Fußball und Finanzen: die Geldmeister der Bundesliga

Selbst in der spielfreien Zeit ist die Faszination für den Fußballsport ungebrochen. Borussia Dortmund rüstet für die Bayern-Jagd auf und holt mit Nico Schulz, Julian Brandt und dem Gladbacher Thorgan Hazard gleich drei hochkarätige Spieler in den Kader. Kostenpunkt: gut 75 Millionen Euro. Diese immense Summe wirft die Frage auf, über welche Finanzreserven Bundesligavereine eigentlich verfügen. Sind die Bayern auch Geldmeister 2019 oder hat der BVB hier die Nase vorn?

DFL-Report 2019 sieht Lizenzfußball als Wirtschaftsmacht

Ein Blick in den „Wirtschaftsreport 2019“ der Deutschen Fußball Liga e. V. zeigt auf, was Fans längst ahnen: Im deutschen Profifußball werden Jahr für Jahr Milliarden Euro umgesetzt. Alle 18 Mannschaften der Bundesliga erzielten zusammen während der Spielzeit 2017/2018 Bruttoeinnahmen in Höhe von 3,81 Milliarden Euro. Damit konnten Bayern, Dortmund, Schalke und Co. den 14. Umsatzrekord in Folge verbuchen. Die 2. Liga steht im Vergleich dazu deutlich weniger finanzkräftig da: Hier lagen die Umsätze im gleichen Zeitraum bei 608 Millionen Euro. Doch wie setzen sich die Einnahmen eines Bundesligavereins eigentlich zusammen?

Auch dieser Frage widmet sich der DFL-Wirtschaftsreport und kommt dabei zu einer überraschenden Erkenntnis: Der größte Posten auf der Habenseite sind Erträge für die mediale Verwertung von Fußballspielen – Liga, DFB-Pokal, Europa und Champions League. In der gesamten Spielzeit 2017/2018 machten TV-Gelder insgesamt einen Erlösanteil von 32,72% aus. Direkt danach folgen die Werbeeinnahmen der Vereine, die mit 871,6 Millionen Euro tatsächlich höher liegen als die Einnahmen aus Eintrittsgeldern für den Stadionbesuch der Fans (538,4 Millionen Euro). Erst auf dem vierten Platz stehen die Umsätze aus Spielertransfers (645,5 Millionen Euro). Das ist nur logisch, weil Vereine wie Bayern und der BVB zwar oft Spieler teuer verkaufen, aber wie im Fall des erwähnten Neu-Dortmunders Thorgan Hazard für besonders gefragte Sportler durchaus tiefer in die Tasche greifen.

Den teuersten Transfer der bisherigen Bundesligahistorie leistete sich übrigens der FC Bayern München, als er den französischen Verteidiger Lucas Hernández für 80 Millionen Euro von Atlético Madrid verpflichtete. In Sachen Transferpolitik ist allerdings Dortmund der aktuelle „Geldmeister“: Beim Verkauf des französischen Flügelflitzers Ousmane Dembélé an den FC Barcelona strichen die Schwarz-Gelben 105 Millionen Euro ein. Gekostet hatte Dembélé lediglich 15 Millionen Euro.

Merchandising als wichtige finanzielle Stütze

Neben TV-Rechten, Werbung und den Einnahmen aus Einzeltickets und Dauerkarten verdienen die Bundesligavereine natürlich gutes Geld mit ihren Merchandising-Artikeln. Der Handel mit Trikots, Stulpen und anderen – teils kuriosen – Fanartikeln wurde von den großen Klubs in den letzten Jahren enorm professionalisiert. Alleine der FC Bayern betreibt deutschlandweit zwölf lokale Fanshops, sogar in Oberhausen, Mannheim und Berlin. Auch mit dem Onlineversand generieren die Vereine ansehnliche Gewinne. Spitzenreiter beim Sportdress-Merch ist der deutsche Rekordmeister: Mit seinen Trikotverkäufen liegt Bayern europaweit auf dem vierten Platz und muss sich nur dem FC Barcelona, Real Madrid und Manchester United geschlagen geben. Insgesamt verdienten in der Spielzeit 2017/2018 alle Bundesligavereine zusammen 183,3 Millionen Euro mit ihren Fanprodukten. Den Großteil der Umsätze fuhren neben Bayern und Dortmund Traditionsvereine wie Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach ein. In der zweiten Liga dominierte der 1. FC Köln das Merchandising-Geschäft.

Enorme Ausgaben lassen Gewinne schmilzen

Den gigantischen Einnahmen der deutschen Fußballvereine stehen fast ebenso hohe Kosten gegenüber. Neben den Gehältern der Spieler fallen hier u. a. Abgaben für Unfall- und Sozialversicherungen an. Die Personalkosten sind dabei erwartungsgemäß der größte Preistreiber: Alle 18 Erstligavereine gaben für Kickergehälter insgesamt 1,3 Milliarden Euro aus, was einem Gesamtaufwand von 35,5% entspricht. Topverdiener ist aktuell ein Profi aus München: Das Gehalt von Robert Lewandowski (FC Bayern) schätzen Experten auf 1,3 Millionen Euro – pro Monat! Gegen das Einkommen von Lionel Messi (FC Barcelona) ist das aber noch vergleichsweise wenig Geld. „El pulga“ kostet Barca etwa 8,3 Millionen Euro monatlich. Im Vergleich dazu wirkt das geschätzte Jahresgehalt eines Spielers des SC Freiburg mit 420.000 Euro geradezu dürftig, obwohl auch hier jeder Kicker ein durchschnittliches Monatssalär von ca. 35.000 Euro einstreicht.

Verwaltung, Spielstätten, Spielbetrieb sowie die Jugendarbeit und die Leistungszentren verschlingen Monat für Monat ebenfalls viel Geld: Fast 2,4 Milliarden investierten die Erstligaklubs in diese Posten. Schlussendlich kommen Steuerzahlungen sowie weitere Abgaben hinzu. All diese Aspekte führen dazu, dass der Reingewinn aller Erstligavereine mit knapp 101,7 Millionen Euro vergleichsweise gering ausfällt. Ebenfalls interessant: Für nur 13 Erstligisten war das Geschäftsjahr 2017/2018 überhaupt profitabel, fünf Vereine schrieben sogar rote Zahlen. In der zweiten Liga sah es noch weniger rentabel aus: Hier verbuchte gerade einmal die Hälfte der Vereine einen operativen Gewinn. Fußball mag zwar ein Milliardengeschäft sein. Doch um einen Klub profitabel zu führen, bedarf es einer gehörigen Portion Fingerspitzengefühl der Manager.

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