In 6 Schritten zum eigenen Onlineshop

Wie Unternehmen mit einem eigenen Onlineshop ihren Kundenkreis erweitern.

Je­der­zeit ein­kau­fen zu kön­nen, ohne dafür ins Auto, in den Bus oder die Bahn stei­gen zu müs­sen – das sind laut einer re­prä­sen­ta­ti­ven Be­fra­gung des Di­gi­tal­ver­bands Bit­kom aus dem Früh­jahr 2023 für Men­schen, die on­line ein­kau­fen, die wich­tigs­ten Vor­tei­le beim On­line­shop­ping: Je­weils knapp drei Vier­tel (72 Pro­zent) nen­nen die Un­ab­hän­gig­keit von Öff­nungs­zei­ten und die Lie­fe­rung an den ge­wünsch­ten Ort als wich­tigs­te Vor­zü­ge. Güns­ti­ge­re Prei­se gaben hin­ge­gen nur etwa die Hälf­te der Be­frag­ten als Plus­punkt beim Online-​Einkauf an. 44 Pro­zent der Be­frag­ten schät­zen ins­be­son­de­re das An­ge­bot, on­line an an­sons­ten schwer er­hält­li­che Pro­duk­te zu kom­men. 61 Pro­zent der Online-​Käufer wün­schen sich, dass mehr Ein­zel­händ­ler ihrer Re­gi­on mit ei­ge­nen On­line­shops prä­sent sind. Ge­ra­de für spe­zi­a­li­sier­te An­bie­ter, etwa klei­ne­re Le­bens­mit­tel­pro­du­zen­ten oder Be­klei­dungs­ge­schäf­te, die nicht all­täg­li­che Pro­duk­te an­bie­ten, er­öff­nen sich hier also neue Ab­satz­mög­lich­kei­ten.

„On­line­shop­ping ist für die Kun­din­nen und Kun­den in ers­ter Linie ein Kom­fort­ge­winn. Alle Händ­le­rin­nen und Händ­ler soll­ten sich des­halb über­le­gen, ob sie mit einem Web­shop nicht zu­sätz­li­che Nach­fra­ge schaf­fen – und be­stehen­de Kun­din­nen und Kun­den bin­den kön­nen“, sagt Bi­an­ka Ko­kott, Han­dels­exper­tin beim Di­gi­tal­ver­band Bit­kom. Grund­sätz­lich er­mög­licht Onlineshop-​Software von der Stan­ge es auch Laien, einen di­gi­ta­len Ver­triebs­ka­nal auf die Beine zu stel­len. Dabei gibt es je­doch ei­ni­ges zu be­ach­ten.

In 6 Schritten zum eigenen Onlineshop

  1. Projekt aufsetzen

    Die Eröffnung eines Onlineshops ist an sich kein Hexenwerk. Vor allem, wenn Sie bereits ein Geschäft betreiben, also über erprobte Produkte, Räumlichkeiten etc. verfügen. Trotzdem gibt es noch eine Menge Hürden zu nehmen. Machen Sie sich deshalb einen genauen Projektplan, wann Sie was erledigen wollen und wer Sie ggf. dabei unterstützen kann. Wenn Sie bei genauerer Betrachtung die Kosten und technischen Herausforderungen der Eröffnung eines eigenen Shops scheuen, können Sie Ihre Waren auch zunächst über etablierte Online-Marktplätze wie zum Beispiel Amazon Marketplace, Ebay, Etsy, OTTO Market oder Zalando anbieten. Diese bieten Ihnen gegen Provision die erforderliche technische Infrastruktur und einen bereits vorhandenen Kundenstamm.

  2. Shopsystem auswählen

    Die technisch einfachste Möglichkeit, einen eigenen Onlineshop zu eröffnen, sind Shopsysteme von der Stange. Für kleinere Unternehmen kommen vor allem cloudbasierte Systeme oder Webshop-Plugins infrage. Die lassen sich dann leicht in ein zum Beispiel bereits für die eigene Homepage verwendetes CMS, etwa Wordpress, integrieren. Achten Sie bei der Auswahl auf die zur Verfügung stehenden Funktionen, etwa eine einfache Bedienung über Drag-and-Drop, verschiedene Bezahlarten (siehe Punkt 3) sowie Schnittstellen zu Versanddienstleistern. Gibt es in Ihrem Unternehmen keine geeignete IT-Fachkraft, sollten Sie für die Auswahl und die Implementierung einen professionellen IT-Dienstleister zurate ziehen. Dies gilt umso mehr, als Shopsysteme von der Stange laut einer Studie des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik oft keinen ausreichenden Schutz vor Cyberangriffen bieten und die Nutzer zusätzliche IT-Sicherheitsmaßnahmen ergreifen müssen. Neben beträchtlichen Reputationsschäden kann ein Datendiebstahl bei nachweislichen Verstößen oder Fahrlässigkeit hohe Bußgelder der zuständigen Aufsichtsbehörde nach sich ziehen.

  3. Bezahlmöglichkeiten prüfen

    Einer Studie des EHI Retail Institute zufolge hat der Online-Bezahldienst PayPal bei den Umsatzanteilen im E-Commerce im Jahr 2022 in Deutschland erstmals den Rechnungskauf überholt. Mit Bezahldiensten wie PayPal, dem deutschen giropay (vormals paydirekt) oder Klarna sind Sie als Online-Händler auf der sicheren Seite, denn diese Dienstleister tragen in der Regel das Risiko von Forderungsausfällen. Zudem gehen Zahlungen direkt nach der Bestellung auf Ihrem Geschäftskonto ein. Solche Angebote sind allerdings mit vergleichsweise hohen Gebühren für die Händler verbunden.

    Auf Platz 2 der Beliebtheitsskala für die Bezahlung von Online-Käufen steht der Rechnungskauf. Dieser birgt jedoch für Händler die Gefahr, dass Forderungen durch Kunden sehr spät oder gar nicht beglichen werden. Sie sollten ihn also möglichst nur Stammkunden mit guter Zahlungsmoral anbieten oder an einen Zahlungsdienstleister auslagern.

    An dritter Stelle rangiert das Lastschriftverfahren. Auch hier ist für Sie als Händler das Risiko relativ hoch, denn der Kunde kann bezahlte Beträge einfach zurückbuchen lassen. Die Bank prüft nicht, ob er dazu berechtigt ist, etwa weil er die bestellte Ware nicht erhalten hat. Zudem kann ein Kundenkonto nicht gedeckt sein. Auch hier können Sie die Abwicklung Zahlungsdienstleistern überlassen, die nicht nur die technische Anbindung im Onlineshop sicherstellen, sondern auch eine automatische Plausibilitäts- und Betrugsprüfung durchführen. Die Kosten dafür sind in der Regel überschaubar.

    Platz 4 der beliebtesten Zahlungsmethoden belegen Kreditkartenzahlungen. Die für den Händler anfallenden Transaktionskosten bewegen sich hier im Mittelfeld. Die Abwicklung erfolgt über Zahlungsdienstanbieter, von denen viele auch die Kartenlesegeräte für den stationären Handel anbieten. Achtung: Nicht jede Onlineshop-Software unterstützt alle Zahlungsdienstanbieter.

  4. Versand und Rücknahme einkalkulieren

    Bevor Sie mit Ihrem Shop online gehen, sollten Sie sich auch Gedanken über den Versand und die Rücknahmemöglichkeiten machen. Wie könnten realistische Lieferzeiten aussehen? Gibt es ausreichend Platz für das Verpackungsmaterial und wo kann es eingekauft werden? Wer verpackt die Ware und bringt sie zum Paketdienstleister. Was passiert mit Rücksendungen? Die gute Nachricht: 60 Prozent der in einer weiteren Bitkom-Untersuchung befragten Onlineshopper sind bereit, für mehr Nachhaltigkeit längere Lieferzeiten in Kauf zu nehmen, 56 Prozent würden Mindestbestellwerte bzw. -mengen akzeptieren. 40 Prozent fänden es okay, einen Aufpreis für umweltfreundliche Verpackungen zu zahlen, und 39 Prozent würden kostenpflichtige Retouren akzeptieren. Zusätzliche Gebühren für einen klimafreundlichen Versand sind für 36 Prozent akzeptabel.

  5. Versicherungen nicht vergessen

    So wie für fast jedes Unternehmen können auch für Online-Händler eine Reihe von Versicherungen sinnvoll sein. Dazu gehören, vor allem beim Angebot hochpreisiger Produkte, neben einer möglicherweise schon abgeschlossenen Geschäftsinhaltsversicherung eine Forderungsausfallversicherung und eine Transportversicherung. Auch eine Rechtsschutzversicherung kann sinnvoll sein. Grundsätzlich sollten Sie von einem Fachanwalt prüfen lassen, ob Ihr Onlineshop rechtssicher ist. Mit einer Cyberversicherung können Sie Gefahren abdecken, die infolge eines Hackerangriffs drohen. Gut zu wissen: Gerade kleinere Unternehmen sind dem Gesamtverband der Versicherer zufolge überdurchschnittlich oft Opfer erfolgreicher Cyberangriffe.

  6. Externe Unterstützung nutzen

    Für den Start in den E-Commerce gibt es zahlreiche Unterstützungsangebote. Dazu gehört das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Mittelstand-Digital Zentrum Handel. Es bietet zum Beispiel einen Onlineshop-Fitness-Check, mit dem mittelständische Unternehmen, die gerade einen Onlineshop aufbauen oder bereits betreiben, testen können, wie fit ihr Shop ist und wo noch Handlungsbedarf bestehen könnte. Quickstart Online ist ein kostenfreies Wissensportal rund um das Thema E-Commerce, das vom Handelsverband Deutschland HDE, der Initiative „Händler helfen Händlern“ sowie der Amazon Initiative „Unternehmer:innen der Zukunft“ betrieben wird und bislang nur stationär agierenden Händlern sowie E-Commerce-Start-ups Hilfestellung bei der Digitalisierung gibt.

Und noch ein Bitkom-Befragungsergebnis: 76 Prozent der Menschen in Deutschland haben zuletzt ihre Weihnachtsgeschenke online bestellt. Ein guter Grund, die Eröffnung eines digitalen Verkaufskanals nicht auf die lange Bank zu schieben.

Alle Angaben ohne Gewähr; Stand: Oktober 2023
Bildnachweis: iStockphoto / svetikd

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