Stichtag 01. Juli 2019: Das ändert sich für Verbraucher

Nicht nur für Rentner ist der 01. Juli immer ein wichtiger Tag, weil dann die jährliche Rentenerhöhung ansteht. Auch viele andere gesetzliche Regeln und Leistungen ändern sich am ersten Tag der zweiten Jahreshälfte. Neben den Rentnern dürfen sich dieses Jahr die Eltern freuen: Sie erhalten mehr Kindergeld. Was ab jetzt neu ist und welche Veränderungen Sie betreffen, erfahren Sie in der folgenden Zusammenfassung.

Die gesetzliche Rente steigt kräftig

Im Westen steigt die Rente um 3,18%, im Osten fällt der Zuwachs mit 3,91% noch höher aus. Das bedeutet, dass Sie bei einer Altersrente in Höhe von 1.000 Euro im Westen 31,80 Euro und im Osten 39,10 Euro pro Monat mehr ausgezahlt bekommen. Allerdings führt die Rentenerhöhung dazu, dass rund 50.000 Rentner nun steuerpflichtig werden. Die neuen Rentenbescheide verschickt die Rentenversicherung zwischen dem 07. Juni und dem 24. Juli des Jahres.

Tipp

Wer vor April 2004 in Rente gegangen ist, hat die höhere Rente bereits Ende Juni erhalten. Alle andere spüren die Veränderung erst einen Monat später.

Das Kindergeld legt ebenfalls zu

Ab dem 01. Juli 2019 erhalten Eltern pro Kind 10 Euro mehr Kindergeld. Die Anhebung erfolgt gleichmäßig über alle Stufen. Das sind die neuen Sätze für das Kindergeld:

  • erstes und zweites Kind: 204 Euro (statt bisher 194 Euro)
  • drittes Kind: 210 Euro (statt bisher 200 Euro)
  • viertes Kind und alle weiteren: 235 Euro (statt bisher 225 Euro)

Empfänger von Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV) profitieren von der Steigerung nicht, da das Kindergeld voll auf den Regelsatz angerechnet wird. Diesen hat die Bundesregierung nicht angepasst.

Höherer Kinderzuschlag

Durch die Zustimmung des Bundesrates zum Starke-Familien-Gesetz steigt der Kinderzuschlag ab 01. Juli 2019 von bisher maximal 170 Euro auf maximal 185 Euro an. Einkommensschwache Familien, die nur knapp keinen Anspruch auf Unterstützung über Arbeitslosengeld 2 haben, profitieren zusätzlich von folgenden Änderungen:

  • Die Abbruchkante, ab der Eltern plötzlich keinen Zuschlag mehr erhalten, wird aufgehoben. Das Einkommen der Eltern mindert den Zuschlag ab 01. Juli um maximal 45%.
  • Auch eigenes Einkommen der Kinder wird nicht mehr voll, sondern lediglich zu 45% auf den Zuschlag angerechnet. Die Verdienstgrenze von 100 Euro für die Kinder entfällt.
Tipp

Durch die neuen Regeln haben mehr Familien Anspruch auf den Kinderzuschlag. Prüfen Sie, ob Sie davon profitieren können.

Mehr Zeit für die Steuererklärung

Galt bisher der 31. Mai als Stichtag für die Einkommensteuererklärung, lässt Ihnen das Finanzamt zukünftig mehr Zeit. Ab 2019 liegt der Stichtag erst am 31. Juli des Jahres. Lassen Sie Ihre Steuererklärung von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein erstellen, verlängert sich die Frist bis zum 28. Februar 2020. Und da dieser Tag ein Samstag ist, endet die Abgabefrist für die Steuererklärung 2018, die durch einen professionellen Anbieter erledigt wird, sogar erst am Montag, den 02. März 2020. Müssen Sie noch die Steuererklärung für 2017 erledigen, gelten die alten Fristen.

Tipp

Verschleppen Sie die neuen Fristen nicht, denn das Finanzamt wird strenger. Für jeden angefangenen Monat, den Sie sich verspäten, werden 0,25% der fälligen Steuerabgaben, mindestens aber 25 Euro als Versäumniszuschlag fällig.

Midijobber dürfen mehr verdienen

Ab dem 01. Juli 2019 steigt die Einkommensgrenze für Midijobber auf 1.300 Euro pro Monat an. Bisher profitierten Midijobber, die mehr als 450 Euro verdienen, nur bis zu 850 Euro von den vergünstigten Sozialabgaben. Ab sofort steigt diese Grenze um 450 Euro monatlich an. Erst ab einem Bruttoeinkommen von mehr als 1.300 Euro werden die vollen Sozialabgaben fällig. Außerdem führt die geringere Beitragsbelastung ab dem Stichtag nicht mehr zu reduzierten Rentenbezügen. Trotz niedrigerer Rentenversicherungsbeiträge erwerben Midijobber ab sofort den vollen Rentenanspruch entsprechend des erzielten Einkommens.

Die Pfändungsfreigrenzen liegen höher

Schuldner dürfen ab dem 01. Juli 2019 rund 4% ihres Einkommens mehr behalten. Die Pfändungsfreigrenze für einen Alleinstehenden in der untersten Einkommensstufe liegt jetzt bei 1179,99 Euro monatlich. Ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) deckt nunmehr einen Betrag von 1178,59 Euro pro Monat ab. Arbeitgeber und Banken müssen diese Grenzen automatisch beachten. Achtung: Falls Sie für weitere Personen unterhaltspflichtig sind und einen höheren Betrag schützen dürfen oder mit dem Gläubiger individuelle Vereinbarungen getroffen haben, müssen Sie selbst aktiv werden.

Das Briefporto wird teurer

Ab dem 01. Juli 2019 müssen Sie für Postkarten und Briefe mehr Porto bezahlen. Bei Postkarten steigt das Porto um ganze 15 Cent, Briefe werden 10 Cent teurer. Dies sind die neuen Kosten für Briefsendungen mit der Deutschen Post:

  • Postkarte: 60 Cent (statt bisher 45 Cent)
  • Standardbrief (bis 20 Gramm): 80 Cent (statt bisher 70 Cent)
  • Kompaktbrief (bis 50 Gramm) 95 Cent (statt bisher 85 Cent)
  • Großbrief (bis 500 Gramm): 1,55 Euro (statt bisher 1,45 Euro)
  • Maxibrief (bis 1.000 Gramm): 2,70 Euro (statt bisher 2,60 Euro)

Während die Briefpost in den letzten Jahren immer wieder teurer geworden ist, handelt es sich bei Postkarten um die erste Preiserhöhung seit dem Jahr 2003.

Tipp

Bereits vorhandene Briefmarken können Sie aufbrauchen, es sind 10-Cent-Ergänzungsmarken erhältlich, um die passende Frankierung einfach vorzunehmen.