Rentenerhöhung 2020: Seit 1. Juli gibt es mehr Rente

Bereits im April hatte das Bundeskabinett der diesjährigen Rentenanpassung zugestimmt, ab Juli 2020 wurde sie nun endlich spürbar: Die gesetzlichen Altersbezüge der über 21 Millionen Rentner in Deutschland stiegen um mehr als drei Prozent. Im Zuge der Erhöhung wurden außerdem die Rentenwerte in Ost und West stärker angeglichen. Im Jahr 2025 wird das Rentenniveau in den alten und neuen Bundesländern einheitlich sein.

Einheitliches Rentenrecht bald erreicht

Die Rentenerhöhung 2020 fiel in Ost und West unterschiedlich aus. In Westdeutschland betrug das Plus 3,45 Prozent, in den neuen Bundesländern kletterte die Rente um 4,20 Prozent nach oben. Dem Ziel der Bundesregierung, ein einheitliches Rentenrecht für alle Bundesbürger bis 2025 zu etablieren, ist Deutschland dann wieder ein Stück näher gerückt. Der Anpassungsschritt lag sogar über dem gesetzlich festgeschriebenen Wert. Der Rentenwert Ost beträgt derzeit 97,2 Prozent des aktuellen Rentenwerts West. Im vergangenen Jahr waren es 96,5 Prozent.

Die deutliche Erhöhung der Rente ruft zudem Erinnerungen wach: 2016 konnten sich Rentnerinnen und Rentner über einen Rekordzuwachs freuen. Damals verzeichnete die Bundesrepublik die höchste Rentenerhöhung seit mehr als 20 Jahren. Zum 1. Juli 2016 wurde ein Anstieg von 4,25 Prozent in den alten Bundesländern und 5,95 Prozent in den neuen Bundesländern wirksam. 2017 fiel die Rentenerhöhung hingegen bescheiden aus. Die Rente stieg nur um 1,90 Prozent im Westen und 3,59 Prozent im Osten Deutschlands.

Mit wie viel mehr Geld können Rentnerinnen und Rentner rechnen?

Die Rentenerhöhung zum 1. Juli 2020 hatte für viele Rentnerinnen und Rentner spürbar höhere Bezüge zur Folge. Die gern als Vergleichsgröße herangezogene Standardrente (Eckrente) – Rente einer Person, die 45 Jahre voll gearbeitet, durchschnittlich verdient und in die Rentenkasse einbezahlt hat – erhöhte sich um rund 51 Euro monatlich. Der Rentenwert stieg auf 33,23 Euro (Ost) beziehungsweise 34,19 Euro (West). Mit dem Anheben der gesetzlichen Rente sollte ihre Rolle als zentrale Säule der Alterssicherung gestärkt werden. In einer Pressemittelung des Ministeriums für Arbeit und Soziales vom 22. April 2020 heißt es:

„Es gilt das Grundprinzip, dass die Renten den Löhnen folgen. In guten wie in schlechten Zeiten. Auch in ungewissen Zeiten steht die Rentenversicherung für Verlässlichkeit. Die aktuelle Rentenanpassung sichert den Rentnerinnen und Rentnern ihre Teilhabe an der Lohnentwicklung und sorgt so für höhere Renten. Sie folgt der guten wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2019. Auch die Angleichung der Rentenwerte in Ost und West schreitet weiter voran. Auf die Rentenversicherung ist Verlass, auch in Krisenzeiten.“

Warum steigen die Renten 2020?

Hubertus Heil begründet die Rentenanpassung 2020 mit der positiven Entwicklung am deutschen Arbeitsmarkt sowie mit den Lohnsteigerungen der letzten Jahre. Er reagiert mit der Anpassung der Rente in diesem Jahr unter anderem auf die positive Lohnentwicklung im vergangenen Jahr. Nach den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen des Statistischen Bundesamts konnte 2020 in Deutschland sowohl in den alten als auch neuen Bundesländern eine für die Rentenanpassung signifikante Lohnsteigerung verzeichnet werden, nämlich 3,83 Prozent im Osten und 3,28 Prozent im Westen.

Ein weiterer Grund für die Rentenanpassung 2020 offenbart sich im Zahlenverhältnis von Rentenbeziehenden und Beitragszahlenden, das mit dem sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor ausgedrückt wird. 2020 beeinflusste der Nachhaltigkeitsfaktor die Rente zum Positiven: Er stieg um +0,17 Prozentpunkte. Hier macht sich der Positivtrend auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Die Wirtschaft florierte 2019, viele Unternehmen waren auf Wachstumskurs und stellten ein, sodass die Arbeitslosigkeit sank. Durch die höhere Zahl an sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stieg auch die Summe der Sozialbeiträge, wovon letztendlich Rentnerinnen und Rentner profitieren. Wie genau die Rente berechnet wird, ist im Sechsten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VI) festgelegt.

Beeinflusst die Corona-Pandemie die Rente 2021?

2020 hat das neuartige Coronavirus das Leben und die Wirtschaft fest im Griff. Viele Unternehmen mussten über Wochen schließen, Arbeitnehmer gingen in Kurzarbeit oder haben ihren Job verloren. Da sich die Rentenerhöhung immer an den Werten des Vorjahres orientiert, hat die aktuelle Situation keinen Einfluss auf die Rentenerhöhung 2020. Bundesarbeitsminister Heil betont, dass Rentnerinnen und Rentner an der guten wirtschaftlichen Entwicklung des Vorjahres teilhaben sollen. Außerdem erhöht die Rentenerhöhung die Kaufkraft der Senioren und hilft, das wirtschaftliche Corona-Tief zu überwinden.

Prognosen für das nächste Jahr sind schwierig, denn ob es 2021 zu weiteren deutlichen Rentenerhöhung kommt, hängt davon ab, wie schnell sich die Unternehmen von den Einbußen erholen. Rentenkürzungen sind aber ausgeschlossen. Selbst wenn sich aus den Formeln zur Berechnung der Rentenerhöhung ein Minus ergeben würde, hätte dies keine Kürzungen zur Folge: Die Rentengarantie ist rechtlich abgesichert. Im schlimmsten Fall käme es zu einer Nullrunde im Westen. In den neuen Bundesländern dagegen wäre trotzdem eine geringe Erhöhung zu erwarten, da der Rentenwert Ost aufgrund gesetzlicher Regelungen um 0,7 Prozent steigen muss, um die Angleichung der Renten zu erreichen.