Grüner wird’s nicht? Nachhaltig reisen ohne Verzicht

Hand auf’s Herz: Wer in den Urlaub fährt, will sich meist entspannen, etwas Neues erleben oder eine schöne Zeit mit den Liebsten verbringen. Die Umwelt zu retten – das steht nicht unbedingt in Ihrem Reiseplan? Dabei hat unsere Art zu verreisen einen Einfluss auf die Klimakrise, in der wir aktuell stecken. Erfahren Sie hier, wie Sie möglichst nachhaltig reisen und was es dabei zu beachten gibt!

Warum ist nachhaltiges Reisen die einzige Wahl?

Was haben schmelzende Gletscher mit Ihrem Urlaubsziel zu tun, das weit weg im sonnigen Süden liegt? Die Auswirkungen der Klimakrise sind nicht nur lokal, sondern vor allem global immer stärker zu spüren. Und auch wenn die Hauptverantwortungen bei den ganz großen Akteuren liegt – in der Wirtschaft und der Politik –, sind es doch am Ende wir, die durch unseren Konsum und unsere Entscheidungen eine Änderung herbeiführen können. In den Alltag lassen sich diese Änderungen vergleichsweise einfach integrieren – mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder Bio-Lebensmittel zu kaufen, ist definitiv ein guter Schritt. In anderen Bereichen unseres Lebens tun wir uns dann hingegen schwer – oder sind Sie in den letzten Jahren bewusst nachhaltig oder „sanft“ gereist?

Hierunter versteht man ein möglichst ökologisches und ressourcenschonendes Reisen, bei dem weder viel CO2 noch andere Abfälle produziert werden – Ihre Reise zieht die Umwelt also nicht dauerhaft in Mitleidenschaft. Wir haben für Sie im Folgenden die Etappen einer nachhaltigen Reise einmal zusammengefasst.

Ich packe meinen Koffer …

Wer nachhaltig reisen möchte, beginnt damit idealerweise schon beim Kofferpacken. Natürlich möchte man mit möglichst leichtem Gepäck reisen, denn das spart nicht nur Geld (primär bei Flugreisen), sondern oft auch Nerven. Parallel zu diesem reduzierten Ansatz aber ist es sinnvoll, alle notwendigen Dinge mitzunehmen, die dann nicht vor Ort neu gekauft werden müssen und im schlimmsten Falle dort gleich wieder im Müll landen.

Wie so häufig ist der goldene Mittelweg die Lösung: Der Kulturbeutel sollte beispielsweise gut gefüllt aus der Heimat mitgenommen werden – allerdings nur mit Dingen, die Sie wirklich benötigen. Wie wäre es statt mit riesigen Shampoo- und Duschgel-Flaschen mit festem Shampoo oder Körperseifen? Die kleinen Saubermacher nehmen nicht nur weniger Platz im Gepäck weg, sie dürfen – im Gegensatz zu Flaschen über 100 ml – auch ins Handgepäck und halten mindestens doppelt so lang wie ein Standard-Shampoo. Generell gilt bei Hygieneprodukten: so natürlich wie nötig – besonders, wenn es in den Outdoor-Urlaub geht und die Morgendusche in einem Bergsee stattfinden wird. Bleiben wir bei der Sauberkeit:
Statt Unmengen von Kleidung packen Sie lieber ein Handwaschmittel ein, um das liebste T-Shirt abends schnell durchzuwaschen. Auf diese Weise tragen Sie frische Wäsche und reduzieren Ihr Gepäckvolumen deutlich.

Auf Einweggeschirr und -verpackungen zu verzichten, kann im Urlaub schnell schwierig werden – und niemand erwartet, dass Ihre wohlverdiente Auszeit plötzlich unter dem Stern des „Zero Waste“ steht. Doch eine mitgebrachte Brotdose und vielleicht ein, zwei Bienenwachstücher erweisen sich schnell als echte Lebensretter, wenn sie beispielsweise etwas Verpflegung für eine Wanderung einpacken möchten. Campingbesteck oder -geschirr sind inzwischen als schnell waschbare und hübsche Alternative zur Plastikausführung zu haben.

Wer mit Kindern verreist, hat andere Gedanken im Kopf, als besonders nachhaltig zu reisen: Da wird gern das zehnte Sandförmchen im Kiosk am Strand gekauft, obwohl in der heimischen Sandkiste schon neun fast identische Exemplare schlummern. Nehmen Sie Kinderspielzeug mit, freuen sich die Kleinen nicht nur über einen vertrauten Freund am Urlaubsort, Sie sparen sich die Anschaffung von Dingen, die Sie eigentlich schon haben.

Das richtige Fortbewegungsmittel wählen

Die Koffer sind gepackt und es kann endlich losgehen – doch steigen Sie nun in Auto, Flugzeug oder die Bahn? Da An- und Abreise bis zu 90 Prozent der Treibhausemissionen eines Urlaubs ausmachen können, ist diese Entscheidung eine der wichtigsten, wenn Sie nachhaltig reisen möchten!

Der Grundgedanke einer ressourcenschonenden Reise lautet: so viel öffentliche Verkehrsmittel wie möglich, so wenig Individualverkehr wie nötig.
Die Reise mit dem Zug oder dem Fernbus ist dementsprechend Auto oder Flugzeug vorzuziehen. Warum der Fernbus? Auf den ersten Blick scheint es wie ein Widerspruch, schließlich wird hier auch CO2 ausgestoßen. Aber im Gegensatz zum Auto sind Fernbusse oft gut ausgelastet und haben sogar eine bessere Ökobilanz als ein halb leerer ICE, der durch die Landschaft fährt. Zusätzlich sind Fernbusse nicht selten günstiger als ein Zugticket.

Wer auf dem europäischen Kontinent reisen möchte, hat außerdem noch eine ganz besondere Möglichkeit: den Schlafwagen! In Deutschland eher ein Relikt aus alten Zeiten, erfreuen sich die Nachtzüge in Österreich oder Italien aktuell wieder größerer Beliebtheit. So kommen Sie relativ ausgeschlafen am Ziel an, müssen sich keine Sorge um die Hotelsuche oder das Autofahren machen – klingt perfekt! Aktuell ist das Netz in Europa allerdings definitiv noch ausbaufähig. Wer im Zug nicht schlafen kann, verbringt die Nacht in einem Hotel oder einer Pension und reist dann am nächsten Tag weiter.

Tipp

Wenn Sie für die Unterkunft einen etwas kleineren Ort entlang Ihrer Bahnstrecke wählen, wird die Übernachtung meist deutlich günstiger.

Wohin geht die Reise?

Sie sitzen nun im Zug, Auto oder der Bahn und freuen sich auf Ihren Zielort – doch wo liegt der überhaupt? „Je näher, desto umweltschonender“ ist ein Trugschluss, dem wir im Eifer des Urlaubsgefechts öfter aufsitzen. Denn tatsächlich gibt es weitere Faktoren, die entscheiden, wie nachhaltig ein Reiseziel ist.

  • Anreise: Kann ich komplett mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen und sind diese nachhaltig in die Infrastruktur vor Ort eingebunden?
  • Touristische Infrastruktur: Ist der Ort für den Tourismus ausgelegt? Oder wird er von Menschenmassen nur so überrannt, während Flora und Fauna letztendlich darunter leiden müssen? Bestes Beispiel ist hier der Mount Everest, der jedes Jahr unter den Besucherströmen ächzt, die Massen an Müll hinterlassen.
  • Einwohner und Einheimische: Wie profitieren die Einheimischen vom Tourismus direkt vor ihrer Haustür? Bei großen All-inclusive-Anlagen beispielsweise machen vor allem die internationalen Anbieter, kaum aber die örtlichen Unternehmen Gewinn.

Überlegen Sie sich vor Ihrem Urlaub deshalb, was Sie von Ihrem Urlaub erwarten: Entspannung pur? Malerische Städtchen? Aufregende Wanderungen? Oder möchten Sie einfach mal wieder das Meer sehen? Fast alle dieser Wünsche lassen sich in Deutschland, zumindest aber in Europa erfüllen. Wenn Sie beispielsweise an Ihrer Sommerbräune arbeiten möchten, können Sie das in Ligurien oder sogar auf Sylt mindestens so gut wie auf Teneriffa.

Nachhaltig nächtigen – gar nicht so einfach?

Endlich am Urlaubsort angekommen – doch wie schaut eigentlich die Unterkunft aus? Selbst hier haben Sie mehr oder weniger nachhaltige Optionen. Große Hotelkomplexe sind meist nicht die beste Wahl, wenn es ressourcenschonend sein soll – nicht selten werden sie ohne Rücksicht auf die Natur gebaut, um beispielsweise einen möglichst unverstellten Blick auf das Meer zu gewähren.
Diese Leitfragen helfen bei der Wahl der Unterkunft:

  • Was gibt es zu essen, wo kommen die Speisen her? Regionale Lebensmittel und Gerichte stärken die Wirtschaft vor Ort.
  • Wer führt die Unterkunft und wer arbeitet dort?
  • Wie zentral ist die Unterkunft gelegen? Kann ich alles mit dem ÖPNV erreichen?

„Grüne“ Buchungsportale wie bookitgreen sollen dabei helfen, nachhaltig handelnde Hotels und Pensionen ausfindig zu machen. Ausgewählte Anlagen werden hier anhand eines strengen und nachhaltigen Kriterienkatalogs bewertet.

CO2-Kompensation: Ablassbriefe der Gegenwart?

Immer häufiger wird Reisenden noch während des Buchungsvorgangs angeboten, mithilfe einer Kompensationszahlung die CO2-Emissionen auszugleichen. Dabei wird errechnet, was es kostet, die durch Ihre gebuchte Reise verursachte Menge an CO2 zu kompensieren – beispielsweise durch nachhaltige Klimaprojekte, bei denen Energie aus Wasserkraft gefördert wird. So errechnet der Anbieter atmosfair bei einem Flug von Berlin nach Marseille eine CO2-Menge von 353 kg. Eine Ausgleichszahlung läge hier bei 9 Euro. Der große Vorteil dieser Idee ist, dass jeder betroffene Verbraucher dazu motiviert wird, Geld für Aufforstungsprojekte o. Ä. zu spenden, gerade weil der Betrag verhältnismäßig gering ist. Zusätzlich regt die Rechnung zum Nachdenken an – brauche ich diesen Flug wirklich? Allerdings verführt die Kompensationszahlung schnell dazu, das schlechte Gewissen ruhigzustellen – ganz nach dem Motto „Ich habe ja bezahlt, jetzt kann ich problemlos fliegen!“ Und genau das trifft nicht zu: Auch die Ausgleichszahlungen halten den Klimawandel nicht auf, und die Schäden an der Umwelt, die durch Flüge entstehen, lassen sich nicht 1:1 durch eine Zahlung von 9 Euro abwenden.

Wie sieht also die perfekte Lösung aus? Hier streiten sich die Experten: Die verbindliche Zahlung von Kompensationszahlungen ist eine Möglichkeit. Doch das Fliegen pauschal teurer zu machen, trifft am Ende die, die es sich sonst gar nicht leisten können. Ein anderer Ansatz lautet, nachhaltige Reisemöglichkeiten zu fördern, sodass Fahrten mit Bahn und Co. an Attraktivität gewinnen. So können Sie im nächsten Urlaub ganz entspannt die Seele baumeln lassen – grünes Gewissen inklusive.

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