Die Kaufpreise für Wohnimmobilien in Deutschland sind 2025 erstmals wieder leicht (+0,6 Prozent) gestiegen. Vor allem in den Großstädten befinden sie sich seit Jahren auf einem hohen Niveau und sollen künftig weiter steigen. Wer sich dagegen für den Kauf einer Wohnung im Umland statt in der Innenstadt einer Metropole entscheidet, kann viel Geld sparen. Während die durchschnittlichen Quadratmeterpreise für Bestandswohnungen in Berlin bei 5.796 Euro lagen, waren Eigentumswohnungen in den Umlandkreisen im Schnitt mindestens 1.900 Euro pro Quadratmeter günstiger. Ausnahme ist die Stadt Potsdam, in der Eigentumswohnungen sogar rund 100 Euro mehr pro Quadratmeter kosten als Immobilien in der Hauptstadt.
Doch wer außerhalb Berlins wohnt, darf die zusätzlichen Kosten für Kraftstoff, Ladestrom oder das Ticket im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) nicht außer Acht lassen. Zudem kostet der Arbeitsweg in die Berliner Innenstadt nicht nur zusätzliches Geld, sondern auch mehr Zeit. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat für die Postbank eine Modellrechnung für die Pendelkosten entwickelt. Der Postbank Wohnatlas 2026 zeigt, wie viele Jahre sich der Immobilienerwerb im Umland lohnt und wann die erhöhten Pendelkosten den Preisvorteil aufgezehrt haben. Im Modell pendelt je Haushalt eine Person zur Arbeit. Neben einer Vollzeittätigkeit wurde auch der Faktor Homeoffice oder Teilzeit mit drei statt fünf Pendeltagen pro Woche berücksichtigt.
Die Untersuchung des HWWI vergleicht den Kauf einer durchschnittlich teuren 70 Quadratmeter bzw. 120 Quadratmeter großen Wohnung in Berlin zur Selbstnutzung mit gleich großen Immobilien in den größten Ortschaften der acht Landkreise Barnim, Dahme-Spreewald, Havelland, Märkisch-Oderland, Oberhavel, Oder-Spree, Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Neben den jeweils vier bevölkerungsreichsten Städten wurden aus den Landkreisen alle Kommunen mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner in die Analyse einbezogen. Insgesamt hat das HWWI somit 34 Städte und Gemeinden im Umland Berlins untersucht. Da Immobilien in verkehrsgünstig gelegenen größeren Ortschaften im Umland deutlich teurer sind als in abgelegenen kleineren Gemeinden, kalkulierten die Fachleute bei ihren Analysen für diese Orte mit einem Preisaufschlag von 20 Prozent auf den Durchschnittspreis des jeweiligen Landkreises.
Darüber hinaus hat das HWWI den Kaufpreisvorteil im Speckgürtel mit den jährlichen Pendelkosten gegengerechnet. In die Rechnung fließen neben Kosten für das ÖPNV-Ticket oder für das Fahrzeug inklusive Kraftstoff bzw. Ladestrom auch der höhere Zeitaufwand fürs Pendeln ein. Die Kosten für die Autofahrt liegen nach Abzug der Steuervergünstigungen durch die Entfernungspauschale bei 0,47 Euro pro Kilometer und ab einer einfachen Entfernung von 21 Kilometern bei 0,45 Euro. Die Fahrt mit Bus und Bahn wird mit 0,14 Euro pro Kilometer veranschlagt, ab 21 Kilometern beträgt der Preis 0,12 Euro pro Kilometer. Durch das Deutschland-Ticket sind die jährlichen Mobilitätskosten im ÖPNV nach Abzug von Steuervergünstigungen auf 673 Euro gedeckelt.
Pendeln per ÖPNV bietet den längsten Preisvorteil
Beim Vergleich einer 70-Quadratmeter-Wohnung in der Metropole mit einer gleich großen Immobilie in den größten Umlandkommunen liegt das 22 Kilometer entfernte Blankenfelde-Mahlow (Landkreis Teltow-Fläming) vorn: Wer pendelt, profitieren dort am längsten vom günstigeren Wohnungskauf. Bei 220 Pendeltagen pro Jahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Preisvorteil erst nach 28,4 Jahren aufgebraucht. Bei der Fahrt mit dem Auto schrumpft die Zeitspanne dagegen auf 8,4 Jahre. Damit sich ein Kauf im Umland lohnt, sollten die erhöhten Pendelkosten mindestens 25 Jahre lang durch die Kaufpreisersparnisse gedeckt werden. Dies entspricht in der Regel der restlichen Lebensarbeitszeit von Käuferinnen und Käufern von Immobilien, die in Deutschland im Durchschnitt 40 Jahre alt sind. Unter diesen Bedingungen lohnt sich das Pendeln für Vollzeitarbeitskräfte, die Bus und Bahn aber kein Homeoffice nutzen, beim Kauf einer 70-Quadratmeter-Wohnung in zwei Umlandstädten von Berlin, für Autofans dagegen in keiner.
Die zweite Stadt im Speckgürtel mit Vorteilen für Pendelnde, die täglich mit dem ÖPNV in die Berliner Innenstadt fahren, ist Bernau bei Berlin. Der Quadratmeter kostet rund 2.140 Euro weniger als in der Hauptstadt – dieser Preisvorteil hält dort 25,8 Jahre lang an.