Stark durch die Krise

Wie Unternehmer ihre eigene Resilienz und die ihrer Mitarbeiter stärken.

Erst Co­ro­na, dann die mas­siv ge­stie­ge­nen En­er­gie­prei­se und nun die trü­ben wirt­schaft­li­chen Aus­sich­ten. Viele Fir­men­chefs stel­len sich an­ge­sichts der ak­tu­el­len Ge­schäfts­ri­si­ken die Frage, wie lange sie die hohe psy­chi­sche Be­las­tung noch durch­ste­hen kön­nen und woher die En­er­gie fürs Wei­ter­ma­chen kom­men soll. Ex­per­ten spre­chen dies­be­züg­lich von Re­si­li­enz, der per­sön­li­chen see­li­schen Wi­der­stands­kraft. Re­si­li­en­te Men­schen sind oft in der Lage, selbst in tie­fen Kri­sen nicht zu ver­zwei­feln und po­si­tiv zu blei­ben. Das Gute daran: Man kann Re­si­li­enz wie einen Mus­kel trai­nie­ren. Wir haben sie­ben Ex­per­ten­tipps für ein Work­out zur Stei­ge­rung der Re­si­li­enz für Sie zu­sam­men­getragen.

Sieben Tipps für mehr Resilienz

  1. Vom Opfer zum Macher

    Damals war alles besser? Mag sein – aber in die Vergangenheit gerichtete Gedanken helfen nicht weiter! Besser ist es, sich auf das Hier und Jetzt zu fokussieren. Dazu gehört auch, schmerzlichen Tatsachen ins Auge zu blicken, Emotionen zuzulassen und ihnen Raum zu geben. Erst dann ist es möglich, in die Zukunft zu schauen und sich zu überlegen, was besser werden soll und wie man dabei seine Stärken ganz konkret einsetzen kann.

  2. Seien Sie der Boss Ihrer Gedanken

    Wenn Sie ins Grübeln geraten und sich in einer negativen Gedankenspirale wiederfinden, reicht oft ein „Stopp!“, um diese zu brechen. Die Technik der Gedankenkontrolle oder des „Gedankenstopps“ kommt aus der Verhaltenstherapie und wurde schon in den 1950er-Jahren entwickelt. Kern der Technik ist, jedem negativen Gedanken einen positiven entgegenzusetzen. Ein Beispiel: Statt sich von hohen Energiepreisen – die Sie nicht ändern können – runterziehen zu lassen, versuchen Sie lieber gezielt Einsparmaßnahmen zu identifizieren und umzusetzen.

  3. Pflegen Sie Ihre Kontakte

    Ihr Unternehmen leidet unter steigenden Kosten? Damit sind Sie nicht allein! Ein wichtiger Baustein für Resilienz sind soziale Beziehungen. Pflegen Sie gerade in schwierigen Zeiten Ihre Netzwerke und tauschen Sie sich mit anderen Unternehmern, aber auch mit Ihren Mitarbeitenden aus. In belastenden Lebensphasen wirkt soziale Unterstützung wie ein Puffer und nachweislich positiv auf körperliche Stresssymptome. Sie haben noch kein Netzwerk? Eine Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, sind die regionalen Unternehmerstammtische und Vortragsveranstaltungen von Industrie- und Handelskammern oder Branchenverbänden.

  4. Übernehmen Sie Verantwortung für Ihren Körper und Geist

    Zur Stärkung der Resilienz bedarf es Eigenverantwortung. Denn wer seinen Körper und Geist belastet und längere Zeit nicht für Regeneration sorgt, bekommt irgendwann zwangsläufig die negativen Folgen zu spüren. Am leistungsfähigsten sind Menschen in sogenannten Flow-Momenten, wenn sich – positiver – Stress und Leistungsfähigkeit die Waage halten. Versuchen Sie für sich ganz persönlich herauszufinden, wann Sie einen solchen Zustand erreichen können.

  5. Stärken Sie Ihre Selbstwirksamkeit

    Wer seine Stärken kennt, einsetzt und trainiert, gewinnt Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und damit an Selbstwirksamkeit. Dadurch lassen sich auch mögliche übersteigerte Zweifel an der eigenen Person überwinden.

  6. Trainieren Sie lösungsorientiertes Handeln

    Beim lösungsorientierten Denken und Handeln wird der Fokus auf gut funktionierende Dinge gelenkt, statt auf scheinbar unlösbare. Menschen richten ihre Aufmerksamkeit dadurch eher auf Chancen und Alternativen und probieren immer wieder Neues aus. Grundlegende Fragestellungen könnten lauten: Was funktioniert gut – wie kann ich mehr davon tun? Was funktioniert nicht – welche Alternativen gibt es dazu?

  7. Kümmern Sie sich um die Zukunftsorientierung

    Unter Zukunftsorientierung versteht man zielstrebiges und tatkräftiges Handeln, um Pläne zu verwirklichen. Zukunftsplanung bedeutet aber auch, mögliche Krisenfälle einzukalkulieren und vorausschauend zu denken und zu agieren. Sicherheit und Flexibilität, Antizipation und Anpassung sind zentrale Aspekte, um kritische Situationen zu meistern. Solcherart funktionierende Eigenschaften sind Merkmale resilienter Menschen und Organisationen.

Resilienter werden im Team

Wich­tig: Die Stär­kung der Re­si­li­enz soll­te für Un­ter­neh­mens­len­ke­rin­nen und -​lenker kein Ein­zel­kämp­fer­sport sein. Denn wenn es dem Un­ter­neh­men nicht gut geht, be­trifft das auch die Mit­ar­bei­ten­den. Po­si­tiv auf die Re­si­li­enz ins­be­son­de­re von klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men kön­nen klar de­fi­nier­te Werte wir­ken. Diese soll­ten sich in Leit­bil­dern und Grund­sät­zen wie­der­fin­den und trans­pa­rent kom­mu­ni­ziert wer­den. „Es zeigt sich klar, dass ein po­si­ti­ver Zu­sam­men­hang zwi­schen sinn­stif­ten­der Füh­rung und Mitarbeiter-​Resilienz be­steht“, sagt Wirt­schafts­psy­cho­lo­gin Pia Geis­ler von der In­ter­na­ti­o­nal School of Ma­nage­ment Dort­mund. Wich­tig sei zudem eine po­si­ti­ve Lern­kul­tur, in der die Ge­schäfts­füh­rung Si­cher­heit gibt, das Wir-​Gefühl stärkt und kei­nen Druck er­zeugt – auch wenn Feh­ler pas­sie­ren.

In Zei­ten einer zu­neh­mend de­zen­tra­li­sier­ten Ar­beit im Home­of­fice ist die Im­ple­men­tie­rung einer tech­no­lo­gi­schen In­fra­struk­tur wich­tig, die den Aus­tausch mit und zwi­schen den Mit­ar­bei­ten­den er­mög­licht. Dafür könn­te sich zum Bei­spiel ein täg­li­ches 15-​minütiges Team-​Meeting an­bie­ten. Für das hy­bri­de Ar­bei­ten soll­ten sinn­vol­le „Home and Of­fice“-​Konzepte er­ar­bei­tet wer­den, etwa um feste Prä­senz­ta­ge der Mit­ar­bei­ten­den sinn­voll zum kre­a­ti­ven Aus­tausch, ge­mein­sa­men Ler­nen und So­cia­li­zing zu nut­zen. Die rest­li­che Zeit diene dann der struk­tu­rier­ten Be­ar­bei­tung von Auf­ga­ben, was prin­zi­pi­ell von über­all aus er­fol­gen kann.

Zur Stär­kung der Re­si­li­enz von Mit­ar­bei­ten­den könn­ten im Rah­men eines be­trieb­li­chen Ge­sund­heits­ma­nage­ments auch an­ge­lei­te­te Acht­sam­keits­übun­gen, etwa in Form von ge­mein­sa­mer Me­di­ta­ti­on, Yoga oder Pi­la­tes, an­ge­bo­ten wer­den. Zudem las­sen sich über vir­tu­el­le For­ma­te Hil­fe­stel­lun­gen und Im­pul­se für eine bes­se­re Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und Struk­tur im Home­of­fice ver­mit­teln. Füh­rungs­kräf­te soll­ten dar­über hin­aus ihre wich­ti­ge Vor­bild­funk­ti­on hin­sicht­lich aus­rei­chen­der Pau­sen­zei­ten nicht un­ter­schät­zen und re­gel­mä­ßig Ge­sprä­che mit den Mit­ar­bei­ten­den su­chen, um den per­sön­li­chen Kon­takt auf­recht­zu­er­hal­ten.

Stand: November 2024; alle Angaben ohne Gewähr
Bildnachweis: iStockphoto / anatoliy_gleb

Unsere Produktempfehlungen

Für Geschäftskunden

Sie möchten Ihren Betrieb in Krisenzeiten zukunftsorientiert aufstellen? Wir unterstützen Sie bei der Finanzierung.

Zum Business Investitionsdarlehen

Für Firmenkunden

Sie möchten investieren, um Ihr Unternehmen jetzt zukunftsorientiert aufzustellen? Wir unterstützen Sie bei der Finanzierung.

Zur Investitionsfinanzierung

Das könnte Sie auch interessieren

Kampf dem Kohlen­dioxid

Wie Unter­nehmen die Klima­neutralität erreichen können.

Zum Artikel

Insolvenz: Oft Chance für einen Neustart

Wie sich Unternehmen mithilfe einer geplanten Insolvenz sanieren können.

Zum Artikel

Bei Finan­zie­run­gen auf Nummer sicher gehen

Geschäftskredit: 5 Tipps für eine erfolgreiche Kreditanfrage.

Zum Artikel