Die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind 2025 erstmals wieder leicht (+0,6 Prozent) gestiegen. Vor allem in den Großstädten befinden sie sich seit Jahren auf einem hohen Niveau und sollen künftig weiter steigen. Wer sich dagegen für den Kauf einer Wohnung im Umland statt in der Innenstadt einer Metropole entscheidet, kann viel Geld sparen. Während die durchschnittlichen Quadratmeterpreise für Bestandswohnungen in München bei 9.070 Euro lagen, waren Eigentumswohnungen in den Umlandkreisen im Schnitt mindestens 2.200 Euro pro Quadratmeter günstiger.
Doch wer außerhalb der bayerischen Metropole wohnt, darf die zusätzlichen Kosten für Kraftstoff, Ladestrom oder das Ticket im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nicht außer Acht lassen. Zudem kostet der Arbeitsweg in die Münchner Innenstadt nicht nur zusätzliches Geld, sondern auch mehr Zeit. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank eine Modellrechnung für die Pendelkosten entwickelt. Der Postbank Wohnatlas 2026 zeigt, wie viele Jahre sich der Immobilienerwerb im Umland lohnt und wann die erhöhten Pendelkosten den Preisvorteil aufgezehrt haben. Im Modell pendelt je Haushalt eine Person zur Arbeit. Neben einer Vollzeittätigkeit wurde auch der Faktor Homeoffice oder Teilzeit mit drei statt fünf Pendeltagen pro Woche berücksichtigt.
Die Untersuchung des HWWI vergleicht den Kauf einer durchschnittlich teuren 70 Quadratmeter bzw. 120 Quadratmeter großen Wohnung in München zur Selbstnutzung mit gleich großen Immobilien in den größten Ortschaften der acht Landkreise Dachau, Ebersberg, Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, München und Starnberg. Neben den jeweils vier bevölkerungsreichsten Städten wurden aus den Landkreisen alle Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner in die Analyse einbezogen. Insgesamt hat das HWWI somit 33 Städte und Gemeinden im Umland Münchens untersucht. Da Immobilien in verkehrsgünstig gelegenen größeren Ortschaften im Umland deutlich teurer sind als in abgelegenen kleineren Gemeinden, gingen die Fachleute bei ihren Analysen von einem Preisaufschlag von 20 Prozent auf den Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises aus.
Darüber hinaus hat das HWWI den Kaufpreisvorteil im Speckgürtel mit den jährlichen Pendelkosten gegengerechnet. In die Rechnung fließen neben Kosten für das ÖPNV-Ticket oder für das Fahrzeug inklusive Kraftstoff bzw. Ladestrom auch der höhere Zeitaufwand fürs Pendeln ein. Die Kosten für die Autofahrt liegen nach Abzug der Steuervergünstigungen durch die Entfernungspauschale bei 0,47 Euro pro Kilometer und ab einer einfachen Entfernung von 21 Kilometern bei 0,45 Euro. Die Fahrt mit Bus und Bahn wird mit 0,14 Euro pro Kilometer veranschlagt, ab 21 Kilometern beträgt der Preis 0,12 Euro pro Kilometer. Durch das Deutschland-Ticket sind die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV nach Abzug von Steuervergünstigungen auf 673 Euro gedeckelt.
Karlsfeld und Dachau bieten den längsten Preisvorteil beim Pendeln per ÖPNV
Beim Vergleich einer 70-Quadratmeter-Wohnung in der Metropole mit einer gleich großen Immobilie in den größten Umlandkommunen liegt das nur 14 Kilometer entfernte Karlsfeld (Landkreis Dachau) vorn: Pendelnde profitieren dort am längsten vom günstigeren Wohnungskauf. Bei 220 Pendeltagen pro Jahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Preisvorteil erst nach 32 Jahren aufgebraucht. Für Autofahrerinnen und Autofahrer schrumpft die Zeitspanne auf 20,2 Jahre. Damit sich ein Kauf im Umland lohnt, sollten die erhöhten Pendelkosten mindestens 25 Jahre lang durch die Kaufpreisersparnisse gedeckt werden. Dies entspricht in der Regel der restlichen Lebensarbeitszeit von Immobilienkäuferinnen und -käufern, die in Deutschland im Durchschnitt 40 Jahre alt sind. Unter diesen Bedingungen lohnt sich das Pendeln für Vollzeitarbeitskräfte, die Bus und Bahn aber kein Homeoffice nutzen, beim Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung in drei Umlandstädten von München, für Autofans dagegen in keiner.
Neben Karlsfeld können auch Dachau und Germering Vorteile für Pendelnde bieten, die täglich mit dem ÖPNV in die Münchner Innenstadt fahren. Vom im gleichnamigen Landkreis gelegenen Dachau kann die Metropole in knapp über 20 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Der Quadratmeter kostet rund 2.500 Euro weniger als in der bayerischen Landeshauptstadt – dieser Preisvorteil hält dort 28,5 Jahre lang an. In Germering im Landkreis Fürstenfeldbruck ist der Vorteil des günstigeren Wohnungskaufs unter den gegebenen Bedingungen nach 26,4 Jahren aufgebraucht. Die Fahrt zum Münchner Hauptbahnhof dauert mit dem ÖPNV rund 22 Minuten.