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Nachhaltigkeit als Finanzierungsfaktor
Warum das Thema Nachhaltigkeit beim Kreditgespräch zunehmend in den Fokus rückt.
Um ihr im „European Green Deal“ festgeschriebenes Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, hat die Europäische Union (EU) 2020 die sogenannte EU-Taxonomie auf den Weg gebracht. Dahinter verbirgt sich ein ständig weiterentwickeltes einheitliches Klassifikationssystem für nachhaltiges Wirtschaften. In diesem Rahmen müssen die in der EU aktiven Finanzinstitute seit dem Jahr 2024 ihre „Green Asset Ratio“ (GAR) berichten. Diese neue Schlüsselkennzahl (englisch: Key Performance Indicator, KPI) beschreibt den Anteil der nachhaltigen Investitionen und des nachhaltig finanzierten Geschäftsvolumens an der Bilanzsumme einer Bank.
Darüber hinaus sind die Finanzierungsinstitute in Deutschland seit dem 1.Januar 2024 dazu verpflichtet, bei ihren Kreditentscheidungen messbare ESG-Aspekte zu berücksichtigen. So sieht es die 7. Novelle der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vor. Das Kürzel ESG steht für die Nachhaltigkeitsaspekte „Environment“ (Umwelt), „Social“ (Soziales) und „Governance“ (gute Unternehmensführung), wobei die BaFin bislang nur die umweltbezogenen finanziellen Risiken in den Fokus nimmt, während die EU-Taxonomie auch die Einhaltung sozialer Mindeststandards vorsieht. Die deutsche Aufsichtsbehörde unterscheidet bei den umweltbezogenen Risiken zwei Kategorien:
- Physische Risiken, etwa durch Extremwetterereignisse. Ein Beispiel ist hier die Flutkatastrophe im Ahrtal, die auch zahlreiche Unternehmenswerte zerstörte.
- Transitorische Risiken durch die Umstellung auf eine nachhaltige kohlenstoffarme Wirtschaft. Dazu gehören zum Beispiel möglicherweise hohe Investitionskosten für die energetische Modernisierung von Anlagen und Gebäuden oder die Bepreisung von CO2-Emissionen.
Was die ESG-Anforderungen an die Banken für Unternehmenskunden bedeuten
Die Offenlegungs- und Risikomanagementanforderungen in Sachen Nachhaltigkeit für die Banken haben auch ganz konkrete Auswirkungen auf deren Unternehmenskunden. Denn um den ESG-Anforderungen der BaFin gerecht zu werden und ihre Green Asset Ratio berechnen zu können, müssen die Finanzierungsinstitute bei ihren Kunden die entsprechenden Daten zu deren Nachhaltigkeit abrufen. Das bedeutet, dass Banken künftig Nachhaltigkeitsaspekte stärker in Kreditentscheidungen einbeziehen dürften. Unternehmen mit schwachen Nachhaltigkeitsscores könnten dadurch unter Umständen schlechtere Karten bei Kreditverhandlungen haben.
Nachhaltigkeit – wichtig auch für kleine und mittlere Unternehmen
Größere Unternehmen sind bereits im Rahmen der EU-Richtlinie Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) dazu verpflichtet, öffentlich Rechenschaft über ihre Unternehmensverantwortung – fachsprachlich „Corporate Social Responsibility“ (CSR) – abzulegen. Doch nicht nur die berichtspflichtigen Unternehmen müssen zunehmend Nachhaltigkeitsdaten offenlegen. Laut der IHK für Bremen und Bremerhaven etwa zeigt sich in der Praxis ein „Trickle-down-Effekt“: Auch kleine und mittlere Unternehmen, die selbst formal nicht zur CSRD-Berichterstattung verpflichtet sind, erhalten mittlerweile verstärkt Anfragen zu Nachhaltigkeitsdaten – nicht nur von Kunden und Lieferanten, die Nachhaltigkeit in ihren Lieferketten nachweisen müssen, sondern auch von Banken.
Im Rahmen einer im Januar 2026 veröffentlichten Sonderauswertung des KfW-Mittelstandspanels 2025 berichtete rund ein Viertel der Unternehmen mit zehn bis 49 Beschäftigten, die im Vorjahr Kreditverhandlungen führten, dass in ihren Gesprächen mit Banken und Sparkassen auch Nachhaltigkeit thematisiert wurde. Das waren drei Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Bei den größeren Mittelständlern waren es sogar 37 Prozent und damit ebenfalls drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
„Es ist davon auszugehen, dass Banken und Sparkassen aufgrund regulatorischer Anforderungen künftig bei Kreditverhandlungen noch stärker auf Nachhaltigkeitsaspekte schauen werden. Für mittelständische Unternehmen aller Größenklassen ist es daher unerlässlich, sich intensiv mit ihrem Nachhaltigkeitsprofil auseinanderzusetzen und Nachhaltigkeitsdaten strukturiert zu erfassen“, kommentiert Dr. Juliane Gerstenberger, Mittelstandsexpertin bei KfW Research, die Befragung.
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Klare Vorgaben fehlen noch
Doch welche Nachhaltigkeitsinformationen sind im Rahmen des Kreditgeschäfts relevant? Und wie können auch Unternehmen, die noch nicht der Berichtspflicht unterliegen, diese zusammentragen, um den ESG-Anforderungen ihrer Bankpartner gerecht werden zu können? Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hat dafür 2025 Leitlinien zum Management von ESG-Risiken vorgelegt. Im gleichen Jahr veröffentlichte die EU-Kommission mit dem „Voluntary SME-Standard“ einen freiwilligen Nachhaltigkeitsberichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen (englisch: SME, Small and Medium Enterprises). Damit sollen Unternehmen, die (noch) nicht der Berichtspflicht unterliegen, bei der Dokumentation ihrer Nachhaltigkeitsziele unterstützt werden.
Tipp: Um die Harmonisierung von ESG-Datenabfragen bei Unternehmen weiter voranzutreiben, haben die Verbände der privaten und öffentlichen Banken (Bankenverband und VÖB) sowie der Versicherungswirtschaft (GDV) mit Unterstützung von realwirtschaftlichen Verbänden, etwa dem Verband Deutscher Treasurer (VDT), einen gemeinsamen ESG-Datenkatalog für Großunternehmen entwickelt. Zielgruppe des Datenkatalogs sind Unternehmen, die durch die CSRD verpflichtet werden, über Nachhaltigkeitsaspekte zu berichten. Er kann kostenlos von der Website des Bankenverbands heruntergeladen werden.
Nachhaltig handeln – Finanzierungskosten senken
Fest steht, dass der Faktor Nachhaltigkeit beim Thema Unternehmensfinanzierung weiter an Gewicht gewinnen wird. Grundsätzlich sollten für Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit jedoch nicht allein regulatorische Anforderungen und günstigere Finanzierungen im Fokus stehen. Vielmehr geht es um gesellschaftliche und ökologische Verantwortung und allem voran um den Erhalt eines lebenswerten Planeten – eine globale Herausforderung, die viele Firmen durch ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten bereits aktiv angehen.
Stand: Februar 2026; alle Angaben ohne Gewähr.
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