EZB-Leitzins: Welche Auswirkungen hat er?

0,0 Prozent – so lautet der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) seit März 2016. Doch gegen die konservative Geldpolitik von Seniore Draghi & Co. regt sich immer mehr Widerstand – zumal die US-Notenbank parallel ihren Leitzins bereits zum dritten Mal im Jahr 2018 erhöht hat. Hier erfahren Sie, welche Auswirkungen ein Festhalten und Loslassen an der aktuellen Niedrigzinspolitik hätte, auch in Bezug auf Ihr Geld!

Leitzins und Einlagezins auf historischen Tiefstwerten

Die aktuelle Niedrigzinspolitik der EZB soll vor allem eine konjunkturelle Stütze sein. Denn ein Leitzins von 0,0 Prozent ermutigt private Konsumenten und Firmen dazu, Kredite aufzunehmen und Geld auszugeben. Dass dieser Gedanke aufgeht, beweist eine aktuelle EZB-Erhebung: Im September 2018 nahm die Vergabe von Konsumentenkrediten im Vergleich zum Vorjahr um 6,6 Prozent zu. Auch Immobilienkredite legten um 3,2 Prozent zu. Bei Unternehmen verhält sich die Sachlage ganz ähnlich: Hier stieg die Jahresrate um 4,3 Prozent an.

Was Kreditnehmer freut, hat für Sparer seine Tücken: Zwar sind die Kreditzinsen derzeit historisch niedrig, vor allem beim Kauf eines Hauses oder einer Eigentumswohnung. Doch Sparprodukte werfen aktuell eher überschaubare Erträge ab. Während private Anleger aber immer noch Zinsen erhalten, bezahlen Banken mittlerweile sogar Geld dafür, dass sie Überschüsse bei der EZB parken. Dafür sorgt der negative Einlagezins von aktuell -0,4 Prozent. Aus diesem Grund fordert der Bundesverband deutscher Banken auch ein Ende der Negativzinsen. Unterstrichen wird dieser Appell auch von einem Ungleichgewicht der europäischen und US-amerikanischen Geldpolitik: Während europäische Banken jährlich 7,5 Milliarden Euro Strafzinsen an die EZB zahlen müssen, werden US-Banken zu keiner Zeit belastet.

Unterschiedliche Geldpolitik in USA und Europa

Das liegt u. a. daran, dass die US-Notenbank Fed bereits seit 2016 den Leitzins wieder schrittweise erhöht – auf zuletzt 2,0 bis 2,25 Prozent im September 2018.

Mehr noch: Dank florierender US-Wirtschaft rechnet die Fed damit, auch im Jahr 2019 drei Mal ihre Zinsen anzuheben. Ökonomen prognostizieren, dass der US-Leitzins bis zum Jahr 2020 auf 3,4 Prozent ansteigen könnte. Ein Zinsssatz von ca. 3 Prozent gilt bei Experten als neutral – hier wird die Konjunktur weder gebremst noch angetrieben.

Wann beendet die EZB die Niedrigzinsphase?

Auch bei der EZB gibt es mittlerweile erste Anzeichen dafür, dass die Tage des niedrigen Leitzinsniveaus gezählt sein könnten. Ein Indiz dafür ist es, dass Draghi überlegt, die milliardenschweren Anleihenkäufe bis Anfang 2019 einzustellen. Zwar soll am „Nuller“-Leitzins bis Sommer 2019 nicht gerüttelt werden – der Einlagezinssatz könnte aber von -0,4 Prozent auf -0,25 Prozent verringert werden. Das würde nicht nur bei Banken gut aufgenommen werden, sondern auch dem deutschen Staat zugute kommen. Denn die Niedrigzinspolitik hat sogar einen negativen Einfluss auf die Rentenkasse: Auch diese beklagt Millionenverluste durch negative Zinserträge. Bislang kostete die europäische Niedrigzinspolitik der Rentenkasse knapp 50 Millionen Euro!

Ob es in naher Zukunft mit dem Leitzins tatsächlich wieder aufwärts geht, hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: Zum einen endet Draghis Amtszeit im Herbst 2019 und niemand weiß, welchen geldpolitischen Ansatz dessen Nachfolger bevorzugen wird. Zum anderen sorgt der aktuelle Haushaltsstreit mit dem finanziell angeschlagenen Italien für Unsicherheit. Im Oktober hatte die EU den Haushaltsplan des Landes abgelehnt, weil der Entwurf eine extrem hohe Neuverschuldung vorsah. Bereits jetzt liegt die Staatsverschuldung Italiens bei 2.284 Milliarden Euro. Der Zwist könnte unter Umständen einer der Anlässe dafür sein, den EZB-Krisenkurs weiter zu verlängern.

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