Verstärkung gesucht

Wie Unternehmen externe Fachkräfte für wichtige Projekte einsetzen können.

Zeit­ge­mä­ße IT-​Systeme sind für jedes Un­ter­neh­men un­er­läss­lich. Ge­ra­de in klei­nen und mitt­le­ren Un­ter­neh­men (KMU) fehlt es je­doch häu­fig an Zeit und Know-​how re­spek­ti­ve Fach­per­so­nal, um zum Bei­spiel ge­eig­ne­te Hard- und Soft­ware aus­zu­wäh­len, zu in­stal­lie­ren und zu war­ten. Viele Fir­men set­zen des­halb bei Di­gi­ta­li­sie­rungs­the­men auf ex­ter­ne Un­ter­stüt­zung. Laut einer Be­fra­gung des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) im Auf­trag des Bun­des­ver­bands für selb­stän­di­ge Wis­sens­ar­beit, des Ver­bands der Grün­der und Selbst­stän­di­gen Deutsch­land (VGSD) sowie der Ver­ei­ni­gung der Bay­e­ri­schen Wirt­schaft (vbw) be­schäf­tig­te zu­letzt fast ein Vier­tel der Un­ter­neh­men in Deutsch­land Fremd­per­so­nal. Knapp 22 Pro­zent der Fir­men, die Fremd­per­so­nal an­heu­er­ten, setz­ten dabei auf So­lo­selbst­stän­di­ge und freie Mit­ar­bei­ter (Free­lan­cer). Jeder zehn­te Be­trieb schloss Werk­ver­trä­ge mit Ex­per­ten ent­spre­chen­der Dienst­leis­ter ab. Knapp sechs Pro­zent nutz­ten beide Mög­lich­kei­ten für ex­ter­ne Ver­stär­kung. Be­nö­tigt wur­den die ex­ter­nen Fach­kräf­te vor allem für IT- und Di­gi­ta­li­sie­rungs­maß­nah­men, aber auch für Auf­ga­ben in der Pro­duk­ti­on, in For­schung und Ent­wick­lung oder im Kunden-​ und War­tungs­dienst wurde Hilfe von außen hin­zu­ge­bucht. Doch wel­che Vor­tei­le bringt ins­be­son­de­re der Ein­satz von Free­lan­cern und wo fin­det man ge­eig­ne­te Ver­stär­kung? Mehr dazu in un­se­ren Fra­gen und Ant­wor­ten.

Welche Vorteile bringt die Zusammenarbeit mit Freelancern & Co?

In der IW-​Befragung wur­den von den Fir­men vor allem ein zeit­lich be­grenz­ter Un­ter­stüt­zungs­be­darf und die schnel­le Ver­füg­bar­keit als Plus­punk­te für den Ein­satz von Fremd­per­so­nal ge­nannt. Und der Ein­satz ex­ter­ner Fach­kräf­te hat noch wei­te­re Vor­tei­le. Dazu ge­hört der Zu­gang zu spe­zi­fi­schem Wis­sen: Ins­be­son­de­re im IT-​Bereich haben Free­lan­cer mit Ex­per­ti­se in punc­to Di­gi­ta­li­sie­rung und künst­li­cher In­tel­li­genz (KI) zu­letzt bei vie­len Auf­trag­ge­bern den di­gi­ta­len Wan­del be­schleu­nigt. Wei­te­re Vor­tei­le eines Freelancer-​Einsatzes: Das un­ter­neh­me­ri­sche Ri­si­ko sowie der Auf­wand für das Per­so­nal­ma­nage­ment re­du­zie­ren sich und es wer­den Ar­beits­kos­ten ein­ge­spart, weil Lohn- und Lohn­ne­ben­kos­ten ent­fal­len. Auch Bü­ro­räu­me, eine Ar­beits­platz­aus­stat­tung und Ar­beits­ma­te­ri­a­li­en schla­gen in der Regel nicht zu Buche. Zudem sind die Kos­ten für Free­lan­cer steu­er­lich als Be­triebs­aus­ga­ben ab­setz­bar und die Um­satz­steu­er kann bei der Vor­steu­er gel­tend ge­macht wer­den.

Was ist bei der Beauftragung / Vertragsgestaltung zu beachten?

Wich­tig ist in jedem Fall, rechts­si­che­re schrift­li­che Ver­ein­ba­run­gen zu tref­fen. Zu­min­dest für die Erst­be­auf­tra­gung kann sich eine ju­ris­ti­sche Be­ra­tung emp­feh­len, auf deren Grund­la­ge dann wei­te­re Ver­trä­ge ge­schlos­sen wer­den kön­nen. Der Ver­trag soll­te Um­fang und Art der zu er­le­di­gen­den Auf­ga­ben, den Zeit­rah­men und alle an­de­ren re­le­van­ten De­tails mög­lichst de­tail­liert auf­füh­ren. So las­sen sich Miss­ver­ständ­nis­se und Un­stim­mig­kei­ten ver­mei­den. Das Do­ku­ment soll­te auch das Ho­no­rar, Zahlungs-​ und Kün­di­gungs­be­din­gun­gen sowie die The­men Ver­trau­lich­keit und Haf­tung um­fas­sen. Zudem ist das Thema „Geis­ti­ges Ei­gen­tum“ schrift­lich zu fi­xie­ren, soll hei­ßen: Wer hält die Rech­te an den Ar­beits­er­geb­nis­sen, etwa einer neu pro­gram­mier­ten Soft­ware? Noch ein Hin­weis zu Ver­si­che­rung und Haf­tung: Im Ver­trag muss un­be­dingt ge­re­gelt wer­den, wer im Fall von Ver­lus­ten oder Schä­den haft­bar ist und wie damit um­ge­gan­gen wird. Jeder Free­lan­cer soll­te eine Be­rufs­haft­pflicht­ver­si­che­rung vor­wei­sen kön­nen, die ihn (und seine Auf­trag­ge­be­rin bzw. sei­nen Auf­trag­ge­ber) gegen po­ten­zi­el­le Schä­den ab­si­chert.

Was kosten Freelancer?

Wer Free­lan­cer be­schäf­tigt, be­zahlt nur für die tat­säch­lich ge­leis­te­te Ar­beit und spart sich daher viele Kos­ten, die für Fest­an­ge­stell­te an­fal­len. Wie viel ein Free­lan­cer kos­tet, hängt unter an­de­rem von der Art der Tä­tig­keit sowie der an­ge­bo­te­nen Ex­per­ti­se und Bran­che ab. Laut dem von der Pro­jekt­platt­form free­lan­cer­map er­stell­ten Free­lancer-​Kompass, für den im Früh­jahr 2023 rund 3.000 Teil­neh­me­rin­nen bzw. Teil­neh­mer be­fragt wur­den, hat der durch­schnitt­li­che Stun­den­satz für Free­lan­cer 2023 erst­mals die 100-​Euro-​Marke über­schrit­ten. Die höchs­ten Ho­no­ra­re rufen dem­nach mit je­weils 119 Euro pro Stun­de SAP-​Berater und Be­ra­ter für Ma­nage­ment­the­men auf. Am güns­tigs­ten sind mit durch­schnitt­lich 72 Euro Stun­den­ho­no­rar Free­lan­cer aus den Be­rei­chen Gra­fik, Con­tent und Me­di­en. 44 Pro­zent der Be­frag­ten gaben an, ihre Prei­se für jedes Pro­jekt neu zu kal­ku­lie­ren. Ein wei­te­res Drit­tel passt den ei­ge­nen Stun­den­satz in­di­vi­du­ell pro Kunde an.

Wo findet man geeignete Freelancer?

Erste Wahl bei der Suche nach ex­ter­ner Un­ter­stüt­zung sind Emp­feh­lun­gen, zum Bei­spiel von be­freun­de­ten Un­ter­neh­me­rin­nen bzw. Un­ter­neh­mern. Auch ein Anruf bei der lo­ka­len Handels-​ oder Hand­werks­kam­mer kann unter Um­stän­den hilf­reich sein. An­sons­ten wer­den Free­lan­cer häu­fig von klas­si­schen Per­so­nal­dienst­leis­tern ver­mit­telt. Auf dem Vor­marsch sind zudem In­ter­net­platt­for­men, auf denen Free­lan­cer sor­tiert nach Bran­chen ihre Dienst­leis­tun­gen an­bie­ten und Auf­trag­ge­be­rin­nen bzw. Auf­trag­ge­ber Pro­jek­te ein­stel­len kön­nen, für die sie Un­ter­stüt­zung be­nö­ti­gen. Der größ­te Markt­platz für Free­lan­cer im deutsch­spra­chi­gen Raum ist ei­ge­nen An­ga­ben zu­fol­ge mit mehr als 217.000 re­gis­trier­ten Frei­be­ruf­lern free­lan­ce.de. Die Platt­form free­lan­cer­map wen­det sich mit mehr als 70.000 ak­ti­ven Pro­fi­len ins­be­son­de­re an Un­ter­neh­men der IT- und Engineering-​Branche.

Gibt es staatliche Förderung?

Das hängt von der Art des Pro­jekts ab. Im Rah­men des Bun­des­pro­gramms „För­de­rung von Un­ter­neh­mens­be­ra­tun­gen für KMU“ etwa kön­nen sich Un­ter­neh­men von qua­li­fi­zier­ten Be­ra­te­rin­nen bzw. Be­ra­tern zu wirt­schaft­li­chen, fi­nan­zi­el­len, per­so­nel­len und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Fra­gen der Un­ter­neh­mens­füh­rung be­ra­ten las­sen und dafür einen nicht rück­zahl­ba­ren Zu­schuss er­hal­ten. För­de­rung für ex­ter­ne Beratungs-​ und Um­set­zungs­leis­tun­gen für Di­gi­ta­li­sie­rungs­maß­nah­men im Hand­werk und mit­tel­stän­di­schen Be­trie­ben gibt es im Pro­gramm „go-​digital“. Be­ra­tungs­leis­tun­gen zur Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung von tech­ni­schen und Produkt-​Verfahrens­innovationen wer­den im Pro­gramm „go-​inno“ des Bun­des ge­för­dert. Die Be­ra­tungs­leis­tun­gen wer­den je­weils zeit­lich be­grenzt mit einer För­der­quo­te von 50 Pro­zent auf einen ma­xi­ma­len Be­ra­ter­ta­ges­satz von 1.100 Euro netto be­zu­schusst.

„Di­gi­ta­li­sie­rung, de­mo­gra­fi­scher Wan­del, De­kar­bo­ni­sie­rung und immer neue Kri­sen er­for­dern Fle­xi­bi­li­tät und Schnel­lig­keit von Un­ter­neh­men und Ver­wal­tung. So­lo­selbst­stän­di­ge und an­de­re ex­ter­ne Ex­per­ten leis­ten einen ent­schei­den­den Bei­trag bei der Be­wäl­ti­gung die­ser Her­aus­for­de­run­gen“, be­ton­te an­läss­lich der Vor­stel­lung der IW-​Studie Bert­ram Bros­sardt, Haupt­ge­schäfts­füh­rer der vbw. In den Un­ter­neh­men, die so­wohl So­lo­selbst­stän­di­ge als auch grö­ße­re Dienst­leis­ter ein­set­zen, gibt es dem­nach eine ge­ziel­te Ar­beits­tei­lung. Wäh­rend die grö­ße­ren Dienst­leis­ter eher eta­blier­te Tech­no­lo­gien wie Cloud-​Anwendungen, di­gi­ta­le Ver­trieb­s­tools, Big-​Data-​Analysen oder auch mo­der­ne ad­di­ti­ve Fer­ti­gungs­ver­fah­ren wie den 3D-​Druck im­ple­men­tie­ren, seien So­lo­selbst­stän­di­ge schnel­ler darin, sich in neu­es­te Tech­no­lo­gien wie zum Bei­spiel KI ein­zu­ar­bei­ten. An­zei­chen dafür, dass Fremd­per­so­nal vor allem ein­ge­setzt wird, um Fest­an­ge­stell­te zu er­set­zen, fin­den sich laut der IW-​Studie üb­ri­gens keine.

Alle Angaben ohne Gewähr; Stand: Juli 2023
Bildnachweis: iStockphoto / Eva-Katalin

Unsere Produktempfehlungen

Für Geschäftskunden

Sie möchten sich auf mögliche künftige Aufträge vorbereiten und zum Beispiel in neue Maschinen oder die Digitalisierung investieren? Wir unterstützen Sie bei der Finanzierung.

Zum Business Investitionsdarlehen

Für Firmenkunden

Sie möchten in Innovationen investieren, um Ihr Unternehmen im Wettbewerb besser aufzustellen? Wir unterstützen Sie bei der Finanzierung und beraten Sie zu den staatlichen Fördermöglichkeiten.

Zur Investitionsfinanzierung

Das könnte Sie auch interessieren

Gemeinsam ans Ziel

Wie kleine Unter­nehmen durch Ko­opera­tio­nen mit anderen Betrieben erfolg­reicher werden können.

Zum Artikel

Pluspunkt Diversität

Warum Unter­nehmen von mehr Diversität in ihren Beleg­schaften profitieren können.

Zum Artikel

Fachkräfte finden und binden

Wie sich Unter­nehmen auf den zu­neh­men­den Fach­kräfte­mangel ein­stellen können.

Zum Artikel