TV aus dem Netz: So funktioniert Videostreaming

Einschalten, Abschalten: Fernsehen zählt weiterhin zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen in Deutschland. Doch der Markt hat sich in den letzten Jahren rasant verändert. Ein Grund ist das wachsende Angebot an Streaming-Portalen, den sogenannten Video-on-Demand-Anbietern. Mit diesen Diensten ist es möglich, das Fernsehprogramm komplett selbst zu gestalten – werbefrei und zeitlich unabhängig. Lesen Sie hier die wichtigsten Infos dazu!

Umsatz der VoD-Anbieter kratzt an der Milliardengrenze

Dank webfähiger TV-Geräte, Zusatzboxen und Breitband-Internet steht Millionen Haushalten in Deutschland ein schier unüberschaubares Angebot an TV-Diensten zur Verfügung. Neben den klassischen Fernsehsendern, YouTube und Pay-TV-Anbietern wie Sky werden auch immer mehr Video-on-Demand-Dienste genutzt. Die Anbieter versprechen ein ganz individuelles Fernseh-Erlebnis und buhlen seit einigen Jahren auch mit hochwertigen Eigenproduktionen um die Gunst der Zuschauer. Bereits für einige Euro pro Monat können Sie sich so ausgezeichnetes Hollywood-Kino nach Hause holen. Alleine bei der Oscarverleihung 2019 können z. B. verschiedene Netflix-Produktionen auf insgesamt 15 Academy Awards hoffen.

Dass die Anbieter den Nerv der Zeit getroffen haben, zeigt ein Blick auf die Geschäfte der Anbieter von Videostreaming. Laut dem Bundesverband bitkom stieg der VoD-Umsatz von 110 Millionen Euro im Jahr 2010 auf 945 Millionen Euro bis Ende 2017. Streaming-Abos liegen also voll im Trend! Doch bei der Vielzahl an Angeboten ist es mitunter nicht einfach, das passende Produkt für das heimische Wohnzimmer ausfindig zu machen. Aus diesem Grund bieten wir Ihnen hier eine Übersicht der relevantesten Portale für das Videovergnügen auf Abruf.

Netflix, Amazon Prime & Co.: Die Anbieter im Überblick

1. Netflix
Das kalifornische Medienunternehmen Netflix hat sich in den letzten Jahren zum VoD-Platzhirsch entwickelt. Kaum ein Videodienst bietet ein so breites Angebot an gefeierten Eigenproduktionen. Netflix verbucht Stand Dezember 2018 rund 139 Millionen Abonennten weltweit und liegt vor allem bei Serienfans hoch im Kurs. Eigenproduktionen wie die Polit-Satire „House of cards“, das SciFi-Mystery-Abenteuer „Stranger Things“ und der Horrorthriller „Birdbox“ mit Sandra Bullock lockten unzählige Zuschauer vor die TV-Geräte. Auch ältere Serien hat Netflix im Programm. Dazu gehören u. a. alle Staffeln der Sitcom-Serien „Friends“ und „The Big Bang Theory“ sowie das Krimi-Drama „Breaking Bad“. TV-Junkies nutzen den Dienst deshalb vermehrt zum „Binge Watching“ – einem Fernsehmarathon, bei dem man unzählige Folgen einer Serie am Stück genießt. Abgerundet wird das Netflix-Angebot durch Hunderte Kinoproduktionen. Das Basis-Abo von Netflix kostet in Deutschland derzeit noch 7,99 Euro im Monat. In den USA wurden die Preise allerdings vor kurzem erhöht – was primär an den Millardenausgaben für die Netflix-Eigenproduktionen liegen dürfte.

2. Amazon Prime
Amazon hat sich dank des sprachgesteuerten Mediencenters Echo und anderen Erfindungen aus dem Bereich Unterhaltungselektronik im Laufe der Zeit vom reinen Online-Versandhändler zum Medienimperium entwickelt. Ein Grund dafür ist das hauseigene VoD-Angebot, welches auf den Namen Prime Video hört. Das Angebot ist vornehmlich an Nutzer adressiert, die ohnehin über ein Amazon-Prime-Abo verfügen: Im Paket gibt es hier für derzeit 69 Euro pro Jahr einen kostenfreien Versand von online bestellten Artikeln, eine gigantische Musikbibliothek mit Millionen Songs, ein Bundesliga-Radio sowie Filme und Serien aus der Amazon-Prime-Bibliothek. Auch Amazon produziert eigene Serien und Filme, dazu gehören u. a. die deutschen Produktionen „You are wanted“ mit Matthias Schweighöfer und die Sitcom „Pastewka“. Zusätzlich gibt es eine Fülle an Hollywood-Blockbustern, für die teilweise allerdings eine zusätzliche Leih- oder Kaufgebühr fällig wird. Für den gemütlichen Fernsehabend bietet der Service aber genügend Material, das auch ohne Aufpreis abgerufen werden kann. Ein weiterer Vorteil: Der Dienst kann auch auf ältere TV-Geräte ohne Internetzugang „gebeamt“ werden. Das funktioniert mit einem kleinen Gerät namens „Fire TV Stick“, der an den HDMI-Anschluss des Fernsehers angebracht wird und von Amazon entwickelt wurde.

3. Sky Ticket
Neben seinen üblichen Pay-TV-Angeboten inklusive Receiver bietet Sky auch einen reinen Online-Dienst für das Video-Streaming an. Mit Sky Ticket können Sie sehr aktuelle Blockbuster-Filme auf Ihr TV-Gerät holen oder gefragte Serien wie „Game of Thrones“, „Babylon Berlin“ oder die neue Version von „Das Boot“ streamen. Ebenfalls gibt es per Supersport Ticket die Möglichkeit, Live-Fußballspiele der Bundesliga oder Champions League zu genießen. Für Serien und Filme sind jeweils 9,99 Euro pro Monat fällig, für den selben Betrag lässt sich beispielsweise ein Bundeliga-Samstag hinzubuchen.

Tipp

Viele VoD-Dienste beschränken sich nicht nur auf das heimische TV-Gerät, sondern ermöglichen auch Fernsehen auf dem Smartphone oder Tablet. Sogar für gängige Spielekonsolen gibt es entsprechende Anwendungen.

4. maxdome
Der Münchener Anbieter maxdome wirbt damit, Deutschlands größte Online-Videothek zu sein. Tatsächlich kann sich das Angebot aus 50.000 Filmen, Dokus und Serienfolgen durchaus sehen lassen. Abgerundet wird das maxdome-Portfolio mit eigenen Produktionen der ProSiebenSat.1 Group, die erst Monate später den Weg ins normale TV-Programm schaffen. Das Angebot von maxdome lässt sich über das Internet nutzen – entweder per Einzelabruf oder als Monatsabo. Zusätzlich ist maxdome im Angebot vieler Kabelnetzbetreiber integriert und kann beispielsweise über Receiver von Unitymedia oder Vodafone abgerufen werden. Ein Monatsabo von maxdome kostet aktuell 7,99 Euro. Einzelfilme zum Leihen oder Kaufen gibt es im virtuellen maxdome-Store.

5. Weitere Anbieter
Auch Google, Apple und Co. haben VoD-Dienste im Programm, die aber nicht auf einem Abo-Modell basieren. Nutzer können sich bei iTunes oder Google Play aus einem riesigen Angebot Filme und Serien für den nächsten TV-Abend aussuchen – und diese dann je nach Bedarf leihen oder als virtuelles Produkt kaufen. Wer sich nicht unbedingt an einen Abo-Service binden möchte, kann so ganz einfach das Prinzip von Video-on-Demand austesten.

Natürlich gibt es neben den großen Streaming-Portalen noch viele weitere Anbieter, die aber zumeist nicht das Mainstream-Publikum bedienen. Während realeyz beispielsweise Independet-Filme in Originalsprache streamt, setzt alleskino primär auf deutsche Filme. Speziell für Kinder ist das Angebot von kividoo gedacht. Das Portal der RTL Disney Fernsehen GmbH & Co. KG bietet Serien, Filme und sogar Hörspiele für das junge Publikum und legt dabei Wert auf transparente Altersempfehlungen.

Video-Streaming: Neue Portale in den Startlöchern

Die Ankündigung des Disney-Konzerns, mit einem eigenen Streaming-Angebot in den Markt einzusteigen, könnte die Branche gehörig auf den Kopf stellen. Das liegt u. a. an den Lizenzvergaben für Filme: So ist es wahrscheinlich, dass Anbieter wie Netflix ab dem Jahr 2020 keine Disney-, Pixar- und Marvel-Filme mehr zeigen dürfen, weil diese dann exklusiv über Disney+ gestreamt werden.

Profitieren wird aber wahrscheinlich der Kunde: Disney kündigte beispielsweise für sein Portal eine eigene „Star Wars“-Serie an. Andere Anbieter ziehen mit spannendem Film- und Serienmaterial nach: So sicherte sich Amazon die Rechte an einer exklusiven „Herr der Ringe“-Serie. Netflix kündigte unterdessen an, die beliebten Videospiele „Witcher“ und „Resident Evil“ ins TV-Format adaptieren zu wollen. Da auch Warner Media und Apple für das Jahr 2019 den Start eigener Streaming-Dienste planen, wird in den nächsten Jahren das mediale Angebot für gemütliche TV-Abende wahrscheinlich nicht zur Neige gehen.

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