ISO 20022: Sind Ihre Zah­lungs­daten auf die neuen An­for­de­rungen vor­be­rei­tet?

Haben Sie schon ge­prüft, ob Ihre Kunden-​, Lieferanten-​ und Un­ter­neh­mens­da­ten voll­stän­dig und kor­rekt ge­pflegt sind? Falls nicht, schau­en Sie jetzt genau hin. Denn im Zuge der ISO-20022-​Umstellung gel­ten neue An­for­de­run­gen für Zah­lungs­da­ten, die auch klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men be­tref­fen. Wie Sie sich vor­be­rei­ten, er­fah­ren Sie hier.

Die Ein­füh­rung von ISO-20022-​Zah­lungs­an­wei­sun­gen wird alle Geschäfts­kunden betref­fen. Bevor die in­di­vi­du­el­len Aus­wir­kun­gen ana­ly­siert wer­den, ist es wich­tig zu be­wer­ten, was die Mi­gra­ti­on nach ISO 20022 für Un­ter­neh­men im All­ge­mei­nen be­deu­tet und wel­che Vor­tei­le sie brin­gen wird.

SWIFT und ei­ni­ge wei­te­re Marktin­fra­struk­tu­ren für den Zah­lungs­ver­kehr haben ver­öf­fent­licht, die für No­vem­ber 2026 vor­ge­se­he­ne Ab­leh­nung un­struk­tu­rier­ter Adres­sen in Zah­lun­gen zu ver­schie­ben. Der fi­na­le Ter­min steht noch zur Be­stä­ti­gung aus. Die Postbank wird den In­halt die­ser Web­site mit den wei­te­ren Ent­schei­dun­gen in den nächs­ten Tagen und Wo­chen ent­spre­chend ak­tu­a­li­sie­ren.

Was ist ISO 20022?

ISO 20022 ist ein in­ter­na­ti­o­na­ler Stan­dard für den Aus­tausch von Zahlungs-​ und Fi­nanz­da­ten. Er sorgt dafür, dass Un­ter­neh­men, Ban­ken und Fi­nanz­dienst­leis­ter Zah­lungs­in­for­ma­ti­o­nen welt­weit in einer ein­heit­li­chen Struk­tur aus­tau­schen kön­nen. Zu den In­for­ma­ti­o­nen, die bei einer Zah­lung über­mit­telt wer­den, ge­hö­ren auch Adres­sen. Zum Bei­spiel vom Auf­trag­ge­ber und vom Zah­lungs­emp­fän­ger.

Der Stan­dard legt fest, wie diese In­for­ma­ti­o­nen auf­ge­baut und über­mit­telt wer­den. Da­durch kön­nen Zah­lungs­da­ten sys­tem­über­grei­fend ein­heit­lich ver­ar­bei­tet wer­den und in­ter­na­ti­o­na­le Zah­lun­gen ef­fi­zi­en­ter ab­lau­fen.

Was ändert sich konkret?

Die neuen An­for­de­run­gen sind Teil der ISO-20022-​Umstellung. Ziel des­sen ist es, den welt­wei­ten Zah­lungs­ver­kehr zu ver­ein­heit­li­chen und die Qua­li­tät der über­mit­tel­ten Zah­lungs­da­ten zu ver­bes­sern.

Im Rah­men der Um­stel­lung rü­cken ins­be­son­de­re Adress­da­ten in den Fokus. Bei vie­len Zah­lungs­ar­ten sind dann nur noch struk­tu­rier­te oder hy­bri­de Adress­an­ga­ben zu­läs­sig. Reine Freitext-​Adressen wer­den ab­ge­löst. Min­des­tens die An­ga­be von Stadt und Land müs­sen dann in den dafür vor­ge­se­he­nen Da­ten­fel­dern hin­ter­legt sein.

Ein Beispiel aus der Praxis

Stel­len Sie sich vor, Ihr Un­ter­neh­men über­weist Geld an einen Lie­fe­ran­ten. Bis­lang konn­ten Adress­da­ten häu­fig als Frei­text hin­ter­legt, wer­den:

<Nm>Muster GmbH</Nm>
<AdrLine>Musterstraße 1</AdrLine>
<AdrLine>20457 Hamburg</AdrLine>
<AdrLine>Deutschland</AdrLine>

Nach der Umstellung müssen diese Angaben in einzelne Datenfelder aufgeteilt werden:

Strukturierte Variante:

<Nm>Muster GmbH</Nm>
<PstlAdr>
<StrtNm>Musterstraße</StrtNm>
<BldgNb>1</BldgNb>
<PstCd>20457</PstCd>
<TwnNm>Hamburg</TwnNm>
<Ctry>DE</Ctry>
</PstlAdr>

Hybride Variante:

<Nm>Muster GmbH</Nm>
<PstlAdr>
<TwnNm>Hamburg</TwnNm>
<Ctry>DE</Ctry>
<AdrLine>Musterstraße 1, 20457</AdrLine>
</PstlAdr>

Dadurch können Banken und Zahlungsverkehrssysteme die Informationen automatisiert verarbeiten, prüfen und weiterleiten.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Die neuen An­for­de­run­gen be­tref­fen grund­sätz­lich alle Un­ter­neh­men, die Zah­lun­gen sen­den oder emp­fan­gen. Des­halb soll­ten Sie un­ab­hän­gig von Un­ter­neh­mens­grö­ße, Bran­che oder Zah­lungs­vo­lu­men prü­fen, ob Ihre Stamm­da­ten, Sys­te­me und Pro­zes­se dar­auf vor­be­rei­tet sind.

Der kon­kre­te Auf­wand kann je nach Sys­tem­land­schaft und Zah­lungs­pro­zes­sen un­ter­schied­lich sein. Wich­tig ist je­doch für alle Un­ter­neh­men, die fol­gen­den Be­rei­che zu prü­fen:

Adress­da­ten ana­ly­sie­ren

Prü­fen Sie, ob die vor­han­de­nen Kunden-​, Lieferanten-​ und Un­ter­neh­mens­stamm­da­ten voll­stän­dig, kor­rekt und wi­der­spruchs­frei sind.

Pflicht­an­ga­ben si­cher­stel­len

Stel­len Sie si­cher, dass Adres­sen min­des­tens die er­for­der­li­chen An­ga­ben zu Stadt und Land ent­hal­ten.

Pro­zes­se über­prü­fen

Kon­trol­lie­ren Sie, ob Ihre Zah­lungs­auf­trä­ge künf­tig struk­tu­rier­te Adress­fel­der ent­hal­ten und nicht aus­schließ­lich auf Frei­text­an­ga­ben set­zen.

Zah­lungs­vor­la­gen an­pas­sen

Über­prü­fen Sie be­stehen­de Vor­la­gen in Ihren Zah­lungs­ver­kehrs­sys­te­men und pas­sen Sie diese ge­ge­be­nen­falls an die neuen An­for­de­run­gen an.

Sys­te­me und Soft­ware prü­fen

Klä­ren Sie mit Ihrem Buchhaltungs-​, Software-​ oder Zah­lungs­ver­kehrs­an­bie­ter, ob zur Er­fül­lung der neuen An­for­de­run­gen not­wen­di­ge Up­dates oder An­pas­sun­gen er­for­der­lich sind.

Zu­stän­dig­kei­ten fest­le­gen

Legen Sie in­tern fest, wer die Um­stel­lung ko­or­di­niert und die er­for­der­li­chen Maß­nah­men be­glei­tet.

Zahlungsformate und Updates prüfen

Im Zuge der ISO-20022-​Umstellung wer­den äl­te­re Zah­lungs­ver­kehrs­for­ma­te nicht mehr un­ter­stützt. Un­ter­neh­men soll­ten daher prü­fen, ob ihre Buchhaltungs-​ und Zah­lungs­ver­kehrs­sys­te­me die ak­tu­el­len ISO-20022-​Formate ver­ar­bei­ten kön­nen, zum Bei­spiel pain.001 v09 für Zah­lungs­auf­trä­ge.

Betrifft ISO 20022 auch kleine und mittlere Unternehmen?

Die neuen An­for­de­run­gen be­tref­fen Un­ter­neh­men jeder Größe und auch Ver­brau­cher. Denn un­ab­hän­gig davon, ob es sich um einen Ver­brau­cher, einen klei­nen Be­trieb, einen Mit­tel­ständ­ler oder einen Kon­zern han­delt: Für den Zah­lungs­ver­kehr wer­den Daten be­nö­tigt, die im Zuge der Um­stel­lung künf­tig struk­tu­riert vor­lie­gen müs­sen.

Warum wird der Zahlungsverkehr umgestellt?

Der Zah­lungs­ver­kehr wird zu­neh­mend di­gi­ta­ler, au­to­ma­ti­sier­ter und in­ter­na­ti­o­na­ler. Gleich­zei­tig stei­gen die An­for­de­run­gen an Da­ten­qua­li­tät, Trans­pa­renz und re­gu­la­to­ri­sche Prü­fun­gen.

Die stär­ke­re Struk­tu­rie­rung der Daten bie­tet unter an­de­rem fol­gen­de Vor­tei­le:

  • Schnel­le­re und si­che­re­re Zah­lungs­ver­ar­bei­tung
  • We­ni­ger Feh­ler, Rück­fra­gen und Ver­zö­ge­run­gen
  • We­ni­ger Nach­ar­beit und Zeit­auf­wand
  • Ein­fa­che­re Ab­stim­mung und Aus­wer­tung

Mit ISO 20022 wird des­halb welt­weit ein ein­heit­li­cher Stan­dard für Zah­lungs­in­for­ma­ti­o­nen ge­nutzt.

Welche Folgen können unvollständige Daten haben?

Feh­len not­wen­di­ge An­ga­ben oder lie­gen sie nicht in der ge­for­der­ten Struk­tur vor, kann dies zu zu­sätz­li­chem Auf­wand bei der Zah­lungs­ab­wick­lung füh­ren.

Mög­li­che Fol­gen sind:

  • Ver­zö­ge­run­gen bei Trans­ak­ti­o­nen
  • Pro­ble­me bei re­gu­la­to­ri­schen Prü­fun­gen
  • Im Ein­zel­fall die Zu­rück­wei­sung von Zah­lungs­nach­rich­ten

Werden Zahlungen mit unstrukturierten Adressdaten weiterhin verarbeitet?

Im Rah­men der gel­ten­den Markt-​ und Clearing-​Anforderungen un­ter­stützt die Postbank und wei­ter­hin eine mög­lichst rei­bungs­lo­se Ver­ar­bei­tung. Falls er­for­der­lich, kön­nen An­pas­sun­gen vor­ge­nom­men wer­den. Grund­sätz­lich soll­ten Sie nicht davon aus­ge­hen, dass ins­be­son­de­re in­ter­na­ti­o­na­le Zah­lun­gen mit un­struk­tu­rier­ten Adress­da­ten immer durch die ge­sam­te Zah­lungs­ket­te er­folg­reich ver­ar­bei­tet wer­den kön­nen. 

Checkliste: So bereiten Sie Ihr Unternehmen auf die neuen Anforderungen vor

  • Stammdaten auf Vollständigkeit prüfen
  • Stadt und Land in Adressdaten sicherstellen
  • Strukturierte Adressfelder nutzen
  • Zahlungsvorlagen überprüfen
  • Erforderliche Software-Updates mit dem Anbieter abstimmen
  • Zuständigkeiten und Zeitplan festlegen

Fazit: Bleiben Sie bei der ISO-20022-Umstellung auf Kurs

Im Zah­lungs­ver­kehr wer­den zu­neh­mend struk­tu­rier­te Daten ver­langt. Swift hat die ur­sprüng­lich für No­vem­ber 2026 ge­plan­ten An­for­de­run­gen an struk­tu­rier­te Adres­sen ver­scho­ben. Den­noch setzt der Markt wei­ter­hin auf voll­stän­di­ge, kor­rek­te und struk­tu­rier­te Adress­da­ten. Bis wann die An­for­de­run­gen zwin­gend um­ge­setzt wer­den müs­sen, kann je nach Markt und Zah­lungs­ver­kehrs­in­fra­struk­tur un­ter­schied­lich sein.

Un­ter­neh­men soll­ten wei­ter­hin die Qua­li­tät ihrer Stamm­da­ten sowie die Vor­be­rei­tung von Sys­te­men und Pro­zes­sen im Fokus haben.

Wer Kunden-​, Lieferanten-​ und Un­ter­neh­mens­da­ten jetzt über­prüft, Zah­lungs­vor­la­gen an­passt und not­wen­di­ge Sys­tem­an­pas­sun­gen an­geht, schafft die Vor­aus­set­zun­gen für einen rei­bungs­lo­sen Zah­lungs­ver­kehr und das un­ab­hän­gig davon, wann die neuen An­for­de­run­gen ver­pflich­tend in Kraft tre­ten.

Stand: September 2026