Sehr geehrte Damen und Herren, 
der DAX startet verhalten ins neue Jahr, die Bank of England belässt ihren Leitzins unverändert, und Schwellenländeraktien profitieren von US-Dollar-Schwäche und KI‑Boom.
 
 
 
DAX startet verhalten ins Jahr
Der DAX ist verhalten in das neue Jahr gestartet. Nach einem frühen Plus inklusive Rekordhoch notiert der deutsche Leitindex derzeit nur leicht über dem Stand zu Jahresbeginn. Auffällig ist dabei jedoch die hohe Streuung der Performance: Zwischen bester und schwächster Aktie im Index liegen bereits knapp 40 Prozentpunkte – im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt nur rund 28. Die Gründe für diese Unein­heitlichkeit sind vielfältig: Die angestiegene geopolitische Unsicherheit belastet einen stark international ausgerichteten Index wie den DAX, dessen Unter­nehmen mehr als die Hälfte ihrer Umsätze außerhalb Europas erwirt­schaften. Gleichzeitig begann die Berichtssaison für das vierte Quartal 2025 mit teils deutlichen Kursreaktionen. Sie zeigt, wie stark Marktteilnehmer derzeit auf die Unternehmensausblicke schauen, zumal Analysten erst in der zweiten Jahreshälfte 2026 mit einem deutlichen Gewinnanstieg rechnen. Für das Gesamtjahr erwarten sie für die DAX-Unternehmen ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund zwölf Prozent. Angesichts der erhöhten Unsicherheit halte ich weitere Kursausschläge während der Berichtssaison für möglich. Gleichzeitig könnte ein Wiederanziehen des Gewinnwachstums nach drei Jahren weitgehender Gewinnstagnation den deutschen Leitwerten wieder Rückenwind geben.
 
 
 
 
BoE-Zinsentscheid: knappe Abstimmung, klare Botschaft
Die Bank of England (BoE) beließ ihren Leitzins am vergangenen Donnerstag unverändert bei 3,75 Prozent. Das Abstimmungsergebnis im geldpolitischen Ausschuss fiel mit fünf zu vier Stimmen knapper aus als von den meisten Analysten und Marktteilnehmern erwartet. Die Währungshüter sehen „Anzeichen für ein gedämpftes Wirtschaftswachstum und eine zunehmende Flaute auf dem Arbeitsmarkt“, während die Aufwärtsrisiken für die Inflation „weniger aus­geprägt“ seien. Entsprechend senkte die BoE ihre Wachstumsprognose für 2026 von 1,2 auf 0,9 Prozent und für 2027 von 1,6 auf 1,5 Prozent. Zugleich erwartet sie, dass die Inflationsrate bereits im zweiten Quartal deutlich in Richtung zwei Prozent sinken und bis weit über 2027 hinaus auf oder unter diesem Zielwert verharren sollte. Der resultierende zusätzliche geldpolitische Spielraum schürt Hoffnungen der Märkte auf eine früher als bisher erwartete Zinssenkung – möglicherweise schon im März oder April. Sollte sich der erwartete Inflationsrückgang einstellen und eine konjunkturelle Stabilisierung gelingen, dürften neben dem Pfund Sterling auch britische Staats­anleihen profitieren. Neben einer interessanten Rendite von aktuell gut 4,5 Prozent im Zehn-Jahres-Bereich scheinen somit auch Kursgewinne möglich.
 
 
 
 
Schwellenländeraktien profitieren von US-Dollar-Schwäche und KI-Boom
Schwellenländeraktien verzeichnen zu Jahresbeginn außergewöhnlich hohe Kapital­zuflüsse. Getrieben von der US-Dollar-Schwäche und der Suche nach Alternativen zu US-Vermögenswerten haben Anleger bereits über 39 Milliarden US-Dollar in Schwellen­­länder-Aktienfonds gelenkt – die stärksten Nettomittelzuflüsse seit über 20 Jahren. Besonders die günstig bewerteten lateinamerikanischen Aktienmärkte ver­buchten Rekordzuflüsse. In Asien profitieren vor allem Südkorea und Taiwan dank ihrer Halbleiterindustrien – sie liegen am Anfang der KI-Wertschöpfungs­kette und sind daher Empfänger der hohen Investitionen in KI-Infra­struktur. Zusätzliche Unterstützung kommt von strukturellen Wachstumstreibern wie jungen Bevölkerungen und einem anziehenden Konsum. Für die im MSCI Emerging Markets Index gelisteten Unternehmen haben Analysten ihre Gewinnerwartungen für 2026 in den vergangenen drei Monaten um rund acht Prozent angehoben – insgesamt liegen die Gewinnwachstumserwartungen nun bei 22 Prozent. Vor diesem Hintergrund bleiben die Rahmenbedingungen für Schwellenländeraktien attraktiv.
 
 
 
 
Private Equity: Haltedauer sinkt erstmals seit 2020
Private Eigenkapitalfonds (Private Equity) haben in den vergangenen Jahren nicht-börsennotierte Unternehmen bei kapitalintensiven Veränderungsprozessen unterstützt. Dazu zählen vor allem die Digitalisierung sowie die nachhaltige Transformation der Geschäftsprozesse. Diese Projekte benötigen mehrere Jahre Zeit, weshalb der durchschnittliche Investitionszeitraum von Private Equity in etwa mit fünf bis sieben Jahren bemessen wird. In Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen können diese Haltedauern jedoch länger ausfallen, wenn Unternehmen wie beispielsweise während der Corona-Pandemie erwägen, einen möglichen Verkauf – zum Beispiel über einen Börsengang – aufzuschieben. Im vergangenen Jahr haben vermehrte Unter­nehmens­verkäufe, Börsengänge sowie Fusionen und Übernahmen die mittlere Haltedauer von Private-Equity-Investments in Europa zum ersten Mal seit 2020 wieder sinken lassen. Nachdem die durchschnittliche Haltedauer in den Jahren 2020 bis 2024 stetig von 5,1 auf 6,6 Jahre angestiegen war, fiel sie 2025 auf 5,8 Jahre zurück. Für das laufende Jahr erwarte ich infolge weiterhin günstiger Exit-Bedingungen eine Normalisierung des Exit-Staus der vergangenen Jahre. Dennoch sollten Anleger im Vergleich zu liquideren Alternativen bei Investitionen in Private Equity grundsätzlich längere Anlagehorizonte einkalkulieren, die zudem je nach Branche variieren können.
 
 
 
 
Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

 
 
USA | Aus dem S&P 500 berichten 79 Unternehmen, darunter Coca-Cola, Kraft Heinz, McDonald’s, Ford Motor, Robinhood Markets, T-Mobile US, Cisco, Applied Materials, Airbnb, Expedia und Gilead Science.
 
Europa | Aus dem STOXX 600 berichten 85 Unternehmen, darunter UniCredit, Barclays, Commerzbank, AstraZeneca, Ferrari, Siemens, Siemens Energy, Adyen, Mercedes-Benz, Hermès, Unilever, L’Oréal, Anheuser Busch InBev, TotalEnergies, BP und Safran.
 
Asien | Aus Japan berichten unter anderem Recruit Holdings, Honda Motor, Softbank, Tokio Marine und Japan Tobacco. Aus Indien berichten unter anderem Hindustan Unilever, Mahindra & Mahindra und Titan Co.
 
 
Mittwoch
 
USA | Arbeitsmarktdaten für Januar. Die Veröffentlichung der Januar-Daten wurde aufgrund des kurzen Government Shutdowns der Vorwoche von Freitag auf Mittwoch verschoben. Analysten rechnen im Median mit einem Stellenaufbau von 70.000, nach einem Zuwachs von 50.000 im Dezember. Die Arbeitslosen­quote dürfte mit 4,4 Prozent auf dem Niveau des Vormonats verharren. In der vergangenen Woche blieb der von ADP für die US-Privatwirtschaft veröffentlichte Beschäftigungs­zuwachs mit nur 22.000 deutlich hinter den prognostizierten 48.000 zurück. Enttäuschen auch die landesweiten Daten des US Bureau of Labor Statistics, dürfte der Druck auf die Fed zunehmen, der Abkühlung am Arbeitsmarkt mit einer weiteren Zinssenkung entgegenzuwirken.
 
 
Donnerstag
 
Großbritannien | Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2025 (vorläufig). Analysten erwarten mit 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal ein etwas stärkeres Wachstum als im dritten Quartal 2025, als es 0,1 Prozent betragen hatte. In ihrem aktuellen makroökonomischen Ausblick skizziert die BoE ein gedämpftes Wirtschaftswachstum, einen zunehmend schwächeren Arbeitsmarkt sowie einen zeitnahen spürbaren Inflationsrückgang. Bleibt die erwartete leichte Wachstumserholung im vierten Quartal aus, dürfte dies Hoffnungen auf eine zeitnahe Leitzinssenkung – möglicherweise schon im März – beflügeln. Die Renditen zinssensitiver kurzfristiger britischer Staatsanleihen könnten erneut nachgeben – deren Kurse entsprechend zulegen.
 
 
Freitag
 
USA | Verbraucherpreisinflation (CPI) im Januar. Der Disinflationsprozess der Verbraucherpreise dürfte zu Jahresbeginn vorangeschritten sein. Analysten erwarten im Konsens einen Rückgang der jährlichen Teuerungsrate von 2,7 auf 2,5 Prozent. Sinkt zugleich die jährliche Kernrate wie erwartet von 2,6 auf 2,5 Prozent, wäre dies der niedrigste Stand seit fast fünf Jahren. Eine solche oder gar ausgeprägtere Abnahme des Preisdrucks würde Hoffnungen auf eine zeitnahe Zinssenkung der US-Notenbank schüren und sowohl Verbraucher als auch Unternehmen entlasten. Am US-Aktienmarkt könnten insbesondere Unternehmen mit starkem Binnenmarktgeschäft davon profitieren.
 
 
 
Zahl des Tages: 40

Je mehr Satelliten um die Erde kreisen, umso häufiger fällt Weltraumschrott zu Boden. Das ist ein Problem, besonders dann, wenn die Wrackteile radioaktiv sind. Benjamin Fernando, Geophysiker von der Johns Hopkins University, und sein Team haben einen neuen Ansatz entwickelt, um zu Boden stürzende Wrackteile zu lokalisieren. Sie nutzen empfindliche Seismometer am Boden, um Stoßwellen zu entdecken, die entstehen, wenn große Objekte durch die Atmosphäre rasen. Die Flugbahn eines 2024 abgestürzten Orbitalmoduls konnten die Forscher mit der seismischen Analyse um 40 Kilometer genauer bestimmen als mit anderen Messmethoden. Der neue Ansatz könnte helfen, Weltraumschrott besser aufzuspüren und schneller zu entsorgen – allerdings nur in Regionen, die über ein dichtes Netz seismischer Stationen verfügen.

Lassen Sie sich heute nicht erschüttern.

Herzlichst
 
 
 
Unterschrift Dr. Stephan
Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden
 
 
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