Rundumschutz fürs Smartphone: Wann lohnen sich Geräteversicherungen?

Sie kennen das vielleicht: Beim Kauf eines elektronischen Geräts, ob Smartphone oder Waschmaschine, bietet Ihnen der Verkäufer eine Geräteversicherung an. Sie soll eintreten, wenn das Smartphone einen Displayschaden erleidet oder das Notebook nach der Garantiezeit defekt ist. Was jedoch viele Verbraucher nicht wissen: Die meisten Geräteversicherungen sind zu teuer für die Leistungen, die sie im Schadenfall tatsächlich bieten.

Geräteversicherung oder Garantieverlängerung: die Leistungen im Überblick

In der Praxis werden Ihnen zwei verschiedene Arten von Absicherungen begegnen. Die Garantieverlängerung erweitert Ihren Schutz über die gesetzliche Gewährleistungsfrist und die Herstellergarantie hinaus. Sie umfasst allerdings nur Material- und Herstellungsfehler, nicht aber Schäden infolge von Unfällen oder durch Fremdeinwirkung Dritter. Liegt ein Versicherungsfall vor, übernimmt die Garantieverlängerung die Reparaturkosten für das Gerät.

 

Deutlich weiter reichen die Leistungen einer Geräteversicherung. Sie leistet, wenn an Ihrem Smartphone oder Notebook durch äußere Einflüsse ein Schaden entsteht. Typische Schäden, die eine Geräteversicherung abdecken kann, sind:

  • Flüssigkeitsschäden
  • Bruch- und Sturzschäden (z. B. Displaybruch)
  • Bedienungsfehler
  • Diebstahl
  • Natureinflüsse (z. B. Blitzschlag, Überspannung, Frost, Sturm)

Aber Achtung: Der Leistungsumfang variiert von Versicherer zu Versicherer stark.             

Der Teufel steckt im Detail der Versicherungsbedingungen

Im Geschäft hört sich alles perfekt an. Das Rundum-Sorglos-Paket stellt unkomplizierten Ersatz im Schadenfall in Aussicht. Doch im Schadenfall stellt sich nicht selten heraus, dass die Versicherungsbedingungen nicht halten, was der Prospekt verspricht. Achten Sie deshalb beim Versicherungsabschluss auf diese Besonderheiten in den Bedingungen:

  • Neuanschaffung: Fordert der Versicherer im Schadenfall einen Nachweis über die Neuanschaffung? Dann erhalten Sie die Leistung nur, wenn Sie tatsächlich ein neues Gerät kaufen.
  • Gerätetausch: Prüfen Sie, wie der Versicherer seine Leistung erbringen möchte. Gute Tarife versprechen ein neuwertiges Ersatzgerät. Weniger vorteilhaft ist ein Austauschgerät „im Zeitwert“. Dies bedeutet, dass Sie für Ihr 500-Euro-Smartphone ein vergleichbares Gerät mit ähnlichen Leistungsdaten erhalten, das jedoch im Zeitwertbereich von 300 Euro angesiedelt ist.
  • Selbstbeteiligung: Meiden Sie Tarife mit einer Selbstbeteiligung, ob in pauschaler Höhe oder – noch ungünstiger – in Form eines prozentualen Anteils am Neupreis.

Leistungsausschlüsse: Viele Versicherer arbeiten mit Leistungsausschlüssen, um ihr Risiko gering zu halten. Sind beispielsweise „Feuchtigkeitsschäden“ enthalten, prüfen Sie im Kleingedruckten, ob davon Schäden durch Kondenswasser oder durch Regen abgedeckt sind – diese werden häufig eingeschränkt. Ähnliche Ausschlüsse finden Sie auch in anderen Bereichen (etwa beim Diebstahlschutz).

Wann lohnt sich eine Geräteversicherung?

Diese Frage ist immer einzelfallabhängig zu betrachten, je nach Tarif, Wert des Geräts und Schadenhöhe. Grundsätzlich lautet die Antwort: Je früher ein Schaden eintritt, desto eher lohnt sich die Geräteversicherung, weil dann der Zeitwert noch relativ hoch ist. Bei späten Schäden profitiert vor allem der Versicherer.

Angenommen, Sie schaffen sich ein Gerät im Wert von 800 Euro an. In diesem Fall betragen die Kosten für die Geräteversicherung pro Jahr etwa 60 bis 80 Euro. Viele Anbieter erstatten allerdings nur den Zeitwert. Bei einer längeren Laufzeit können Zeitstaffeln zum Tragen kommen, die den erstatteten Wert zusätzlich schmälern. So kann es passieren, dass Sie zwar jahrelang Beiträge zahlen, dann aber im Schadenfall erstaunlich wenig Erstattung bekommen.

Beispiel: Für eine Displayreparatur müssen Sie bei einem Smartphone je nach Modell etwa 80 bis 140 Euro einkalkulieren. So viel kostet die Versicherung für ein bis zwei Jahre. Tritt nicht alle zwei Jahre ein Displayschaden auf – übrigens die häufigste Schadenursache bei Handys –, lohnt sich die Summe kaum.

Tipp

Legen Sie den Betrag, den die Geräteversicherung kosten würde, als stille Reserve zur Seite. Tritt tatsächlich ein Schaden ein, können Sie diesen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem angesparten Kapital bezahlen.

Versicherungsprämien im Missverhältnis zum versicherten Wert

Die Kosten für Geräteversicherungen sind im Vergleich zum Anschaffungspreis des Geräts hoch. Dies verdeutlicht die folgende Aufstellung: 

Die Handyversicherung für ein 800-Euro-Smartphone kostet ca. 70 Euro. Dies entspricht 8,75 Prozent des Kaufpreises. Schaffen Sie sich ein Auto zum Kaufpreis von 18.000 Euro an, müssten Sie dafür bei 8,75 Prozent 1.575 Euro Kfz-Versicherung zahlen – würden Sie das als Kfz-Halter auf sich nehmen?

Mit diesen Tipps finden Sie die beste Geräteversicherung

Haben Sie sich dennoch dafür entschieden, eine Geräteversicherung abzuschließen? Dann helfen Ihnen die folgenden Tipps, das beste der verfügbaren Angebote auszuwählen:

  • Vergleich: Vergleichen Sie nicht nur den Preis der Geräteversicherung, sondern auch die Leistungen. Prüfen Sie insbesondere, welche Ausschlüsse für gängige Risiken vorhanden sind.
  • Zeitpunkt: Schließen Sie die Versicherung nicht beim Kauf des Geräts ab, sondern später in Ruhe. Unter Zeitdruck liest man die Details meist nicht ganz so genau. Online geht das übrigens oft noch 30 Tage oder länger nach dem Kauf. Die Tarife werden dadurch zwar nicht unbedingt günstiger, aber Sie können eine bewusstere Entscheidung treffen.
  • Versicherungsbedingungen: Lesen Sie vor dem Abschluss immer das Kleingedruckte und nicht nur die Werbebroschüre – beides weicht meist voneinander ab.
  • Kalkulation: Rechnen Sie vorher durch, bei welchen Szenarien sich die Geräteversicherung lohnen könnte. Prüfen Sie dabei auch, wann Sie den Vertrag kündigen sollten – mit sinkendem Zeitwert lohnt sie sich schon bald nicht mehr.
  • Doppelversicherung: Checken Sie Ihre Hausratversicherung – häufig sind Diebstähle von Handy & Co. bereits mitversichert.
  • Selbstbeteiligung: Vermeiden Sie Tarife mit Selbstbeteiligung, sonst lohnt sich die Versicherung am Ende gar nicht mehr.

Bedenken Sie bei Ihrer Auswahl, dass die Geräteversicherung eine Luxusversicherung ist. Sie gewinnen damit die Sicherheit, dass Sie im Fall der Fälle schnellen Ersatz für Ihr defektes Gerät bekommen. Aber da in aller Regel von einem Smartphone oder der Waschmaschine nicht Ihre Existenz abhängt, ist die Absicherung dieses Risikos nicht zwingend erforderlich.