Altersvorsorge für Selbstständige
Bausteine, Förderung und Strategie
Mit dem Altersvorsorgedepot startet 2027 die wichtigste Neuerung der staatlich geförderten Altersvorsorge seit Jahren. Gerade für Selbstständige eröffnet sich damit eine zusätzliche Möglichkeit, staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Der Beitrag zeigt, welche Möglichkeiten Selbstständige bei der Altersvorsorge haben, was es dabei zu beachten gibt und wie sich die einzelnen Bausteine sinnvoll miteinander kombinieren lassen.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Welche Möglichkeiten Selbstständige bei der Altersvorsorge haben
- Wie sich der persönliche Vorsorgebedarf ermitteln lässt
- Was es mit dem geplanten Altersvorsorgedepot auf sich hat
- Wie verschiedene Vorsorgeformen sinnvoll kombiniert werden können
Warum Altersvorsorge für Selbstständige besonders wichtig ist
Anders als viele Angestellte müssen Selbstständige ihre Altersvorsorge zumeist eigenständig organisieren. Zwar bestehen für bestimmte Berufsgruppen Pflichtsysteme wie die gesetzliche Rentenversicherung oder berufsständische Versorgungswerke, die allermeisten Selbstständigen müssen jedoch selbst entscheiden, wie sie vorsorgen möchten.
Drei Zahlen zur Altersvorsorge für Selbstständige
| Zahl | Einordnung |
|---|---|
| 93 Prozent | der rund 3,7 Millionen Selbstständigen in Deutschland nutzen mindestens eine Form der Altersvorsorge. |
| Rund 7 Prozent | sorgen finanziell nicht für das Alter vor. |
| Knapp ein Fünftel | fühlt sich trotz Vorsorge nicht ausreichend abgesichert. |
Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW Wochenbericht 12/2026
Die Zahlen zeigen, dass sich viele Selbstständige trotz vorhandener Vorsorge nicht ausreichend abgesichert fühlen. Das liegt auch daran, dass es vielen schwer fällt, den eigenen Vorsorgebedarf einzuschätzen und passende Bausteine zu kombinieren.
Wie viel Geld sollte man monatlich für die Altersvorsorge zurücklegen?
Eine feste Empfehlung gibt es nicht. Wer seinen Vorsorgebedarf ermitteln möchte, sollte die wahrscheinlichen Ausgaben im Ruhestand den erwarteten Einkünften gegenüberstellen. Die daraus entstehende Versorgungslücke gibt einen Anhaltspunkt für die notwendige Sparrate.
Als grobe Orientierung werden häufig 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens genannt. Entscheidend ist jedoch eine Sparrate, die langfristig finanziell tragbar bleibt.
Welche Altersvorsorge-Möglichkeiten gibt es?
Selbstständigen stehen verschiedene Wege der Altersvorsorge offen. Sie unterscheiden sich etwa bei möglicher Rendite, Flexibilität, steuerlicher Förderung und den Auszahlungsmöglichkeiten im Alter.
Die wichtigsten Bausteine im Überblick
- Gesetzliche Rentenversicherung und Versorgungswerk
- Basisrente („Rürup-Rente“) mit steuerlicher Förderung
- Altersvorsorgedepot ab 2027 mit staatlicher Förderung
- Private Rentenversicherung
- Betriebliche Altersvorsorge (je nach Konstellation)
- Freier Vermögensaufbau mit Fonds, ETFs, Aktien, sonstigen Wertpapieren und Immobilien
1. Gesetzliche Rentenversicherung und Versorgungswerk
Für bestimmte Selbstständige besteht eine gesetzliche Rentenversicherungspflicht. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Handwerker, Lehrkräfte oder über die Künstlersozialkasse abgesicherte Künstler und Publizisten.
Viele Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte oder Architekten sind stattdessen Mitglied eines berufsständischen Versorgungswerks. Beide Systeme zahlen in der Regel eine lebenslange Rente und können die Basis der Altersvorsorge bilden.
Das spricht dafür
- Lebenslange Rentenzahlung
- Verlässliche Grundabsicherung
- Bereits aufgebaute Ansprüche können weiter ausgebaut werden
Darauf sollte man achten
- Nicht alle Selbstständigen können sich freiwillig gesetzlich versichern
- Beiträge und Leistungen sind nur begrenzt flexibel
- Über das eingezahlte Kapital kann nicht frei verfügt werden
2. Basisrente („Rürup-Rente“)
Die Basisrente, auch als Rürup-Rente bekannt, ist eine staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge, die speziell für Selbstständige und Freiberufler entwickelt wurde. Beiträge können steuerlich berücksichtigt werden. Das angesparte Kapital bleibt in der Regel bis zum Rentenbeginn gebunden und wird später als lebenslange Rente ausgezahlt. Je nach Tarif stehen klassische und fondsgebundene Varianten zur Verfügung.
Das spricht dafür
- Steuerliche Förderung der Beiträge
- Lebenslange Rentenzahlung
- Wahl zwischen sicherheitsorientierten und kapitalmarktnahen Tarifen
- In der Regel flexible Zuzahlungen
Darauf sollte man achten
- Das Kapital ist grundsätzlich bis zum Rentenbeginn gebunden
- Eine freie Kapitalauszahlung ist in der Regel nicht möglich
- Die Rentenzahlungen sind zu versteuern
- Eine Hinterblieben- / Todesfallabsicherung muss explizit im Vertrag vereinbart werden, damit jene im Falle des Falles greift. Sie ist eingeschränkt auf den Ehepartner / eingetragene Lebensgemeinschaft und kindergeldberechtige Kinder
3. Altersvorsorgedepot ab 2027
Mit dem Altersvorsorgedepot wird ab 2027 eine neue staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge eingeführt. Anleger können dabei beispielsweise in ETFs, Fonds und andere zugelassene Anlagen investieren. Der Staat fördert die Altersvorsorge durch Zulagen und steuerliche Vorteile. Mit dem Altersvorsorgedepot wird eine Lücke zwischen der relativ starren Basisrente und dem ungeförderten, jedoch sehr flexiblen privaten Depot/ETF-Sparplan bzw. der privaten Rentenversicherung geschlossen.
So sieht die Förderung im Detail aus
| Förderung | Höhe | Voraussetzungen |
|---|---|---|
| Grundzulage | Bis zu 540 € pro Jahr | Eigenbeiträge von bis zu 1.800 € pro Jahr |
| Kinderzulage | Bis zu 300 € pro Kind und Jahr | Für kindergeldberechtigte Kinder |
| Berufseinsteigerbonus | Einmalig 200 € | Vertragsabschluss vor dem 25. Geburtstag |
| Steuervorteil | Abhängig von Einkommen und Beitragshöhe | Als Sonderausgaben zu berücksichtigen |
| Förderberechtigung | Nahezu alle Steuerpflichtigen in Deutschland |
Zur Auswahl stehen verschiedene Vorsorgemodelle: vom renditeorientierten Altersvorsorgedepot ohne Garantie bis hin zu Produkten mit einer Beitragsgarantie von 80 oder 100 Prozent. Hinzu kommen Altersvorsorgedepots im Versicherungsmantel, die eine lebenslange Rente ermöglichen. Beim „reinen“ Altersvorsorgedepot wird in der Rentenzeit das Kapital bis zum 85. Lebensjahr aufgebraucht.
Das spricht für das Altersvorsorgedepot aus Sicht von Selbstständigen
- Staatliche Förderung durch Zulagen und Steuervergünstigungen
- Kapitalmarktbasierte Renditechancen
- Breitere Anlagemöglichkeiten als bei vielen klassischen Vorsorgeprodukten
- In der Regel hohe Flexibilität bei den Einzahlungen
- Das Guthaben ist ohne Einschränkungen vererbbar
- Im Notfall kann über das Guthaben unter Rückzahlung der Förderungen steuerpflichtig verfügt werden
- 30% des Guthabens können zu Rentenbeginn vorab ausgezahlt werden. Diese unterliegen wie alle anderen Auszahlungen der Steuerpflicht
Darauf sollte man achten
- Wertschwankungen und Verluste sind möglich
- Das Vermögen ist für die Altersvorsorge vorgesehen und sollte nicht leichtfertig vorzeitig aufgelöst werden
4. Private Rentenversicherung
Private Rentenversicherungen ermöglichen je nach Vertrag eine lebenslange Rente oder eine Kapitalauszahlung. Die Produkte unterscheiden sich hinsichtlich Garantien, Renditechancen, Kosten und Flexibilität. Sie können eine Ergänzung zu anderen Vorsorgebausteinen sein.
Das spricht dafür
- Lebenslange Rentenzahlung möglich
- Verschiedene Vertragsmodelle verfügbar
- Flexible Gestaltung je nach Vorsorgeziel
- Kapitalmarktbasierte Renditechancen bei fondsgebunden Angeboten
- Vertrag kann beliehen werden
Darauf sollte man achten
- Versicherungskosten können die Rendite reduzieren
- Garantien gehen oft zulasten der Renditechancen
- Fondsgebundene Varianten unterliegen Wertschwankungen
5. Betriebliche Altersvorsorge für GmbH-Geschäftsführer
Die betriebliche Altersvorsorge ist vor allem für Angestellte relevant. GmbH-Geschäftsführer können jedoch über die eigene Gesellschaft Vorsorgebausteine wie Direktversicherungen oder Pensionszusagen nutzen und so ihre Altersvorsorge in die Unternehmensstruktur integrieren.
Das spricht dafür
- Steuerlich begünstigter Vermögensaufbau
- Finanzierung über die Gesellschaft möglich
- Ergänzung zur privaten Altersvorsorge
Darauf sollte man achten
- Relevant vor allem für Geschäftsführer von Kapitalgesellschaften
- Rechtliche und steuerliche Regelungen sind komplex
- Die konkrete Ausgestaltung sollte fachlich geprüft werden
6. Freier Vermögensaufbau mit ETFs, Aktien und Immobilien
Ein Depot mit Fonds, ETFs, Aktien oder Anleihen sowie Immobilien können die Altersvorsorge sinnvoll ergänzen. Welche Anlageform geeignet ist, hängt von Faktoren wie Anlagehorizont, Risikobereitschaft, Liquiditätsbedarf und bestehendem Vermögen ab. Die folgende Übersicht erleichtert die Einordnung der wichtigsten Optionen.
| Baustein | Was dafür spricht | Was dagegen spricht |
|---|---|---|
| Fonds-/ ETF-Sparplan | Breite Streuung, regelmäßige Einzahlungen und flexible Anpassung. Ein Sparplan lässt sich bei schwankenden Einnahmen leicht pausieren oder verändern. Grundsätzlich hohe Flexibilität. | Keine Beitragsgarantie; Kursverluste sind möglich. Spar- und Entnahmedisziplin ist erforderlich |
| Einzelaktien | Gezielt sich an einzelnen Unternehmen beteiligen; grundsätzlich hohe Flexibilität. | Höheres Einzelrisiko, höherer Analyseaufwand und keine verlässliche lebenslange Auszahlung. Eher Ergänzung als alleinige Basis. |
| Immobilien | Sachwert, mögliche Mieteinnahmen und bei selbst genutztem Wohneigentum eine mögliche Entlastung bei den Wohnkosten im Alter. | Hoher Kapitalbedarf, geringe Liquidität, laufender Verwaltungsaufwand und Konzentration auf einen Standort. |
Der größte Vorteil des freien Vermögensaufbaus ist die hohe Flexibilität. Dem stehen fehlende staatliche Förderungen, mögliche Wertschwankungen und die Verantwortung gegenüber, die Geldanlage und spätere Entnahme selbst zu steuern.
Wie kann ein sinnvoller Vorsorge-Mix aussehen?
Für viele Selbstständige bietet sich die Kombination mehrerer Bausteine an. Denn Sicherheit, Förderung und Flexibilität lassen sich selten in einer einzigen Vorsorgelösung vereinen.
| Baustein | Ziel | Beispiele |
|---|---|---|
| Basisabsicherung | Grundversorgung im Alter sichern, staatliche Förderung nutzen | Gesetzliche Rentenversicherung, Versorgungswerk, Altersvorsorgedepot (ab 1.01.2027), Basisrente |
| Erweiterte Vorsorge | Staatliche Förderung gezielt nutzen | Altersvorsorgedepot (ab 1.01.2027) ausschöpfen, Basisrente bis zu Maximalbeitrag, betriebliche Altersvorsorge für GmbH-Geschäftsführer |
| Flexibler Vermögensaufbau | Zusätzliche Renditechancen und hohe Flexibilität | Fonds-/ETF-Sparen, Wertpapierdepot, Immobilien |
Welche Gewichtung sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, der Einkommenssituation, vorhandenen Ansprüchen, der persönlichen Risikobereitschaft und der gewünschten Flexibilität ab.
Typische Fehler bei der Altersvorsorge
Bei der Planung der Altersvorsorge treten häufig ähnliche Fehler auf:
- Zu spät mit dem Vermögensaufbau beginnen
- Ausschließlich auf das eigene Unternehmen setzen
- Das gesamte Vermögen in einen einzigen Baustein investieren
- Altersvorsorge und Liquiditätsreserve vermischen
- Steuerliche Vorteile höher gewichten als die langfristige Tragfähigkeit
- Bestehende Strategien über Jahre nicht überprüfen
Da sich Einkommen, Familienstand oder Unternehmensform verändern können, empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung der eigenen Vorsorgestrategie.
Checkliste: Altersvorsorge für Selbstständige planen
Eine strukturierte Vorgehensweise kann die Planung erleichtern:
- Bestehende Ansprüche und Vermögenswerte erfassen
- Die persönliche Versorgungslücke bestimmen
- Eine realistische Sparrate festlegen
- Geeignete Vorsorgebausteine auswählen
- Förder- und Steuermöglichkeiten prüfen
- Sparprozesse möglichst automatisieren
- Die Strategie regelmäßig überprüfen und anpassen
Fazit: Eine Strategie ist wichtiger als die Einzellösung
Die passende Altersvorsorge für Selbstständige besteht häufig aus mehreren Bausteinen. Während gesetzliche Systeme, Versorgungswerke oder das Altersvorsorgedepot eine Grundlage schaffen können, sorgen „freie“ Depots und andere Kapitalmarktanlagen für Flexibilität und weitere Renditechancen.
Entscheidend ist weniger die Suche nach dem einen perfekten Produkt als die Entwicklung einer Strategie, die zur persönlichen und unternehmerischen Situation passt.
FAQ
Was ist die beste Altersvorsorge für Selbstständige?
Eine allgemein beste Lösung gibt es nicht. Für viele Selbstständige ist eine Kombination aus Basisabsicherung, geförderter Vorsorge und flexiblem Vermögensaufbau sinnvoll.
Ist Altersvorsorge steuerlich absetzbar?
Das hängt von der jeweiligen Vorsorgeform ab. Insbesondere bei der Basisrente können steuerliche Vorteile bei hohen Sparraten genutzt werden.
Können Selbstständige freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?
Für viele Selbstständige ist dies möglich. Die konkreten Voraussetzungen hängen von Tätigkeit und Versicherungsstatus ab.
Wie viel Geld sollte monatlich zurückgelegt werden?
Wichtiger als eine feste Prozentzahl ist eine Sparrate, die langfristig tragfähig bleibt und zur individuellen Rentenplanung passt.