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Pendeln ins Münchner Umland: Hier lohnt sich der Immobilienkauf
Die Immobilienpreise liegen vor allem in den größten Städten nach wie vor auf sehr hohem Niveau – auch wenn sie im vergangenen Jahr bundesweit tendenziell gesunken sind. Somit lässt sich weiterhin Geld sparen, wenn sich der Interessierte für die Eigentumswohnung im Speckgürtel statt in der Innenstadt der Metropole entscheidet. In München kostete der Quadratmeter 2023 durchschnittlich 8.909 Euro. Damit mussten Käufer*innen in der bayerischen Landeshauptstadt im Schnitt mindestens 1.700 Euro pro Quadratmeter mehr ausgeben als für eine durchschnittliche Immobilie in den umliegenden Landkreisen.
Es hat aber nicht nur Vorteile, trotz Arbeitsplatz in der Münchner Innenstadt das Umland als Wohnort zu wählen: Durch den längeren Arbeitsweg fallen zusätzliche Kosten für Benzin oder Zugticket an und es muss mehr Zeit eingeplant werden. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank eine Modellrechnung entwickelt, mit der sich diese Pendelkosten beziffern lassen. Der Postbank Wohnatlas 2024 zeigt, wie viele Jahre sich der Immobilienerwerb im Umland rechnet und wann der Kostenvorteil beim Kauf durch die erhöhten Pendelkosten aufgezehrt ist. Im Modell pendelt je Haushalt ein*e Arbeitnehmer*in. Dabei wurde auch der Faktor Homeoffice mit drei statt fünf Pendeltagen pro Woche einberechnet sowie größere Wohnungen etwa für Familien berücksichtigt.
Verglichen wurde jeweils der Kauf einer durchschnittlich teuren 70-Quadratmeter-Wohnung sowie einer 120-Quadratmeter-Wohnung in München zur Selbstnutzung mit dem Erwerb einer gleich großen Wohnung in den größten Ortschaften der acht Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg. Aus den Landkreisen wurden neben den jeweils vier bevölkerungsreichsten Städten alle Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnern in die Analyse einbezogen. Insgesamt wurden 32 Städte und Gemeinden im Umland Münchens betrachtet. Käufer*innen sollten jedoch mit einem Preisaufschlag auf den Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises im Umland für verkehrsgünstig gelegene Wohnungen rechnen, da diese deutlich teurer als Immobilien in abgelegenen Ortschaften sind. Diesen Aufschlag haben die Expert*innen mit 20 Prozent kalkuliert.
Der Kaufpreisvorteil im Speckgürtel wurde mit den jährlichen Pendelkosten verrechnet. Dabei haben die Expert*innen neben den Kosten für das Ticket im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder für das Auto samt Benzin auch den höheren Zeitaufwand einbezogen. Die Kosten für die Fahrt mit dem Auto liegen nach Abzug von Steuervergünstigungen durch die Pendlerpauschale bei 0,45 Euro pro Kilometer und ab 21 Kilometer einfache Entfernung bei 0,43 Euro. Die Fahrt mit Bus und Bahn wird mit 0,13 Euro pro Kilometer und ab 21 Kilometer mit 0,12 Euro pro Kilometer veranschlagt. Die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV wurden durch Einführung des 49-Euro-Tickets nach Abzug von Steuervergünstigungen auf 540 Euro gedeckelt.
Dachau und Puchheim bieten am längsten Preisvorteile
Wird jeweils eine 70-Quadratmeter-Wohnung verglichen, profitieren Pendler*innen aus dem 19 Kilometer entfernten Dachau im gleichnamigen Landkreis am längsten vom günstigeren Wohnungskauf im Umland: Wer den Arbeitsweg jeden Tag mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegt, hat den Kaufpreisvorteil gegenüber der Metropole erst nach 42,6 Jahren aufgebraucht, bei täglicher Fahrt mit dem Auto schrumpft diese Zeitspanne auf nur noch 13,1 Jahre. Für den Durchschnittskäufer sollten die erhöhten Pendelkosten mindestens 25 Jahre lang durch die Kaufpreisersparnisse gedeckt werden. Dies entspricht in der Regel der restlichen Lebensarbeitszeit eines Immobilienkäufers, der in Deutschland im Durchschnitt 40 Jahre alt ist. Unter diesen Vorgaben lohnt sich das tägliche Pendeln für ÖPNV-Nutzer beim Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung in sieben Umlandstädten und -gemeinden von München, während für Autofahrer*innen keine Kommune unter diese Kriterien fällt.
Neben Dachau ist der Kaufpreisvorteil für ÖPNV-Pendler*innen auch in Puchheim und Fürstenfeldbruck (Fürstenfeldbruck), Kaufering und Geltendorf (Landsberg am Lech), Karlsfeld (Dachau) sowie Freising (Freising) nach 25 Jahren noch nicht aufgebraucht. Besonders die westlich von München gelegene Stadt Puchheim ist dabei einen Blick wert, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln dauert die Fahrt vom Münchner Hauptbahnhof nur 14 Minuten, Autofahrer*innen benötigen 30 Minuten für die 20 Kilometer. Der Preisvorteil beim Wohnungskauf in Puchheim rechnet sich für täglich pendelnde ÖPNV-Fahrer rund 39 Jahre lang. Im gleichen Landkreis liegt Fürstenfeldbruck, das in 17 Minuten mit dem ÖPNV erreicht werden kann und wo der Kaufpreisvorteil 33 Jahre anhält.
„Gut angebundene Umlandstädte wie Dachau, Puchheim, Fürstenfeldbruck und Karlsfeld sind für Kaufinteressierte einen Blick wert“, sagt Manuel Beermann, verantwortlich für das Immobiliengeschäft der Postbank. „Wer einen Immobilienkauf im Umland plant, sollte neben den günstigen Wohnungspreisen auch die Fahrtkosten und den Zeitaufwand einplanen – der Pendelkostenrechner liefert dafür einen Überblick. Darüber hinaus spielen aber auch persönliche Vorlieben, die individuelle Lage zu Kitas und Bahnhof sowie die Ausstattung der Wohnung eine Rolle.“
Täglich pendelnde Autofahrer*innen bleiben im Münchner Umland beim Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung in keiner der 32 untersuchten Regionen über der 25-Jahre-Marke. Am längsten dauert es mit 16,9 Jahren in Karlsfeld (Dachau), bis der Kaufpreisvorteil aufgezehrt ist. Doch auch dort sind Pendler*innen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich im Vorteil und profitieren fast doppelt so lange.
Familien und Haushalte mit viel Platzbedarf profitieren in vielen Umlandstädten
Kinderzimmer, ein größerer Esstisch, mehr Stauraum und ein Arbeitsplatz: Vor allem Familien benötigen viel Platz – was in München nicht leicht zu finden und mit nicht unerheblichen Kosten verbunden ist. Für Käufer*innen von 120 Quadratmeter großen Wohnungen im Umland rücken bei täglichem Pendeln mit dem Auto immerhin zwei Städte über die 25-Jahres-Grenze. Doch auch hier gilt: ÖPNV-Nutzer*innen haben länger etwas von dem Vorteil. Der direkte Vergleich zeigt, dass Autofahrer*innen in Karlsfeld 29 Jahre lang profitieren, mit dem ÖPNV jedoch 51,5 Jahre. In Germering (Fürstenfeldbruck) sind es beim Kfz 25,8 Jahre und für Bus- und Bahnfahrer*innen 41,6 Jahre, bis der Preisvorteil aufgebraucht ist.
Wer täglich mit Bus und Bahn in die City pendelt, profitiert in 20 Städten über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren vom günstigeren Kaufpreis. Neben den bereits genannten sieben Umlandstädten rücken bei größeren Wohnungen auch Germering und Olching (Fürstenfeldbruck), Grafing bei München, Vaterstetten, Poing und Ebersberg (Ebersberg), Eching, Moosburg an der Isar und Neufahrn bei Freising (Freising), Landsberg am Lech, Dießen am Ammersee (Landsberg am Lech) sowie Dorfen und Erding (Erding) in den Fokus von täglich Pendelnden.
Am längsten hält der Vorteil erneut in Dachau, wo rein rechnerisch rund 73 Jahre nötig sind, um die günstigeren Kaufpreise gegenüber der Metropole beim täglichen ÖPNV-Pendeln aufzubrauchen. Mit dem Auto dauert es nur 22,5 Jahre. Puchheim liegt auf Platz zwei, hier lohnt sich der tägliche Weg in die Metropole 67 Jahre lang, wenn Bus und Bahn genutzt werden. In Herrsching am Ammersee (Starnberg) ganz am unteren Ende der Liste hingegen sind es nur knapp drei Jahre. „Der Postbank Wohnatlas zeigt die großen Differenzen: In weit entfernten Städten in teuren Landkreisen haben Käufer*innen den Preisvorteil schnell verfahren. In anderen Regionen hält der Kaufpreisvorteil für größere Eigentumswohnungen so lange an, dass ein Kauf im Speckgürtel auch für jüngere Familien und Paare vorteilhaft ist, selbst wenn ein Mitglied der Familie das restliche Arbeitsleben täglich in die Großstadt pendelt“, sagt Beermann.
Allerdings sind einige der aufgeführten Städte weniger gut an München angebunden. Landsberg am Lech liegt 60 Kilometer vom Hauptbahnhof der Landeshauptstadt entfernt, Pendler*innen brauchen 45 Minuten mit Bus und Bahn. Die Strecke nach Dießen am Ammersee ist 54 Kilometer lang, ÖPNV-Fahrer*innen sind ab Bahnhof noch 50 Minuten unterwegs. Am längsten unter den 20 Top-Städten dauert die Fahrt mit 51 Minuten von Erding aus. Je nach Entfernung von Tür zur Tür (Arbeitsstätte und Wohnort) fällt weitere Zeit an, die gegebenenfalls mit Kosten verbunden ist (zum Beispiel für längere Kinderbetreuung). „Kaufinteressierte sollten neben den Quadratmeterpreisen auch einen Blick auf die Fahrtzeiten und die Häufigkeit der Verbindung werfen sowie unvorhergesehene Verspätungen einkalkulieren“, rät Beermann. „Diskutieren Sie ehrlich und möglichst unter Berücksichtigung aller Aspekte die Vor- und Nachteile alternativer Wohnorte. Und lassen Sie sich bei Fragen zu Lage, möglicher Wertentwicklung, Sanierungsbedarfen und Energieeffizienz professionell beraten.“
Homeoffice-Option rückt mehr Städte in den Fokus von Pendler*innen
Mobiles Arbeiten und Homeoffice sind seit der Corona-Pandemie aus der Berufswelt nicht mehr wegzudenken und gehören zum Standard in vielen Jobs. Vor diesem Hintergrund haben die Expert*innen des HWWI berechnet, wie lange Käufer*innen vom günstigeren Umlandpreis profitieren, wenn sie mit zwei Homeoffice-Tagen pro Woche planen können und der Preis außerdem 20 Prozent über dem kreisweiten Durchschnitt liegt. Das Ergebnis: Kann das Haushaltsmitglied, das zur Arbeit in die Münchner City pendelt, zwei Tage im Homeoffice arbeiten, rentiert sich der Kauf einer 120-Quadratmeter-Eigentumswohnung neben den bereits genannten 20 Kommunen in vier weiteren Städten und Gemeinden. Mit nur drei Pendel-Tagen dauert es auch bei Wohnungsbesitzer*innen aus Markt Indersdorf und Altomünster (Dachau), Oberding (Erding) sowie Unterhaching (München) mehr als 25 Jahre, um den Kaufpreisvorteil im Umland zu verfahren. Spitzenreiter bleibt Dachau mit rechnerisch rund 111 Jahren. In den vier Kommunen des vergleichsweise teuren Landkreises Starnberg lohnt der Kauf einer Eigentumswohnung für Pendler*innen jedoch auch bei einer 120-Quadratmeterwohnung, zwei Tagen Homeoffice und Nutzung des ÖPNV maximal 10,7 Jahre lang.
Wer sich mit 70 Quadratmetern im Umland begnügt, ist bei einer pendelnden Person mit zwei Tagen Homeoffice rein rechnerisch in 19 Wohnorten im Vorteil gegenüber Innenstadtbewohner*innen – bei Nutzung des ÖPNV. In Dachau dauert es 64,6 Jahre bis der Kaufpreisvorteil aufgebraucht ist.
Was Pendeln wirklich kostet: So funktioniert die Modellrechnung
Ausgangspunkt für die Modellrechnung sind die kalkulatorischen Kosten für den Kauf einer 70 Quadratmeter beziehungsweise 120 Quadratmeter großen Eigentumswohnung aus dem Bestand zuzüglich Notargebühren (2 Prozent vom Kaufpreis) und Grunderwerbssteuer in München und im jeweiligen Umlandkreis. Der Erwerb erfolgt zum jeweiligen Durchschnittspreis des Jahres 2023, wobei in den Umlandstädten und -gemeinden der Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises zugrunde gelegt wird. Da verkehrsgünstig gelegene Wohnlagen besonders begehrt sind und nur in den seltensten Fällen zum Durchschnittspreis des Landkreises erworben werden können, sollten sich Pendler*innen bei der Standortssuche an den Ergebnissen der Berechnungen mit Preisaufschlägen von 20 Prozent auf den Durchschnittspreis der jeweiligen Landkreise bei nicht kreisfreien Städten orientieren.
Es pendelt jeweils eine Person des Haushalts vom Umland in die Metropole. Für die Kalkulation wird angenommen, dass die Fahrtzeiten für Stadtbewohner*innen innerhalb der City identisch sind mit denen der Pendler*innen von der Haustür zum Bahnhof der betreffenden Stadt und vom Münchner Hauptbahnhof zum Arbeitsplatz. Zusätzliche Zeiten entstehen für Pendler*innen also vom Umland-Bahnhof zum Münchner Hauptbahnhof. Analysiert wurden sowohl die Fahrtzeiten mit öffentlichen Verkehrsmitteln (ÖPNV) als auch mit dem Auto.
Die Pendelkosten setzen sich aus den Ticketpreisen für Bus und Bahn beziehungsweise den laufenden Kosten für das Auto pro Kilometer zusammen. Hinzu kommen die Zeitkosten: Der zusätzliche Zeitaufwand durch das Pendeln vom Umland in die Metropole wurde mit dem im Mittel in München erzielten Bruttolohn im Jahr 2022 (30,85 Euro je Stunde) bewertet. Darüber hinaus wurde eine weitere Variante berechnet: Eine Homeoffice-Lösung erlaubt es dem Berufspendelnden, nur noch an drei statt an fünf Tagen pro Woche ins Büro zu pendeln (130 statt 220 Tage im Jahr).
Hintergrundinformationen zum Postbank Wohnatlas 2024
Der Postbank Wohnatlas ist eine jährlich erscheinende, mehrteilige Studienreihe, die den deutschen Immobilienmarkt unter verschiedenen Aspekten regional bis auf Kreisebene beleuchtet. Für die vorliegende Pendelanalyse wurde unter der Leitung von Diplom-Volkswirtin Dörte Nitt-Drießelmann, Senior Researcherin beim Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), die Immobilienpreisentwicklung in den 400 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten untersucht.
Annahmen und Berechnungen der Pendelkosten
- In der Gemeinde des Landkreises wird eine Eigentumswohnung von 70 oder 120 Quadratmetern zum Durchschnittspreis des Landkreises im Jahre 2023 erworben. Alternativ wird eine Eigentumswohnung von 70 oder 120 Quadratmetern in der Metropole zum Durchschnittpreis der Metropole im Jahre 2023 gekauft.
- Der berechnete Kaufpreis wird um Notargebühren von zwei Prozent sowie der derzeit im Bundesland geltenden Grunderwerbsteuer erhöht.
- Einsparungen beim Kauf einer Eigentumswohnung im Umland im Vergleich zu einem Kauf in der Metropole werden um notwendige Mobilitätskosten (direkte entfernungsabhängige Mobilitätskosten und bewerteter Zeitaufwand für das Pendeln), die durch den Umzug in das Umland entstehen, reduziert.
- Zusätzliche Mobilitätszeiten für Bewohner*innen des Umlandes gegenüber den Bewohnern der Metropole entstehen für den Weg vom Bahnhof der Umlandgemeinde zum Hauptbahnhof der Metropole. Alle Pendler*innen nehmen den Weg von Bahnhof zu Bahnhof.
- Als Pendelzeit für den einfachen Weg wird die kürzeste Reisezeit angesetzt, die mit dem jeweiligen Verkehrsmittel am Dienstagmorgen, den 13. Juni 2023, zwischen 7.00 Uhr und 8.30 Uhr erzielt werden konnte.
- Die Mobilitätszeiten für Hin- und Rückweg sind identisch.
- Bis (ab) 20 km liegen die Mobilitätskosten pro einfachem Entfernungskilometer nach Abzug der Steuervergünstigungen bei 0,45 (0,43) Euro für den PKW und bei 0,13 (0,12) Euro für den ÖPNV. Durch die Einführung des 49-Euro-Tickets liegen die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV aktuell bei maximal 546 Euro nach Steuern (bei Ticketkosten von 588 Euro für das 49-Euro-Ticket) und werden in den Berechnungen auf diesen maximal möglichen Betrag gedeckelt.
- Der Zeitaufwand für das Pendeln wird mit dem Medianeinkommen von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten (Brutto je Stunde) bewertet, der im Jahre 2022 in der Metropole erzielt wurde.
- Pro Haushalt pendelt ein*e Arbeitnehmer*in.