Ehegattensplitting – Steuergeschenke vom Staat

„Schatz, möchtest du mich heiraten und gemeinsam mit mir Steuern sparen?“ Dieser Antrag ist sicherlich nicht sehr romantisch, aber er zeigt, dass sich eine Hochzeit lohnen kann – insbesondere bei Paaren mit sehr unterschiedlichen Einkommen. Denn ein Trauschein ermöglicht das Ehegattensplitting. Mit dem sogenannten Splittingtarif vom Finanzamt lässt sich die Haushaltskasse bei unverändertem Einkommen durchaus kräftig füllen.

Wie funktioniert das Ehegattensplitting?

Mit dem Ehegatten schlagen Sie der Steuerprogression ein Schnippchen. Denn in Deutschland steigt der Steuersatz mit zunehmendem Einkommen kräftig an. Es beginnt mit dem Eingangssteuersatz von 14 % und erhöht sich auf bis zu 42 %. Durch das Ehegattensplitting können Besserverdiener ihre Steuerbelastung deutlich senken, wenn der Partner erheblich weniger oder gar nichts verdient. Das geht so:

  • Das Finanzamt berechnet für jeden Partner das steuerpflichtige Einkommen.
  • Die beiden Einkommen werden addiert.
  • Das Ergebnis wird durch zwei geteilt.
  • Die Steuer für das halbe Gesamteinkommen wird berechnet und verdoppelt.

Ehegattensplitting: Ein Beispiel macht es deutlich

Nachdem Sie wissen, wie das Ehegattensplitting funktioniert, fehlt noch der Eindruck der möglichen Ersparnis. Zwei Musterpaare verdeutlichen es:

Lena und Arndt sind ein unverheiratetes Paar. Sie verdient 53.200 Euro, während er 17.600 Euro beisteuert. Für Ledige nutzt das Finanzamt die sogenannte Grundtabelle für die Steuerfestsetzung. Demnach zahlt Lena 13.411 Euro und Arndt 1.728 Euro. Für beide zusammen fallen 15.139 Euro pro Jahr an Steuern an.

Andrea und Stefan sind verheiratet. Hier verdient er 53.200 Euro, während Andrea 17.600 Euro beiträgt. Die beiden werden zusammen veranlagt und nutzen das Ehegattensplitting. Obwohl das Gesamteinkommen beider Paare 70.800 Euro beträgt, zahlen Andrea und Stefan nur 13.796 Euro Einkommensteuer, denn die Splittingtabelle kommt zum Tragen.
(Auf Basis der Grund- und Splittingtabelle 2020)

Welche Voraussetzungen gelten für das Ehegattensplitting?

Ehepaare dürfen die Zusammenveranlagung wählen und das Ehegattensplitting nutzen, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Ehe oder Eingetragene Lebenspartnerschaft
  • Unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland
  • Nicht dauernd getrennt lebend
Tipp

Ein Tag Ehe genügt. Wer am 31. Dezember eines Jahres heiratet, darf das Ehegattensplitting rückwirkend für das gesamte Jahr nutzen.

Was ist eine unbeschränkte Steuerpflicht?

Unbeschränkt in Deutschland steuerpflichtig sind Paare, bei denen beide Partner ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben. Das bedeutet, beide müssen mindestens sechs Monate des Jahres in Deutschland leben.

Lebt ein Partner im Ausland, kann er die fiktive unbeschränkte Steuerpflicht beim Finanzamt beantragen. Dann ist das Ehegattensplitting möglich.

Wann liegt eine dauerhafte Trennung vor?

Ehepaare gelten nicht automatisch als dauerhaft getrennt lebend, wenn nicht beide an einer Wohnanschrift gemeldet sind. Es kommt auf den Grund der getrennten Haushalte an. Wer grundsätzlich an der ehelichen Gemeinschaft festhält und z. B. lediglich wegen des Arbeitsplatzes getrennt lebt, kann sich zusammen veranlagen lassen und vom Ehegattensplitting profitieren.

Das Finanzgericht Niedersachsen hat sogar einem Ehemann, der mit einer neuen Partnerin zusammenlebt, während die demente Ehefrau im Pflegeheim versorgt wird, das Ehegattensplitting zugesprochen (23.06.2015, Az. 13 K 225/14).

Was gilt für gleichgeschlechtliche Paare?

Gleichgeschlechtliche Paare, die eine Eingetragene Lebenspartnerschaft oder die Ehe (seit 01.10.2017 möglich) eingegangen sind, sind traditionellen Ehepaaren steuerlich gleichgestellt. Sie können ebenso die Zusammenveranlagung wählen und das Ehegattensplitting nutzen.

Die steuerliche Gleichstellung erfolgte erst 2013. Daher können gleichgeschlechtliche Paare das Ehegattensplitting bis zum Jahr 2001 rückwirkend beantragen.

Tipp

Gleichgeschlechtliche Paare, die bis zum 31.12.2019 die Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgewandelt haben, müssen die rückwirkende Zusammenveranlagung spätestens bis Ende 2020 beantragen, sonst entfällt das nachträgliche Ehegattensplitting.

Lohnt sich das Ehegattensplitting immer?

Für das Ehegattensplitting gilt: Je größer der Einkommensunterschied desto höher fällt die Ersparnis aus. Paare, die nahezu gleich verdienen, sollten mit dem spitzen Bleistift nachrechnen. Für sie könnte die Einzelveranlagung günstiger sein. Die getrennte Veranlagung können Ehepaare beim Finanzamt beantragen, dann werden beide Partner steuerlich wie Singles behandelt.

Auch in anderen Situationen kann die Einzelveranlagung die bessere Wahl sein. Das gilt z. B. in folgenden Fällen:

  • Lohnersatzleistungen wie Elterngeld oder Arbeitslosengeld erhöhen den Steuersatz für das zu versteuernde Einkommen, obwohl sie selbst steuerfrei sind.
  • Ein Partner, der kaum anderes Einkommen hat, nutzt die steuerliche Fünftel-Regelung für eine Abfindung.
  • Ein Partner hat sehr hohe außergewöhnliche Belastungen wie z. B. Krankheitskosten, die den Freibetrag bei der Zusammenveranlagung nicht überschreiten.
  • Ein Partner hat Auslandseinkünfte.
  • Der Hauptverdiener ist kein Mitglied einer christlichen Kirche und möchte das besondere Kirchgeld für den katholischen Partner ohne eigenes Einkommen sparen.
  • Ein Partner hat Verluste gemacht und möchte diese lieber zum Verlustvortrag in das nächste Jahr nutzen, statt sie mit den Einkünften des Partners zu verrechnen.

Der Nachteil der getrennten Veranlagung liegt auch in der Steuererklärung selbst. Während zusammen veranlagte Paare gemeinsam nur eine Erklärung abgeben, müssen Sie bei der getrennten Steuerberechnung jeder eine eigene ausfüllen.

Ehepaare können jedes Jahr neu entscheiden, ob sie gemeinsam oder getrennt veranlagt werden möchten.

Was passiert mit dem Ehegattensplitting, wenn einer Rentner ist?

Viele Paare haben einen Altersunterschied von mehreren Jahren. Das bedeutet meist, dass ein Partner noch arbeitet, während der andere bereits eine Rente oder Pension bezieht. Diese Situation ändert grundsätzlich nichts an der Möglichkeit zum Ehegattensplitting. Allerdings sollten Sie sich beraten lassen, ob Sie mit der getrennten oder gemeinsamen Veranlagung steuerlich besser fahren. Ebenso sollten Sie überlegen, wie Sie die Steuerklassen verteilen.

Was passiert bei einer Trennung?

Text Wenn Ihre Ehe scheitert und Sie sich trennen, dürfen Sie im Trennungsjahr noch die Zusammenveranlagung wählen. Sind Sie länger als ein Jahr getrennt, entfällt das Ehegattensplitting. Der Staat behandelt Sie wie Singles und veranlagt jeden Partner einzeln, auch wenn Sie nicht geschieden sind.

Unternehmen Sie dagegen einen ernsthaften Versuch der Versöhnung, gilt das Ehegattensplitting wieder. Doch Vorsicht! Eine gemeinsame Reise reicht den Beamten nicht aus. Sie sollten mindestens einen Monat wieder in einer Wohnung leben, um die Ernsthaftigkeit zu beweisen.

Was ist ein Sondersplitting?

Das Finanzamt kennt noch zwei weitere Formen des Ehegattensplittings.

Verwitwete müssen sich ebenso wie Geschiedene einzeln veranlagen lassen. Doch bei Witwen und Witwern greift das Witwensplitting. Dieses auch Gnadensplitting genannte Verfahren ermöglicht es dem hinterbliebenen Partner, im Todesjahr und im darauffolgenden Jahr trotz Einzelveranlagung den Splittingtarif zu nutzen.

Das andere Sondersplitting betrifft Eheleute nach der Scheidung. Kann ein Paar das Ehegattensplitting bis zur Scheidung nutzen und einer der beiden heiratet im Scheidungsjahr erneut, wird es kompliziert. Der frisch getraute Part darf das Ehegattensplitting nur mit dem neuen Partner nutzen. Dem alleinstehenden Geschiedenen entgeht das Ehegattensplitting aber auch nicht. Er wird einzeln veranlagt und nach dem Splittingtarif besteuert.

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