Robo-Advisors – die neue Art der digitalen Vermögens­verwaltung

Einem Roboter sein Geld anvertrauen? Mehr als 200.000 Deutsche tun das bereits: Sie nutzen Robo-Advisors für die Geldanlage. Allerdings handelt es sich dabei nicht um Anlageberater in Robotergestalt, sondern um Computerprogramme, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Vermögens­verwaltung erleichtern sollen. Lesen Sie hier, was die neuen digitalen Anlageassistenten wirklich können.

Robo-Advisors – per Klick zur Geldanlage

Automatisierung, Digitalisierung, künstliche Intelligenz – was schon in vielen Bereichen der Wirtschaft zum Einsatz kommt, hat längst auch die Finanzwelt erreicht. Dazu gehören auch die sogenannten Robo-Advisors, von englisch „robot“ (Roboter) und „advisor“ (Berater). Ein Begriff, der in die Irre führt, denn Robo-Advisors sind weder Roboter noch Berater. Es handelt sich dabei vielmehr um automatisierte Vermögensverwalter in Form von Computerprogrammen, die vom Anleger über das Internet genutzt werden. Bereits mehr als zwei Dutzend Robo-Advisors buhlen laut dem auf die Geldanlage mit ETFs spezialisierten EXtra Magazin in Deutschland um die Gunst der Anleger. Sie verwalten demnach bislang geschätzt knapp 4 Milliarden Euro.

Automatisierte Anlageberatung in zwei Varianten

Die Nutzung von Robo-Advisors ist relativ einfach. Es gibt zwei grundsätzliche Arten: Komplettlösungen, bei denen die Geldanlage im Rahmen der Vorgaben des Nutzers vollständig vom Advisor übernommen wird, und Beratungssoftware, die dem Kunden lediglich einen Vorschlag errechnet, wie er sein Geld anlegen soll. Den Kauf der Wertpapiere erledigt der Kunde dann selbst.

Bei beiden Varianten gilt: Nachdem sich der Anleger für einen Anbieter entschieden hat, muss er diesem zunächst online einige Fragen zu seiner finanziellen Situation und seiner Risikobereitschaft beantworten. Auf dieser Basis erhält er einen Vorschlag für die passende Zusammenstellung seines Depots – also welche Wertpapiere, beispielsweise Fonds oder ETFs, in seiner individuellen Situation und für seine Anlageziele geeignet sein können. Mit wenigen Klicks kann der Kunde dann in das vorgeschlagene Portfolio investieren.

In der Folge wird das Depot permanent vom Robo-Advisor überprüft. Dabei wird bei vielen Anbietern Transparenz großgeschrieben: Regelmäßige Informationen über die Zusammenstellung und Entwicklung des Depots sind meist Standard. Gerät das Portfolio aus dem Gleichgewicht, etwa weil sich die Situation an den internationalen Kapitalmärkten ändert, und das Risiko innerhalb des Depots steigt, wird die Aufteilung des Kapitals entweder vollautomatisch oder nach Bestätigung seitens des Anlegers angepasst.

Kosten, Aufwand, Emotionen: klare Vorteile für den Roboter

Eine automatisierte Anlageberatung hat viele Vorzüge. Zum einen ist der Aufwand für die Depotzusammen­stellung und -pflege relativ gering. Der Anleger muss nicht unbedingt die Entwicklungen an den internationalen Kapitalmärkten verfolgen, da Depotanpassungen entweder vollkommen automatisch geschehen oder nur wenige Mausklicks erfordern. Zum anderen lassen sich bei vielen Anbietern schon relativ geringe Summen anlegen. Die Kosten sind dabei im Vergleich zu herkömmlichen Vermögensverwaltungen geringer, denn in der Regel wird das Kapital in vergleichsweise günstige ETFs („Exchange Traded Funds“) investiert. Ein weiterer Vorteil: Robo-Advisors haben keine Gefühle. Viele Anleger handeln bei ihrer Geldanlage emotional. Das kann dazu führen, dass sie zum Beispiel aus Unsicherheit falsche Entscheidungen treffen – ein Risiko, das bei einer Maschine nicht besteht.

Langfristiger Anlageerfolg?

Allerdings besitzen Robo-Advisors auch Schwächen. Bislang haben viele Anbieter positive Ergebnisse erzielt, was in guten Börsenzeiten recht einfach ist. Doch was bei einer Krise passiert, ist aufgrund der relativ geringen Zeit, in der sich Robo-Advisors am Markt befinden, schwer vorherzusagen. Eine Beurteilung des langfristigen Anlageerfolgs ist daher aktuell noch nicht möglich. Hinzu kommt, dass die Auswahl der Wertpapiere und investierbaren Märkte meist begrenzt ist. Ein weiterer Nachteil: Da die meisten Robo-Advisors das Geld in ETFs investieren, die lediglich einen Index wie den DAX® nachbilden, gibt es mit dieser Anlageform kaum eine Möglichkeit, den Markt zu schlagen.

Technik, die begeistert

Fazit: Technikaffine Anleger, die wenig Zeit für ihre Geldanlage aufwenden möchten und über einen längerfristigen Anlagehorizont verfügen, dürfen durchaus einen Blick auf Robo-Advisor-Lösungen riskieren. Wer mehr auf eine persönliche Note bei der Beratung Wert legt oder eher individuelle Vorstellungen von seiner Depotzusammenstellung hat, dürfte einen Anlageberater aus Fleisch und Blut vorziehen.

Eine Alternative für Anleger, die dem Thema Robo-Advisor skeptisch gegenüberstehen, bieten Fondssparpläne. Die Auswahl konkreter Einzeltitel im Fonds übernimmt dabei ein professionelles Management. Hinzu kommt, dass die Anlage in Fonds schon mit regelmäßigen Einzahlungen ab 50 Euro monatlich möglich ist.

Tipp

Informationen und aktuelle Angebote zu den Fondsanlagemöglichkeiten bei der Postbank erhalten Sie hier.

Bitte beachten Sie

Jede Geldanlage ist mit gewissen Risiken verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapier-Anlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform informieren Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder Ihr Berater.

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