Farbenspiel: IBM kauft Red Hat

Milliarden-Deals gibt es fast täglich in ganz unterschiedlichen Branchen. Doch dass IBM als eines der weltweit führenden IT-Unternehmen 34 Milliarden US-Dollar für eine Softwareschmiede bietet, die hauptsächlich Open-Source-Produkte mit ohnehin öffentlichem Quelltext vertreibt – das lässt Finanzbranche und Verbraucher aufhorchen. Welche Vorteile sich IBM von dem Megadeal verspricht und welche Auswirkungen das Geschäft auf IT-Markt und Anwender hat, das lesen Sie hier!

Von Rot zu Blau: Welches Interesse hat IBM an Red Hat?

Keine Frage: Die International Business Machines Corporation – kurz IBM – dürfte so ziemlich jedem Menschen ein Begriff sein, der irgendwann einmal einen Computer genutzt hat. Das 2011 gegründete Unternehmen mit Sitz im Bundesstaat New York und dem bekannten weiß-blau gestreiften Schriftzug ist nicht nur ein renommierter Hersteller von Personal Computern, Prozessoren und Peripherie, sondern auch Dienstleister in den Bereichen Cloud-Computing, Datenanalyse und Cybersicherheit. Das Besondere an IBM: Schon sehr früh unterstützte das Unternehmen Linux als alternatives Betriebssystem – bereits 1999 gehörte IBM zu den Unterstützern der Open-Source-Software.

Red Hat hingegen hat sich bei Computer-Fans primär einen Namen durch das Betriebssystem Red Hat Enterprise Linux gemacht. Hierbei handelt es sich um eine Alternative zu Windows oder iOS von Apple. Mit diesem Produkt hat sich Red Hat u. a. in die Forbes Liste der 100 innovativsten Firmen der Welt katapultiert – und das, obwohl die Verbreitung des Betriebssystems im Vergleich zu Windows & Co. eher gering ist. Im September 2018 lag der Marktanteil von Linux in Deutschland laut Statista bei bescheidenen 3,34 Prozent – im Gegensatz zu Windows mit 81,88 Prozent.

Seine Stärken spielt Red Hat eher in der Entwicklung und im Geschäftskundenbereich aus. Sämtliche Produkte lassen sich nur inklusive Support-Vertrag erwerben. Geld verdient das Unternehmen in erster Linie durch Serviceleistungen wie Beratungen, Schulungen und technischen Beistand.

Red Hat ist allerdings auch ein Big Player in Sachen Cloud-Computing, dem dezentralen Speichern und Abrufen von Daten über das Internet. Genau aus diesem Grunde hat IBM ein Auge auf Red Hat geworfen. Durch den bislang größten Deal der Firmengeschichte will IBM sein Portfolio im Bereich Cloud-Computing ausbauen und schärfen. Den Einstieg in diesen profitablen IT-Bereich hatte IBM lange verschlafen und das Feld so Konkurrenzunternehmen wie Microsoft, Google und Amazon.de überlassen.

Lohnt sich das 34-Milliarden-Dollar-Investement für IBM?

Nun will IBM also ein Stück vom Cloud-Kuchen abhaben und deshalb 34 Milliarden US-Dollar für Red Hat bezahlen, umgerechnet 190 US-Dollar pro Aktie. Dass es IBM ernst meint, beweist diese Offerte auf jeden Fall: Das Angebot an die Aktionäre liegt gut zwei Drittel über dem derzeitigen Kurs der Red-Hat-Aktie.

Lohnenswert ist der Kauf allemal: Mit Red Hat würde IBM quasi eine Schlüsseltechnologie für linuxbasierte Cloud-Betriebssysteme erwerben und könnte so entscheidende Vorteile zu seinen Wettbewerbern verbuchen. Den Fokus möchte IBM künftig auf die sogenannte Hybrid-Cloud legen. Hierbei handelt es sich um einen boomenden Geschäftsbereich, der vor allem für Firmenkunden von Interesse ist. Eine Hybrid-Cloud vereint die Vorteile klassischer Cloud-Modelle und lokaler Datensicherung und bietet quasi einen verknüpften, sicheren und schnellen Zugang auf eine Fülle von Daten. Dass Cloud-Computing an sich ein milliardenschwerer Zukunftsmarkt ist, beweisen aktuelle Erhebungen: Im Jahr 2017 lag der weltweite Umsatz bei 145 Milliarden US-Dollar. Bereits im Jahr 2020 wird der Umsatz alleine in Deutschland bei ca. 22,5 Milliarden Euro liegen.

Ob IBM mit der Übernahme von Red Hat den gewünschten Erfolg wird verbuchen können, steht derzeit noch in den Sternen. Fakt ist aber, dass IBM strategisch ganz ähnlich vorgeht wie der große Konkurrent Microsoft. Dieser hatte sich im Sommer 2018 für 7,5 Milliarden US-Dollar den Onlinedienst GitHub einverleibt und so ebenfalls seine Position im Cloud-Markt gefestigt. Nun bleibt abzuwarten, wie Mitbewerber wie Amazon Web Services (AWS) und Google auf die Machtverschiebungen im Bereich der Cloud-Provider reagieren. Es bleibt spannend – hoch oben auf der Datenwolke!

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