Ab dem 27. Mai bis 30. Mai kann es zu Streikmaßnahmen bei der Postbank kommen. Wir bitten Sie eventuelle Einschränkungen zu entschuldigen. Weitere Informationen finden Sie hier
Pendler*innen: Hier lohnt sich der Wohnungskauf im Stuttgarter Umland
Trotz vielerorts sinkender Immobilienpreise liegen diese vor allem in den größten Städten der Republik nach wie vor auf sehr hohem Niveau. Wer sich somit für den Kauf einer Eigentumswohnung im Speckgürtel und nicht in der Innenstadt einer Metropole entscheidet, kann weiterhin Geld sparen. In Stuttgart kostete der Quadratmeter 2023 durchschnittlich 4.868 Euro. Damit mussten Käufer*innen in der Neckarmetropole im Schnitt mindestens knapp 800 Euro pro Quadratmeter mehr ausgeben als für eine durchschnittliche Immobilie in den umliegenden Landkreisen und kreisfreien Städten.
Im Umland zu wohnen und in der Stuttgarter Innenstadt zu arbeiten, hat jedoch nicht nur Vorteile: Durch den längeren Arbeitsweg fallen zusätzliche Kosten für Treibstoff oder Zugticket an und es muss mehr Zeit eingeplant werden. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank eine Modellrechnung entwickelt, mit der sich diese Pendelkosten beziffern lassen. Der Postbank Wohnatlas 2024 zeigt, wie viele Jahre sich der Immobilienerwerb im Umland rechnet und wann der Kostenvorteil beim Kauf durch die erhöhten Pendelkosten aufgezehrt ist. Im Modell pendelt je Haushalt ein*e Arbeitnehmer*in. Dabei wurde auch der Faktor Homeoffice mit drei statt fünf Pendeltagen pro Woche einberechnet sowie größere Wohnungen etwa für Familien berücksichtigt.
Verglichen wurde jeweils der Kauf einer durchschnittlich teuren 70-Quadratmeter-Wohnung sowie einer 120-Quadratmeter-Wohnung in Stuttgart zur Selbstnutzung mit dem Erwerb einer gleich großen Wohnung in den größten Ortschaften der fünf Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr-Kreis. Aus den Landkreisen wurden neben den jeweils vier bevölkerungsreichsten Städten alle Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohner*innen in die Analyse einbezogen. Insgesamt wurden 26 Städte im Umland Stuttgarts betrachtet. Käufer*innen sollten jedoch mit einem Preisaufschlag auf den Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises im Umland für verkehrsgünstig gelegene Wohnungen rechnen, da diese deutlich teurer sind als Immobilien in abgelegenen Ortschaften. Diesen Aufschlag haben die Expert*innen mit 20 Prozent kalkuliert.
Der Kaufpreisvorteil im Speckgürtel wurde mit den jährlichen Pendelkosten verrechnet. Dabei haben die Expert*innen neben den Kosten für das Ticket im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder für das Auto inklusive Treibstoff auch den höheren Zeitaufwand einbezogen. Die Kosten für die Fahrt mit dem Auto liegen nach Abzug von Steuervergünstigungen durch die Pendler*innenpauschale bei 0,45 Euro pro Kilometer und ab 21 Kilometer einfache Entfernung bei 0,43 Euro. Die Fahrt mit Bus und Bahn wird mit 0,13 Euro pro Kilometer und ab 21 Kilometer mit 0,12 Euro pro Kilometer veranschlagt. Die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV wurden durch die Einführung des 49-Euro-Tickets nach Abzug von Steuervergünstigungen auf 540 Euro gedeckelt.
Keine längerfristigen Preisvorteile im Umland für Käufer*innen von 70-Quadratmeter-Wohnungen
Wird jeweils eine 70-Quadratmeter-Wohnung verglichen, profitieren Pendler*innen aufgrund der geringen Preisunterschiede zwischen Metropole und Umland in keiner der angrenzenden Städte und Gemeinden länger als 25 Jahre. Am ehesten lohnt sich der Umzug in die 32 Kilometer entfernte Stadt Ebersbach an der Fils im Landkreis Göppingen: Wer den Arbeitsweg jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, hat den Kaufpreisvorteil der östlich von Stuttgart gelegenen Stadt gegenüber der Metropole nach 14,1 Jahren aufgebraucht, bei täglicher Fahrt mit dem Auto schrumpft diese Zeitspanne auf 6,6 Jahre. Für Arbeitnehmer mit Homeofficemöglichkeit, die dreimal in der Woche nach Stuttgart mit öffentlichen Verkehrsmitteln pendeln, erhöht sich der Zeitraum auf 22,5 Jahre. Durchschnittskäufer*innen sollten jedoch darauf achten, dass die erhöhten Pendelkosten mindestens 25 Jahre lang durch die Kaufpreisersparnisse gedeckt werden. Dies entspricht in der Regel der restlichen Lebensarbeitszeit eines Immobilienkäufers oder einer Immobilienkäuferin, der oder die in Deutschland im Durchschnitt 40 Jahre alt ist. Unter diesen Voraussetzungen lohnt sich der Umzug in keine Umlandkommune.
„Der Speckgürtel Stuttgarts ist im Vergleich zu allen anderen Metropolregionen in Deutschland eher ungeeignet für Käufer*innen von 70-Quadratmeter-Wohnungen, die sich einen Preisvorteil vom Umzug erhoffen. Das Pendeln, also das Arbeiten im Zentrum und Wohnen im Umland, ist aufgrund der geringen Kaufpreisunterschiede nur im Einzelfall die bessere Wahl“, sagt Manuel Beermann, verantwortlich für das Immobiliengeschäft der Postbank. „Immobilieninteressierte sollten sich den Wohnungskauf im Umland keinesfalls schönrechnen. Als Überbrückung bis zu einem neuen Job oder dem Ruhestand können Nachteile durch längere Arbeitswege und weniger Freizeit aber kurzfristig in Kauf genommen werden.“
Im Landkreis Ludwigsburg liegen die Immobilienpreise mit einem Aufschlag von 20 Prozent für zentrale Lagen sogar noch über dem Durchschnittspreis der Landeshauptstadt. In Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen, Kornwestheim, Vaihingen an der Enz, Remseck am Neckar und Ditzingen zahlen Immobilienkäufer*innen durchschnittlich 4.919 Euro pro Quadratmeter und damit rund 50 Euro mehr als im Durchschnitt in Stuttgart. Im Landkreis Böblingen liegen die Quadratmeterpreise mit durchschnittlich 4.898 Euro rund 30 Euro über denen der Neckarmetropole. Rein rechnerisch lohnt sich für Beschäftigte mit Arbeitsplatz in Stuttgart ein Kauf von verkehrsgünstig gelegenen Wohnungen in diesen Landkreisen daher nur in Ausnahmefällen. „Die sinnvollere Option könnte darin liegen, in Stuttgart nach Wohnungen zu suchen, deren Preis unter dem Durchschnittspreis der Landeshauptstadt liegt“, sagt Beermann.
Familien und Haushalte mit viel Platzbedarf profitieren in Ebersbach an der Fils
Kinderzimmer, ein größerer Esstisch, mehr Stauraum und ein Arbeitsplatz: Vor allem Familien benötigen viel Platz – was in Stuttgart nicht leicht zu finden und mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Wer sich stattdessen für eine 120-Quadratmeter-Wohnung im Umland entscheidet und täglich mit Bus und Bahn in die City pendelt, profitiert über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren in keiner Umlandstadt vom günstigeren Kaufpreis. Immerhin nah dran sind ÖPNV-Pendler*innen in Ebersbach an der Fils. 24,1 Jahre dauert es dort, bis die Ersparnis durch günstigere Quadratmeterpreise durch die Fahrtkosten aufgezehrt wird. Für Auto-Pendler*innen halbiert sich die Zeitspanne auf 11,2 Jahre. Auch in Göppingen ist die 25-Jahres-Grenze noch in Reichweite. Dort hält der Kaufpreisvorteil 20,6 Jahre an, wenn die Pendler*innen Bus und Bahn nutzen. Mit dem Auto sind es nur 9,1 Jahre. Die Fahrt in die 44 Kilometer entfernte Hohenstaufenstadt Göppingen dauert mit öffentlichen Verkehrsmitteln allerdings 32 Minuten. Autopendler*innen verbringen im Schnitt 40 Minuten auf der Straße.
Pendler*innen mit Homeoffice-Option profitieren in drei Umlandstädten
Mobiles Arbeiten und Homeoffice sind seit der Corona-Pandemie aus der Berufswelt nicht mehr wegzudenken und gehören zum Standard in vielen Jobs. Vor diesem Hintergrund haben die Expert*innen des HWWI berechnet, wie lange Käufer*innen vom günstigeren Umlandpreis profitieren, wenn sie mit zwei Homeoffice-Tagen pro Woche planen können und der Preis außerdem 20 Prozent über dem kreisweiten Durchschnitt liegt. Das Ergebnis: Der Kauf einer 120-Quadratmeter-Eigentumswohnung rentiert sich in drei der untersuchten 26 Umland-Regionen mehr als 25 Jahre lang. Besonders Ebersbach an der Fils ist einen Blick wert. Dort dauert es 38,6 Jahre, bis der günstigere Quadratmeterpreis durch das längere Pendeln mit Bus und Bahn aufgebraucht ist. In Göppingen profitieren ÖPNV-Nutzer*innen 33,2 Jahre und in Fellbach 26,6 Jahre. Mit dem Auto ist der Vorteil bereits jeweils nach etwa der Hälfte der Zeit aufgebraucht.
„Pendler*innen sind oft finanziell bessergestellt als Stadtbewohner*innen, wenn sie für Familie oder Hobby ohnehin mehr Platz benötigen. Ist zudem im Umland noch Homeoffice möglich, steigen die Chancen, dass sich der Umzug rechnet“, sagt Postbank-Immobilienexperte Beermann. „Zu bedenken ist etwa, dass Pendler*innen weniger Zeit mit ihrer Familie oder Hobbys verbringen können. Der Pendelkostenrechner hilft Kaufinteressierten bei der Entscheidung für den Umzug ins Umland.“
Was Pendeln wirklich kostet: So funktioniert die Modellrechnung
Ausgangspunkt für die Modellrechnung sind die kalkulatorischen Kosten für den Kauf einer 70 Quadratmeter beziehungsweise 120 Quadratmeter großen Eigentumswohnung aus dem Bestand zuzüglich Notargebühren (2 Prozent vom Kaufpreis) und Grunderwerbssteuer in Stuttgart und im jeweiligen Umlandkreis. Der Erwerb erfolgt zum jeweiligen Durchschnittspreis des Jahres 2023, wobei in den Umlandstädten der Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises zugrunde gelegt wird. Da verkehrsgünstig gelegene Wohnlagen besonders begehrt sind und nur in den seltensten Fällen zum Durchschnittspreis des Landkreises erworben werden können, sollten sich Pendler*innen bei der Standortsuche an den Ergebnissen der Berechnungen mit Preisaufschlägen von 20 Prozent auf den Durchschnittspreis der jeweiligen Landkreise bei nicht kreisfreien Städten orientieren.
Es pendelt jeweils eine Person des Haushalts vom Umland in die Metropole. Für die Kalkulation wird angenommen, dass die Fahrtzeiten für Stadtbewohner*innen innerhalb der City identisch sind mit denen der Pendler*innen von der Haustür zum Bahnhof der betreffenden Stadt und vom Stuttgarter Hauptbahnhof zum Arbeitsplatz. Zusätzliche Zeiten entstehen für Pendler*innen also vom Umland-Bahnhof zum Stuttgarter Hauptbahnhof. Analysiert wurden sowohl die Fahrtzeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) als auch mit dem Auto.
Die Pendelkosten setzen sich aus den Ticketpreisen für Bus und Bahn beziehungsweise den laufenden Kosten für das Auto pro Kilometer zusammen. Hinzu kommen die Zeitkosten: Der zusätzliche Zeitaufwand durch das Pendeln vom Umland in die Metropole wurde mit dem im Mittel in Stuttgart erzielten Bruttolohn im Jahr 2022 (30,24 Euro je Stunde) bewertet. Darüber hinaus wurde eine weitere Variante berechnet: Eine Homeoffice-Lösung erlaubt es Berufspendelnden, nur noch an drei statt an fünf Tagen pro Woche ins Büro zu fahren (130 statt 220 Tage im Jahr).
Hintergrundinformationen zum Postbank Wohnatlas 2024
Der Postbank Wohnatlas ist eine jährlich erscheinende, mehrteilige Studienreihe, die den deutschen Immobilienmarkt unter verschiedenen Aspekten regional bis auf Kreisebene beleuchtet. Für die vorliegende Analyse, die den fünften Studienteil des diesjährigen Wohnatlas darstellt, wurde beim Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), die Immobilienpreisentwicklung in den 400 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten untersucht.
Annahmen und Berechnungen der Pendelkosten
- In der Gemeinde des Landkreises wird eine Eigentumswohnung von 70 oder 120 Quadratmetern zum Durchschnittspreis des Landkreises im Jahre 2023 erworben. Alternativ wird eine Eigentumswohnung von 70 oder 120 Quadratmetern in der Metropole zum Durchschnittpreis der Metropole im Jahre 2023 gekauft.
- Der berechnete Kaufpreis wird um Notargebühren von zwei Prozent sowie der derzeit im Bundesland geltenden Grunderwerbsteuer erhöht.
- Einsparungen beim Kauf einer Eigentumswohnung im Umland im Vergleich zu einem Kauf in der Metropole werden um notwendige Mobilitätskosten (direkte entfernungsabhängige Mobilitätskosten und bewerteter Zeitaufwand für das Pendeln), die durch den Umzug in das Umland entstehen, reduziert.
- Zusätzliche Mobilitätszeiten für Bewohner*innen des Umlandes gegenüber den Bewohner*innen der Metropole entstehen für den Weg vom Bahnhof der Umlandgemeinde zum Hauptbahnhof der Metropole. Alle Pendler*innen nehmen den Weg von Bahnhof zu Bahnhof.
- Als Pendelzeit für den einfachen Weg wird die kürzeste Reisezeit angesetzt, die mit dem jeweiligen Verkehrsmittel am Dienstagmorgen, den 13. Juni 2023, zwischen 7.00 Uhr und 8.30 Uhr erzielt werden konnte.
- Die Mobilitätszeiten für Hin- und Rückweg sind identisch.
- Bis (ab) 20 km liegen die Mobilitätskosten pro einfachem Entfernungskilometer nach Abzug der Steuervergünstigungen bei 0,45 (0,43) Euro für den Pkw und bei 0,13 (0,12) Euro für den ÖPNV. Durch die Einführung des 49-Euro-Tickets liegen die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV aktuell bei maximal 546 Euro nach Steuern (bei Ticketkosten von 588 Euro für das 49-Euro-Ticket) und werden in den Berechnungen auf diesen maximal möglichen Betrag gedeckelt.
- Der Zeitaufwand für das Pendeln wird mit dem Medianeinkommen von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten (brutto je Stunde) bewertet, der im Jahre 2022 in der Metropole erzielt wurde.
- Pro Haushalt pendelt ein*e Arbeitnehmer*in.