Geldanlage in den Schwellenländern

Die Frankfurter Börse und den Deutschen Aktienindex DAX kennt jeder Anleger. Gleiches gilt für die „New York Stock Exchange“ und den Dow-Jones-Index. Doch kennen Sie auch den chinesischen Hang Seng China Enterprises Index, den taiwanischen TAIEX oder den südkoreanischen KOSPI? Neben Industrieländern können auch Schwellenländer interessante Anlageziele bieten. Hier lesen Sie, welche Länder dazu gehören und was bei einem Investment in Schwellenländer-Wertpapiere besonders wichtig ist.

Was zeichnet Schwellenländer aus?

Bei den Schwellenländern handelt es sich um Volkswirtschaften, die sich auf dem Sprung – also auf der Schwelle – zum Industrieland befinden. Eine allgemeingültige Definition für diese aufstrebenden Märkte (englisch: „emerging markets“) gibt es nicht. Charakteristisch für Schwellenländer ist aber, dass sie sich meist in einem wirtschaftlichen Strukturwandel befinden, bei dem das Gewicht des Dienstleistungssektors zunimmt. In der Regel weisen Schwellenländer ein höheres Wirtschaftswachstum auf als Industrienationen. In vielen Emerging Markets steigt das Pro-Kopf-Einkommen der Bevölkerung durch das hohe Wachstum vergleichsweise stark an. Dadurch bildet sich eine schnell wachsende Mittelschicht. Zudem verfügen sie oft über eine vergleichsweise junge Bevölkerung.

Wo liegen die Schwellenländer?

Viele Schwellenländer befinden sich in Asien und Südamerika, aber auch in Afrika und Europa gibt es Schwellenländer. In der Alten Welt werden zum Beispiel Tschechien und Ungarn zu dieser Ländergruppe gezählt. Innerhalb der Schwellenländergruppe ist die Bandbreite groß: Südkorea und Taiwan zum Beispiel sind wichtige Herkunftsländer moderner Technologieprodukte. Das Pro-Kopf-Einkommen in den beiden Ländern liegt auf Industriestaaten-Niveau. Trotzdem gelten die beiden Länder unter Investoren immer noch als Schwellenländer. Für andere Emerging Markets spielen hingegen Rohstoffexporte eine wichtige Rolle, zum Beispiel für die Ölproduzenten Kolumbien, Russland und Ecuador sowie die Industriemetallexporteure Peru und Chile.

Das weltweit bedeutendste Schwellenland ist China – die mittlerweile zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Hier zeigt sich exemplarisch der charakteristische Strukturwandel: Lange Zeit war das Reich der Mitte die „Werkbank der Welt“, das Wachstum vor allem durch den Export billiger Massenprodukte getrieben. Heute liegt der Fokus in China immer stärker auf dem Binnenmarkt und der Digitalisierung. Die Löhne steigen, die Mittelschicht wächst und der Konsumhunger der Bevölkerung nimmt zu. Durch den Umbau des Wirtschaftssystems hin zu einem nachhaltigeren Wachstumsmodell sinkt zwar die konjunkturelle Dynamik – sie befindet sich aber noch immer auf einem deutlich höheren Niveau als in den Industrienationen.

Was gilt es bei einem Schwellenländerinvestment zu beachten?

Sein Geld ausschließlich in chinesische Aktien zu stecken, scheint aber ebenso wenig ratsam, wie nur auf den TAIEX, den KOSPI oder einen anderen Schwellenländerindex zu setzen. Denn aufgrund der großen Unterschiede innerhalb der Schwellenländergruppe sollten Sie als Anleger mit einer entsprechenden Risikobereitschaft Ihr Aktieninvestment in diesem Bereich breit über verschiedene Staaten streuen. Komfortabel geht das zum Beispiel mit einem ETF, also einem börsengehandelten Indexfonds, auf den Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets. Der MSCI Emerging Markets umfasst mehr als 1.100 Unternehmen aus 24 Schwellenländern. An der Frankfurter Börse sind mittlerweile zwölf entsprechende ETFs gelistet.

Dabei müssen Sie jedoch die besonderen Risiken eines solchen Investments im Auge behalten. Dazu gehören schwankende Rohstoffpreise, die die wirtschaftliche Entwicklung der exportorientierten Schwellenländer besonders stark beeinflussen können, ebenso wie weltweite Handelsbeschränkungen sowie politische Entwicklungen in den Ländern selbst. Außerdem sollten Schwellenländeranleger die US-Zinsentwicklung beobachten. Denn steigen die Zinsen in den USA, wertet in der Regel der US-Dollar gegenüber den Schwellenländerwährungen auf. Da Schwellenländer meist in US-Dollar verschuldet sind, steigt damit auch ihre Schuldenlast. Außerdem gilt es für potenzielle Anleger die Währungskomponente zu beachten – denn viele Schwellenländerwährungen sind vergleichsweise schwankungsanfällig. Und mit einem Investment in einen Schwellenländer-ETF holen Sie sich gleichzeitig die einzelnen Währungen der enthaltenen Papiere ins Depot. Eine Alternative können hier währungsbesicherte ETFs darstellen.

Als Basisinvestment eignen sich Schwellenländerpapiere also eher nicht. Als Beimischung im Depot können sie hingegen durchaus Sinn machen. Wer bereit ist, die entsprechenden Risiken einzugehen, über einen langfristigen Anlagehorizont verfügt und auch größere temporäre Schwankungen aushält, kann ein Investment in den Schwellenländern in Erwägung ziehen. Schließlich lässt sich damit langfristig am Wachstum der Schwellenländer teilhaben.

Tipp

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Bitte beachten Sie

Jede Geldanlage ist mit einem gewissen Risiko verbunden. In der Regel steigen mit den Renditechancen einer Anlage auch ihre Risiken. Je nach Wahl der Wertpapieranlageform ist insbesondere mit Kurs- bzw. Volatilitätsrisiken, Risiken der Bonität, der Liquidität, der Zinsänderung, der Währung und der Länder sowie steuerlichen Risiken zu rechnen. Über die speziellen Risiken der jeweiligen Anlageform informieren Sie die gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufsunterlagen oder Ihr Wertpapierberater.

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