Liquidität planen mit Tagesgeld und Termingeld

Wie sich kleine und mittlere Unternehmen mit der richtigen Kombination aus Tagesgeld und Festgeld vor Liquiditätsengpässen schützen können.

Preis­schocks bei En­er­gie und Roh­stof­fen, glo­ba­le Zoll­ri­si­ken oder Zah­lungs­aus­fäl­le durch in­sol­ven­te Kun­den – das sind nur ei­ni­ge der vie­len Fak­to­ren, die sich zu­sätz­lich zum all­ge­mei­nen Kos­ten­druck ak­tu­ell ne­ga­tiv auf den Cash­flow in Un­ter­neh­men aus­wir­ken kön­nen. Ins­be­son­de­re für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men (KMU) sind die mög­li­chen Fol­gen schnell exis­tenz­be­dro­hend, etwa wenn plötz­lich fest ein­ge­plan­te Li­qui­di­tät zur Be­zah­lung von Lie­fe­ran­ten­rech­nun­gen fehlt und die Kre­dit­li­nie be­reits voll­stän­dig aus­ge­schöpft ist. Im schlimms­ten Fall droht dann die In­sol­venz. Davon waren in Deutsch­land zu­letzt so viele Be­trie­be be­trof­fen wie lange nicht mehr: Laut der Wirt­schafts­aus­kunf­tei Credit­re­form stieg die Zahl der Fir­men­plei­ten 2025 hier­zu­lan­de auf rund 23.900 Fälle und damit den höchs­ten Stand seit mehr als zehn Jah­ren.

Umso wich­ti­ger ist ins­be­son­de­re in wirt­schaft­lich schwie­ri­gen Zei­ten eine vor­aus­schau­en­de und fle­xi­ble Li­qui­di­täts­pla­nung. Dazu ge­hört auch, Rück­la­gen für mög­li­che Kos­ten­stei­ge­run­gen oder Ein­nah­me­aus­fäl­le zu bil­den – bei­spiels­wei­se auf einem Ta­ges­geld­kon­to oder über Ter­min­geld bzw. Fest­geld. Zum einen bie­ten diese Spar­for­men im Ver­gleich zum un­ver­zins­ten Ge­schäfts­kon­to zum Teil in­ter­es­san­te Ren­di­te­chan­cen, zum an­de­ren un­ter­lie­gen sie, an­ders als ein In­vest­ment in Ak­ti­en oder An­lei­hen, nicht den Kurs­schwan­kun­gen der Ka­pi­tal­märk­te.

Vor- und Nach­tei­le der bei­den Ein­la­ge­va­ri­an­ten im Ver­gleich.

Tagesgeld

Vorteile

  • Hohe Fle­xi­bi­li­tät: Das auf dem Ta­ges­geld­kon­to be­find­li­che Gut­ha­ben kann je­der­zeit teil­wei­se oder voll­stän­dig auf das Ge­schäfts­kon­to (Re­fe­renz­kon­to) zu­rück­über­wie­sen wer­den – ohne Kün­di­gung.
  • Hohe Si­cher­heit: Ist die Bank Mit­glied eines Ein­la­gen­si­che­rungs­sys­tems, so ist das in Ta­ges­geld an­ge­leg­te Ka­pi­tal im Falle einer Ban­ken­plei­te vor dem To­tal­ver­lust ge­schützt (es gel­ten Ober­gren­zen).
  • Keine Kos­ten: Die Kon­to­füh­rung ist bei Ta­ges­geld­kon­ten in der Regel ge­büh­ren­frei.
  • Ein­fa­che Hand­ha­bung: Ein Ta­ges­geld­kon­to kann zu­meist in we­ni­gen Mi­nu­ten di­gi­tal be­an­tragt und on­line ge­führt wer­den.

Nachteile

  • Nied­ri­ge Ren­di­te: Die Stan­dard­ver­zin­sung ist bei Ta­ges­geld­kon­ten oft deut­lich ge­rin­ger als bei Termin-​ bzw. Fest­gel­dern. Eine Aus­nah­me kön­nen zeit­lich be­grenz­te Ak­ti­ons­zin­sen sein. Diese wer­den je­doch zu­meist nur auf neu bei der je­wei­li­gen Bank ein­ge­zahl­tes Ka­pi­tal ge­währt („Neu­geld“).
  • Va­ri­a­bler Zins: Die Ver­zin­sung kann vom An­bie­ter je nach Markt­la­ge in be­stimm­ten Ab­stän­den nach unten an­ge­passt wer­den. Somit ist die Ren­di­te nur be­dingt plan­bar.

Termingeld

Vorteile

  • Hö­he­re Ren­di­te: Die Ver­zin­sung von Ter­min­geld liegt oft deut­lich über der Stan­dard­ver­zin­sung von Ta­ges­geld.
  • Plan­ba­re Ein­nah­men: Die Ver­zin­sung ist beim Ter­min­geld über die ge­sam­te Lauf­zeit fest­ge­schrie­ben. Im Ge­gen­satz zu Ta­ges­geld be­steht also kein Zins­än­de­rungs­ri­si­ko.
  • Hohe Si­cher­heit: Wie bei Ta­ges­geld gilt auch hier ge­ge­be­nen­falls der Ein­la­gen­schutz – mit den­sel­ben Ober­gren­zen.
  • Keine Kos­ten: Die Kon­to­füh­rung ist bei Ter­min­geld­kon­ten in der Regel ge­büh­ren­frei.
  • Ein­fa­che Hand­ha­bung: Be­steht be­reits ein Ge­schäfts­kon­to bei der ent­spre­chen­den Bank, kann Ter­min­geld oft in we­ni­gen Mi­nu­ten di­rekt über das On­line­ban­king ab­ge­schlos­sen wer­den.

Nachteile

  • Ge­rin­ge Fle­xi­bi­li­tät: Vor dem Lauf­zeit­ende kann auf das Ter­min­geld gar nicht oder nur mit Zins­ver­lust zu­ge­grif­fen wer­den. Wich­tig: Bei ei­ni­gen An­bie­tern ist es er­for­der­lich, di­rekt bei der Neu­an­la­ge oder bin­nen einer be­stimm­ten Frist vor der Fäl­lig­keit des Fest- oder Ter­min­gelds eine Wei­sung zur Be­en­di­gung zu er­tei­len. An­sons­ten wird die An­la­ge bei Fäl­lig­keit für den­sel­ben An­la­ge­zeit­raum zum dann ak­tu­el­len Zins­satz ver­län­gert.
  • Ge­bun­de­ner Zins­satz: Was bei fal­len­den Markt­zin­sen ein Vor­teil ist, wird bei stei­gen­den Markt­zin­sen zum Nach­teil, vor allem bei län­ge­ren Lauf­zei­ten und stark stei­gen­den Zin­sen.

Tagesgeld und Festgeld clever kombiniert

Fazit: So­wohl Tages-​ als auch Fest­geld haben ihre Be­rech­ti­gung und soll­ten bei der Li­qui­di­täts­pla­nung einen fes­ten Platz ein­neh­men. Wer Ka­pi­tal auf dem Ta­ges­geld­kon­to parkt, hält es für un­er­war­te­te Aus­ga­ben je­der­zeit ver­füg­bar – und er­zielt dabei mehr Ren­di­te als auf dem Ge­schäfts­kon­to. In­ter­es­sant kann diese Ren­di­te vor allem im Rah­men von Ak­ti­ons­zin­sen sein. Das sind zeit­lich be­grenz­te er­höh­te Zin­sen, ty­pi­scher­wei­se für „Neu­geld“, das zuvor nicht auf Kon­ten bei der je­wei­li­gen Bank lag. Für mit­tel­fris­ti­ge stra­te­gi­sche Rück­la­gen emp­fiehlt sich da­ge­gen ein Ter­min­geld­kon­to, denn es bie­tet in der Regel hö­he­re Zins­er­trä­ge.

Be­son­ders wir­kungs­voll ist daher eine Kom­bi­na­ti­on bei­der Spar­for­men. Dabei soll­ten zu­nächst – je nach er­war­te­tem Cash­flow – min­des­tens drei, bes­ser sechs durch­schnitt­li­che mo­nat­li­che Aus­ga­ben als so­fort ver­füg­ba­re Li­qui­di­tät auf dem Ta­ges­geld­kon­to vor­ge­hal­ten wer­den. Beim Ter­min­geld lässt sich zu­sätz­li­che Fle­xi­bi­li­tät durch die Staf­fe­lung ver­schie­de­ner Lauf­zei­ten er­rei­chen – Stich­wort Zins­trep­pe. Ein Bei­spiel: Bei einer ins­ge­samt ver­füg­ba­ren Summe von 150.000 Euro wer­den 50.000 Euro für 3 Mo­na­te, 50.000 Euro für 6 Mo­na­te und 50.000 Euro für 12 Mo­na­te ter­mi­niert. So wird re­gel­mä­ßig Li­qui­di­tät frei, die dann ent­we­der als Puf­fer auf das Ta­ges­geld­kon­to flie­ßen oder zu ak­tu­el­len Kon­di­ti­o­nen neu an­ge­legt wer­den kann. Bei ten­den­zi­ell stei­gen­den Markt­zin­sen bie­tet die­ses Vor­ge­hen den Vor­teil, dass das frei wer­den­de Ka­pi­tal zu den dann hö­he­ren Zin­sen neu an­ge­legt wer­den kann. Dem­ge­gen­über bleibt bei fal­len­den Markt­zin­sen ein Teil des ge­staf­felt an­ge­leg­ten Ka­pi­tals noch bis zum Ende der je­wei­li­gen Lauf­zeit zu den beim Ab­schluss gül­ti­gen hö­he­ren Zin­sen ver­zinst.

Stand: Mai 2026; alle Angaben ohne Gewähr.
Bildnachweis: iStockphoto / insta_photos

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