Recycling-Revolution 2019 – das neue Verpackungsgesetz

Rente, Strompreis, Mindestlohn – das Jahr 2019 bringt für Bürger viele Änderungen mit sich. Auch beim Umweltschutz dreht der Gesetzgeber an der Stellschraube. Das Ziel: Die Recyclingquote soll langfristig erhöht werden. Diese liegt in Deutschland derzeit bei ca. 70 Prozent, was im EU-Vergleich an sich ein guter Wert ist. Doch angesichts von über 220 Kilogramm Verpackungsmüll, die jeder Bundesbürger statistisch pro Jahr produziert, ist die Reduktion von Abfall ein dringliches Bestreben.

Verbraucher und Händler in der Pflicht

Hand aufs Herz: Unser unbedachter und luxuriöser Lebensstil verursacht Unmengen an Verpackungsmüll, der teilweise unnötig ist. Vom Coffee to go im Pappbecher bis hin zur voluminösen Umverpackung der letzten Onlinebestellung: Oftmals verursachen wir Abfälle, die mit ein wenig mehr Arbeitsaufwand vermeidbar wären. Seit 1990 das Duale System in Deutschland eingeführt wurde, verbessert sich die Recyclingquote zwar grundsätzlich – bei den sogenannten Hauptabfallströmen lag sie im Jahr 2016 bei 70 Prozent. Die Quote für Elektrogeräte liegt bei 100 Prozent, Sperrmüll wird immerhin zu 55 Prozent wiederverwertet. Im europäischen Vergleich ist die deutsche Abfallverwertung somit ziemlich vorbildlich – kein anderes Land recycelt soviel Müll wie wir. Doch leider ist unser Verpackungsverbrauch auch um 167,5 Kilogramm pro Einwohner höher, als es im EU-Durchschnitt der Fall ist.

Durch das neue Verpackungsgesetz (VerpackG), das zum 1. Januar 2019 in Kraft tritt, soll die Recyclingquote der Bundesrepublik noch weiter steigen: Für Altpapier, Glas & Co. wird ein Wert von 90 Prozent bis zum Jahr 2022 angestrebt, für Getränkekartons soll sich die Quote von 60 auf 80 Prozent erhöhen. Um diese ambitionierten Zahlen zu erreichen, sind sowohl Händler als auch Verbraucher in der Pflicht.

Supermarktkunden dürften die Auswirkungen des neuen Verpackungsgesetzes primär in den Getränkeregalen erkennen: Bei Einweg-Verpackungen für kohlensäurehaltigen Gemüse- oder Frucht-Nektar sind ab dem 1. Januar 25 Cent Pfand fällig – ebenso bei Getränken, in denen mehr als 50 Prozent Molke enthalten ist. Um im Dschungel der neuen Pfandregeln den Überblick zu behalten, werden Supermärkte künftig die Regale für Einweg- und Mehrweg-Getränkeverpackungen übersichtlicher kennzeichnen müssen. Das schreibt der Gesetzgeber zumindest vor.

Lizenzgebühren könnten Kosten für Onlinebestellungen verteuern

Auf Versandhändler kommen durch das neue Gesetz unter Umständen höhere Kosten zu. Der Grund dafür: Es besteht eine generelle Meldepflicht für Händler, die Verkaufs- oder Umverpackungen in den Verkehr bringen. Missachtet ein Anbieter die fällige Registrierung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister, drohen Bußgelder in Höhe von bis zu 200.000 Euro.

Ebenfalls relevant: Jede Art von Verpackungsmaterial ist lizenzierungspflichtig. Von den Lizenzgebühren, die Händler für ihre Verpackungsmaterialien bezahlen, finanzieren sich der Grüne Punkt und andere duale Systeme. Inverkehrbringer werden also für ihr Packmaterial zur Kasse gebeten – sie bezahlen anteilig das Einsammeln und Verwerten ihres Mülls durch lokale Abfallentsorger. Es ist allerdings durchaus möglich, dass Onlinehändler diese Kosten künftig auf ihre Kunden abwälzen und beispielsweise höhere Versandkosten berechnen. Um dies zu vermeiden, werden für besonders umweltfreundliche Verpackungen geringere Lizenzgebühren fällig. Diese Maßnahme soll einen Anreiz darstellen, auf umweltschädliche Verpackungen zu verzichten.

Die neue Gesetzeslage trifft nicht nur große Konzerne oder Onlinehändler wie Amazon, Otto oder Zalando, sondern auch Betreiber von kleinen eBay-Shops. Sollten Sie also gewerblich im Onlinehandel tätig sein, müssen Sie dementsprechend ab 2019 darauf achten, ausschließlich lizenzierte Umverpackungen zu nutzen. Wichtig: Das gilt ebenso für gebrauchte Kartons oder Füllmaterialien! Privatverkäufer sind allerdings von den genannten Pflichten ausgenommen.

Im Rahmen des EU-Kreislaufwirtschaftspaktes wird es wohl in den kommenden Jahren weitere neue Abfallvorschriften geben. Die erklärte Zielvorgabe aus Brüssel lautet, dass im Jahr 2035 in der gesamten EU 65 Prozent des Mülls recycelt werden sollen. Während Deutschland diesen Wert theoretisch heute schon erreicht, gibt es in vielen Ländern deutlichen Nachholbedarf: So liegt die Recyclingquote in Griechenland beispielsweise aktuell nur bei 17 Prozent, in Rumänien bei 13,3 und auf Malta sogar nur bei 7,1 Prozent. In Sachen Umweltschutz gibt es also auch zukünftig noch viel zu tun!

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