weitere Vorteile. Denn E-Health bietet die Möglichkeit, auf Millionen Patientendatensätze zuzugreifen und Zusammenhänge und Risiken bei der Krankheitsentstehung besser zu erkennen. Der Datenschutz ist über anonymisierte Datensätze leicht zu gewährleisten. E-Health unterstützt Forscher dabei, Risiken zu erkennen und Präventionsmaßnahmen und Behandlungen früher einzuleiten.

E-Health revolutioniert die Gesundheitsversorgung

Noch stecken die Informations- und Kommunikationstechnologien für E-Health-Anwendungen in den Kinderschuhen. In den nächsten Jahren werden Angebote für Telemedizin, Gesundheits-Apps und Telematic-Techniken in Praxen und Kliniken die Gesundheitsversorgung deutlich verändern. Dabei hilft E-Health nicht nur, den Ärztemangel zu aufzufangen und die Versorgung in dünn besiedelten Gebieten zu verbessern. Die Digitalisierung kann den medizinischen Bereich auch schneller, effektiver und sicherer gestalten. Die schlechten Erfahrungen mit der elektronischen Gesundheitskarte sollten nicht abschrecken. Politik, Ärzteschaft und Anbieter müssen die Möglichkeiten von E-Health erst ausloten und die besten Umsetzungswege finden. Ein Blick ins Ausland kann dabei helfen, denn dort verfügen alle Beteiligten am Gesundheitssystem bereits über wertvolle Erfahrungen.

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