Deutsche Unternehmen im Investoren-Fokus

Osram, Scout24, Tele München – immer mehr deutsche Unternehmen stehen im Fokus ausländischer Investoren. Das ist nicht verwunderlich, denn die Bundesrepublik hat sich in den letzten zehn Jahren vom „kranken Mann Europas“ zum wirtschaftlichen Zugpferd entwickelt. Gerade US-Investoren gehen deshalb hierzulande gerne auf Einkaufstour. Doch welche Firmen sind überhaupt noch in deutschen Händen und wem gehören die „Big Player“ des Landes? Diese Frage klären wir im folgenden Text!

Ausländische Investoren: unbekannte Drahtzieher in vielen deutschen Firmen

Der deutsche Unternehmergeist hat unzählige erfolgreiche Firmen hervorgebracht, die heute weltweit bekannt sind und Millionen Euro an Umsatz generieren. adidas, Infineon und Bayer sind nur drei prominente Beispiele. Doch wie deutsch sind diese Unternehmen überhaupt noch? Die überraschende Antwort: Der inländische Part ist bis auf den deutschen Firmensitz verschwindend gering.

adidas ist beispielsweise zu 77 Prozent in der Hand institutioneller Investoren – das sind Großanleger aus dem Ausland. Die US-amerikanische Investmentgesellschaft BlackRock ist hier mit über 15 Prozent wichtigster Anteilseigner und streicht so Jahr für Jahr satte Dividenden ein. Auch Bayer und Infineon sind fest in „fremden Händen“, gut 70 Prozent gehören jeweils ausländischen Investoren.

Unter den 30 deutschen DAX-Unternehmen gibt es tatsächlich gerade noch elf Betriebe, die zu mehr als 50 Prozent in deutschem Besitz sind. Der US-Investor BlackRock ist sogar an allen 30 DAX-Unternehmen beteiligt und investierte insgesamt 59 Milliarden Dollar in das Erfolgskonzept „Made in Germany“. Aufgrund dieses enormen Investments wird BlackRock eine große wirtschaftliche Macht zugeschrieben. Schlussendlich möchten Investoren wie BlackRock jedoch nur eines: Geld verdienen. Deshalb setzen Kapitalanleger vor allem darauf, dass Betriebe auch zukünftig rentabel arbeiten.

Ausländische Investoren sind in unendlich vielen deutschen Betrieben involviert. Neben BlackRock tummeln sich noch viele weitere Finanzgeber auf dem deutschen Markt. Ein paar Beispiele dafür finden Sie hier:

  • Der chinesische Autobauer Geely ist mit rund 9,7 Prozent der Aktien Großaktionär bei Daimler.
  • 2,3 Prozent aller Wertpapiere der Deutsche Börse AG sind in den Händen der Royal Bank of Scotland.
  • 3,2 Prozent der HeidelbergCement-Aktien hält das US-amerikanische Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen Morgan Stanley.
  • Der Staat Kuwait ist mit 2,85 Prozent aller Aktien Anteilseigner bei Infineon.
  • 3,14 Prozent aller thyssenkrupp-Aktien gehören dem Staat Singapur.
  • Quatar Holdings – die Investment-Sparte des Emirates Katar – hält 14,6 Prozent der Volkswagen-Papiere.
  • Der staatliche Pensionsfonds des Königreichs Norwegen ist mit 6,9 Prozent an dem Bochumer Wohnungsunternehmen Vonovia beteiligt.

Ausländische Investoren: deutsche Firmen so gefragt wie nie zuvor

Obwohl ausländische Investoren schon Milliarden Euro in deutsche Betriebe investiert haben, ist die Nachfrage nach weiteren Zukäufen immer noch immens hoch. Jüngste Beispiele sind Scout24, Osram und Tele München. Während bei der Scout-Gruppe und dem Leuchtmittelhersteller noch Investorengespräche laufen, ist der Verkauf von Tele München – und damit gleichzeitig der des deutschen Filmverleihers Concorde und des Fernsehsenders Tele 5 – bereits in trockenen Tüchern. Da nach einem alten Marktgesetz Angebot und Nachfrage unmittelbaren Einfluss auf den Preis haben, können deutsche Firmen von dem Interesse der ausländischen Investoren nur profitieren. Durch den zunehmenden Wettbewerbsdruck werden bei Verkäufen attraktive Preise erzielt.

Eine Gefahr jedoch bleibt: Durch ausländische Investoren, die auf der Jagd nach dem „schnellen Geld“ sind, könnten deutsche Traditionsunternehmen zerschlagen werden – etwa durch den Verkauf einzelner Sparten. Dann stehen nicht nur viele Arbeitsplätze im Land auf dem Spiel, sondern auch das Vertrauen, das Verbraucher generell in Produkte made in Germany haben. Andrerseits sorgen Investorengelder dafür, dass Deutschland als Innovationsstandort zukunftsfähig bleibt. Somit muss das Engagement von ausländischen Investoren in bundesdeutsche Unternehmen wohl differenziert betrachtet werden. Für steigende Aktienkurse werden Finanzgeber aber auch zukünftig sorgen!

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