Träumen, bauen, fertig: Alles Wichtige zum Thema Fertighaus!

Ein Tag – und fertig ist das Haus! Was nach einem Kinderreim klingt, ist für viele frischgebackene Fertighaus-Besitzer heute schon Realität. Seit ca. 80 Jahren werden in Deutschland Häuser in modularer Bauweise vorproduziert und dann auf dem Baugrundstück zusammengefügt. Heute stellen Fertighäuser fast 20 Prozent aller Wohnungsbauten dar – Tendenz steigend. Die meisten von ihnen stehen übrigens in Baden-Württemberg.

Was macht ein Fertighaus aus?

Viele Menschen denken bei Fertighäusern heute noch an fertige Modellhäuser, die sie 1:1 kaufen und dann auf dem eigenen Grundstück ähnlich einem Lego-Haus zusammenbasteln lassen können. Individualität? Fehlanzeige. Doch diese Art der Fertigbauweise, bei der sogenannte Typenhäuser wie besichtigt gekauft und anschließend erbaut werden, macht nur einen geringen Teil der deutschen Fertigbauhäuser aus. Stellen Sie sich stattdessen eher vor, Sie suchen sich ein Auto aus: Das Modell ist fix, allerdings haben Sie jede Menge Gestaltungs- und Ausstattungsmöglichkeiten, um es nach Ihren Wünschen zu konfigurieren. Auch bei Fertighäusern findet dieses Baukastenprinzip immer häufiger Anwendung. So können Interessenten von der Dachform bis zum gewünschten Bodenbelag viele Aspekte selbst auswählen und bestimmen.

Als Fertighäuser zu Beginn des 20. Jahrhunderts konzipiert wurden, standen dahinter vor allem Motivationen wie ein günstiger Preis, eine schnelle Fertigung und eine Vereinfachung für den Bauherren – schließlich hat der Bauherr bei diesem Konstrukt in der Regel nur einen einzigen Ansprechpartner für alle Themen. Doch die Beweggründe haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt: Im Interview mit SPIEGEL ONLINE erzählt Christoph Windscheif (Bundesverband Deutscher Fertigbau), der Vorteil der Fertigbauweise liege heute vor allem in der gleichbleibenden Qualität, die eine Fertigung im Werk bietet. Schneller Aufbau und geringer Preis seien eher zweitrangig.

Welche Vorteile hat das Haus „von der Stange“?

Ganz klarer Vorteil ist der Zeitfaktor: Da die einzelnen Bauteile des Hauses schon vorab im Werk gefertigt werden, sind sie zum Baubeginn (idealerweise) komplett und können umgehend verbaut werden. Die Baudauer erstreckt sich auf wenige Tage. Der Bau eines Massivhauses hingegen nimmt nicht selten bis zu acht Monate in Anspruch – unter anderem, weil die einzelnen Zulieferer oder Subunternehmer sich untereinander absprechen müssen. Das kann dauern. Daraus folgt nicht nur eine Verlängerung der Bauzeit – Sie als Bauherren müssen währenddessen auch untergebracht sein. Somit kommen Sie um doppelte Wohnkosten, beispielsweise Miete, nicht herum. Auch die Witterung kann Ihnen beim Bau schnell einen Strich durch die Zeitrechnung machen. Fertighäuser sind aufgrund der kurzen Bauzeit hier relativ unproblematisch.

Finanziell können Sie bei Fertigbauhäusern meist auf eine staatliche Förderung hoffen, da die KfW-Effizienzhausklasse in aller Regel eingehalten wird. Eigenleistungen sind natürlich möglich, um die Kosten des Baus zu verringern. Setzen Sie auf ein Modell mit möglichst wenigen individuellen Anpassungen, kann das Fertighaus trotz seines hohen Standards dennoch günstiger als ein selbst gestaltetes Massivhaus sein.

Ein weiterer Vorteil, der nicht selten unterschätzt wird: Alle Teilbereiche der Haustechnik sind komplett aufeinander abgestimmt. So sparen Sie sich das Planen von Steckdosen, Leitungen, Heizung etc.

Tipp

Achten Sie darauf, alle Ausstattungsmerkmale und Materialien in der Bauleistungsbeschreibung (BLB) schriftlich und verbindlich zu fixieren.

Nicht immer ist das Fertighaus günstiger!

Wer auf ein Fertighaus setzt, tut dies sicherlich auch in der Hoffnung, dass sich der (mögliche) Mangel an Individualität im Preis niederschlägt. Doch heutzutage kosten selbst Fertighäuser eine ganze Stange Geld. Gerade Individual- und Zusatzleistungen können sich schnell summieren. Außerdem sind Eigenleistungen nicht generell finanziell lohnenswert: Fertighaus-Anbieter haben Verträge mit Subunternehmern, die ihnen Dienstleistungen wie Fliesenlegen oder Malerarbeiten vergünstigt anbieten. Sind Sie nicht vom Fach, kann jede Menge Zeit draufgehen – eine wirkliche Ersparnis ist das dann nicht mehr.

Was es ebenfalls zu bedenken gilt: Wertbeständigkeit und Wiederverkaufswert eines Fertighauses entsprechen nicht immer denen eines individuellen Massivhauses. Das liegt beispielsweise an der Bauweise: Im Schnitt sind Fertighäuser aufgrund der Leichtbauweise schlechter isoliert – eben weil sie weniger massiv sind als Bauten aus Backstein und Co.

Insofern ist ein Fertighaus nicht unbedingt günstiger – doch ist der Bau oft entspannter.

Tipp

Definieren Sie zu Baubeginn, was „schlüsselfertig“ heißt und in welchem Zustand Ihnen das Haus final übergeben wird.

Das Fazit zum Fertighaus

Bauherren setzen beim Fertighaus vor allem auf eine umfassende Beratung von Anfang an. Statt mühevoll mit einzelnen Subunternehmern zu verhandeln, haben Sie hier meist nur einen Ansprechpartner. Das sorgt für eine entspannte Bauphase. Auch wenn es flott gehen muss, sind Fertighäuser eine gute Wahl. Allerdings haben Sie hier unter Umständen weniger Möglichkeiten der Individualisierung und müssen damit rechnen, dass in Ihrem Neubaugebiet viele Häuser stehen, die Ihrem neuen Heim stark ähneln. Wer sich unbedingte Individualität wünscht, dem empfiehlt sich letzten Endes doch direkt das selbst geplante Massivhaus.

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