Mit Rentnern gegen den Fachkräftemangel

Arbeiten nach Erreichen der Regelaltersgrenze? Für viele Rentner ist das bereits Realität. Das belegt eine jüngst veröffentlichte Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Infolge des zunehmenden Fachkräftemangels sind Senioren bei Arbeitgebern sehr begehrt. Könnten Ruheständler dem Fachkräftemangel wirksam entgegentreten? Welche Vorteile ergeben sich bei einer Weiterarbeit für die Rentner selbst? Und wo besteht noch politischer Handlungsbedarf? Eine Übersicht.

Rentner sind bei Unternehmen heiß begehrt

Vom Maschinenbau über die Chemie bis hin zur Dienstleistungsbranche: Der Fachkräftemangel ist in nahezu allen Branchen zu spüren – und stellt Arbeitgeber vor zunehmend größere Herausforderungen. Im Bemühen um die Besetzung freier Stellen entdecken immer mehr Unternehmen die Gruppe der Rentner für sich. Erfahrene Ruheständler werden dabei aktiv umworben. Das gilt sowohl für alteingesessene Mitarbeiter als auch für branchenfremde Rentner – aus gutem Grund:

  • Rentner bringen viel wertvolles Know-how mit, das eine Bereicherung für viele Betriebe darstellt.
  • Ihre Erfahrung können Rentner an jüngere Kollegen in der Firma weitergeben. Damit tragen sie maßgeblich zur Zukunftsträchtigkeit eines Unternehmens bei.
  • Die Zahl der unbesetzten Stellen lässt sich durch den Einsatz von Ruheständlern – zumindest vorübergehend – maßgeblich reduzieren.

Das Buhlen um die erfahrenen Ruheständler zahlt sich aus. Wie aus der Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hervorgeht, arbeitet in den ersten drei Jahren nach Rentenbeginn schon jetzt nahezu jeder Dritte. Tendenz steigend.

Arbeiten als Rentner: die Vorteile für Ruheständler

Dass viele Rentner das Angebot der Wirtschaft annehmen und trotz Rente weiter erwerbstätig bleiben bzw. wieder ins Erwerbsleben eintreten, hat diverse Gründe. Zum einen begünstigen die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Weiterarbeit über das Rentenalter hinaus:

  • Durch den demografischen Wandel stehen regulär Erwerbstätigen eine zunehmende Zahl an Rentnern gegenüber.
  • Flexiblere Rentenübergänge wie die Altersteilzeit oder die Flexirente erleichtern das Weiterarbeiten mit reduzierter Stundenzahl.
  • Ein Hinzuverdienst nach dem gesetzlichen Renteneintrittsalter hat in vielen Fällen keine Auswirkung auf die Höhe der Rentenzahlung.

Zum anderen spielen der Spaß an der Arbeit und das Gefühl, gebraucht zu werden, für viele Rentner eine große Rolle. Zudem wird der soziale Kontakt zu Kollegen und Kunden geschätzt.
Mitunter hat die gestiegene Zahl der arbeitenden Rentner aber auch ganz handfeste Gründe: Gerade Ruheständler mit niedrigem Haushaltseinkommen arbeiten des Geldes wegen – zur Aufbesserung der eigenen Rente.

Arbeiten trotz Rente: die wichtigsten Zahlen und Fakten auf einen Blick

Auf Basis des IAB-Berichts lassen sich die folgenden Zahlen und Fakten festhalten:

  • Innerhalb von drei Jahren nach Rentenbeginn arbeitet noch jeder dritte Erwerbstätige.
  • Trotz Unterschieden in den Erwerbsbiografien von Frauen und Männern sowie von Ost- und Westdeutschen unterscheiden sich die Gruppen bezüglich der Erwerbstätigkeit nach dem Renteneintritt kaum voneinander.
  • Besser ausgebildete Personen arbeiten im Rentenalter besonders häufig weiter.
  • Wer bis Mitte 50 vergleichsweise wenig verdient hat, arbeitet häufiger noch mit 65+.
  • Die Branche hat wenig Einfluss auf die Weiterarbeit nach dem Renteneintritt.

Können Rentner den Fachkräftemangel ausgleichen?

So viel ist sicher: Infolge der demografischen Entwicklung haben Rentner für die Wirtschaft der Bundesrepublik noch nie eine derart große Rolle wie heute gespielt. Eine Fokussierung des Wiedereintritts von Ruheständlern ins bzw. des späteren Ausscheidens aus dem Erwerbsleben kann den akuten Fachkräftemangel zwar nicht gänzlich beseitigen, aber zumindest vorübergehend überbrücken.

Allerdings – und das machen die Autoren des IAB-Berichts deutlich – haben Politik und Wirtschaft noch längst nicht das volle Potenzial der Erwerbstätigkeit älterer Menschen ausgeschöpft. Eines der größten Problemfelder: Für Empfänger der Grundsicherung im Alter lohnt es sich kaum, weiter- bzw. wieder zu arbeiten. So wird ein Großteil des zusätzlichen Einkommens auf die Grundsicherung angerechnet. Lediglich 30 Prozent des Einkommens bleiben anrechnungsfrei – und das ab dem ersten Euro. Soll künftig auch diese Gruppe zur Erwerbstätigkeit motiviert werden, besteht dringender Handlungsbedarf.