Sicherheit für Geldautomaten: So gehen Diebe leer aus

Für Kriminelle sind Geldautomaten ein attraktives Ziel. Denn zumindest theoretisch passen bis zu 500.000 Euro in den Tresor des Automaten, praktisch variiert die Summe je nach Standort. Im Schnitt sollen 50.000 bis 200.000 Euro zu holen sein. Deshalb verzichten Diebe und Betrüger immer mehr auf das Kopieren von Kartendaten und greifen die Automaten direkt an. Sichere Geldautomaten machen das Knacken schwer und schützen den wertvollen Inhalt.

Skimming wird unattraktiver

Bereits in den letzten Jahren sind Geldautomaten zunehmend sicherer geworden. Beim sogenannten Skimming platzieren Betrüger unauffällig ein eigenes Kartenlesegerät über dem Kartenschacht. Zusätzlich spähen sie den PIN-Code des Anwenders aus. Das passiert in der Regel über eine nahezu unsichtbare Kamera oder ein gefälschtes Eingabepad, das die Zahlen an die Kriminellen weiterleitet. So kann eine Kartenkopie erstellt und meist im Ausland Geld abgehoben werden. Sichere Geldautomaten machen das Skimming unrentabel für Betrüger. Denn es wird immer schwerer, Kartendaten zu stehlen und zu nutzen. Folgende Mechanismen machen Kriminellen das Leben schwer:

  • Ein Sicherheitschip in der Karte speichert die Kartendaten. Damit prüfen sichere Geldautomaten bei jeder Transaktion die Echtheit der Karten. Kartenklone sind daher in den meisten Ländern wertlos. Zum Geldabheben hat der Magnetstreifen in Europa ausgedient.
  • Da Geldautomaten in Regionen wie Nordamerika nach wie vor die Daten vom Magnetstreifen benötigen, sind die Daten dort weiter gespeichert. Zur Sicherheit blockieren viele Geldautomaten in Europa das Auslesen des Magnetstreifens. So können Diebe die Daten hierzulande nicht kopieren und im Ausland nutzen.
  • Ein Vorbauschutz erschwert das nahezu unsichtbare Anbringen von Kartenlesern, Eingabepads und Kameras.
  • Schutzwände im Bereich der Zahleneingabe machen das Ausspähen quasi unmöglich.
Tipp

Bleiben Sie beim Geldabheben am Automaten aufmerksam und suchen Sie zur Sicherheit einen anderen Geldautomaten auf, wenn Ihnen der Eingabeschacht oder das Tastenfeld auffällig erscheinen.

Der Geldautomat – ein Safe mit Computer und etwas Mechanik

Wie anziehend ein Geldautomat auf die Täter wirkt, zeigen die regelmäßigen Nachrichten von Automatensprengungen. Der Safe, in dem die Banknoten ruhen, ist sehr sicher. Rund eine Tonne Metall und eine sichere Verankerung schützen den Inhalt. Auf diesem Weg ist ein Geldautomat nur mit brachialer Gewalt zu knacken.

Automatensprengung – schwer zu verhindern

Der erste Geldautomat in Deutschland wurde im Jahr 2005 in Köln gesprengt. Aufgrund der verschärften Gegenmaßnahmen in den Niederlanden weichen die Täter seit 2014 immer häufiger nach Deutschland aus. Mittlerweile werden rund 300 Automaten pro Jahr gesprengt, wobei die Täter in knapp der Hälfte der Fälle erfolgreich sind. Bei dem Angriff entstehen Gebäudeschäden in Millionenhöhe und Anwohner und Passanten werden stark gefährdet. Denn die Täter leiten Gas in den Tresor und bringen einen Zündsatz an. Die Hersteller und Banken nutzen folgende Systeme, um die Sicherheit der Geldautomaten zu erhöhen:

  • Farbpatronen benetzen die Banknoten mit Raubstoppfarbe und machen sie unbrauchbar.
  • Absorbierende Matten federn im Tresor den Sprengdruck ab. Für den Nachrüstsatz fallen pro Automat kosten in Höhe von etwa 3.000 Euro an.
  • Ein deutscher Hersteller bietet mittlerweile in Kooperation mit einem Safehersteller einen sprengsicheren Geldautomaten an.
  • Sogenannte Gas-Protection-Units erkennen die Einleitung von explosiven Stoffen und lassen das Gas verpuffen, bevor die nötige Konzentration für eine Sprengung erreicht wird.

Auch Hacker bedrohen Geldautomaten

Auf den ersten Blick erscheint der Computer im Geldautomaten sehr sicher. Schließlich verfügen Bankomaten weder über einen Internet-Zugang, noch sind Sie in ein WLAN-Netz eingebunden. E-Mails mit Schadsoftware kommen hier auch nicht an. Trotzdem gibt es Schwachstellen. Nicht selten arbeiten Geldautomaten immer noch auf Basis von Windows 7 oder XP. Für diese Programme gibt es keine Sicherheitsupdates mehr. Hacker können den Computer im Geldautomaten leicht kapern, wenn sie Zugang dazu erhalten. Das funktioniert über die zweite Schwachstelle: die Gehäusefront. Ist es möglich, die Gerätefront zu demontieren oder weit genug anzubohren, lässt sich Schadsoftware ganz einfach per USB-Stick oder CD aufspielen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, den Automaten vom Computer zu trennen und direkt mit dem eigenen Laptop oder Smartphone zu verbinden. Besonders beliebt bei Computerkriminellen sind folgende Aktionen:

  • Der Rechner im Geldautomaten wird mit einem Trojaner infiziert. Bei Eingabe eines bestimmten Codes erfolgt die Geldausgabe. Perfide ist bei diesem Trick, dass die Buchung als nicht ausgeführt im System vermerkt wird. So fällt der Betrug zunächst nicht auf.
  • Beim sogenannten Jackspotting müssen die Täter lediglich den USB-Anschluss des Geldautomaten freilegen. Dazu reicht ein kleiner Zugang. Über einen USB-Stick spielen sie Schadsoftware auf und umgehen sämtliche Sperren. Der Automat „spuckt“ kurzerhand den gesamten Inhalt des Tresors aus.
  • Schließen die Täter einen eigenen Computer oder ein Smartphone an den Geldautomaten an, sprechen Experten von Blackbox-Attacken. Die Hacker übernehmen die Kontrolle und können mittels Kreditkarte unbegrenzt Geld abheben.

Hiergegen wehren sich Hersteller und Banken durch moderne Betriebssysteme ohne Sicherheitslücken. Verstärkte Fronten, die sich nicht schnell abbauen oder ausbohren lassen, verhindern den Zugang zum Computersystem.

Die Sicherheit für Kunden steigt

Die Bestrebungen der Banken, die kriminelle Nutzung von Kartendaten und PIN-Codes zu unterbinden, tragen Früchte. Da die Daten aufgrund der erhöhten Sicherheit der Bankomaten schwerer zu stehlen und nur noch in wenigen Ländern nutzbar sind, gehen die Fälle zurück. Auch gegen die Sprengung von Automaten und gegen Hacker sichern sich die Banken immer besser ab. Es bleibt ein Katz-und-Maus-Spiel, denn sobald Wege verschlossen werden, tüftlen die Täter neue Angriffspunkte aus.

Tipp

Seien Sie im Ausland besonders vorsichtig, die Automaten sind in manchen Ländern weniger sicher. Auch ist die Gefahr größer, beim Geldabheben Opfer von Trickdieben zu werden.

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