Edelmetall: Geldanlage in Krisenzeiten

Eine Geldanlage in Edelmetalle eignet sich als Krisensicherung. Vor Kurseinbrüchen gefeit sind allerdings auch Gold, Silber & Co. nicht. Trotzdem schätzen viele Kapitalanleger physische Edelmetalle als zusätzliche Geldanlage. Denn Gold, Silber oder Platin helfen bei der Risikostreuung der eigenen Kapitalanlage. Je breiter Sie Ihr Vermögen verteilen, desto geringer ist das Risiko für hohe Verluste. Lesen Sie hier, was es bei der Investition in Edelmetalle zu beachten gilt.

In finanziell unsicheren Zeiten ist die Geldanlage in Edelmetalle besonders gefragt. Der Grund liegt auf der Hand: Gold, Silber und Co. verlieren ihren Wert niemals vollständig – gerade in Form von Barren und Münzen. So gelten Edelmetalle insbesondere als Krisen- und Inflationsabsicherung. Wer als Kapitalanleger auf kurzfristige Gewinne setzt, ist mit anderen Anlageformen allerdings besser beraten – oder braucht entsprechende Marktkenntnis. Die folgenden Aspekte sind bei der Investition in Edelmetalle zu beachten:

  • Zu den gefragtesten Edelmetallen neben Gold gehören Silber, Platin und Palladium.
  • Gold und andere Edelmetalle sind Spekulationsobjekte. Aufgrund der hohen Wertschwankungen ist die Kursentwicklung nur schwer vorhersehbar. Eine Geldanlage setzt entsprechende Fachkenntnisse voraus.
  • Der Kurs von Edelmetallen ist eng mit dem Dollarkurs verknüpft. Es ist folglich immer auch ein Währungsrisiko zu beachten. Zwischen Gold- und Dollarkurs gibt es eine Verbindung, die Experten als „negative Korrelation“ bezeichnen: Sinkt der Dollarkurs, geht der Goldkurs nach oben. Verringert sich hingegen der Goldpreis, profitiert der US-Dollar davon.
  • Wird Edelmetall in Form von Barren oder Münzen verwahrt, sollten entsprechende Sicherheitskosten für Schließfächer etc. einkalkuliert werden.
  • Beim Investment in physische Edelmetalle werden darüber hinaus vergleichsweise hohe Transaktionskosten bei Kauf und Verkauf fällig.

Gold – der Klassiker unter den Edelmetallen

Schon seit der Antike ist Gold ein beliebtes Edelmetall. Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei dem kostbaren Element um eine hochgradig spekulative Geldanlage handelt. Selbst unsichere Zeiten mit vielen Unwägbarkeiten sind noch lange kein Garant für einen steigenden Preis. Die wichtigsten Kriterien zur Geldanlage in Gold im Überblick:

  • Goldinvestitionen sind eine langfristige Krisenabsicherung – insbesondere in Form von Münzen und Barren.
  • Gold sollte nur einen kleinen Teil des Investment-Portfolios ausmachen, da andere Investments kurzfristig oft rentabler sind. Ein Anteil von zehn Prozent gilt bei Anlageprofis als angemessen.
  • Die Investition in Gold lohnt sich für Anleger in der Regel erst ab Mengen über 10 Gramm – ansonsten fallen die hohen Aufschläge zu sehr ins Gewicht.

Welche Vorteile bietet Gold?

Der Goldpreis entwickelt sich oft entgegengesetzt zu den Kursen von Aktien oder klassischen Fonds. Das liegt daran, dass viele Investoren in Krisenzeiten vermehrt ihr Geld in Gold anlegen. Allerdings gibt es auch bei Gold keine Garantie auf einen stetig steigenden Preis. Anleger, die gegen Ende der 1970er-Jahre ihr Geld in Gold investiert hatten, mussten Jahrzehnte warten, bis sie es zumindest zum Einkaufspreis wieder veräußern konnten.

Gold in physischer Form hat den Vorteil, dass es bei Bedarf immer verfügbar ist. Außerdem fällt auf den Erwerb von Gold in Form von Barren und Münzen vielfach keine Mehrwertsteuer an. Goldbarren mit einem Goldgehalt von 995 Tausendsteln sind immer von der Umsatzsteuer befreit. Bei Goldmünzen gilt: Sie müssen einen Goldgehalt von mindestens 900 Tausendsteln aufweisen, nach 1880 geprägt worden und im Herkunftsland ein gesetzliches Zahlungsmittel gewesen sein. Außerdem darf der Verkaufspreis den aktuellen Marktwert des Goldes nicht um mehr als 80 Prozent übersteigen. Verkaufen Sie Ihr Gold wieder, sind die Gewinne steuerfrei, wenn Sie das Edelmetall vorher mindestens ein Jahr in Ihrem Besitz hatten. Befand sich das Gold weniger als ein Jahr in Ihrem Besitz, sind die Veräußerungsgewinne einkommensteuerpflichtig, sofern diese 600 Euro überschreiten.

Welche Nachteile hat Gold?

Die Kursschwankungen beim Goldpreis lassen sich nur schwer abschätzen. Zwischen den Jahren 2007 und 2011 verdreifachte sich der Goldpreis beinahe, um dann bis 2015 knapp die Hälfte an Wert einzubüßen. Anleger sollten also wissen, dass der Goldpreis stärker schwankt als die Kurse von breit gestreuten Aktien und Fonds. Im Allgemeinen übersteigen Aktienrenditen auch die möglichen Profite einer Anlage in Gold. Daher eignet sich das Edelmetall nicht als alleinige Geldanlage. Es wirft keine Zinsen oder Dividenden ab, der Gewinn kann nur durch den Verkauf erzielt werden. Dabei fallen für die Lagerung des Goldes Kosten an (Bankschließfach, Tresor, Versicherung), die den Gewinn schmälern und nicht als Werbungskosten abgesetzt werden können.

Wo sollte ich Gold kaufen?

Wer sein Geld in physisches Gold als Kapitalanlage investieren möchte, der sollte den Anbieter gut auswählen. Spezialisierte Händler für Gold und Edelmetalle sowie Banken, Juweliere und Münzhändler sind übliche Quellen. Da Gold erst bei einem Verkauf zu einem Gewinn führt, sollten Sie ebenfalls überlegen, wo Sie das Gold wieder verkaufen können. Kaufen Sie möglichst direkt eine größere Goldmenge. Ein hundert Gramm schwerer Barren ist kostengünstiger als zehn Barren zu je zehn Gramm. Das gilt auch für Münzen. Eine Münze mit einer Unze des Edelmetalls ist billiger als zehn Münzen mit einem Goldgehalt von je einer zehntel Unze. Je größer die Stückelung, desto besser. Als Maßeinheit für Gold und andere Edelmetalle dient übrigens die Feinunze, die ein Gewicht von 31,1 Gramm definiert. Zu den beliebtesten Anlagemünzen aus Gold zählen der Krügerrand, Maple Leaf, Gold Panda, Gold Eagle und die Goldmünze Wiener Philharmoniker, die es auch in einer Silber- und Platinversion gibt.

Die besten Wertpapiere mit Goldbezug

Eine weitere Möglichkeit, in Gold zu investieren, stellt der Kauf von Wertpapieren mit Goldbezug dar. Hier haben Sie für die Anlage in Gold die Wahl zwischen Aktien und Aktienfonds von Goldminenbetreibern sowie Goldfonds, sogenannten Exchange Traded Commodities – kurz ETCs – und Zertifikaten. Im Gegensatz zur physischen Investition in Münzen oder Barren zahlen Sie bei Kursgewinnen von Wertpapieren allerdings immer Abgeltungssteuer.

Die Wertentwicklung von Goldaktienfonds ist nicht direkt an den Goldpreis gekoppelt, sondern an die Kursentwicklung der entsprechenden Aktien. Erfahrene Anleger können sich deshalb auch an der Investition in Einzeltitel versuchen. Dafür ist jedoch die sehr gute Kenntnis des Marktes eine unbedingte Voraussetzung. Bedenken Sie, dass Sie für den Handel mit Aktien ein Depot benötigen.

Als Anlagemischform eignen sich Goldfonds, bei denen Sie teils physisches Gold und teils Wertpapiere erwerben. Das hat den Vorteil, dass Ihr Investment nicht ganz so riskant ist wie bei Anlagen in Einzelwerte. Zudem gilt das Kapital der Fondanleger als Sondervermögen und ist bei einer eventuellen Insolvenz geschützt. Auch Gold-ETFs (Exchange Traded Funds) und Gold-ETCs sind bei Anlegern recht beliebt, da aufgrund des großen Kaufvolumens günstigere Einkaufspreise erzielt werden können. Diese liegen sehr dicht am sogenannten Spotpreis. Das ist der Preis zur sofortigen Lieferung (von englisch „on the spot“ = „auf den Punkt“).

Als weitere Anlagemöglichkeit in Gold sind Zertifikate zu nennen, die direkt an die Goldpreisentwicklung gekoppelt sind. Der Markt unterscheidet zwischen klassischen Indexzertifikaten und komplexeren Produkten – wie z. B. Discount- oder Bonuszertifikaten.

Nur mit Fachkenntnis empfehlenswert – die Investition in Silber

Silber ist ebenso wie Gold nur in begrenztem Maß abbaubar. Da Silber in kleineren Stückelungen verkauft wird, kann es bei Bedarf einfacher als Goldbarren in Geld umgetauscht werden. Wie viele Silbervorkommen in naher Zukunft noch entdeckt werden, ist ungewiss. Hier ein Überblick über die beachtenswerten Aspekte bei einer Investition in Silber:

  • Der Kurs für Silber schwankt deutlich stärker als der Goldkurs. Das birgt größere Gewinn-, aber auch höhere Verlustchancen.
  • Wer in das starken Kursschwankungen unterworfene Silber investieren möchte, muss am Ball bleiben – und sich am besten täglich mit neuesten Entwicklungen auseinandersetzen.
  • Insbesondere die Inflationserwartungen beeinflussen den Silberkurs. Der Grund: Viele Anleger investieren in Silber, um sich vor der Inflation abzusichern.
  • Silber findet in der Industrie Verwendung. Je stärker Industrieunternehmen auf Silber setzen, desto höher steigt der Kurs.

Bleibt der Bedarf an Silber seitens der Industrie bestehen und werden in naher Zukunft kaum neue Vorkommen entdeckt, ist mit einem steigenden Silberpreis zu rechnen. Allerdings fallen bei stagnierender oder gar rückläufiger Wirtschaft auch die Silberpreise, weil die Nachfrage sinkt. Der Vorteil von Silber besteht allerdings darin, dass das Edelmetall in fast allen elektrischen Geräten verbaut wird und die Recyclingquote noch sehr niedrig ist.

Platin – in der Autoindustrie (noch) begehrt

Das unscheinbar aussehende Platin ist noch deutlich seltener als Gold und Silber. Der Preis von Platin wird allerdings vor allem durch den extrem aufwendigen Herstellungs- und Veredelungsprozess in die Höhe getrieben. Platin

  • ist das mit Abstand wertvollste Edelmetall – die Kursentwicklung ist jedoch kaum vorauszusehen.
  • wird insbesondere für den Bau von Katalysatoren von Dieselmotoren verwendet. Der Kurs steht und fällt mit der entsprechenden Nachfrage. Je weniger Dieselmotoren gebaut werden, desto geringer ist der Bedarf an Platin.
  • war bei Investoren in der Vergangenheit nicht so beliebt wie Gold. Einige Finanzleute sehen daher ein entsprechendes Aufholpotenzial.

Palladium – die Alternative zu Platin

Palladium ist der kleine Bruder des Platins. Seine chemische Zusammensetzung ähnelt stark der von Platin. Entsprechend kann es Platin in den meisten Bereichen ersetzen. Weiteres Wissenswertes zu Palladium:

  • Da Palladium ähnliche Eigenschaften aufweist wie Platin, steigt es insbesondere dann im Kurs, wenn ein Mangel an Platin herrscht.
  • Der Palladiumkurs ist noch stärker an die Verwendung durch die Industrie gekoppelt als der Platinkurs. Insbesondere die Nachfrage im Bereich der Katalysatorentechnik bestimmt daher den Kurs.
  • Durch den sehr kleinen Markt haben selbst geringfügige Veränderungen in der Technik und etwaige neue Ersatzstoffe große Auswirkungen auf den Palladiumkurs.

Palladium ist selten, kommt jedoch häufiger vor als Gold und Platin. Produziert wird es hauptsächlich in Russland und in Südafrika. Entsprechend wirken sich Spannungen in diesen Ländern auch auf den Kurs aus. Infolge der Krimkrise etwa kam es im Jahr 2014 zu erheblichen Kursschwankungen.

Die Edelmetalle in der Übersicht

Gold ist sicherlich der Klassiker bei der Geldanlage in Edelmetall. Da Wert und Nachfrage in Krisenzeiten in der Regel steigen, eignet sich ein Anteil von rund zehn Prozent Gold bei der Geldanlage sehr gut als Gegengewicht zu Aktien und Fonds. Silber ist derweil ein interessantes Edelmetall für Anleger, die die Marktentwicklung stetig im Blick behalten und schnell reagieren. Die stark schwankenden Preise ermöglichen bei permanenter Marktbeobachtung eine hohe Rendite. Platin oder Palladium sind als Geldanlage sehr spekulativ. Egal wie Sie sich entscheiden – das eigene Portfolio durch Edelmetalle zu „vergolden“, kann Vor- und Nachteile haben:

Edelmetall Vorteile Nachteile
Gold Preisentwicklung oft gegenläufig der Aktienkurse Große Schwankungen, Gewinne können Jahrzehnte auf sich warten lassen
Silber Starke Kursschwankungen eröffnen Renditechancen Sehr abhängig von der Wirtschaftslage; viel Aufmerksamkeit erforderlich
Platin Besonders selten und wertvoll Extrem abhängig von der Autoindustrie
Palladium Kann Platin in der Industrie ersetzen Abbau besonders in Krisenregionen
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