Deutsche Luftfahrt: Eine Branche im Sinkflug?

Nach der Insolvenz von Air Berlin im August 2018 musste im Februar 2019 Germania als zweite deutsche Fluggesellschaft die Segel streichen. Diese Pleite hat beträchtliche Auswirkungen auf die deutsche Luftfahrtbranche – vor allem für Touristen mit bereits gekauften Germania-Tickets. Wir verraten Ihnen, warum die deutsche Luftfahrt derzeit wenige Höhenflüge erlebt und wieso im Gegensatz dazu Billigflieger wie easyJet und Ryanair von Jahr zu Jahr zu neuen Umsatzrekorden jetten!

Germania-Insolvenz: Was passiert mit meinen Flugtickets?

Als Germania in der Nacht vom 4. auf den 5. Februar 2019 den Flugbetrieb einstellen musste, fielen unzählige Verbraucher aus allen Wolken. Der Grund: Fluggäste bangten nicht nur um ihre Reiseplanung, sondern auch um ihr Geld. Dass sich die Befürchtungen für einen Teil der Germania-Kunden bewahrheiten sollten, wurde schnell bittere Realität: Direkt bei der Airline oder im Reisebüro gebuchte Flugtickets wurden über Nacht wertlos, die bereits gezahlten Aufwendungen gingen der Insolvenzmasse des Unternehmens zu. Eine Rückerstattung ist für die rund 260.000 Buchungen zwar theoretisch möglich – das ist allerdings nicht selten ein sehr zeitraubendes Unterfangen. Schlussendlich geraten hierbei private Passagiere gegenüber größeren Gläubigern oftmals ins Hintertreffen.

Doch wie ist die Sachlage, wenn ein Germania-Flug Teil einer gebuchten Pauschalreise ist? Hier haben Touristen mehr Glück, denn um die Umbuchung auf eine andere Fluggesellschaft muss sich im Regelfall das Reisebüro kümmern. Auf den Kunden kommen keine zusätzlichen Kosten zu.

Germania-Pleite als Chance für Konkurrenzunternehmen

Andere Luftfahrtunternehmen – wie etwa Eurowings, Condor und die Lufthansa-Tochter easyJet – reagierten schnell auf die Insolvenz von Germania. Viele Gesellschaften bieten aktuell Rabatte für Germania-Kunden an, die teils 50 Prozent des Ticketpreises ausmachen.

Um die freigewordenen Slots an den Airports mit Germania-Flügen ist derweil ein regelrechter Wettkampf entbrannt. Da Germania durch die Pleite auch die Fluglizenz entzogen wurde, buhlen Konkurrenzunternehmen um die Startrechte in Düsseldorf, Frankfurt am Main und Münster/Osnabrück.
Schon jetzt sind ein paar Stücke vom Kuchen verteilt: Die türkische Fluggesellschaft SunExpress ergatterte freie Slots in Düsseldorf, auch Eurowings und Laudamotion möchten die Ausfälle mit dem Einsatz eigener Flugzeuge kompensieren.

Besonders betroffen von dem Germania-Konkurs ist übrigens der Flughafen der Hansestadt Bremen: Gut 70 Prozent aller Flüge wurden hier bislang durch das Unternehmen abgewickelt. 23 Flugziele – vor allem in südliche Urlaubsdestinationen – brachen dem Airport über Nacht weg. Doch auch hier scheint bereits ein Ersatz gefunden worden zu sein: Die Luftfahrtgesellschaften Corendon und Sundair werden künftig die Lücken im Bremer Flugbetrieb auffüllen. All diese Entwicklungen sorgen allerdings dafür, dass ein Germania-Comeback immer unwahrscheinlicher wird.

Erbitterter Preiskampf der „Billigflieger“

Die Zahlungsunfähigkeit von Germania wird von Experten u. a. auf den heftigen Preiskampf im Billigflug-Segment zurückgeführt. Germania – die mit ihren besonderen Serviceleistungen an Bord eher anspruchsvolle Fluggäste ansprach – war hier auf lange Sicht nicht konkurrenzfähig. Der Markt gehört zum größten Teil ausländischen Überfliegern, etwa dem irischen Unternehmen Ryanair oder der britischen easyJet-Flotte. Als einzige deutsche Fluggesellschaft ist hier Eurowings vertreten, eine Tochter der Lufthansa. Eurowings ist in Deutschland zwar immer noch Platzhirsch der sogenannte Low Cost-Carrier, doch Ryanair und easyJet nehmen durch den Ausbau ihres Streckennetzes immer mehr Fahrt auf.

Nach den Pleiten von Air Berlin und Germania werden sich die Marktanteile im Flugverkehr wohl weiter verschieben – auch, weil easyJet und Ryanair immer mehr innerdeutsche Flüge anbieten. Vom harten Konkurrenzkampf profitieren am Ende die Verbraucher: Fliegen ist im Jahr 2019 so günstig wie noch nie! Die nächste Airline-Pleite ist aber wohl nur eine Bonusmeile entfernt.

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