Sehr geehrte Damen und Herren, 
der ifo Geschäftsklimaindex fällt auf ein Mehrjahrestief und signalisiert zunehmende Konjunktursorgen in Deutschland, US-Stimmungsindikatoren deuten auf eine robuste Konjunktur bei deutlich zunehmendem Preisauftrieb hin, und Industrie und Handel Argentiniens schwächeln.
 
 
 
ifo Geschäftsklimaindex fällt auf Mehrjahrestief 
Die Stimmung in den deutschen Unter­nehmen hat sich deutlich eingetrübt. Der Ge­schäfts­klimaindex des ifo Instituts fiel im April stärker als erwartet von 86,3 auf 84,4 Punkte und erreichte den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Die Firmen bewerteten ihre aktuelle Lage schlechter und blicken noch pessimistischer auf die kommenden Monate. Im Verarbeitenden Gewerbe dämpften vor allem Unternehmen der chem­ischen Industrie ihre Erwartungen, viele meldeten zudem zunehmende Engpässe bei Vorprodukten. Auch im Dienstleistungssektor hat sich die Stimmung spürbar ver­schlechtert, insbesondere im Groß- und Einzelhandel sowie in der Logistik. Einzel­händler befürchten, dass die Inflation die Kaufbereitschaft weiter bremst. Im Bauhaupt­gewerbe ist das Geschäftsklima nahezu eingebrochen. Die Hoffnung auf einen raschen Aufschwung ist damit vorerst verflogen, umso dringlicher sind zügige Reformen durch die Bundesregierung.
 
 
 
 
US-Konjunktur bleibt robust – aber Preisdruck nimmt spürbar zu 
In den USA signalisierten die am Donnerstag veröffentlichten Vorabschätzungen der Einkaufsmanagerindizes (PMIs) für April weiterhin einen robusten konjunkturellen Ausblick, allerdings bei deutlich zunehmendem Preisdruck infolge hoher Energiepreise. Der branchenübergreifende PMI stieg auf 52,0 Punkte nach 50,3 im März. Im Ver­arbeitenden Gewerbe erhöhte sich der Index auf 54,0 Punkte und erreichte damit ein 47-Monatshoch, während sich der Dienstleistungs-PMI von 49,8 auf 51,3 Punkte verbesserte und damit wieder in den Expansionsbereich zurückkehrte. Gleichzeitig wies der PMI-Bericht auf einen kräftigen Anstieg des Preisauftriebs hin. Die Vor­leistungskosten stiegen auf den höchsten Stand seit elf Monaten, während die Verkaufspreise im Dienstleistungssektor so stark stiegen wie zuletzt vor 45 Monaten. Der energiepreisgetriebene Preisdruck dürfte den Rückgang der Inflation verzögern und spricht für eine vorsichtige geldpolitische Haltung der US-Notenbank. Ent­sprechend reduzierten die Märkte ihre Zinssenkungserwartungen: Die Wahrschein­lichkeit einer Leitzinssenkung bis zum Jahresende liegt aktuell bei knapp 20 Prozent, nach rund 30 Prozent vor der Veröffentlichung der PMI-Vorabschätzungen.
 
 
 
 
Rekordquartal für US-Wagniskapital 
Der US-Markt für Wagniskapital, der aufstrebende Start-ups finanziert, erreichte im ersten Quartal 2026 Höchststände. Die Summe aller Investitionen betrug knapp 270 Milliarden US-Dollar und übertraf somit jeden Jahres­gesamtwert außer von 2021 und 2025. Die Summe aller Verkaufswerte lag bei rund 350 Milliarden US-Dollar, dem höchsten Quartalswert überhaupt. Ein genauerer Blick zeigt jedoch ein kom­plexeres Bild: Ohne die fünf größten Transaktionen und Verkäufe fallen diese Zahlen um 73 Prozent beziehungsweise 87 Prozent. Eine hohe Konzentration prägt den ameri­kanischen Wagniskapital-Markt nach der Pandemie weiterhin, aber das erste Quartal dieses Jahres setzte einen neuen Extremwert. Unterhalb der Spitzenwerte bleiben Transaktionen weiterhin rar. Geopolitische Konflikte haben zudem neue Hürden für das ohnehin herausfordernde Umfeld für Verkäufe geschaffen. Investitionen in Wagnis­kapital können risikobewussten, langfristig orientierten Anlegern Chancen auf Wert­zuwachs bieten, allerdings kann eine gute Diversifikation zwischen Regionen und Sektoren helfen, das Markt- und Liquiditätsrisiko zu minimieren.
 
 
 
 
Argentiniens Wirtschaft: Industrie und Handel bremsen, Rohstoffe trotzen dem Trend 
In Argentinien lag die wirtschaftliche Aktivität im Februar um 2,1 Prozent unter dem Vorjahres­niveau. Belastend wirkten vor allem die Industrie und der Handel, die jeweils um 8,7 Prozent und 7 Prozent zurückgingen. Im Rahmen der Reformagenda belasten drakonische geldpolitische Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung die Wirtschaft – sehr hohe Zinsen dämpfen Investitionen und Konsum. Der Rückgang im Februar ist zudem teilweise kalenderbedingt, da zwei zusätzliche Feiertage im Vergleich zum Vorjahres­monat anfielen. Dagegen verzeichneten Bergbau und Rohstoffförderung ein kräftiges Jahreswachstum von 9,9 Prozent, begünstigt durch steuerliche Anreize im Öl- und Gassektor sowie hohe Energiepreise. Die sektorale Divergenz in der Wirtschafts­dynamik spiegelt sich auch am Aktienmarkt wider. Der MSCI Argentina Index ver­zeichnet seit Jahresbeginn einen Anstieg von knapp 3 Prozent in Euro, getragen von einem Kurszuwachs des Rohstoffsektors von rund 15 Prozent, der knapp die Hälfte des Index ausmacht. Demgegenüber verlor der Finanzsektor, mit einer Index­ge­wichtung von rund 25 Prozent, im gleichen Zeitraum knapp 6 Prozent. Einstiegs­möglichkeiten im argentinischen Energiesektor sind vorhanden, sollten jedoch vor dem Hintergrund erhöhter politischer Risiken mit Zurückhaltung beurteilt werden.
 
 
 
 
Was diese Woche wichtig wird

Im Laufe der Woche, Berichtssaison

 
 
USA | Aus dem S&P 500 berichten unter anderem Visa, Coca-Cola, Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta, AbbVie, Apple, Eli Lilly, Mastercard, Caterpillar, Berkshire Hathaway, Exxon Mobil und Chevron.
 
Europa | Aus dem STOXX 600 berichten unter anderem Novartis, AstraZeneca, TotalEnergies, Mercedes-Benz, Volkswagen und Airbus.
 
Asien | Aus China berichten CNOOC, Ping An, Foxconn, China Merchants Bank und BYD.
 
 
Mittwoch
 
USA | Zinsentscheid der Federal Reserve. Analysten wie die Märkte rechnen mit einem Halten der Leitzinsen in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent. Jüngste Aussagen von Fed-Vertretern unterstreichen, dass die Geldpolitik derzeit als gut austariert gilt, wobei die größten Risiken vom Golfkonflikt über steigende Ölpreise und mögliche Zweitrundeneffekte ausgehen, während der Arbeitsmarkt als zunehmend fragiler wahrgenommen wird. Vor diesem Hintergrund erscheint Abwarten geboten – eine Einschätzung, die auch die Marktteilnehmer teilen: Für die kommenden vier Quartale werden keine nennenswerten Zinsanpassungen eingepreist, mit einer leichten Tendenz in Richtung einer geldpolitischen Lockerung.
 
 
Donnerstag
 
Eurozone | Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank. In ähnlicher Weise richtet sich der Blick auf die EZB-Sitzung, bei der weithin ein Halten des Einlagensatzes bei 2,0 Prozent erwartet wird. EZB-Vertreter haben zuletzt betont, dass die Energiepreise zwischen Basis- und Stressszenario schwankten und die Inflationserwartungen bislang gut verankert seien. Gleichzeitig scheint der EZB-Rat mehrheitlich zu einer zusätzlichen Straffung geneigt, da mehrere Mitglieder das adverse Inflationsszenario nach wie vor als relevant erachten. Entsprechend preisen die Märkte bis Ende 2026 kumulierte Zinserhöhungen von rund 0,6 Prozentpunkten ein – mit einer ersten Anhebung möglicherweise bereits im Juni oder Juli.
 
USA | Index der persönlichen Konsumausgaben, März. Analysten rechnen mit einem deutlichen Anstieg der Jahresrate von 2,8 Prozent im Februar auf 3,5 Prozent im März. Haupttreiber dürften – wie bereits bei den am 10. April veröffentlichten Verbraucherpreisen sichtbar – höhere Kosten für Kraftstoffe gewesen sein. Besondere Aufmerksamkeit wird der Entwicklung der um Energie und Nahrungsmittel bereinigten Kernrate der persönlichen Konsumausgaben gelten. Der Analystenkonsens geht von einem Anstieg der Jahresrate von 3,0 auf 3,2 Prozent aus, was dem höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren entspräche. Ein noch kräftigerer Anstieg des zugrunde liegenden Preisdrucks würde die Hoffnungen auf eine geldpolitische Lockerung weiter dämpfen und kurzfristige US-Staatsanleihen zusätzlich unter Druck setzen.
 
 
 
Zahl des Tages: 65.000 
Die Neandertaler starben, soweit wir wissen, vor 40.000 Jahren aus. Doch schon vorher ist es für unsere entfernten Verwandten einmal richtig eng geworden, wie ein Team um Charoula Fotiadou von der Universität Tübingen durch DNA-Analysen festgestellt hat. Schon vor rund 65.000 Jahren, als in Europa ein kaltes und trockenes Klima herrschte, schrumpfte demnach die Zahl der Neandertaler rapide – übrig blieb nur eine kleine Restpopulation, die sich nach Südwest­frankreich zurückgezogen hatte. Diese Stammeslinie erholte sich zunächst, als die Temperaturen wieder anzogen. Doch möglicherweise, so die Forscher, war das Ende da schon vorprogrammiert: Mangelnde genetische Vielfalt könnte zum endgültigen Aus der Neandertaler beigetragen haben.
 
Zeigen Sie heute Durchhaltevermögen.
 
Herzlichst
 
 
 
Unterschrift Dr. Stephan
Ihr Ulrich Stephan
Chef-Anlagestratege Privat- und Firmenkunden
 
 
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