Job oder Familie? Sie müssen sich nicht entscheiden!

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf rückt durch neue Arbeits­konzepte wie New Work und Homeoffice, aber auch einen Anstieg der in Vollzeit arbeitenden Frauen Jahr für Jahr stärker in den Fokus von Arbeitnehmern. Damit verlieren traditionelle Rollenbilder und Aufgabenverteilungen deutlich an Bedeutung. Zusätzlich werden die persönlichen Bedürfnisse von Arbeitnehmern individueller. Grund genug, das spannende Thema einmal näher zu beleuchten!

Was versteht man unter Work-Life-Balance?

Vollzeit arbeiten und nebenbei Zeit mit der Familie und Freunden verbringen, die Kinder erziehen und eigenen Hobbys nachgehen – klingt nach einem echten Drahtseilakt? Früher wurde unter der Woche hauptsächlich gearbeitet und abends nicht mehr viel unternommen, denn meist waren die Arbeitstage deutlich länger als heute. Erst im Rentenalter erfüllten sich viele Menschen den Lebenstraum, ob in Form einer Weltreise oder eines eigenen kleinen Boots. Dieses „Hinarbeiten“ auf die Rente entspricht längst nicht mehr dem aktuellen Bild von Arbeit: Arbeitnehmer möchten sich heute bereits während der Berufstätigkeit kleine und große Wünsche erfüllen und das eigene Privatleben nicht hinten anstellen. Deshalb gewinnt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, neudeutsch Work-Life-Balance genannt, zunehmend an Wichtigkeit.

Warum wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer schwieriger?

Die große Frage lautet: „Warum brauchen wir plötzlich neue Berufsmodelle, es hat doch früher gut funktioniert?“ Doch nicht nur unsere Ansprüche an unseren Arbeitsplatz, sondern auch unsere Lebensumstände haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt.

Neue Elternmodelle

Gerade die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen bringt Eltern in Betreuungsfragen schnell in Bedrängnis – zu wenige Kita-Plätze, zu weite Wege, und wenn dann noch die Arbeitszeiten unflexibel sind… Deutschland ist hier im europaweiten Vergleich übrigens kein Überflieger, bei unseren französischen Nachbarn beispielsweise sind moderne Elternmodelle, bei denen beide Partner gleichberechtigt arbeiten gehen, schon länger an der Tagesordnung. Dass die Elternzeit oder Teilzeitjobs bis heute eine vorwiegend weibliche Domäne sind, spricht nicht für die finanzielle Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung, von der erwerbstätige Frauen träumen – abgesehen davon, dass Männer in Elternzeit nicht selten für Getuschel am Arbeitsplatz sorgen.

Unser Arbeitsplatz verändert sich

Abgesehen davon sind es die Anforderungen am Arbeitsplatz, die sich stetig ändern: Besonders in kleinen Start-ups gehören Überstunden zum guten Ton, und der gemeinsame Drink zum Feierabend mag zwar den Teamzusammenhalt stärken, bringt aber gerade berufstätige Eltern oft in Zeitnot. In kleinen Teams ist die ständige Heimarbeit nicht gern gesehen, da hierunter die Kommunikation leiden kann.

Der neue Stellenwert von Freizeit

Auch die Art, wie wir unsere Freizeit gestalten, ist im Wandel: Viele Menschen wollen nicht „nur“ berufstätig bzw. ausschließlich Vater/Mutter sein. Vielmehr stehen nach der Arbeit häufig noch Sport, das Treffen mit Freunden, Unternehmungen mit der Familie oder ein Hobby auf dem Programm – Stichwort „Selbstverwirklichung“ oder „Self Care“.

Tipp

Nach einer Studie des IGES Instituts von 2013 nehmen 61% aller Frauen nach der Elternzeit (wieder) eine Teilzeitstelle auf und arbeiten nicht in Vollzeit.

Tipps für Arbeitgeber

So schwierig die aktuelle Lage sein mag – viele Arbeitgeber bieten ihren Angestellten Möglichkeiten, um beispielsweise die Kinderbetreuung und den Job, die Pflege von Angehörigen oder einfach den ganz eigenen Lebensrhythmus mit dem Job zu verbinden:

  • Homeoffice: Bei der Arbeit von zu Hause aus sparen sich Arbeitnehmer den Anfahrtsweg und können beispielsweise in der Mittagspause die Kinder abholen oder einkaufen gehen. Aber Vorsicht: Ein adäquater Ersatz für eine Kinderbetreuung ist eine Tätigkeit aus dem Homeoffice nicht.
  • Gleitzeit: Der Zeitfaktor „Kind“ kann besonders am Morgen unberechenbar sein – schön, wenn Sie dann nicht um Punkt 8 Uhr im Büro sein müssen. Auch bei privaten Terminen können Sie so flexibler sein und beispielsweise früher anfangen zu arbeiten, wenn Sie eher aufhören müssen.
  • Individuelle Kernarbeitszeiten: Unterscheidet sich Ihr Rhythmus deutlich und über längere Zeit hinweg von dem Ihrer Kollegen, bietet sich die Anpassung Ihrer Kernarbeitszeiten an. So wissen alle, wann Sie auf jeden Fall erreichbar sind, und gemeinsame Aufgaben sind besser planbar.

Was kann ich selbst tun?

In den seltensten Fällen reicht es, einzig und allein auf den Arbeitgeber oder das Umfeld zu hoffen. Werden Sie stattdessen selbst aktiv: Mit diesen drei Leitsätzen gestalten Sie Ihren Arbeitsalltag nicht nur selbstbestimmter, Sie profitieren darüber hinaus garantiert von einer besseren Work-Life-Balance.

Fragen Sie nach!

Oft sind Teamleiter dem Thema gegenüber offen – wer allerdings bisher keine Erfahrungen mit Homeoffice und Co. gemacht hat, sieht das Thema vermutlich etwas kritisch. Überzeugen Sie Ihre Vorgesetzten und begründen Sie, warum beispielsweise eine Änderung der Arbeitszeiten sinnvoll ist und wie sie sogar Ihre Produktivität fördern kann.

Schalten Sie ab!

Abends schnell ein letztes Mal die Mails checken oder eine Präsentation fertig basteln – die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmt aktuell mehr denn je, was jedoch Gift für unsere Work-Life-Balance ist. Deshalb sollte der Computer zum Dienstende ausgeschaltet werden (und bleiben), und das Diensthandy ist ausschließlich eingeschaltet, wenn es wirklich notwendig ist!

Sagen Sie Nein!

Ob Teamevent oder Zusatzaufgaben, die schon im Vorhinein ein Garant für Überstunden sind: Lernen Sie, berufliche Aufgaben oder Termine abzusagen, die bis in Ihr Privatleben hineinragen. Wichtig ist hier, eine nachvollziehbare Begründung abzugeben – „keine Lust“ zählt nicht und macht außerdem einen schlechten Eindruck auf Familie und Kollegen.

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