EU-Roaming 2019 – so telefonieren Sie günstig

Bereits seit Juni 2017 dürfen Netzbetreiber in der EU keine Roaming-Gebühren mehr in Rechnung stellen. Das bedeutet: Wer im EU-Ausland surft oder telefoniert, muss generell keine hohen Kosten mehr befürchten. Seit dem 15. Mai 2019 sind auch Gespräche aus der Heimat ins europäische Ausland günstiger. Trotzdem besteht immer noch die Gefahr, dass Sie beim Roaming ins finanzielle Fettnäpfchen treten. Wir zeigen Ihnen, was Sie im Zusammenhang mit den aktuellen Regelungen berücksichtigen müssen!

In welchen Ländern greifen die Gesetze zum EU-Roaming?

Die Vorgaben zum Roaming sind in der gesamten EU bzw. im kompletten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gültig, also in allen 28 Mitgliedsstaaten plus Liechtenstein, Norwegen und Island. In Spanien profitieren auch Urlauber natürlich auch auf den Balearen (Mallorca, Menorca, Ibiza etc.) und den Kanarischen Inseln (Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Teneriffa etc.) von der Regelung. In Portugal sind neben Madeira auch die Azoren in die Roaming-Vorgaben eingebunden, obwohl die Inseln weitab vom europäischen Festland liegen. Auch bei einem Besuch der französischen Überseegebiete profitieren Sie von den Gesetzen zum EU-Roaming: Sowohl in Französisch-Guayana, im karibischen Guadeloupe und in Saint-Martin bezahlen Sie keine Roaming-Zuschläge.

Das klingt zunächst ziemlich gut, doch auf dem europäischen Festland gibt es leider auch (Stand: Mai 2019) einige Roaming-„Funklöcher“: Wenn Sie beispielsweise in der Schweiz oder in der Türkei telefonieren oder Daten über Ihr Smartphone abrufen, können unter Umständen zusätzliche Gebühren anfallen. Ob das bei Ihrem Handyvertrag der Fall ist, sollten Sie vor einer Auslandsreise unbedingt überprüfen. Zu den weiteren Gebieten, die derzeit nicht an die EU-Roaming-Verordnung gebunden sind, gehören

  • der Vatikan,
  • die Kanal-Inseln,
  • San Marino,
  • die Färöer-Inseln,
  • die Isle of Man,
  • Monaco und
  • Andorra.

Wenn Sie die beiden letztgenannten Destinationen besuchen, dann können Sie die Roaminggebühren allerdings umgehen, indem Sie sich manuell ins französische bzw. spanische Mobilfunknetz einwählen.

Kostenfalle Kreuzfahrtschiff: Keine Vorteile durch EU-Roaming

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren bringt erhebliche Vorteile für Verbraucher mit sich. Es profitiert jedoch nicht jeder Reisende von den neuen Roaming-Regelungen. Befinden Sie sich beispielsweise auf einem Kreuzfahrtschiff, erfolgt die Verbindung normalerweise via Satellit. Hierfür können sehr hohe Kosten anfallen. Vom Sonnendeck aus Sprachnachrichten verschicken oder über Ihr Smartphone entspannende Musik zu streamen, ist also eher keine gute Idee – zumindest nicht auf hoher See.

Verbraucherschützer raten dazu, an Bord eines Schiffes den Flugzeugmodus zu aktivieren, um so den mobilen Datenverbrauch komplett zu unterbinden. Damit können Sie sicher sein, dass Ihr Telefon doch nicht automatisch Apps aktualisiert oder aus anderen Gründen eine Internetverbindung herstellt. Ein weiterer hilfreicher Tipp: Schalten Sie an Ihrem Smartphone die automatische Netzeinwahl ab und prüfen Sie manuell, welches Netz die günstigste Option bei einem Landgang darstellt. Musik und Videos sollten Sie bereits zu Hause über Ihr eigenes WLAN downloaden. So umschiffen Sie auf See die Kostenfallen.

Natürlich können Sie sich auch während einer Kreuzfahrt unbeschwertes Surfvergnügen gönnen. Das ist allerdings eine Frage des Preises: Die WLAN-Angebote der Reedereien liegen z. B. bei einer Buchung von drei Gigabyte Datenvolumen zwischen 50 und 100 Euro. Das ist recht teuer, aber immer noch preiswerter, als wenn Sie das gleiche Volumen über Ihren eigenen Vertrag versurfen. Denken Sie also daran: Es ist eine persönliche „Einstellungssache“, ob Sie bei einem Kreuzfahrturlaub ins finanzielle Fettnäpfchen treten. Machen Sie sich also vorab über die Tarifstrukturen schlau und bereiten Sie Ihr Smartphone bereits daheim auf die Seereise vor. Dann erleidet Ihr Portemonnaie keinen Schiffbruch!

Tipp

Werfen Sie bei Ihrem Handyvertrag unbedingt einen Blick ins „Kleingedruckte“: Einige Anbieter von sehr günstigen Verträgen schließen die Tarifnutzung im Ausland generell aus. Das kann sowohl Telefonie und SMS als auch Internet beinhalten.

Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland seit Mai 2019 günstiger

Das "Aus" für die Roaminggebühren hatte bislang keinen Einfluss auf Gespräche von Deutschland ins europäische Ausland. Wer beispielsweise aus der Bundesrepublik ein Familienmitglied in einem anderen EU-Land kontaktierte, zahlte bislang bis zu 14,90 Euro für 10 Minuten Gesprächszeit. Seit dem 15. Mai 2019 sind diese Kosten gedeckelt: Ein Anruf von Deutschland nach Italien, Polen oder in die Niederlande darf laut Gesetzgeber nun nicht mehr als 19 Cent pro Minute kosten. Dabei ist es egal, ob Sie mit dem Mobiltelefon oder aus dem Festnetz telefonieren. Für eine SMS dürfen Anbieter nun nicht mehr als 6 Cent verlangen.

Durch den Beschluss des EU-Parlaments werden Verbraucher also nochmals entlastet.

Doch Vorsicht: Die genannten Preisgrenzen gelten nur, wenn Ihr Anbieter die Monatsrechnung nutzungsabhängig erstellt. Bei Tarifen, die nicht gesprächs- bzw. SMS-genau abgerechnet werden, sind möglicherweise höhere Gebühren fällig. Das gilt auch bei Flatrate-Verträgen, in denen die Preise für Auslandsgespräche zu festgelegten Konditionen angeboten werden. Vor einem Call vom heimischen Sofa aus sollten Sie also auf jeden Fall prüfen, wie sich die Gebühren bei Ihrem derzeitigen Vertrag zusammensetzen. Auch, wenn das EU-Parlament mit den Gesetzen zur Telekommunikation innerhalb der Europäischen Union die Bürger teilweise stark entlastet, bergen individuelle Verträge auch heute noch diverse Fallstricke. Das liegt auch daran, dass den Providern bis zum 15. Juli 2019 eine Übergangszeit für etwaige Vertragsumstellungen eingeräumt wurde.

Zum Glück sieht der Gesetzgeber vor, dass Mobilfunkanbieter Ihren Kunden einen einfachen und verständlichen Überblick über den gewählten Tarif bereitstellen müssen. Für Sie ist es also seit Mai 2019 einfacher, die Kostenstruktur Ihres Handyvertrages nachvollziehen zu können.

Tipp

Die Nutzung von Sonderrufnummern kann weiterhin sehr teuer sein. Vermeiden Sie im Ausland unbedingt Nummern, die mit 0180, 0190 oder auch 0800 beginnen.

Weitere Tipps für ungetrübtes Telefonieren im Ausland

Sie haben beim Überprüfen Ihres Handyvertrages festgestellt, dass im Ausland noch Kostenfallen auf Sie warten könnten? Dann kaufen Sie am Urlaubsort doch einfach eine Prepaidkarte eines regionalen Mobilfunkproviders. Diese stellen oftmals eine günstige Alternative zu Ihrem in Deutschland abgeschlossenen Vertrag dar. Zudem haben Sie hier die Kosten gut im Griff und Sie erwartet nach Ihrem Sommerurlaub in Spanien, Frankreich oder Griechenland keine überhöhte Handyrechnung.

Besondere Vorsicht sollten Sie bei der mobilen Datennutzung walten lassen: Wer z. B. im Ausland auf Pokemon-Jagd geht oder sein Handy als Navigationsgerät nutzt, für den kann der mobile Datenabruf schnell sehr teuer werden. Achten Sie also unbedingt darauf, in welchem Netz Ihr Mobiltelefon während des Auslandsaufenthaltes eingewählt ist. Besonders kostensparend ist es übrigens, wenn Sie sich bereits vor Ihrer Fahrt eine App mit Offline-Navigation herunterladen oder das benötigte Kartenmaterial vorab im Handy speichern. Falls der Speicher im Gerät zu knapp ist, dann rüsten Sie Ihr Smartphone mit einer Micro-SD-Karte nach. Die Preise für solche Speicherkarten sind in den letzten Jahren stark gefallen, sodass die Anschaffung in jedem Fall günstiger ist, als eine eventuell überhöhte Handyrechnung.

Tipp

Die EU-Regelung zum Roaming sieht im Bereich Datenvolumen ein weiteres Sicherheitsnetz für Verbraucher vor. Sind durch das Surfen Zusatzkosten von 50 Euro angefallen, gibt es eine Warn-SMS aufs Handy. Ab 60 Euro Verbrauch ist keine Datenübertragung mehr möglich. Wer über diese Grenze hinaus surfen möchte, muss dies manuell beantragen. Achtung: Auf hoher See bekommen Sie so eine Warnmeldung nicht!

Schlussendlich macht es immer Sinn, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Wer bereits kurz nach der Flugzeuglandung das Handy zückt, um mit den Liebsten daheim zu telefonieren, tappt schnell in die Tariffalle. Ob Netflix am Strand und Facebook in der Skihütte unbedingt notwendig sind, sollten Sie ebenfalls eher kritisch betrachten. Wer im Urlaub Digital Detox betreibt und das Smartphone eine Zeit lang links liegen lässt, baut schneller Stress ab und kann sich stärker auf die Natur und seine Mitmenschen fokussieren. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

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