Factoring – der Liquiditätsturbo

Wie Unternehmen mittels Forderungsverkauf auch in Krisenzeiten liquide bleiben.

„Ein neu­es Jahr bricht an, die wirt­schaft­li­chen Pro­ble­me und Las­ten blei­ben die­sel­ben.“ So lau­tet das Fa­zit des In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) an­ge­sichts sei­ner An­fang De­zem­ber 2024 un­ter dem Ti­tel „Es wird nicht bes­ser“ vor­ge­stell­ten Kon­junk­tur­pro­gno­se. Die deut­sche Wirt­schaft kom­me auch 2025 nicht aus der Kri­se.

Die ge­trüb­te Stim­mung drückt auch auf die In­ves­ti­ti­ons­be­reit­schaft im In­land. 40 Pro­zent der Un­ter­neh­men pla­nen, ih­re Aus­rüs­tungs­in­ves­ti­tio­nen zu ver­rin­gern, nur noch 23 Pro­zent wol­len 2025 mehr in­ves­tie­ren als im Vor­jahr. Da­bei wä­re ge­ra­de jetzt mehr fi­nan­zi­el­les En­ga­ge­ment er­for­der­lich, um Her­aus­for­de­run­gen wie den Struk­tur­wan­del, die grü­ne Trans­for­ma­ti­on der Wirt­schaft, den Fach­kräf­te­man­gel oder die Di­ver­si­fi­zie­rung von Lie­fer­ket­ten lang­fris­tig meis­tern zu kön­nen.

Finanzierungsalternativen dringend gesucht

Das Pro­blem: Im ak­tu­el­len Um­feld ist es für Un­ter­neh­men oft schwie­rig, selbst drin­gend er­for­der­li­che In­ves­ti­tio­nen zu fi­nan­zie­ren – das gilt vor al­lem für Fir­men oh­ne Preis­set­zungs­macht, die zu­neh­mend mit sin­ken­den Er­trä­gen und Li­qui­di­täts­eng­päs­sen zu kämp­fen ha­ben. Denn ei­ne sol­che Ge­men­ge­la­ge kann sich ne­ga­tiv auf die Un­ter­neh­mens­ra­tings und so­mit die Kre­dit­ver­ga­be aus­wir­ken. Die KfW-ifo-Kre­dit­hür­de für Gro­ß­un­ter­neh­men stieg im drit­ten Quar­tal 2024 mit 34,5 Pro­zent auf ein neu­es All­zeit­hoch, die für klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men be­weg­te sich mit 31,5 Pro­zent in die Nä­he ih­res bis­he­ri­gen Re­kord­werts. Die Kre­dit­hür­de misst den An­teil der Un­ter­neh­men, die sich bei ih­ren Kre­dit­ver­hand­lun­gen mit Re­strik­tio­nen sei­tens ih­rer Fi­nan­zie­rungs­part­ner kon­fron­tiert se­hen. 

Factoring – die etablierte Finanzierungs­alternative

Vor die­sem Hin­ter­grund könn­te sich Fac­to­ring, al­so der For­de­rungs­ver­kauf, als in­tel­li­gen­te Fi­nan­zie­rungs­al­ter­na­ti­ve an­bie­ten. Die Zahl der Un­ter­neh­men, die auf die Vor­fi­nan­zie­rung von For­de­run­gen aus Lie­fe­run­gen und Dienst­leis­tun­gen durch ei­ne Fac­to­ring-Ge­sell­schaft (den so­ge­nann­ten Fac­tor) set­zen, ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich ge­stie­gen. Nach An­ga­ben des Deut­schen Fac­to­ring-Ver­bands nutz­ten zu­letzt mehr als 106.000 Fir­men in Deutsch­land Fac­to­ring, dar­un­ter so­wohl klei­ne und mitt­le­re Un­ter­neh­men (KMU) als auch gro­ße Kon­zer­ne. Die Fac­to­ring­quo­te, al­so das Ver­hält­nis zwi­schen dem an­ge­kauf­ten Fac­to­ring-For­de­rungs­vo­lu­men und dem Brut­to­in­lands­pro­dukt, lag bei 9,3 Pro­zent.

Die wichtigsten Factoring-Arten im Überblick

  1. Inhouse-Factoring

    Beim Inhouse-​Factoring über­nimmt der Fac­tor die Finanzierungs-​ und Delk­re­de­re­funk­ti­on. Das De­bi­to­ren­ma­nage­ment ver­bleibt treu­hän­de­risch beim Factoring-​Kunden. Zah­lun­gen der Schuld­ner gehen auf das Konto des Fac­tors oder auf an ihn ver­pfän­de­te Kon­ten.

  2. Finanz-Factoring

    Beim Finanz-​Factoring über­nimmt der Fac­tor nur die Finanzierungs-​ und Delk­re­de­re­funk­ti­on. Das De­bi­to­ren­ma­nage­ment ver­bleibt treu­hän­de­risch beim Factoring-​Kunden. Die Zah­lun­gen der Schuld­ner er­fol­gen un­ver­än­dert an den Factoring-​Kunden. Im Rah­men ver­trag­lich ver­ein­bar­ter Ab­rech­nungs­tur­nus­se wer­den neu an­ge­kauf­te For­de­run­gen und Zah­lun­gen der Schuld­ner für an den Fac­tor ver­kauf­te For­de­run­gen ab­ge­rech­net. Die Kon­ten des Factoring-​Kunden wer­den nicht ver­pfän­det.

Un­ter­schie­den wer­den grund­sätz­lich noch ein stil­les und ein of­fe­nes Fac­to­ring. Beim stil­len Fac­to­ring legt der Fac­to­ring-Kun­de sei­nen De­bi­to­ren die For­de­rungs­ab­tre­tung nicht of­fen. Beim of­fe­nen Ver­fah­ren wer­den die De­bi­to­ren über den For­de­rungs­ver­kauf in­for­miert. Kommt Fac­to­ring im grenz­über­schrei­ten­den Wa­ren­ver­kehr zum Ein­satz, spricht man von Ex­port- be­zie­hungs­wei­se Im­port-Fac­to­ring. Ei­ne Son­der­form ist das Lie­fe­ran­ten- oder Re­ver­se-Fac­to­ring. Da­bei fi­nan­ziert der Fac­tor Ver­bind­lich­kei­ten ge­gen­über den Lie­fe­ran­ten des Fac­to­ring-Kun­den. Da­mit kön­nen Li­qui­di­täts­eng­päs­se beim Ein­kauf ver­mie­den und kann den Lie­fe­ran­ten die nö­ti­ge Li­qui­di­tät ver­schafft wer­den, um ei­nen Auf­trag ter­min­ge­recht aus­zu­füh­ren.

Factoring: Viele Vorteile

Für die Factoring-​Kunden er­gibt sich aus dem For­de­rungs­ver­kauf eine Reihe von Vor­tei­len:

  • Mehr Li­qui­di­tät: Durch die so­for­ti­ge Ver­füg­bar­keit von For­de­run­gen ver­bes­sern Factoring-​Kunden ihren Cash­flow und er­hö­hen um­satz­kon­gru­ent ihre Li­qui­di­tät. Da­durch kön­nen sie zum Bei­spiel For­de­run­gen schnel­ler be­glei­chen und Skon­to­vor­tei­le nut­zen.
  • Op­ti­mie­rung der Bi­lanz: Mit dem For­de­rungs­ver­kauf re­du­zie­ren Un­ter­neh­men ihr Working Ca­pi­tal und op­ti­mie­ren so ihre Bi­lan­zen. Das bringt Vor­tei­le beim Kre­dit­ra­ting und sorgt für ver­bes­ser­te Fi­nan­zie­rungs­be­din­gun­gen.
  • Schutz vor For­de­rungs­aus­fäl­len: Die voll­stän­di­ge Ri­si­ko­ab­si­che­rung für den Delk­re­de­re­fall hilft unter an­de­rem dabei, Kre­dit­ver­ein­ba­run­gen be­zie­hungs­wei­se Co­ven­ants ein­zu­hal­ten.

Für die Vor­fi­nan­zie­rung der For­de­run­gen be­rech­net der Fac­tor einen Preis. Die­ser rich­tet sich unter an­de­rem nach der Zahl der For­de­run­gen, der Zahl der De­bi­to­ren sowie deren Bo­ni­tä­ten. Die Kon­di­ti­o­nen wer­den in einem Rah­men­ver­trag fest­ge­hal­ten.

Be­son­ders ge­eig­net ist Fac­to­ring für Un­ter­neh­men in der Lie­fer­ket­te, die sich auf Kun­den­sei­te mit lang­fris­ti­gen Zah­lungs­zie­len und auf Lie­fe­ran­ten­sei­te mit kurz­fris­ti­gen Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen kon­fron­tiert sehen. „Für viele, auch in­ter­na­ti­o­nal agie­ren­de Kun­den ist Fac­to­ring ein es­sen­zi­el­ler Teil ihrer Fi­nanz­pla­nung“, sagt Dinko Meh­me­d­a­gic, Ge­schäfts­füh­rer der PB Fac­to­ring GmbH (siehe auch In­ter­view unten), der Factoring-​Gesellschaft des Deutsche Bank Kon­zerns. „Mit dem Ver­kauf ihrer For­de­run­gen er­hal­ten sie so­fort Li­qui­di­tät, die sie zum Bei­spiel für das schnel­le Be­zah­len der ei­ge­nen Rech­nun­gen nut­zen kön­nen“, er­gänzt der Factoring-​Experte. Die PB Fac­to­ring setzt bei ihrem An­ge­bot auf weit­ge­hend di­gi­ta­li­sier­te Pro­zes­se. Jeder Kunde hat Zu­gang zum Kun­den­por­tal und über­mit­telt seine Debitoren-​ bzw. For­de­rungs­da­ten on­line. Das Sys­tem prüft dann, ob der Schuld­ner be­reits be­kannt ist und in­wie­weit – und zu wel­chen Kon­di­ti­o­nen – die For­de­rung über­nom­men wer­den kann. Die Kun­den kön­nen das Kun­den­por­tal je­der­zeit nut­zen, um alle De­tails bis hin zur ein­zel­nen For­de­rung ab­zu­ru­fen.

Mit Factoring nachhaltig finanzieren

Um Kun­den bei ih­ren grü­nen Trans­for­ma­ti­ons­an­stren­gun­gen zu un­ter­stüt­zen, bie­ten ers­te Fac­to­ring-Ge­sell­schaf­ten so­ge­nann­te ESG-ge­link­te Pro­duk­te an. Die drei Buch­sta­ben E, S und G be­schrei­ben die zen­tra­len nach­hal­tig­keits­be­zo­ge­nenVer­ant­wor­tungs­be­rei­che En­vi­ron­ment (Um­welt), So­ci­al (So­zia­les) und Go­ver­nan­ce (Un­ter­neh­mens­füh­rung). Das Nach­hal­tig­keits-Fac­to­ring der PB Fac­to­ring GmbH et­wa wird an spe­zi­fi­schen Nach­hal­tig­keits­leis­tungs­zie­len (eng­lisch: Sustaina­bi­li­ty Per­for­mance Tar­gets) be­zie­hungs­wei­se ent­spre­chen­den Leis­tungs­kenn­zah­len (Key Per­for­mance In­di­ca­tors, kurz KPI) fest­ge­macht. Denk­ba­re Zie­le kön­nen zum Bei­spiel das Er­rei­chen ei­nes qua­li­fi­zier­ten ESG-Ra­tings ei­ner Ra­ting­agen­tur oder ei­ne be­stimm­te Re­du­zie­rung des CO2-Aus­sto­ßes so­wie Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der En­er­gie­ef­fi­zi­enz von Pro­duk­ti­ons­an­la­gen oder zur Um­stel­lung des Fuhr­parks auf Fahr­zeu­ge mit al­ter­na­ti­ven An­trie­ben sein.

Mit Factoring nachhaltig finanzieren

Um Kun­den bei ih­ren grü­nen Trans­for­ma­ti­ons­an­stren­gun­gen zu un­ter­stüt­zen, bie­ten ers­te Fac­to­ring-Ge­sell­schaf­ten so­ge­nann­te ESG-ge­link­te Pro­duk­te an. Die drei Buch­sta­ben E, S und G be­schrei­ben die zen­tra­len nach­hal­tig­keits­be­zo­ge­nenVer­ant­wor­tungs­be­rei­che En­vi­ron­ment (Um­welt), So­ci­al (So­zia­les) und Go­ver­nan­ce (Un­ter­neh­mens­füh­rung). Das Nach­hal­tig­keits-Fac­to­ring der PB Fac­to­ring GmbH et­wa wird an spe­zi­fi­schen Nach­hal­tig­keits­leis­tungs­zie­len (eng­lisch: Sustaina­bi­li­ty Per­for­mance Tar­gets) be­zie­hungs­wei­se ent­spre­chen­den Leis­tungs­kenn­zah­len (Key Per­for­mance In­di­ca­tors, kurz KPI) fest­ge­macht. Denk­ba­re Zie­le kön­nen zum Bei­spiel das Er­rei­chen ei­nes qua­li­fi­zier­ten ESG-Ra­tings ei­ner Ra­ting­agen­tur oder ei­ne be­stimm­te Re­du­zie­rung des CO2-Aus­sto­ßes so­wie Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der En­er­gie­ef­fi­zi­enz von Pro­duk­ti­ons­an­la­gen oder zur Um­stel­lung des Fuhr­parks auf Fahr­zeu­ge mit al­ter­na­ti­ven An­trie­ben sein.

Interview

Dinko Mehmedagic, Geschäftsführer der PB Factoring GmbH

Wie hat sich der Factoring-Markt in Deutschland zuletzt entwickelt?

Der Factoring-​Markt in Deutsch­land zeich­net sich be­reits seit vie­len Jah­ren durch ein über­durch­schnitt­li­ches Wachs­tum aus, das deut­lich über jenem des Brut­to­in­lands­pro­dukts liegt. Im Jahr 2023 ist der deut­sche Fac­to­ring­markt um rund 3,1 Pro­zent auf etwa 384 Mil­li­ar­den Euro ge­wach­sen. Auch im ers­ten Halb­jahr 2024 konn­ten die Um­sät­ze der Factoring-​Unternehmen trotz des immer schwie­ri­ger wer­den­den wirt­schaft­li­chen Um­felds noch um 0,8 Pro­zent zu­le­gen.

Welche Rolle spielen Waren­kredit­versicherungen beim Factoring und was bedeutet in diesem Zusammen­hang „True Sale“?

In der Regel wer­den For­de­run­gen, die von Factoring-​Unternehmen an­ge­kauft wer­den, durch Wa­ren­kre­dit­ver­si­che­rer ab­ge­si­chert. Ent­we­der hat der Factoring-​Kunde be­reits eine Wa­ren­kre­dit­ver­si­che­rung oder der Fac­tor schließt eine sol­che ab. Im Durch­schnitt wer­den damit rund 90 Pro­zent der Net­to­for­de­run­gen ab­ge­si­chert. Der nicht ent­spre­chend ab­ge­si­cher­te An­teil wird als Blan­ko­ri­si­ko vom Fac­tor in seine Bü­cher ge­nom­men. „True Sale“ be­deu­tet, dass 100 Pro­zent der For­de­run­gen durch den Fac­tor an­ge­kauft und somit auch 100 Pro­zent des Aus­fall­ri­si­kos (Delk­re­de­re) über­nom­men wer­den. Damit wird dem Factoring-​Kunden die Op­ti­mie­rung sei­ner Bi­lanz er­mög­licht. 

Ist Factoring eher eine Lösung für Unter­nehmen mit schwacher oder sich ver­schlechternder Bonität?

Das kön­nen wir so nicht be­ob­ach­ten. Im Ge­gen­teil: Wir sehen ein sehr gro­ßes In­ter­es­se von Un­ter­neh­men mit einer sehr guten Bo­ni­tät und Li­qui­di­tät. Diese nut­zen Fac­to­ring ver­stärkt als zu­sätz­li­ches Fi­nan­zie­rungs­in­stru­ment in ihrem Fi­nan­zie­rungs­mix. Grün­de dafür sind die in­zwi­schen sehr ein­fa­che Ab­wick­lung, kom­pe­ti­ti­ve Prei­se und die Mög­lich­keit, die ei­ge­nen Fi­nan­zie­rungs­ka­pa­zi­tä­ten bei den Ban­ken oder auf dem Ka­pi­tal­markt zu scho­nen. Auch gibt es ver­mehrt Un­ter­neh­men, die be­stehen­de ABS- oder ABCP-​Programme in Factoring-​Programme über­füh­ren, da Letz­te­re unter an­de­rem sehr fle­xi­bel bei Ver­än­de­run­gen in der Struk­tur sind, deut­lich schlan­ke­re Ver­trags­struk­tu­ren haben und un­ab­hän­gig von Vo­la­ti­li­tä­ten im Ka­pi­tal­markt be­zie­hungs­wei­se bei In­ves­to­ren sind. Zudem ent­las­ten Factoring-​Programme die Treasury-​Ressourcen, weil sie deut­lich schlan­ker sind, zum Bei­spiel bei den Reporting-​Anforderungen.

Alle Angaben ohne Gewähr; Stand: Januar 2025
Bildnachweis: iStockphoto / AndreyPopov

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