Finanzierung

Die Mischung macht's

Wie sich das Unternehmen Teekanne
mithilfe staatlicher Förderkredite
fit für die Zukunft macht.

Tradition, Qualität und Innovation werden im Unternehmen Teekanne seit jeher großgeschrieben. Ab 1892 leiteten Rudolf Anders und Eugen Nissle als Prokuristen die Geschicke des 1882 in Dresden gegründeten Stammhauses, 1898 übernahmen sie das Geschäft. Noch im selben Jahr verkauften sie zum ersten Mal gemischten und in Dosen abgepackten Tee – damals eine echte Novität. Bis heute sind die Familien Anders und Nissle Eigentümer des Unternehmens. Und bis heute ist die hohe Kunst des Teemischens, die den Kunden trotz unterschiedlicher Ernteergebnisse eine hohe gleichbleibende Produktqualität garantiert, eine der Säulen des Unternehmenserfolgs. Eine weitere sind technische Innovationen: 1928 etwa nimmt Teekanne die weltweit erste Maschine zur Herstellung mit Tee gefüllter Aufgussbeutel in Betrieb, erfunden von einem Teekanne-Mitarbeiter. In den folgenden Jahrzehnten wird die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt und schließlich sogar eine Tochterfirma zur Produktion von Teebeutelpackmaschinen gegründet. 2014 eröffnet der Teespezialist am Standort Düsseldorf dann die modernste Teebeutelproduktionshalle Europas mit einer Abfüllkapazität von jährlich rund drei Milliarden Aufgussbeuteln.

Die richtige Mischung – auch beim Thema Finanzierung

Um die richtige Mischung und technische Innovationen ging es zuletzt auch immer dann, wenn sich Sebastian Moebus, Chief Financial Officer (CFO) der Teekanne-Gruppe, und Andrea Düpre, Firmenkundenbetreuerin für den Vertriebsbereich Nordwest bei der Postbank, zu einem Meeting trafen. Denn aktuell macht sich Teekanne mit dem größten Innovationsprojekt seiner Unternehmensgeschichte fit für die Zukunft. Getreu der Firmenphilosophie „Nach der Ernte alles aus einer Hand“ entsteht unter dem Projektnamen „Teekanne Tea Processing“, kurz TTP, am Standort Düsseldorf auf 10.000 Quadratmeter Grundfläche die modernste, nachhaltigste und effizienteste Teeaufbereitung und -lagerung Europas. Das Investitionsvolumen des Projekts beträgt einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Für die Finanzierung setzt Teekanne auf einen Mix aus Eigenmitteln und individuell zugeschnittenen Fremdfinanzierungen, darunter zwei durch die Postbank vermittelte staatliche Förderkredite. Die Teekanne-Gruppe und die Postbank verbindet eine fast 70-jährige Geschäftsbeziehung, welche aktuell neben der Langfrist- und Betriebsmittelfinanzierung auch den Zahlungsverkehr und die Währungsabsicherung umfasst.

„Nach den ersten Gesprächen war uns schnell klar, dass für Teile der Finanzierung staatliche Förderkredite infrage kommen könnten“, erinnert sich Andrea Düpre. Das betraf unter anderem die gewünschten neuen IT-Systeme, Regalbediengeräte und die automatische Fördertechnik. Die Wahl fiel schließlich auf einen ERP-Digitalisierungs- und Innovationskredit der KfW und einen Digitalisierungskredit der NRW.Bank (Förderbank für Nordrhein-Westfalen). „Im intensiven Austausch mit Teekanne konnten wir die förderfähigen Teile der Investition identifizieren, im Rahmen des Digitalisierungs- und Innovationsprogramms zinsgünstiger anbieten und somit zu einer deutlichen Optimierung der Gesamtfinanzierungskosten beitragen“, sagt die Firmenkundenbetreuerin.

„Nach den ersten Gesprächen war uns schnell klar, dass für Teile der Finanzierung staatliche Förderkredite infrage kommen könnten.“

Andrea Düpre, Firmenkundenbetreuerin für den Vertriebsbereich Nordwest bei der Postbank

„Gerade jetzt, mit Blick auf unser aktuelles wirtschaftliches und geopolitisches Umfeld, stehen Investitionen in Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder die Sicherung der Rohstoffversorgung im Fokus vieler Unternehmen“, ergänzt Hauke Burkhardt, der in der Deutschen Bank die Unternehmens- und Handelsfinanzierung in der Region DACH verantwortet. „Die Transformation der deutschen Wirtschaft schreitet voran und es geht darum, das eigene Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Staatliche Förderkredite von der KfW und den Landesförderinstituten können dabei wichtige Bausteine sein“, betont der Finanzierungsexperte.

„Gerade jetzt, mit Blick auf unser aktuelles wirt­schaftliches und geopolitisches Umfeld, stehen Investitionen in Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder die Sicherung der Roh­stoff­versorgung im Fokus vieler Unternehmen.“

Hauke Burkhardt, Leiter Unternehmens- und Handelsfinanzierung in der Region DACH bei der Deutschen Bank

Beim Projekt TTP gab es diesbezüglich durchaus Herausforderungen, denn das von langer Hand vorbereitete, äußerst komplexe Investitionsprojekt ging fast zeitgleich mit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie in die heiße Phase. Im Sommer 2021 setzte die Flutkatastrophe in weiten Teilen Westdeutschlands den Zeit- und Finanzplan zusätzlich unter Druck. Durch Verzögerungen aufseiten der Projektpartner wurde zum Beispiel eine Abruffristverlängerung für eines der Förderprogramme erforderlich. „Hier zeigte sich die hohe Professionalität, Flexibilität und Verlässlichkeit der Postbank Spezialistinnen und Spezialisten, die in der gesamten Antragsphase im engen Kontakt mit den Förderbanken standen“, lobt Sebastian Moebus. Auch ansonsten fühle man sich durch die Postbank immer gut beraten. „Als mittelständisches Familienunternehmen wissen wir trotz allen Vorteilen der Digitalisierung den sehr persönlichen Kontakt und die Beratung der Postbank auf Augenhöhe mit ihren Kundinnen und Kunden seit jeher sehr zu schätzen“, betont der Teekanne-CFO.

Verlässlichkeit und Effizienz

Um Professionalität und Verlässlichkeit gegenüber den Kundinnen und Kunden geht es auch beim Projekt TTP. „Um unseren Kundinnen und Kunden ein Höchstmaß an Qualität zu absolut wettbewerbsfähigen Preisen bieten zu können, verbessern wir die Prozesse entlang unserer Wertschöpfungskette von der Ernte im Ursprungsland der Rohwaren bis zur Auslieferung ständig“, erklärt Sebastian Moebus. Deshalb versuche man bei Teekanne nicht nur im Hinblick auf die Rohstoffe und Produkte, sondern auch technologisch immer auf der Höhe der Zeit oder besser noch einen Schritt voraus zu sein. Dabei gehe es zum einen um die Prozesssteuerung, zum anderen um neue Technologien, die es zum Beispiel ermöglichen, Rohwaren noch schonender und nicht zuletzt effizienter zu verarbeiten. Neben der Produktqualität könne so auch die Produktivität gesteigert werden. Wichtig sei dies insbesondere auch bei neuen Produkten. So stellten etwa die verstärkt nachgefragten Bio-Tees besondere Anforderungen an die Verarbeitung, um Teetrinkerinnen und Teetrinkern auch hier ein ausgewogenes sensorisches Geschmackserlebnis bieten zu können.

Teekanne: Tradition und Innovation

Das Unternehmen Teekanne setzt seit seiner Gründung vor mehr als 140 Jahren auf technologische und Produktinnovationen. Obere Reihe von links nach rechts: Sebastian Moebus, Chief Financial Officer der Teekanne-Gruppe; Martin Sülzenfuß (links) leitet das Projekt TTP; Bisher wurde die Ware manuell entladen, kontrolliert und analog erfasst. Nun erfolgt ein Groß­teil dieses Prozesses digital. Untere Reihe von links nach rechts: TTP ist das größte Investitionsprojekt der Teekanne-Firmengeschichte; Das neue vollautomatisierte Rohwarenlager ist bereits fertiggestellt; Teekanne importiert Rohwaren aus aller Welt, zum Beispiel China.

  • Sebastian Moebus, CFO bei Teekanne
  • Projektleiter Martin Sülzenfuß und ein Mitarbeiter im Teekanne-Rohwarenlager
  • Digitales Steuerelement im Teekanne-Rohwarenlager
  • Laptop mit schematischer Darstellung des Neubaus
  • Außenansicht des Teekanne-Rohwarenlagers
  • Teeplantage in China

Zunehmende Digitalisierung in allen Bereichen

Ein wichtiger Teil des Projekts TTP ist das bereits fertiggestellte neue, voll automatisierte Rohwaren­lager. „Bisher mussten unsere Mitarbeitenden die Ware manuell entladen, kontrollieren und analog erfassen. Nun erfolgt ein Groß­teil dieses Prozesses digital“, erklärt TTP-Projekt­leiter Martin Sülzenfuß. Einkauf, Qualitäts­sicherung und Lager­logistik können die eingesparte Arbeitszeit in andere Projekte investieren, dadurch effizienter zusammen­arbeiten und beispielsweise in Echtzeit eine Bestands­übersicht erstellen. Und das neue Rohwarenlager bietet noch weitere Vorteile: Statt wie bisher in drei voneinander getrennten Lagern finden sich nun alle Rohwaren zentral an einem Ort. So lassen sich unnötige Wege für Beschäftigte und Roh­stoffe vermeiden. Auch der Ein- und Auslagerungs­prozess ist deutlich vereinfacht – per Knopf­druck können Paletten bereitgestellt oder Qualitäts­kontrollen durch­geführt werden. Alle Lagerprozesse erfolgen über voll automatisierte Regalbediengeräte. Dadurch werden die einzelnen Funktionsflächen optimal ausgenutzt und die Arbeitsprozesse vereinfacht: Bewegungen, Störungen und Lagerbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchte werden mit Tablets überwacht. „Mit dieser neuen Technik verhindern wir, dass Anlagen ausfallen, und steigern zusätzlich die Qualität unserer Rohwaren“, sagt Martin Sülzenfuß.

Ein weiterer Kernpunkt des Projekts TTP ist auch die Modernisierung weiterer Produktionsprozesse. Im neuen Feinschnittcenter sollen ab dem Frühsommer 2023 Rohwaren wie Teeblätter und Blüten mit noch moderneren Anlagen als bisher gereinigt, geschnitten und gesiebt werden. Mithilfe eines neuen zentralen ERP­Systems (Enterprise Resource Planning) wird es zudem möglich sein, abteilungsübergreifend und global noch effizienter zusammenzuarbeiten.

„Zum richtigen Zeitpunkt in den Kern unserer Wertschöpfung zu investieren, erforderte große Entschlossenheit – nicht nur wegen der hohen Investitionssumme, sondern auch aufgrund der Komplexität des Vorhabens.“

Sebastian Moebus, Chief Financial Officer der Teekanne-Gruppe

Mut zu Veränderungen

„Zum richtigen Zeitpunkt in den Kern unserer Wertschöpfung zu investieren, erforderte große Entschlossenheit – nicht nur wegen der hohen Investitionssumme, sondern auch aufgrund der Komplexität des Vorhabens“, sagt Sebastian Moebus. Er ist davon überzeugt, dass sich die Investition auszahlen wird. „Dass wir diesen Weg gegangen sind, macht mich genauso stolz wie die Tatsache, dass das Projekt bisher erfolgreich war und wir in der Branche eine Vorreiterrolle einnehmen“, betont der Teekanne-CFO. In den kommenden Jahren will Teekanne weiterwachsen – und zwar nachhaltig. Ein Ziel: die Klimaneutralität bis 2030. Dafür soll auch in Zukunft in innovative Technologien investiert werden. Das sprichwörtliche „Abwarten und Tee trinken“ kommt für den Teespezialisten auch in Sachen Nachhaltigkeit nicht infrage. „Wir verkaufen ein Naturprodukt und importieren die Rohwaren dafür aus aller Welt. Damit stehen wir automatisch bei den ESG-Themen Umwelt- und Klimaschutz, Soziales und Unternehmensführung entlang unserer Wertschöpfungsketten in der Verantwortung“, betont Sebastian Moebus. Auch diese Herausforderung nehme man bei Teekanne gern an.

Teekanne Unternehmensgruppe

  • Gründungsjahr: 1882
  • Schutz der Marke Teekanne: 1888
  • Firmensitz: Düsseldorf
  • Produktionsstätten und Niederlassungen in 7 Ländern
  • Beschäftigte weltweit: 1.300
  • Produkte: diverse Teesorten (in Teebeuteln und lose), kalte Teegetränke, Tealounge System (Teekapselsystem)

Stand: März 2023
Bildnachweis: KfW Bankengruppe / Oliver Tjaden (6); Teekanne-Gruppe (2); Postbank (1); privat (1)
 

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