Kommt die Grundrente für Geringverdiener?

Deutschland ist per Definition ein Sozialstaat, der die wirtschaftliche Sicherheit seiner Bürger auch im Alter garantieren möchte. Dazu wurde im Jahr 1889 das gesetzliche Rentensystem aus der Taufe gehoben – federführend war Reichskanzler Otto von Bismarck. Bis heute hat die gesetzliche Rentenversicherung viele Reformen durchlaufen. Auch aktuell gibt es wieder Pläne, das Rentensystem anzupassen. Profitieren würden vor allem Menschen mit einem geringen Einkommen.

Grundrente gegen Altersarmut – ein finanzierbares Konzept?

Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft steht das deutsche Rentensystem auf wackeligen Füßen. Der Generationenvertrag gerät durch die demografische Entwicklung mehr und mehr aus den Fugen. Genau aus diesem Grund wird das Rentenniveau weiter sinken. Lag die Höhe der Standardrente im Jahr 2003 noch bei recht hohen 53,3 Prozent des Durchschnittsverdienstes, so wird sie bis zum Jahr 2030 möglicherweise auf 44,3 Prozent fallen. Das jedenfalls schätzen Experten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Doch selbst eine Rente auf diesem niedrigen Niveau ist nicht jedem deutschen Bürger vorbehalten. Der Grund: Nur wer mindestens 35 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt hat, der hat auch Anspruch auf die sogenannte Altersrente für langjährig Versicherte. Diese wird zudem nur abschlagsfrei ausgezahlt, wenn das gesetzliche Renteneintrittsalter erreicht ist: Bei den Geburtsjahrgängen 1964 oder später ist das erst mit 67 Jahren der Fall.

Sie sehen – die Rente mag zwar sicher sein, es wird allerdings zunehmend schwieriger, seine Ausgaben im Alter alleine mit der staatlichen Grundsicherung zu stemmen. Besonders Menschen, die ihr ganzes Leben nur ein geringes Gehalt verdienten, müssen als Rentner immer öfter die Leistungen der staatlichen Grundsicherung in Anspruch nehmen. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) möchte dieser Entwicklung mit einem neuen Konzept entgegenwirken: Wem nach 35 Beitragsjahren weniger als 896 Euro pro Monat Rente zustehen, dessen Pensionen sollen vom Staat auf einen Betrag aufgestockt werden, der etwa 10 Prozent über dem Grundsicherungsbedarf liegt. Die maximale Subvention läge bei 447 Euro im Monat. Schätzungen gehen davon aus, dass knapp vier Millionen Rentner von dem Modell profitieren könnten. Sollte sich Heil mit seiner Idee durchsetzen, wären allerdings hohe staatliche Mehrausgaben von bis 6,5 Milliarden Euro notwendig – pro Jahr!

Grundrente: Kritiker warnen vor Mitnahmeeffekten

Viel günstiger würde das Rentenkonzept werden, wenn die Zahlung einer Grundrente an eine Bedürftigkeitsprüfung geknüpft wäre. Schließlich sieht das Heil-Modell vor, dass eine Rentenaufstockung bei jeder einzelnen Person möglich wäre – ganz unabhängig von anderen finanziellen Aspekten wie dem Einkommen des Partners, einem Immobilienbesitz oder einer Erbschaft.

Kritiker aus Union und FDP bemängeln deshalb, dass die fehlende Bedürftigkeitsprüfung zu einer ungerechten Verteilung der Grundrente nach dem „Gießkannenprinzip“ führen könnte. Auch, dass der Anspruch auf eine Subventionierung der Rente erst ab 35 Beitragsjahren bestünde, sehen Gegner der Reformpläne skeptisch. Ein Arbeitnehmer, der „nur“ 34 Beitragsjahre vorweisen kann, hätte demnach keinen Anteil an der Reform. Führende Experten des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes fordern deshalb, die Anerkennungszeit auf 25 bis 30 Jahre abzusenken.

Fazit: Private Altersvorsorge wird immer wichtiger

Dass die Grundrente bald kommen wird, gilt als sicher: Schließlich haben SPD und CDU/CSU dieses Vorhaben in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag verankert. Wie das Konzept aber in der finalen Version aussehen wird, ist unterdessen noch nicht klar. So legt der Koalitionsvertrag beispielsweise nicht fest, ob die Grundrente aus Steuermitteln oder aus der Rentenkasse finanziert werden soll. Auch das Thema „Bedürftigkeitsprüfung“ wird wahrscheinlich noch für einige politische Diskussionen sorgen.

Doch trotz aller Bemühungen der Politik lässt sich die drohende Rentenlücke im Alter – also die Kluft zwischen Nettogehalt und Nettorente – nicht wegdiskutieren. Deshalb ist es sinnvoll, neben der staatlichen Rente auf ein zweites privates Standbein zu setzen. Dank Zins- und Zinseszinseffekt können Sie so langfristig eine hübsche Summe ansparen und haben als Rentner/in mehr Geld für Ihre Wünsche und Träume zur Verfügung. Das Beste daran: Wer früh mit dem Sparen anfängt, der kann schon mit kleinen Beträgen viel erreichen.

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