EU-Roaming 2021 – so telefonieren Sie günstig

Wer im Ausland innerhalb der Europäischen Union surft oder telefoniert, zahlt dank der EU-weiten Roaming-Regelung „Roam like at home“ denselben Tarif wie zu Hause. Seit dem 15. Mai 2019 sind auch Gespräche aus der Heimat in andere EU-Mitgliedstaaten günstiger. Trotzdem besteht immer noch die Gefahr, dass Sie beim Roaming ins finanzielle Fettnäpfchen treten – denn, was viele nicht wissen: Der Gebühren-Stopp greift nicht überall. Informieren Sie sich hier über die „Roam like at home“-Ausnahmen! 

 

In welchen Ländern greifen die Gesetze zum EU-Roaming?

Die Vorgaben zum Roaming sind in der gesamten EU bzw. im kompletten Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gültig, also in allen 27 Mitgliedsstaaten plus Liechtenstein, Norwegen und Island. In Spanien profitieren Urlauber natürlich auch auf den Balearen (Mallorca, Menorca, Ibiza etc.) und den Kanarischen Inseln (Teneriffa, Gran Canaria, Fuerteventura, Teneriffa etc.) von der Regelung. In Portugal sind neben Madeira auch die Azoren in die Roaming-Vorgaben eingebunden, obwohl die Inseln weitab vom europäischen Festland liegen. Auch bei einem Besuch der französischen Überseegebiete profitieren Sie von den Gesetzen zum EU-Roaming: Sowohl in Französisch-Guayana, im karibischen Guadeloupe und in Saint-Martin bezahlen Sie keine Roaming-Zuschläge.

Das klingt zunächst ziemlich gut. Doch auf dem europäischen Festland gibt es leider auch einige Roaming-„Funklöcher“: Wenn Sie beispielsweise in der Schweiz oder in der Türkei telefonieren oder Daten über Ihr Smartphone abrufen, fallen in der Regel zusätzliche Gebühren an – insofern Sie nicht ein Auslandspaket oder Ähnliches zu Ihrem Tarif gebucht haben.

Informieren Sie sich daher vor einer Auslandsreise bei Ihrem Mobilfunkanbieter, welche Länder Ihr Roaming-Tarif abdeckt und wie hoch die Gebühren in den jeweiligen Weltzonen sind. Teilweise nehmen Provider die folgenden Länder mit ins Roaming auf, aber sie sind dazu nicht verpflichtet:  

  • Vatikanstadt
  • die Kanalinseln,
  • San Marino,
  • die Färöer-Inseln,
  • die Isle of Man,
  • Monaco und
  • Andorra.

Tipp

Wenn Sie Monaco und Andorra besuchen, können Sie mögliche Roaminggebühren umgehen, indem Sie sich manuell ins französische bzw. spanische Mobilfunknetz einwählen.

 

Trotz Brexit keine Mehrkosten – EU-Roaming bleibt 2021 vorerst unverändert

Mit dem Austritt der Briten aus der EU änderte sich zum 1. Januar 2021 vieles. Beim Roaming ist jedoch alles wie gehabt: Während Ihrer Reise innerhalb Großbritanniens zahlen Sie für Gespräche, Nachrichten und Datenvolumen dieselben Preise. Die gewohnten EU-Roaming-Konditionen bleiben vorerst erhalten – das kündigten sowohl die Telekom, Vodafone als auch O2 an. Ob die Anbieter ihr Versprechen langfristig halten können, bleibt jedoch offen (Stand: 04/2021).  

 

Kostenfalle Kreuzfahrtschiff: keine Vorteile durch EU-Roaming

Die Abschaffung der Roaming-Gebühren bringt erhebliche Vorteile für Verbraucher mit sich. Es profitiert jedoch nicht jeder Reisende von den neuen Roaming-Regelungen. Befinden Sie sich beispielsweise auf einem Kreuzfahrtschiff, erfolgt die Verbindung normalerweise via Satellit. Hierfür können sehr hohe Kosten anfallen. Vom Sonnendeck aus Sprachnachrichten zu verschicken oder über Ihr Smartphone entspannende Musik zu streamen, ist also eher keine gute Idee – zumindest nicht auf hoher See.

Verbraucherschützer raten dazu, an Bord eines Schiffes den Flugzeugmodus zu aktivieren, um so den mobilen Datenverbrauch komplett zu unterbinden. Damit können Sie sicher sein, dass Ihr Telefon doch nicht automatisch Apps aktualisiert oder aus anderen Gründen eine Internetverbindung herstellt. Ein weiterer hilfreicher Tipp: Schalten Sie an Ihrem Smartphone die automatische Netzeinwahl ab und prüfen Sie manuell, welches Netz die günstigste Option bei einem Landgang darstellt. Musik und Videos sollten Sie bereits zu Hause über Ihr eigenes WLAN downloaden. So umschiffen Sie auf See die Kostenfallen.

Natürlich können Sie sich auch während einer Kreuzfahrt unbeschwertes Surfvergnügen gönnen. Das ist allerdings eine Frage des Preises: Die kostenpflichtigen Internetpakete für den Zugriff über das schiffseigene WLAN liegen z. B. bei einer Buchung von drei Gigabyte Datenvolumen zwischen 50 und 100 Euro und bei einer Social-Media-Flat ab 2 Euro pro Tag. Das ist mitunter recht teuer, aber immer noch preiswerter, als wenn Sie das gleiche Volumen über Ihren eigenen Vertrag versurfen. Machen Sie sich also vorab über die Tarifstrukturen schlau und bereiten Sie Ihr Smartphone bereits daheim auf die Seereise vor. Dann erleidet Ihr Portemonnaie keinen Schiffbruch!

Tipp

Werfen Sie bei Ihrem Handyvertrag unbedingt einen Blick ins „Kleingedruckte“: Einige Anbieter von sehr günstigen Verträgen schließen die Tarifnutzung im Ausland generell aus. Das kann sowohl Telefonie und SMS als auch Internet beinhalten.

 

Anrufe von Deutschland ins EU-Ausland seit Mai 2019 günstiger

Seit dem 15. Mai 2019 sind auch die Kosten für Anrufe und SMS von Deutschland ins EU-Ausland („Intra-EU-Kommunikation“) gedeckelt: Ein Anruf von Deutschland nach Italien, Polen oder in die Niederlande darf laut Gesetzgeber nun nicht mehr als 19 Cent pro Minute (zzgl. MwSt.) kosten. Dabei ist es egal, ob Sie mit dem Mobiltelefon oder aus dem Festnetz telefonieren. Für eine SMS dürfen Anbieter maximal 6 Cent (zzgl. MwSt.) verlangen.

Durch den Beschluss des EU-Parlaments werden private Verbraucher also nochmals entlastet – für Geschäftskunden gilt diese Preisregelung dagegen nicht.

Doch Vorsicht: Die genannten Preisgrenzen gelten nur, wenn Ihr Anbieter die Monatsrechnung nutzungsabhängig erstellt. Bei Tarifen, die nicht auf die Minute bzw. die SMS genau abgerechnet werden, sind möglicherweise höhere Gebühren fällig. Das gilt auch bei Flatrate-Verträgen, in denen die Preise für Auslandsgespräche zu festgelegten Konditionen angeboten werden. Vor einem Call vom heimischen Sofa aus sollten Sie also auf jeden Fall prüfen, wie sich die Gebühren bei Ihrem derzeitigen Vertrag zusammensetzen. Auch, wenn das EU-Parlament mit den Gesetzen zur Telekommunikation innerhalb der Europäischen Union die Bürger teilweise stark entlastet, bergen individuelle Verträge auch heute noch diverse Fallstricke.

Zum Glück sieht der Gesetzgeber vor, dass Mobilfunkanbieter Ihren Kunden einen einfachen und verständlichen Überblick über den gewählten Tarif bereitstellen müssen. Für Sie ist es also seit Mai 2019 einfacher, die Kostenstruktur Ihres Handyvertrages nachvollziehen zu können.

Tipp

Die Nutzung von Sonderrufnummern kann weiterhin sehr teuer sein. Vermeiden Sie im Ausland unbedingt Nummern, die mit 0180, 0190 oder auch 0800 beginnen.

 

Weitere Tipps für ungetrübtes Telefonieren im Ausland

Sie haben beim Überprüfen Ihres Handyvertrages festgestellt, dass im Ausland noch Kostenfallen auf Sie warten? Dann kaufen Sie am Urlaubsort doch einfach eine Prepaidkarte eines regionalen Mobilfunkproviders. Diese stellen oftmals eine günstige Alternative zu Ihrem in Deutschland abgeschlossenen Vertrag dar. Zudem haben Sie hier die Kosten gut im Griff und Sie erwartet nach Ihrem Sommerurlaub in Spanien, Frankreich oder Griechenland keine überhöhte Handyrechnung.

Besondere Vorsicht sollten Sie bei der mobilen Datennutzung walten lassen: Wer z. B. im Ausland auf Pokemon-Jagd geht oder sein Handy als Navigationsgerät nutzt, für den kann der mobile Datenabruf schnell sehr teuer werden. Achten Sie also unbedingt darauf, in welchem Netz Ihr Mobiltelefon während des Auslandsaufenthaltes eingewählt ist. Besonders kostensparend ist es übrigens, wenn Sie sich bereits vor Ihrer Fahrt eine App mit Offline-Navigation herunterladen oder das benötigte Kartenmaterial vorab im Handy speichern. Falls der Speicher im Gerät zu knapp ist, dann rüsten Sie Ihr Smartphone mit einer Micro-SD-Karte nach. Die Preise für solche Speicherkarten sind in den letzten Jahren stark gefallen, sodass die Anschaffung in jedem Fall günstiger ist als eine eventuell überhöhte Handyrechnung.

Tipp

Viele Anbieter beschränken die Handynutzung im Ausland durch eine „Fair Use Policy“ („Regel zur angemessenen Verwendung“). Über das erlaubte Datenvolumen hinaus fallen dann beim Surfen zusätzlich zum Inlandspreis Aufschläge an. Darüber muss Sie Ihr Provider allerdings vorher per SMS informieren. Achtung: Auf hoher See bekommen Sie so eine Warnmeldung nicht!

Schlussendlich macht es immer Sinn, das eigene Verhalten zu hinterfragen. Wer bereits kurz nach der Flugzeuglandung das Handy zückt, um mit den Liebsten daheim zu telefonieren, tappt schnell in die Tariffalle. Ob Netflix am Strand und Facebook in der Skihütte unbedingt notwendig sind, sollten Sie ebenfalls eher kritisch betrachten. Wer im Urlaub Digital Detox betreibt und das Smartphone eine Zeit lang links liegen lässt, baut schneller Stress ab und kann sich stärker auf die Natur und seine Mitmenschen fokussieren. Probieren Sie es doch einfach mal aus!