Frugalismus – der neue Trend zur Sparsamkeit

Mit 40 oder 50 Jahren nicht mehr arbeiten müssen und finanziell unabhängig sein – dieses Szenario ist meist nur mit Glück oder einer großen Erbschaft möglich. Seit einigen Jahren gibt es aber Menschen, die sich trotz hohen Einkommens bewusst für einen minimalistischen Lebensstil entscheiden und so sehr früh in den Ruhestand gehen können. Wie Frugalisten dieses Ziel erreichen, lesen Sie hier!

Bescheiden leben und den Konsum beschränken

Der Begriff „frugal“ leitet sich von dem lateinischen Wort „frugalis“ ab und beschreibt eine bescheidene und einfache Lebensweise. Seit einigen Jahren entscheiden sich auch immer mehr Gutverdiener für einen frugalen Lebensstil. Der Trend kam vor ungefähr 15 Jahren in Übersee auf, als Vorreiter gilt der kanadische Blogger und Lebenskünstler Peter Adeney. Er investierte früh einen Großteil seines guten Einkommens in Aktien und schaffte es so tatsächlich, mit 30 Jahren seine finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen. Seine Ausgaben minimierte Adeney auf das Wesentliche: Er verzichtete auf teure Urlaube und kaufte viele Konsumgüter auf dem Second-Hand-Markt.

Das Modell machte schnell Schule und etliche Nachahmer bilden heute eine riesige Frugalisten-Szene, die auch in Deutschland mittlerweile eine große Anhängerschaft hat. Im Gegensatz zu Minimalisten, die bewusst auf alle Konsumgüter verzichten und sämtlichen Errungenschaften des Kapitalismus abschwören, beschäftigen sich Frugalisten intensiv mit der Geldanlage in ETFs, Immobilien oder andere Geldanlagemöglichkeiten. So ist es ihnen möglich, einen Großteil ihres Vermögens auf die „hohe Kante“ zu legen – und später von diesem passiven Einkommen leben zu können.

Wie werde ich Frugalist?

Frugalisten verfügen meistens über ein überdurchschnittliches Einkommen. Dies macht es ihnen möglich, monatlich große Geldsummen zu sparen. Um sich mit 40 oder 50 Jahren aus dem Berufsleben zurückzuziehen, sind hier allerdings Durchhaltevermögen und Disziplin gefragt: Nicht selten sparen Frugalisten bis zu 70 Prozent ihres privaten Einkommens. Verzicht oder Geiz sind für Frugalisten allerdings Fremdwörter. Vielmehr geht es darum, jede Ausgabe ethisch zu hinterfragen und dem normalen Konsumverhalten den Rücken zu kehren. Wenn Frugalisten neue Möbel brauchen, schauen sie sich auf Second-Hand-Plattformen um. In der Urlaubszeit nutzen Frugalisten Campingplätze oder Wohnungstauschbörsen und wenn ein Elektrogerät kaputt geht, dann wird es – soweit möglich – selbst repariert. Für Menschen, die immer das neueste Handy haben möchten oder teure Urlaube zur Erholung buchen, funktioniert dieser Lebensstil definitiv nicht.

Auch Menschen, die über ein unterdurchschnittliches Einkommen verfügen, werden es schwer haben, den frugalistischen Lebensstil zu übernehmen. Schließlich muss so viel Geld gespart werden, dass man jahrzehntelang mindestens 2.000 Euro pro Monat zur Verfügung hat. Um dieses Ziel im Alter von 40 Jahren zu erreichen, müsste bis dahin ein mittlerer sechsstelliger Betrag angespart werden.

Frugalismus light: 5 Tipps für mehr Sparsamkeit im Alltag

Doch auch mit kleineren Sparbeträgen können Sie ein gewisses Maß an finanzieller Unabhängigkeit erlangen. Wenn Sie daran interessiert sind, Ihr Konsumverhalten zu hinterfragen und so weniger Geld auszugeben, helfen Ihnen 5 Tipps für mehr Sparsamkeit dabei, zum Ende des Monats einen nicht unerheblichen Sparanteil übrig zu haben:

1. Bewusst ernähren und einkaufen
Niemals mit hungrigem Magen in den Supermarkt gehen – von diesem Tipp haben Sie sicherlich schon gehört. Im Endeffekt geht es beim Sparen darum, sehr bewusst einzukaufen. Packen Sie nur Lebensmittel in den Einkaufswagen, die Sie auch wirklich benötigen. Achten Sie auf Sonderangebote und kaufen Sie Großpackungen, da hier das Preis/Leistungsverhältnis meistens günstiger ist, als bei kleinen Packungen für Single-Haushalte. Auf Bioprodukte müssen Sie nicht verzichten: Ein Kräuter- und/oder Gemüsegarten schafft schnell Abhilfe. Zudem ist es deutlich günstiger, regionale Obst- und Gemüsesorten zu kaufen. So können Sie beim Einkauf schnell ein paar Euro sparen.

2. Wohnsituation, Nebenkosten und Versicherungen auf den Prüfstand stellen
Bei der Kalkulation der möglichen Kaltmiete orientieren sich viele Bürger eher an den Werten, die maximal möglich sind. Überlegen Sie genau, ob es wirklich die 130-Quadratmeter-Wohnung im besten Berliner Stadtteil sein muss. Wer außerhalb der Ballungsräume mietet, kann schnell einige Euro sparen. Auch die Wohnungsgröße spielt eine wichtige Rolle. Frugalisten leben meist auf kleinerem Raum und sind deshalb nicht weniger glücklich. Die Größe der Wohnung hat schließlich nicht nur Auswirkungen auf die zu zahlende Kaltmiete, sondern auch auf die Nebenkosten für Gas, Wasser und Strom. Stellen Sie zudem Ihre Versicherungen auf den Prüfstand und behalten Sie nur die wirklich notwendigen Policen. Achten Sie bei Versorgern und Versicherern auf ein ausgewogenes Preis/Leistungsverhältnis.

3. Mobilität überdenken
36 Millionen Menschen in Deutschland besitzen einen Pkw, 17,4 Millionen haben sogar zwei Fahrzeuge angemeldet. Da ein Auto nicht unerhebliche Fixkosten verursacht, prüfen Sie genau, ob Sie das Fahrzeug wirklich brauchen. Frugalisten nutzen für die Fahrt zur Arbeit oder zum Einkaufen das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel. Wer Fahrgemeinschaften bildet oder Carsharing-Angebote nutzt, spart nicht unbedingt am Komfort – hat aber mitunter pro Monat ein paar Euro mehr übrig.

4. Rücklagen bilden
„Kleinvieh macht auch Mist“: Dieses Sprichwort gilt auch bei der Geldanlage. Sie müssen nicht unbedingt jeden Monat Hunderte von Euro zur Seite legen, auch kleinere Beträge sind über einen längeren Zeitraum durchaus lohnenswert. Der Grund: Durch den Zins- und Zinseszinseffekt wächst Ihr Anlagevermögen konstant. Moderne Sparprodukte – wie z. B. ETF-Sparpläne – helfen Ihnen dabei, konsequent Rücklagen zu bilden. Für welchen Zweck Sie diese einsetzen, bleibt ganz Ihnen überlassen: Urlaub, Notgroschen oder eben doch als langfristige Investition für Ihren Ruhestand. Beachten Sie aber, dass durch Markt- und Kursrisiken immer auch die Gefahr von Kursverlusten besteht. Deshalb ist es ratsam, Ihre Geldanlage strategisch auf mehrere Sparprodukte zu verteilen. So minimieren Sie das Risiko von finanziellen Ausfällen enorm.

5. Do-it-yourself
Das Auto ist kaputt, der Garten ist ungepflegt, der Wasserhahn tropft? Wer in solchen Situationen die Sache selbst in die Hand nimmt, kann im Monat einen guten Geldbetrag sparen. Falls für bestimmte Reparaturen ein gewisses Know-how notwendig ist, weiß das Internet Rat: Auf YouTube oder in einschlägigen Foren gibt es Anleitungen, wie das Fahrzeug wieder fit gemacht wird oder wie man bestimmte Renovierungsarbeiten selbst durchführt. Nicht für jedes Problem brauchen Sie gleich einen Fachmann: Vielleicht findet sich auch im Bekanntenkreis eine Person, die Ihnen gegen eine kleine Aufwandsentschädigung hilft. In vielen Städten gibt es inzwischen auch Reparaturcafés, wo Sie gemeinsam mit anderen an Ihren Geräten herumbasteln können.

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