Die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind 2025 erstmals wieder leicht (+0,6 Prozent) gestiegen. Vor allem in den Großstädten befinden sie sich seit Jahren auf einem hohen Niveau und sollen künftig weiter steigen. Wer sich dagegen für den Kauf einer Wohnung im Umland statt in der Innenstadt einer Metropole entscheidet, kann viel Geld sparen. Während die durchschnittlichen Quadratmeterpreise für Bestandswohnungen in Frankfurt am Main bei 6.293 Euro lagen, waren Eigentumswohnungen in den Umlandkreisen im Schnitt mindestens 2.000 Euro pro Quadratmeter günstiger.
Doch wer außerhalb der Mainmetropole wohnt, darf die zusätzlichen Kosten für Kraftstoff, Ladestrom oder das Ticket im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nicht außer Acht lassen. Zudem kostet der Arbeitsweg in die Frankfurter Innenstadt nicht nur zusätzliches Geld, sondern auch mehr Zeit. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank eine Modellrechnung für die Pendelkosten entwickelt. Der Postbank Wohnatlas 2026 zeigt, wie viele Jahre sich der Immobilienerwerb im Umland lohnt und wann die erhöhten Pendelkosten den Preisvorteil aufgezehrt haben. Im Modell pendelt je Haushalt eine Person zur Arbeit. Neben einer Vollzeittätigkeit wurde auch der Faktor Homeoffice oder Teilzeit mit drei statt fünf Pendeltagen pro Woche berücksichtigt.
Die Untersuchung des HWWI vergleicht den Kauf einer durchschnittlich teuren 70 Quadratmeter bzw. 120 Quadratmeter großen Wohnung in Frankfurt zur Selbstnutzung mit gleich großen Immobilien in Offenbach am Main sowie in den größten Ortschaften der sechs Landkreise Groß-Gerau, Hochtaunus, Main-Kinzig, Main-Taunus, Offenbach und Wetterau. Neben den jeweils vier bevölkerungsreichsten Städten wurden aus den Landkreisen alle Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner in die Analyse einbezogen. Insgesamt hat das HWWI somit 35 Städte und Gemeinden im Umland Frankfurts untersucht. Da Immobilien in verkehrsgünstig gelegenen größeren Ortschaften im Umland deutlich teurer sind als in abgelegenen kleineren Gemeinden, gingen die Fachleute bei ihren Analysen von einem Preisaufschlag von 20 Prozent auf den Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises aus.
Darüber hinaus hat das HWWI den Kaufpreisvorteil im Speckgürtel mit den jährlichen Pendelkosten gegengerechnet. In die Rechnung fließen neben Kosten für die ÖPNV-Nutzung oder für das Fahrzeug inklusive Kraftstoff bzw. Ladestrom auch der höhere Zeitaufwand fürs Pendeln ein. Die Kosten für die Autofahrt liegen nach Abzug der Steuervergünstigungen durch die Entfernungspauschale bei 0,47 Euro pro Kilometer und ab einer einfachen Entfernung von 21 Kilometern bei 0,45 Euro. Die Fahrt mit Bus und Bahn wird mit 0,14 Euro pro Kilometer veranschlagt, ab 21 Kilometern beträgt der Preis 0,12 Euro pro Kilometer. Durch das Deutschland-Ticket sind die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV nach Abzug von Steuervergünstigungen auf 673 Euro gedeckelt.
Pendeln per ÖPNV bietet den längsten Preisvorteil
Beim Vergleich einer 70-Quadratmeter-Wohnung in Frankfurt mit einer gleich großen Immobilie in den größten Umlandkommunen liegt das zehn Kilometer entfernte Offenbach am Main vorn: Pendelnde profitieren dort am längsten vom günstigeren Wohnungskauf. Bei 220 Pendeltagen pro Jahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Preisvorteil erst nach 39,8 Jahren aufgebraucht. Bei der Fahrt mit dem Auto schrumpft die Zeitspanne auf nur noch 14,4 Jahre. In der Modellrechnung wird davon ausgegangen, dass ein Kauf im Umland vorteilhaft ist, wenn die erhöhten Pendelkosten mindestens 25 Jahre durch Kaufpreisersparnisse gedeckt werden. Dies entspricht in der Regel der restlichen Lebensarbeitszeit von Immobilienkäuferinnen und -käufern, die in Deutschland im Durchschnitt 40 Jahre alt sind. Unter diesen Bedingungen lohnt sich das Pendeln für Vollzeitarbeitskräfte, die Bus und Bahn aber kein Homeoffice nutzen, beim Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung in vier Umlandstädten von Frankfurt, für Autofans dagegen in keiner.
Die zweite Stadt im Speckgürtel mit Vorteilen für Personen, die täglich mit dem ÖPNV in die Frankfurter Innenstadt fahren, ist das nur neun Kilometer entfernte Neu-Isenburg (Landkreis Offenbach). Von dort kann die Mainmetropole in etwa 16 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Der Quadratmeter kostet rund 2.100 Euro weniger als in Frankfurt – dieser Preisvorteil hält dort 31,8 Jahre lang an. Auch Dreieich (Offenbach) und Mörfelden-Waldorf (Groß-Gerau) liegen über der 25-Jahres-Marke.
„Wer im Umland kaufen will, sollte nicht nur auf den günstigen Quadratmeterpreis schauen, sondern auch den Pendelkostenrechner zu Rate ziehen“, sagt Manuel Beermann, Leiter Produktmanagement Immobilien der Privatkundenbank in Deutschland. „Aus Offenbach, Neu-Isenburg, Dreieich und Eschborn ist Frankfurt in unter 20 Minuten mit dem ÖPNV zu erreichen. Dadurch kann sich der Umzug gegenüber der Innenstadtlage länger rentieren. Denn für Pendelnde zählen auch Fahrtkosten und Zeitaufwand. Genauso wichtig sind persönliche Vorlieben, etwa die Nähe zu Kitas und Bahnhof und die Ausstattung der Wohnung.“
Eschborn ist zwar, wie Offenbach, nur zehn Kilometer von Frankfurt entfernt und in 17 Minuten mit der Bahn erreichbar, aber der höhere Quadratmeterpreis im Main-Taunus-Kreis lässt die Stadt unter die 25-Jahres-Grenze sinken. Andersherum ist es in Gelnhausen und Bruchköbel (beide Main-Kinzig-Kreis): Hier liegen die Quadratmeterpreise zwar deutlich unter denen in Frankfurt, doch der Fahrtweg ist mit 40 bzw. 43 Minuten deutlich länger. Maintal ist trotz geringer Entfernung von 14 Kilometern so schlecht an Frankfurt angebunden, dass Fahrerinnen und Fahrer des ÖPNV knapp 49 Minuten benötigen.