Für Krankenhaustage Geld zahlen? Kommt darauf an!

Es ist leider schnell passiert: Ein Krankenhausaufenthalt steht an. Ein fremdes Bett, eine ungewohnte Umgebung, Schmerzen – angenehm ist das nie. In ihren Aufnahmeformularen weisen Kliniken zwar auf die Zuzahlungen hin, häufigüberlesen Patienten dies jedoch. Kurz nach der Entlassung liegt dann überraschend die Rechnung im Briefkasten: pro Tag zehn Euro. Das kann unter Umständen teuer werden. Es gibt Ausnahmen und individuelle Belastungsgrenzen.

Genesen? Bitte zahlen! Darum bittet der Gesetzgeber zur Kasse

Eine Zuzahlung zu meiner stationären Behandlung trotz Krankenversicherung? Das ergibt doch keinen Sinn. Tatsächlich ist diese gesetzliche Regelung nicht ganz so unsinnig, wie sie erscheint. Denn der Gesetzgeber hat bei denZuzahlungsregeln für gesundheitliche Leistungen – wozu auch Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen, häusliche Krankenpflege, Haushaltshilfe und Fahrkosten zählen – einen Hintergedanken: Der zu leistende Eigenanteil dergesetzlich Versicherten soll bewirken, dass die Patienten im Rahmen ihrerMöglichkeiten auf eine kostenbewusste und verantwortungsvolle Inanspruchnahme von Leistungen achten.

Tipp

Viele Menschen verwechseln das Krankenhaustagegeld mit den Zuzahlungen, die sie pro Kalendertag an das Krankenhaus zu leisten haben. Gemeint ist damit allerdings die Krankenhaustagegeldversicherung.

Gesundheit rechnet sich – wie viel Geld fürs Krankenhaus anfällt

m Anschluss an Ihre stationäre Behandlung stellt Ihnen das Krankenhaus pro Kalendertag zehn Euro in Rechnung. Aufnahme- und Entlassungstage berechnet die Klinik als zwei volle Tage, maximal zahlen Sie für 28 Tage (§39 SGB V).Alles, was darüber hinaus geht, ist von der Zuzahlung befreit. DerJahreshöchstbetrag liegt damit bei 280 Euro.

Tipp

Die privaten Krankenversicherungen (Basistarife) sowie die gesetzlichen Versicherungsvarianten übernehmen die Zuzahlungen für das Krankenhaus grundsätzlich nicht.

Ausnahmen bestätigen die Zuzahlungsregeln – wann die Kosten entfallen

Der Gesetzgeber befreit bestimmte Personengruppen und Behandlungen. Die Zuzahlungen entfallen bei:

  • Patienten, die das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht haben
  • Krankenhausaufenthalten wegen Entbindung
  • berufsgenossenschaftlichen Heilbehandlungen
  • Arbeitsunfällen
  • dem Nachweis, dass die individuelle Belastungsgrenze bereits erreicht wurde

So berechnen Sie Ihre persönliche Belastungsgrenze

Womit wir beim nächsten Punkt angekommen sind: Ihre individuelle Belastungsgrenze. Gemeint ist damit ein gesetzlich geregelter Höchstbetrag, densämtliche Zuzahlungen für gesundheitliche Leistungen pro Jahr nicht überschreitendürfen. Haben Sie Ihre persönliche Belastungsgrenze bereits im Laufe des Jahres erreicht, so müssen Sie nichts mehr aus eigener Tasche vorschießen. Grundsätzlich gilt für die Berechnung der Belastungsgrenze:

  • Sie zahlen nie mehr als 2 % Ihres Bruttojahreseinkommens. Der Gesetzgeber geht hierbei von einem Familienbruttoeinkommen aus.
  • Für chronisch kranke Patienten liegt die Belastungsgrenze bei 1 % des Bruttojahreseinkommens.
  • Empfänger sozialer Leistungen haben eine an die finanzielle Situationangepasste Belastungsgrenze. Hierbei gilt der Regelsatz desHaushaltsvorstands als Berechnungsgrundlage für die Ermittlung.

In die Berechnung fließt zudem ein Freibetrag ein. Für das Jahr 2020 beträgt dieser:

  • 5.733 Euro für Sie selbst
  • je 3.738 Euro für weitere Angehörige
  • 7.812 Euro pro Kind

Finanzielle Erleichterung für chronisch Kranke

Bei chronisch Kranken ist absehbar, dass sie auch in Zukunft die persönliche Belastungsgrenze überschreiten. Diese Dauerpatienten überweisen gewöhnlicheinmal jährlich 1 % ihres Bruttojahreseinkommens an ihre Krankenkasse. Belege für Behandlungen brauchen sie anschließend nicht mehr vorzulegen. Doch wer gilt nach dem Gesetz als chronisch krank? Das Bundesministerium fürGesundheit nennt folgende Voraussetzungen: Patienten, die über ein Jahrmindestens einmal pro Quartal einen Arztbesuch wegen derselben Erkrankungnachweisen können und zusätzlich eines der folgenden Kriterien erfüllen:

  • Pflegebedürftigkeit des Pflegegrades 3, 4 oder 5 (Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA zur Chroniker-Richtlinie mit Stand vom 11. Dezember 2017 noch nicht wirksam)
  • Grad der Behinderung oder Minderung der Erwerbsfähigkeit 60 % und höher
  • ständiger Bedarf an medizinischer Versorgung (ärztliche oderpsychotherapeutische Behandlung, Arzneimitteltherapie oder die Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln)
Tipp

Sammeln Sie unbedingt alle Belege für medizinische Leistungen, die Sie über das Jahr verteilt in Anspruch nehmen. Dazu zählen Zuzahlungen fürMedikamente und Hilfsmittel, Kosten für die Physiotherapie, Orthopädie- und Zahnbehandlungen. Nur so sind Sie in der Lage, Ihre Aufwendungen lückenlos nachzuweisen.

Tipp

Die Belege für Ihre Krankheits- und Behandlungskosten dienen zudem als Nachweis für außergewöhnliche Belastungen in Ihrer Einkommensteuererklärung und mindern Ihre Steuerlast.

Antrag auf Zuzahlungsbefreiung stellen – so geht es schneller

Anstatt zu warten, bis Ihnen die Krankenkasse zu viel gezahlte Beträge Ende des Jahres zurückerstattet, können Sie sich unmittelbar von weiteren Zuzahlungen befreien lassen. Automatisch läuft das allerdings nicht. Erforderlich ist ein Antragan Ihre Krankenkasse. Jede Kasse bietet hierzu die entsprechenden Online-Informationen. Ist Ihr Antrag erfolgreich, so erhalten Sie eine„Befreiungsbescheinigung“. Bis Ende Dezember des entsprechenden Jahressind Sie dann von Krankheitskosten befreit, also auch von der Pflicht, für Ihre Krankenhaustage Geld zu zahlen.Damit die Krankenkasse Ihre Anfrage schnell prüfen und bewilligen kann, ist es vorteilhaft, gleich alle wichtigen Unterlagen zur Hand zu haben. Hierzu gehören:

  • sämtliche Originalbelege Ihrer geleisteten Zuzahlungen
  • Einkommensnachweis

Bei Familien und Haushalten mit mehreren Personen fast man alle Zuzahlungen zusammen.

Lohnt sich eine Krankenhaustagegeldversicherung?

Da die Zuzahlungen für Krankenhausaufenthalte jährlich für maximal 28 Tage berechnet werden und somit keinesfalls mehr als 280 Euro anfallen, ist einebesondere Versicherung gegen dieses Risiko in der Regel nicht notwendig. WennSie allerdings Extraleistungen in Anspruch nehmen möchten – wie beispielsweise ein Einzelzimmer oder eine bevorzugte Chefarztbehandlung –, dann kostet dies mehr. In dem Fall ist es eine Überlegung wert, eine Krankenhaustagegeldversicherung abzuschließen. Private Versicherer bieten diese und weitere Versicherungen an, um Einkommensausfälle abzufedern. Besonders für Selbstständige kann sich diese Versicherung lohnen. Gesetzlich Versicherte bekommen bis zu anderthalb Jahre Krankengeld in Höhe von 70 bis maximal 90 %ihres Bruttoverdienstes. Der gesetzliche Höchstbetrag liegt bei 109,38 Euro pro Tag (Stand: 08/2020).

Mehr zum Thema

Unfallversicherung – finanzieller Ausgleich bei plötzlicher Invalidität