B2B-Webshops: Mitgespielt oder ausgespielt

Der Vertrieb verlagert sich ins Digitale, Marktplätze übernehmen im B2B-Bereich komplette Wertschöpfungsketten. Das ist eine Chance für Unternehmen wie für Banken – sie müssen sie nur ergreifen.

Er­in­nern Sie sich an den Slo­gan „ein­fach so ein­kau­fen“? Viel­leicht nicht. Ende der Neun­zi­ger­jah­re warb Ama­zon unter an­de­rem mit die­sem Spruch – und trans­por­tier­te damit in nur einem Satz das selbst ge­steck­te Ziel: Wer bei uns kauft, der kauft schnell und un­kom­pli­ziert. Er­in­nern Sie sich an Ihre letz­te Be­stel­lung bei Ama­zon? Mit Si­cher­heit. Jeff Bezos’ Platt­form ist nicht mehr weg­zu­den­ken.

Einkauf bitte schnell und unkompliziert

Auch im B2B-​Segment ver­la­gert sich der Point of Sale vom Ana­lo­gen ins Di­gi­ta­le. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einen wei­te­ren Ver­triebs­ka­nal, son­dern um den Ver­such, Sales-​Prozesse stra­te­gisch neu auf­zu­set­zen – schnell und un­kom­pli­ziert nach US-​Vorbild. An­ders als im B2C-​Bereich aber gibt es kei­nen Platz­hirsch. Viel­mehr ent­ste­hen Platt­for­men und Ni­schen­lö­sun­gen für un­ter­schied­li­che Bran­chen und Ser­vices. Manch­mal ver­su­chen in­no­va­ti­ve Grün­der, eine Ni­sche on­line ver­trieb­lich zu or­ga­ni­sie­ren, oft aber bauen Un­ter­neh­men aus der Bran­che selbst ihr On­line­ver­triebs­por­tal. Viele Her­stel­ler öff­nen auch ihren Ver­trieb für Dritt­an­bie­ter, um ein Öko­sys­tem zu schaf­fen, das den Kun­den um­fas­send und ein­fach ver­sorgt.

Für viele Mit­tel­ständ­ler stellt sich die Gret­chen­fra­ge: Sie müs­sen ent­schei­den, ob sie selbst als Platt­form­be­trei­ber fun­gie­ren oder sich als Dritt­an­bie­ter be­stehen­den Markt­plät­zen an­schlie­ßen wol­len. Diese Rol­len­defi­ni­ti­on ist nicht ein­fach, schließ­lich will jeder ein mög­lichst gro­ßes Stück des Ku­chens für sich.

Umsatzentwicklung von B2B-Marktplätzen

Für den B2B-​Markt er­war­tet das For­schungs­in­sti­tut Ystat 2026 glo­bal einen Um­satz von mehr als 40 Bil­li­o­nen US-​Dollar. Die Markt­for­scher von Mordor In­tel­li­gence gehen im Zeit­raum von 2025 bis 2030 auf dem glo­ba­len Markt für B2B-​E-​Commerce von einer jähr­li­chen Wachs­tums­ra­te von 14,5 Pro­zent aus, das ent­spricht einem An­stieg auf bis zu 61,9 Bil­li­o­nen US-​Dollar. Auf Markt­plät­ze ent­fie­len dabei im ver­gan­ge­nen Jahr 65 Pro­zent des Um­sat­zes.

Für Matthaeus Sielecki von der Deutschen Bank ist die Suche nach dem passenden Onlinevertriebsmodell aktuell eine der größten strategischen Fragen. Über die richtige Antwort entscheidet zum einen das eigene Produkt, zum anderen sind es die Wünsche der Kunden.

Einkauf bitte schnell und unkompliziert

Auch im B2B-​Segment ver­la­gert sich der Point of Sale vom Ana­lo­gen ins Di­gi­ta­le. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einen wei­te­ren Ver­triebs­ka­nal, son­dern um den Ver­such, Sales-​Prozesse stra­te­gisch neu auf­zu­set­zen – schnell und un­kom­pli­ziert nach US-​Vorbild. An­ders als im B2C-​Bereich aber gibt es kei­nen Platz­hirsch. Viel­mehr ent­ste­hen Platt­for­men und Ni­schen­lö­sun­gen für un­ter­schied­li­che Bran­chen und Ser­vices. Manch­mal ver­su­chen in­no­va­ti­ve Grün­der, eine Ni­sche on­line ver­trieb­lich zu or­ga­ni­sie­ren, oft aber bauen Un­ter­neh­men aus der Bran­che selbst ihr On­line­ver­triebs­por­tal. Viele Her­stel­ler öff­nen auch ihren Ver­trieb für Dritt­an­bie­ter, um ein Öko­sys­tem zu schaf­fen, das den Kun­den um­fas­send und ein­fach ver­sorgt.

Für viele Mit­tel­ständ­ler stellt sich die Gret­chen­fra­ge: Sie müs­sen ent­schei­den, ob sie selbst als Platt­form­be­trei­ber fun­gie­ren oder sich als Dritt­an­bie­ter be­stehen­den Markt­plät­zen an­schlie­ßen wol­len. Diese Rol­len­defi­ni­ti­on ist nicht ein­fach, schließ­lich will jeder ein mög­lichst gro­ßes Stück des Ku­chens für sich.

Ist mein Produkt Kern oder Teil des Ökosystems?

Ein Bei­spiel: Sie­mens Heal­thi­neers ver­treibt ein MRT-​Gerät. Das Pro­dukt funk­ti­o­niert nur mit zahl­rei­chen Ne­ben­ser­vices für War­tung oder Trai­ning, Er­satz­tei­le müs­sen ver­füg­bar sein, und die Be­triebs­soft­ware ver­langt re­gel­mä­ßig Up­dates. All diese Diens­te will der Kunde un­kom­pli­ziert und mög­lichst über eine Quel­le be­zie­hen kön­nen. In die­sem Fall sind so­wohl Pro­dukt als auch Kun­den­wunsch klare Im­pli­ka­ti­o­nen für den Auf­bau eines ei­ge­nen Markt­plat­zes, an den die An­bie­ter der wei­te­ren Leis­tun­gen an­ge­bun­den wer­den.

An­ders liegt die Sache für den Mon­teur des MRT-​Geräts. Er deckt nur einen klei­nen Teil der Wert­schöp­fungs­ket­te ab. Die Mon­ta­ge soll­te für den Kun­den dort be­stell­bar sein, wo er das Gerät kauft – im Öko­sys­tem von Sie­mens Heal­thi­neers.

„Wenn das ei­ge­ne Pro­dukt Kern des gan­zen Öko­sys­tems ist, lohnt der Auf­bau eines Markt­plat­zes“, er­läu­tert Siel­ecki. „Ist meine Leis­tung aber Teil eines grö­ße­ren Sys­tems, muss und will ich auf ver­schie­de­nen Platt­for­men ver­tre­ten sein. Ich bin bes­ser be­ra­ten, als Dritt­an­bie­ter zu fun­gie­ren.“

Chance und Herausforderung zugleich

Platt­for­men ver­ein­fa­chen den Ein­kauf für den Kun­den – der Markt­platz­be­trei­ber kann zu­sätz­li­che Ein­nah­men ge­ne­rie­ren, die Dritt­an­bie­ter spa­ren sich Ver­triebs­auf­wand. Die Chan­ce kommt al­ler­dings nicht ohne Schwie­rig­keit: So­wohl für die Treasury-​Abteilungen des Markt­platz­be­trei­bers als auch für die auf ver­schie­de­nen Platt­for­men ver­tre­te­nen Dritt­an­bie­ter und die Ban­ken sind Platt­for­men eine Her­aus­for­de­rung. Der Tre­a­su­rer will Wild­wuchs an bi­la­te­ra­len Ver­trä­gen mit un­ter­schied­li­chen Fi­nanz­dienst­leis­tern ver­mei­den. Im E-​Commerce-​Bereich muss seine Ab­tei­lung Zah­lungs­strö­me zen­tra­li­sie­ren und dabei so­wohl Kos­ten als auch Ri­si­ken im Auge be­hal­ten: Compliance-​Anforderungen müs­sen er­füllt sein, Re­gu­la­ri­en be­ach­tet wer­den – ohne die Nut­zer­freund­lich­keit zu stark ein­zu­schrän­ken. Und die Dritt­an­bie­ter er­war­ten aus den Sam­mel­rech­nun­gen ihren An­teil und fra­gen sich, ob sie das Geld vom Kun­den oder vom Markt­platz­be­trei­ber er­hal­ten.

„Wenn das eigene Produkt Kern des ganzen Ökosystems ist, lohnt der Aufbau eines Marktplatzes.“

— Matthaeus Sielecki, Deutsche Bank

Der Be­ra­tungs­be­darf ist also hoch. Das kann sich die Bank zu­nut­ze ma­chen. „Durch un­se­re jah­re­lan­ge Zu­sam­men­ar­beit mit den Un­ter­neh­men kön­nen wir si­cher­stel­len, dass die Schlüs­sel­pro­zes­se in der Hand des Mit­tel­ständ­lers blei­ben“, be­rich­tet Siel­ecki. Das sei ge­ra­de in der ak­tu­el­len geo­po­li­ti­schen Lage wich­tig für die Un­ter­neh­men.

Doch zur Wahr­heit ge­hört auch: Für die Ban­ken sind B2B-​Marktplätze eben­falls nicht leicht zu or­ches­trie­ren. Der Kunde er­war­tet – siehe Ama­zon – ein Einfach-​so-​Einkaufen mit nur we­ni­gen Klicks und einer gro­ßen Aus­wahl an Zah­lungs­wei­sen. Der Ver­käu­fer wie­der­um will zügig sein Geld auf dem Konto sehen. „Wir be­fin­den uns im re­gu­lier­ten Be­reich“, er­klärt Siel­ecki. „Die Bank ver­wal­tet die Zah­lungs­ein­gän­ge über treu­hän­disch ge­schütz­te Kon­ten und muss die schnel­le Aus­zah­lung ge­währ­leis­ten.“ Ver­schie­de­ne Händ­ler er­hal­ten ein­zel­ne Be­trä­ge, teils über na­ti­o­na­le Gren­zen hin­weg – die Zah­lung muss ge­split­tet wer­den, mit­un­ter in­klu­si­ve Wäh­rungs­um­wand­lung. Eine Rück­ab­wick­lung muss auf Wunsch eben­falls ge­währ­leis­tet sein.

Schritt­wei­se tas­ten Ban­ken sich an die neuen An­for­de­run­gen heran. Die Zah­lung per Rech­nung wird um Kre­dit­kar­ten und in Eu­ro­pa um SEPA Credit Trans­fers er­gänzt, au­ßer­dem wer­den Dienst­leis­ter wie Pay­pal an­ge­schlos­sen. Ver­schie­de­ne Wäh­run­gen müs­sen ver­tre­ten sein, Euro und US-​Dollar sind nicht immer aus­rei­chend. Für das Split­ten der Zah­lun­gen braucht es einen Ver­trag mit dem Markt­platz, aber auch einen Collection-​Vertrag mit den Ver­käu­fern. Zudem über­nimmt die Bank häu­fig die KYC-​Überprüfung und die An­bin­dung der ver­schie­de­nen Händ­ler. Das sind viele ein­zel­ne Schrit­te und dif­fi­zi­le Pro­zes­se – doch es lohnt sich.

Wer sich traut, profitiert

Denn ein B2B-​Marktplatz ist zwar si­cher kein Selbst­läu­fer – die Di­gi­ta­li­sie­rung des Ver­triebs sowie die neue stra­te­gi­sche Aus­rich­tung und Ab­stim­mung mit allen Stake­hol­dern sind alles an­de­re als tri­vi­al. Doch der Weg ist al­ter­na­tiv­los. On­line ist der Ver­kaufs­ka­nal von heute und von mor­gen. Und wer mit­spielt, statt sich aus­spie­len zu las­sen, ge­winnt: Die Bank er­schließt über den Markt­platz­be­trei­ber neue Ge­schäfts­ver­bin­dun­gen zu wei­te­ren Fir­men­kun­den, sie ver­dient an jeder ab­ge­wi­ckel­ten Trans­ak­ti­on und damit lang­fris­tig. Der Un­ter­neh­mer wie­der­um bin­det Kun­den mit einem smar­ten Pro­zess und kann seine Ver­trieb­ler ge­zielt dort ein­set­zen, wo es noch per­sön­li­che Be­ra­tung braucht. In Summe stei­gert er den Er­trag und er­höht den Un­ter­neh­mens­wert, auch weil funk­ti­o­nie­ren­de B2B-​Plattformen von Käu­fern sehr ge­schätzt wer­den. Jeder möch­te gern „ein­fach so ein­kau­fen“.

Erstmalig erschienen unter results. FinanzWissen der Deutschen Bank. Der Inhalt gibt nicht in jedem Fall die Meinung des Herausgebers (Deutsche Bank AG) wieder.

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