Wocheneinkauf 2.0: AmazonFresh & Co.

Lange Schlangen an den Kassen, eingeschränktes Warenangebot und schwere Einkaufstüten – den Wocheneinkauf im Supermarkt empfinden viele Deutsche als puren Stress. Genau deshalb verlagert sich das Lebensmittelgeschäft zunehmend ins Internet. Bei zahlreichen Anbietern können Sie mit per Mausklick Konserven, Pasta und Kaffee über den virtuellen Warenkorb nach Hause holen. Doch die eigentliche Einkaufs-Revolution steht noch bevor, denn immer häufiger gibt’s im Netz auch frische Nahrungsmittel.

Online-Supermärkte: die Big Player im Überblick

Der Siegeszug des E-Commerce als Erbe des klassischen Einzelhandels macht vor der Lebensmittelbranche nicht halt. Jahr für Jahr wachsen die Online-Umsätze sogenannter Fast Moving Consumer Goods – also Produkten, die häufig nachgekauft werden. Einer der Vorreiter für das Angebot von Lebensmitteln im Internet ist REWE: Das Unternehmen wurde bereits im Jahr 2011 in diesem Segment aktiv. Sukzessive erkannten weitere Supermarktketten das Wachstumspotenzial und zogen nach: Aktuell können Sie bei Netto, Lidl, Edeka, real und vielen anderen namhaften Händlern Ihre Nahrung auch online bestellen – zumindest in ausgewählten Regionen und Ballungsgebieten.

Die wachsende Nachfrage sorgte auch dafür, dass vermehrt reine Online-Lebensmittellieferanten auf den Plan traten, um sich ein Stückchen vom E-Commerce-Kuchen zu sichern. Zu den bekanntesten Unternehmen zählen u. a. der von DHL gegründete virtuelle Supermarkt AllyouneedFresh (aktuell im Besitz des Online-Reifenhändlers Delticom), das Leipziger Unternehmen food.de, die norddeutsche E-Commerce-GmbH myTime.de und die Edeka-Tochter bringmeister.de.

Anbieter von Kochboxen verzeichnen Millionen-Umsätze

Ebenfalls auf dem Vormarsch sind Anbieter sogenannter Kochboxen. Die Geschäftsidee dahinter: Kunden erhalten per Post ein konfektioniertes Lebensmittel-Paket, das sämtliche Zutaten für ausgewählte Gerichte beinhaltet. Damit können Sie ganz entspannt kochen, ohne zuvor an der Supermarktkasse Schlange zu stehen. Ein weiterer Vorteil: In der Kochbox sind alle Produkte in genau den Mengen enthalten, die Sie für ein bestimmtes Gericht brauchen. Das beugt einer Lebensmittelverschwendung vor – es wandern weniger abgelaufene Reste in den Müll. An sich eine gute Idee, denn laut der Umweltorganisation WWF landen jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in deutschen Mülltonnen. Auf der anderen Seite werfen Kritiker den Kochbox-Anbietern vor, enorme Mengen von Verpackungsmüll zu produzieren. So gilt es, das Für und Wider von online bestellten Lebensmitteln genau abzuwägen.

Trotz der Kritik sind Kochboxen ein wachsendes Erfolgsmodell: Alleine der Branchenprimus HelloFresh, ein Unternehmen der Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet, steigerte im 3. Quartal 2018 seinen Umsatz um fast 40 Prozent auf 302 Millionen Euro. Seit November 2017 ist das Unternehmen mit Sitz in Berlin sogar börsennotiert.

Auch andere Kochbox-Lieferanten punkten mit guten Umsatzzahlen: So generierte Marley Spoon – an dem Rocket Internet ebenfalls beteiligt ist – im Jahr 2018 einen Umsatz von gut 53 Millionen Euro. Das zu Lidl gehörende Start-up Kochzauber konnte hingegen den Kampf gegen seine Konkurrenten nicht bestehen und stellte nach hohen Verlusten den Betrieb im März 2019 ein.

AmazonFresh plant deutschlandweite Lieferung

Dass der hart umkämpfte Markt der Online-Lebensmittel erhebliches Potenzial bietet, hat nicht zuletzt Branchenriese Amazon erkannt. Mit Amazon Pantry hat das Unternehmen bereits einen Lieferdienst für haltbare Lebensmittel, Drogerieprodukte und Tiernahrung im Portfolio. Zukünftig plant das US-Unternehmen jedoch auch die deutschlandweite Lieferung von frischer Nahrung – u. a. Fleisch, Gemüse, Backwaren, Milchprodukte und Obst.

Erste Feldversuche in den deutschen Großstädten Berlin, Hamburg und München waren so erfolgreich, dass AmazonFresh nun schnellstmöglich flächendeckend agieren möchte. Der Lieferdienst soll Prime-Kunden für 9,99 Euro im Monat angeboten werden und könnte den Supermarkteinkauf dann komplett ablösen. Der Clou: Sie können Ihre Ware bis mittags bestellen und erhalten Ihre Einkäufe am selben Tag pünktlich zum Abendessen. Die ohnehin imposante Logistik des Konzerns muss dafür nochmals angepasst werden, um Lebensmittelsicherheit und Unverdorbenheit der frischen Ware zu gewährleisten. Helfen sollen unter anderem isolierte Taschen und IcePacks, die mit in das Lebensmittel-Paket wandern.

Können Sie sich vorstellen, Ihre Wocheneinkäufe künftig nur noch online zu erledigen? Damit sind Sie nicht alleine: Laut einer Statista-Erhebung wird das Geschäft mit Nahrungsmitteln aus dem Internet in den nächsten fünf Jahren nochmals um 86 Prozent wachsen. Im Vergleich zu anderen Ländern ist Deutschland allerdings ein relativ kleiner Markt: In China werden derzeit jährlich für 12 Milliarden Euro Lebensmittel online eingekauft. Bis zum Jahr 2021 soll der Umsatz auf 27,2 Milliarden Euro steigen. Ob sich diese Prognosen bewahrheiten, wird sich in naher Zukunft zeigen. Mit Blick auf das hohe Kundeninteresse und die ambitionierten Pläne der Anbieter steht die Lebensmittel-Revolution aber wohl kurz bevor.

Mehr zum Thema

Einfach und sicher online bezahlen – paydirekt